Apollo oder Apolda?

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Titel: Apollo oder Apolda?
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aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 116
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[116] Apollo oder Apolda? Durch eines der verbreitetsten Studentenlieder ist die Stadt Apolda in Thüringen zu dem Rufe gelangt, eine Stätte hervorragender Tabaksindustrie zu sein. Die Stelle „Knaster den gelben hat uns Apollo präpariert“ in dem Liede „Ça ça geschmauset“ ist dahin erklärt worden, daß das Wort „Apollo“ als Entstellung von „Apolda“ anzusehen sei. Apolda soll früher den Jenenser Studenten als Tabaksquelle gedient haben, aber nach dem Rückgang der Tabaksindustrie daselbst als solche in Vergessenheit geraten sein. Nun ist Apolda ja in der That ein bedeutender Industrieort; auf dem Gebiete der Strumpfwirkerei sogar eine der wichtigsten Fabrikstädte Deutschlands, aber sein Ruhm als Tabaksproduzent läßt sich auf historische Anhaltspunkte nicht gründen. Es spricht vielmehr alle Ueberlieferung gegen diese Annahme. Wie aber läßt sich sonst das Wort „Apollo“ in jenem vielgesungenen Vers erklären? In einer Zuschrift an die Münchener „Allgemeine Zeitung“’ schreibt Dr. M. Fabricius, nachdem er jene bisherige Deutung zurückgewiesen: „Dagegen hat die Studentenpoesie schon lange den Knaster in Beziehung zu Apollo gebracht. Joh. Chr. Günther dichtet (‚Curiöse und merkwürdige Lebens- und Reisebeschreibung, welche er selbst mit poetischer Feder entworffen‘, Frankfurt u. Leipzig, S. 28 ff. 1738):

‚Wenn man mit Maßen trinckt, zumahl wo Toback brennt,
Den Phöbus selbst erwehlt und sein Vergnügen nennt …‘

Da Günthers Lieder in der damaligen Studentenwelt und besonders in Jena, wo der Dichter ein trauriges Ende gefunden, allgemein bekannt waren, so hat wahrscheinlich diese oder eine ähnliche Stelle die Fassung des anfangs citierten Verses beeinflußt.“