An den Wassern der Haide

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Textdaten
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Autor: Guido Hammer
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Titel: An den Wassern der Haide
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 688-691
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Gesühntes Jagdvergehen
Wild-, Wald- und Waidmannsbilder Nr. 36
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[688]
Wild-, Wald- und Waidmannsbilder.
Nr. 36. An den Wassern der Haide.
Von Guido Hammer.


Tiefe Finsterniß deckte bereits die weite Natur, als ich eines rauhen Herbstabends an einem dürftigen Haltepunkte der oberschlesischen Eisenbahn, nahe der polnischen Grenze, ausstieg, um hier ein für mich bereitgehaltenes Geschirr zu besteigen. Ich wollte mit diesem noch über eine Meile Weges hinein in das mir noch gänzlich unbekannte Land fahren, wo ich auf Anordnung des betreffenden Domänenbesitzers in einer Försterei Unterkommen zu nehmen hatte, um von hier aus eine in der Nähe liegende, mir besonders bezeichnete Waldpartie behufs eines Jagdbildes aufzunehmen. Freundlich wurde ich von dem mich schon erwartenden Waidmann willkommen geheißen und echt gastlich aufgenommen, als ich mit den dampfenden Pferden – sie waren gelaufen, als gälte es einer Hatze – vor dem einsamen, inmitten alter Föhren und Erlen gelegenen Forsthause ankam. Nach einem für mich bereitgehaltenen schmackhaften Nachtimbiß, wobei ich in kürzester Frist und angenehmster Weise die ganze Liebenswürdigkeit meines [689] im kräftigsten Mannesalter stehenden Wirthes kennen lernte, suchte ich, denn es war schon spät geworden, mein Lager im oberen Giebelstübchen auf, um des anderen Morgens recht früh schon auf den Beinen sein und dann sofort meine Studie in Angriff nehmen zu können.

Schon mit Tagesgrauen war ich munter, und rasch mich ankleidend, musterte ich, soweit sich solches bereits thun ließ, die noch in magischem Dämmerschein und in tiefster Stille vor mir

Die Gartenlaube (1872) b 689.jpg

Ein nasses Grab.
Originalzeichnung von Guido Hammer.

liegende Landschaft durch das kleine Fenster, welches von außen von den goldlaubigen Zweigen eines Birnbaumes – des einzigen Obstbaumes in der ganzen Umgegend – umrahmt war. Welch ein tristes und mich doch unsäglich ansprechendes Bild bot sich meinen ersten Blicken dar! Bleicher Morgenschimmer lag über einem eintönigen, fernherdämmernden Waldsaum, von dem sich ein fahler Moorbruch bis ans Forsthaus heran ausbreitete. Halbverschilfte Wasserlachen, deren eine ein mächtig hohes schwarzes Kreuz überragte, unterbrachen hier und da die Monotonie dieses Moorbruches. Um dieselben herum fristeten einzelne Erlenbüsche, krüppelhafte Kieferstraupen und Wachholdersträucher ein trauriges Leben. Es war eine düstere, unheimliche Stimmung, welche an diesem Morgen über der wüsten Moorlandschaft lag. Nebelschwaden dampften aus den dunklen Unkenlöchern empor, ein Schwarm von Krähen aber zog trägen Fluges hoch über dem einsam in die Luft ragenden Kreuze dahin. Wie die Nebel hin und her wogten, so irrten auch meine Blicke durch die wüste Landschaft. Und immer wieder – woher dieser magische Zug? – kehrten sie zurück zu dem hohen schwarzen Kreuze und dem im Nebel darüber flatternden Krähenschwarm. Eine eigenthümlich mystische Stimmung überkam mich.

