An meinen Sohn (Tucholsky)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
Autor: Kurt Tucholsky
unter dem Pseudonym
Theobald Tiger
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: An meinen Sohn
Untertitel:
aus: Die Weltbühne. Jahrgang 22, Nummer 37, Seite 409
Herausgeber: Siegfried Jacobsohn
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 14. September 1926
Verlag: Verlag der Weltbühne
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Die Weltbühne. Vollständiger Nachdruck der Jahrgänge 1918–1933. Athenäum Verlag, Königstein/Ts. 1978. Scan auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]
[409]

An meinen Sohn von Theobald Tiger

Wenn du mal groß bist, Leopold,
dann sieh dich um in Deutschland-Preußen,
wo eure Flagge Schwarz-Rot-Gold
im Wind weht über lauter Preußen.

5
     Stell dich auf einen Aussichtsstand,

     und vor dir liegt dein Vaterland:

Ganz oben tront die Schicht mit Geld,
die hat die Kohlen, Stahl und Rüben;
die lenkt den Lauf der deutschen Welt,

10
die läßt die Reichswehr kräftig üben.

     Augen gradeaus!

Gehorsam harret ihres Winks
das Corps der Rache in Talaren:
die segnen rechts und wüten links,

15
so lernten sies auf Seminaren.

     Im Namen des Volkes –!

Da schwätzt der Reichstag, lieber Gott!
Hörst du den alten Breitscheid reden?
Er ist voll Ironie und Spott –

20
zum Schluß bewilligen sie dann jeden

     Etat.

Und unter allen den Gewalten
da kannst du, Leopold mein Sohn,
dein Leben lang die Schnauze halten –

25
von wegen Subordination.

     Aber lauter Republikaner,
          lauter Republikaner!

Und willst du wissen, wem du das
verdankst, dies Reich von kleinen Strebern:

30
dann wein dir nicht die Äuglein naß –

dann wandle du zu deutschen Gräbern.
     Auf jedem ein Gedenkstein:

Da liegen, die zu meiner Zeit
aus Angst vorm Volk die eignen Ziele

35
verrieten – taktisch so gescheit!

und klug! und überhaupt Schlemihle.

Sie machten schon im Umsturz schlapp
und saßen ängstlich auf der Banke.
Charakter war bei denen knapp …

40
Leg einen Kranz auf jedes Grab

und dann sag leise, leise:
     Danke.