Mit dem Ankleiden fertig, verließ ich das traute Stübchen, um der Verabredung gemäß den Kaffee in der Unterstube in Gesellschaft der Försterfamilie einzunehmen. Natürlich war nach einem gegenseitig gebotenen herzlichen Morgengruß meine erste neugierige Frage nach der Bedeutung des schwarzen[WS 1] Kreuzes am [690] nahen Wasser, und nach Erwiderung des Försters: „Ja, ja, das bekundet eine traurige Geschichte,“ fuhr mein Gewährsmann auf meine Bitte, mir Näheres darüber berichten zu wollen, in seiner Weise zu erzählen fort:

„Ich war noch ein blutjunger Kerl und diente das erste Jahr als Jägerbursche beim damaligen Oberförster unseres gnädigen Herrn, als ich eines Abends Befehl erhielt, des anderen Morgens früh mit dem zunächst wohnenden Unterförster auf einen Hirsch, der am Tage vorher von unserem gnädigen Herrn Grafen angeschossen worden war, mit dem Schweißhunde nachzusuchen; unser Befehl ging dahin, wenn wir den Hirsch fänden, ihn, falls er noch lebe, todtzuschießen und sofort auf’s Schloß zu bringen. Der erwähnte Unterförster erwartete mich an der ‚Teufelseiche‘, einem mächtigen alten Baume, der heute noch im Revier steht. Pünktlich trafen wir zusammen, der Förster mit seiner gelben Schweißhündin an der Leine, und stracks ging es nun weiter nach einem uns bezeichneten weiten Gehau, auf welchem der Hirsch die Kugel bekommen haben sollte und wo wir nun zunächst den Anschuß, der natürlich durch einen ‚Bruch‘ kenntlich gemacht worden war, aufsuchten. Leider hatte es die Nacht über stark geregnet, weshalb eine Schweißspur nicht mehr zu finden war, ja außer dem stark markirten ‚Eingriff‘ nicht einmal mehr die Fährte des flüchtig fortgegangenen Hirsches unterschieden werden konnte. Die Hündin aber hatte bei solchem Wetter auch keine Suche, und so wollte es uns bei aller Mühe, die wir und die brave Waldine uns gaben, doch nicht gelingen, nur vorerst der Fährte des angeschossenen Hirsches sicher zu werden, geschweige denn ihn selber aufzufinden.

Bisher hatten wir immer und immer wieder die unverdrossene ‚Däbe‘ vom Anschuß aus auf die Fährte gesetzt und zwar an der Leine; aber die leidige Nässe, die jede Spur und Witterung verwischt hatte, ließ jeden neuen Versuch mißlingen. Nun legten wir uns auf’s Einkreisen, um vielleicht dabei auf festem Wege, über den etwa der kranke Hirsch nach der Flucht noch gezogen sein könnte, dessen Fährte aufzufinden. Wohl trafen wir auch auf mancherlei Gefährt; wer aber wollte dabei unterscheiden, ob das unseres Gesuchten darunter war? Bei solch mühevollem Umhersuchen war die Zeit bereits bedeutend vorgerückt, und da wir vor Dunkelwerden unser Ziel erreichen wollten, so blieb uns zuletzt nichts Anderes mehr übrig, als den Hund von der Leine zu lösen und auf gut Glück ihn die stärkste Fährte, die wir fanden – der angeschossene Hirsch sollte ein Capitalhirsch sein – aufnehmen und frei darauf jagen zu lassen, damit er, stieß er dabei wirklich auf den Gewünschten, ihn stellen könnte.

Nachdem sich der Unterförster auf den Wechsel angestellt hatte, ließ er die Waldine los und deckte dann den Rückwechsel selber. Es dauerte auch gar nicht lange, so ging’s käff, käff, käff, käff, – laut und klar wie eine Glocke, nur blieb leider das herrliche Waldgeläute nicht auf einer Stelle; also Waldine ‚stellte‘ nicht, jagte vielmehr flüchtig, ja sogar verteufelt flüchtig, weiter und sogar auf den Stand des Unterförsters zu. Und kaum daß ich noch so meinen Gedanken darüber nachhing, daß mein lieber Vorgesetzter nur nicht etwa einen gesunden Hirsch todtschießen möchte – da knallte es auch schon. Nun bangte mir in der That vor einem schlimmen Erfolge, denn ich kannte eben schon meinen Mann, der, bekam er nur erst einmal ‚Haare‘ vor die Büchse, dann auch den ‚Finger krumm machte‘, es mochte nun Schußbefehl dazu sein oder nicht – es wurde eben Feuer darauf gegeben. Und so fürchtete ich denn das Schlimmste!

Ich mußte den Ausgang ja bald erfahren, da wir ausgemacht hatten, daß da, wo es schösse, der Andere hinzuzueilen habe. Da nun vollends Alles todtenstill blieb, so machte ich mich schleunigst auf den Weg nach dem Stande meines Mitjagenden. Da sah ich denn schon von Weitem einen stattlichen Hirsch liegen und Waldine lautlos an ihm herumzausen, den Unterförster aber Anstalt treffen, den Erlegten aufzubrechen.

Herangekommen und vor allen Dingen nach dem Anschuß spähend, sah ich wohl die frische Kugel dicht hinter dem Blatte sitzen, die den Hirsch im Feuer getödtet hatte, suchte aber vergeblich nach der zweiten, welche das Thier Tags vorher von der Hand des Grafen erhalten haben sollte. Mein Vorgesetzter war ein Pole und weit und breit bekannt als rücksichtslosester Jäger, der, wie ein Stück Wild, so auch jeden ihm nur in Sicht kommende Wilddieb erbarmungslos niederschoß und ihn dann, seiner eigenen Aussage nach, auf die erste beste Klafter Holz warf, diese in Brand steckte und so in der prasselnden Lohe sein Opfer mit Haut und Haar verbrannte. Dieser Vorgesetzte bedeutete mir mit gellem Lachen: jetzt werde er den von mir gesuchten Anschuß gleich noch mit einer Kugel draufmalen. Und wirklich! den todten Hirsch noch waidewund schießend, schüttete der Geriebene nun auch Pulver in die absichtlich gemachte Wunde und brannte es mit der glühenden Asche seiner Pfeife an, daß das Kugelloch dadurch schwarz und vertrocknet aussah, wie ein altes.

„Na,“ sagte er dann zu mir, „nun mag der Teufel es herausschnobern, ob das ein heutiger oder gestriger Anschuß ist.“

Als ich darauf aber doch mein Bedenken in Bezug auf den Kennerblick unsers gnädigen Herrn ausdrückte und überhaupt auf das Unrecht, diesen zu betrügen, hinwies, erwiderte mir zornigen Blickes der erregte Geselle: ‚Ein Doctor wird ja wohl nicht dabei sein, der’s beweisen könnte, ob der Schuß von Jenem‘ – er meinte seinen Herrn und Gebieter – ‚oder von mir herrührt! Und betrügen? He, wer sagt, daß ich betrüge? Bekommt denn der Graf nicht einen Hirsch?‘ Diesen höhnischen Fragen, wobei er mich mit tellergroßen, zornfunkelnde Augen fixirte, fügte er noch mit Nachdruck hinzu: ‚Also reinen Mund gehalten, Bursche, sonst –‘ und hierbei nahm er das Gewehr an den Kopf, womit er mir andeuten wollte, daß, wenn ich nur ein Wort darüber verlauten ließe, mir für meine Verrath eine ‚blaue Pille‘ bevorstände. Meine Phantasie fügte aber dieser ausdrucksvollen Drohung auch noch das Bild eines lodernden Holzstoßes hinzu, und ich gelobte schüchtern unverbrüchliches Schweigen.

So mußte ich denn mit schwerem Herzen noch selbigen Abend als elender Lügner vor meinen so grundgütigen lieben Herrn hintreten, da ich den Hirsch zu überbringen und vor ihm auf die Strecke zu legen hatte. Mit wie zusammengeschnürter Kehle gab ich hierbei den mir vorgeschriebenen erlogenen Bericht ab, den mir mein Unterförster noch mit dem leidigen Troste zugefertigt: ‚Der Wald habe weder Augen noch Ohren,‘ wozu er noch hinzufügte: ‚Also dabei geblieben, wie ich’s vorgeschrieben, oder –‘

Und ich bin leider feigerweise dabeigeblieben, selbst als mir mein gnädiger Gebieter, der Herr Graf, noch ein reiches Geldgeschenk für prompte Mithülfe bei der Suche ‚Seines‘ Hirsches verabreichte.

Dies war das Ende dieser Jagd, aber nicht ‚das Ende vom Liede‘. Denn es gab doch ein Auge des Waldes, das Auge Gottes nämlich, und dieses hatte die vielfachen Vergehen des finsteren Mannes bisher zwar mit Langmuth angesehen, nun aber doch endlich von dem Ungetreuen und Hartherzigen sich abgewandt.

Mich hatte es nämlich des anderen Tages, nachdem ich die erste reuevolle Nacht meines Lebens durchwacht, schon bei frühestem Morgengrauen wieder hinausgetrieben in die stille Haide, unwillkürlich jenem Orte zu, wo der Graf seinen Hirsch angeschossen hatte. Ich suchte nun von Neuem hier nach diesem, wenn auch ohne alle Aussicht auf erwünschten Erfolg, da ich nicht einmal einen Hund bei mir führte. Dennoch kam ich heute, nur so im verloren geglaubten Weitergehen, plötzlich an die Stelle, wo der noch nicht verendete, sogar noch ziemlich rege, aber doch schwer kranke Hirsch flüchtig vor mir herausfuhr. Aber ich war so überrascht, daß ich nicht vermochte, auf das fliehende Thier zu schießen. Diesen Fall meldete ich nun sofort meinem Mitschuldigen, dem Unterförster, ihn dabei beschwörend, den angeschossenen Hirsch, der uns nun sicher sei, nochmals aufsuchen, todtschießen und einliefern zu wollen, dabei aber das begangene Unrecht offen und ehrlich dem Grafen einzugestehen und ihn reumüthig um Vergebung zu bitten, da denn der gestrenge Herr unter solchen Umständen gewiß noch Gnade vor Recht ergehen lassen und ihm und mir vergeben werde.

Aber mit einem gotteslästerlichen Fluche gebot mir der darüber wuthsprühende Polake, ja nicht wieder in dieser Weise oder überhaupt davon zu sprechen, mit dem Zusatze: er würde die Sache schon nach seiner Art erledigen. Von dieser Stund’ an sah ich ihn lebend nicht wieder, denn als ich ein paar Tage darauf von meinem Dienstherrn, dem Oberförster, abermals hinausgeschickt ward, von diesem an den Unterförster einen Befehl zu überbringen, sagte mir dessen alte Haushälterin, die, ihrem unwirschen Herrn nicht unähnlich, wie ein alter Uhu in der wüstaussehenden Wohnung des düstern Forsthäuschen hauste: [691] der Förster sei schon seit vorgestern nicht wieder nach Hause gekommen, dafür aber sein Hund, schon zweimal, doch derselbe sei darauf allemal winselnd wieder davon gelaufen, und sie wisse daher nicht, wo der Herr herumlungern müsse. Da, gerade als der mürrische ‚Auf‘ noch so mit mir sprach, kam Waldine ganz abgemagert und heulend wieder heim und, mich erkennend, sprang sie nun freudig und doch jammernd an mir heran und lief dann gleich darauf wieder zur Thür hinaus, ebenso schnell aber kehrte sie zurück, um zu sehen, ob ich ihr folge. Natürlich that ich dies, und stracks ging es nun durch die weite Haide den großen Moorbrüchen zu, denselben, die hier vor meinem Hause, das aber damals noch nicht stand, sich ausdehnen. Als ich, immer von dem Hunde geleitet, zu der vor uns liegenden öden Strecke kam, da fiel mir das sonderbare Umherschwärmen der Krähen über einem steil in die Luft ragenden zerbrochenen Steigbrette auf, welches über eine Wasserlache führte, und ich ahnte Unglück. Eiligst folgte ich daher der weit vorausgeeilten Waldine, welche nun an einem der vielen Wasserlöcher Halt machte. Ich erblickte bald beim Näherkommen einen verendeten Hirsch, der halb aus dem Sumpfe ragte; Waldine aber, das treue Thier, sah ich eine daneben aus dem schwarzen Tümpel starrende Todtenhand belecken.

Wie ward mir aber vollends, als ich noch näher herankam an die Unglücksstätte und auf einmal den ganzen Zusammenhang begriff! Denn da lag, mit dem Kopfe und halben Oberkörper noch auf der in’s Wasser versunkenen Hälfte des zerbrochenen Steiges und dessen Stützpfählen ruhend, derselbe Hirsch, den ich vor ein paar Tagen noch krank angetroffen und den ich sofort am Geweih und seiner auffällig hellen Färbung wiedererkannte. Unter des Verendeten Last aber ward der Ertrunkene unter Wasser gehalten, dessen emporstarrende fahle Hand gleichsam aus der moorigen Gruft emporwuchs, während der Hut des Verunglückten – es war der meines Unterförsters –, obenauf schwimmend, am Schilfe hin und her schwankte. Ueber dieser schauerlichen Gruppe jedoch, auf dem in die Luft hinausragenden Brette, hockten ein Paar Krähen, die bei meinem Näherkommen krächzend aufstiebten und dem kreisenden Schwarme ihrer schwarzen Genossen sich einreihten. Als ich nun versuchte, den völligen Zugang zur Trauerstätte zu gewinnen, was mir auf dem schwanken Untergrunde nur mit Hülfe herzugeholter Stangen und anderer Hölzer aus einer nahen verfallenen Torfhütte gelang, da befestigten sich – angesichts der ganzen Sachlage – meine Vermuthungen bis zur unumstößlichsten Ueberzeugung.

Jedenfalls hatte der Förster auf meine Mittheilung hin für sich allein und in seinem beabsichtigten Vortheil Nachsuche auf den Hirsch gehalten, der nun wohl vor dem Hunde auf’s Moor geflüchtet sein, hier aber, als auch dahin die Verfolgung fortgesetzt wurde, ihm sich endlich gestellt haben mochte. Hierbei hatte, wie nicht anders zu denken, der Förster endlich den Todtverwundeten niedergeschossen und war dann, wie nicht minder wahrscheinlich, beim Abnicken des noch nicht gleich Verendeten – die Waidmesserklinge steckte nämlich abgebrochen noch im Genick des Hirsches – mit der Planke, worauf er dabei gestanden haben mochte, zusammengebrochen und dadurch in die sumpfige Tiefe versunken. Er war so unglücklich unter sein Opfer gefallen, daß er, von diesem niedergehalten, den Banden des Todes nicht hatte entrinnen können; vielmehr hatte die verhängnißvolle Last seinem jämmerlichen Schicksale gleichsam das Siegel aufgedrückt!

Ja, ja, die weite stille Haide hatte diesmal allerdings ‚kein Aug’ und Ohr‘ für die Qual des Aermsten, dafür ruhte aber die Hand Gottes um so schwerer auf dem Unglücklichen – hülflos, in trostloser Oede, ward ihm ein schauerliches, nasses Grab!

Der Herr Graf, dem ich nach diesem Falle Alles haarklein beichtete, hat mir in Liebe verziehen und ließ zur Warnung, zur Sühne und als Wahrzeichen das schwarze Kreuz an der Unglücksstätte errichten, mit dem Befehle, daß es für alle Zeiten erhalten bleiben solle.“




Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: schwarzes