Archibald Douglas

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Theodor Fontane
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Archibald Douglas
Untertitel:
aus: Gedichte, Seite 140–143
Herausgeber:
Auflage: 10. Auflage
Entstehungsdatum: 1857
Erscheinungsdatum: 1905
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart und Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
eine frühere Veröffentlichung dieses Gedichtes: Archibald Douglas in: Argo. Album für Kunst und Dichtung, Trewendt & Granier, Breslau, 1857, S. 14–15
Archibald Douglas-Fontane Argo 14.jpg
Archibald Douglas-Fontane Argo 15.jpg
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[140]
Archibald Douglas.


     „Ich hab’ es getragen sieben Jahr
Und ich kann es nicht tragen mehr,
Wo immer die Welt am schönsten war,
Da war sie öd’ und leer.

5
     „Ich will hintreten vor sein Gesicht

In dieser Knechtsgestalt,
Er kann meine Bitte versagen nicht,
Ich bin ja worden alt,

     „Und trüg er noch den alten Groll,

10
Frisch wie am ersten Tag,

So komme was da kommen soll
Und komme was da mag.“

     Graf Douglas spricht’s. Am Weg ein Stein
Lud ihn zu harter Ruh,

15
Er sah in Wald und Feld hinein,

Die Augen fielen ihm zu.

     Er trug einen Harnisch, rostig und schwer,
Darüber ein Pilgerkleid, –
Da horch vom Waldrand scholl es her

20
Wie von Hörnern und Jagdgeleit.


     Und Kies und Staub aufwirbelte dicht,
Herjagte Meut’ und Mann,
Und ehe der Graf sich aufgericht’t,
Waren Roß und Reiter heran.

[141]
25
     König Jakob saß auf hohem Roß,

Graf Douglas grüßte tief,
Dem König das Blut in die Wange schoß,
Der Douglas aber rief:

     „König Jakob, schaue mich gnädig an

30
Und höre mich in Geduld,

Was meine Brüder Dir angethan,
Es war nicht meine Schuld.

     „Denk nicht an den alten Douglas-Neid,
Der trotzig Dich bekriegt,

35
Denk lieber an Deine Kinderzeit,

Wo ich Dich auf den Knieen gewiegt.

     „Denk lieber zurück an Stirling-Schloß,
Wo ich Spielzeug Dir geschnitzt,
Dich gehoben auf Deines Vaters Roß

40
Und Pfeile Dir zugespitzt.


     „Denk lieber zurück an Linlithgow,
An den See und den Vogelheerd,
Wo ich Dich fischen und jagen froh
Und schwimmen und springen gelehrt.

45
     O denk an Alles, was einsten war,

Und sänftige Deinen Sinn,
Ich hab’ es gebüßet sieben Jahr,
Daß ich ein Douglas bin.“

     „„Ich seh Dich nicht, Graf Archibald,

50
Ich hör’ Deine Stimme nicht,

Mir ist als ob ein Rauschen im Wald
Von alten Zeiten spricht.

[142]
     „„Mir klingt das Rauschen süß und traut,

Ich lausch ihm immer noch,

55
Dazwischen aber klingt es laut:

Er ist ein Douglas doch.

     „„Ich seh Dich nicht, ich höre Dich nicht,
Das ist Alles, was ich kann,
Ein Douglas vor meinem Angesicht

60
Wär’ ein verlorener Mann.““


     König Jakob gab seinem Roß den Sporn,
Bergan ging jetzt sein Ritt,
Graf Douglas faßte den Zügel vorn
Und hielt mit dem Könige Schritt.

65
     Der Weg war steil und die Sonne stach

Und sein Panzerhemd war schwer,
Doch ob er schier zusammenbrach,
Er lief doch nebenher.

     „König Jakob, ich war Dein Seneschall,

70
Ich will es nicht fürder sein,

Ich will nur warten Dein Roß im Stall
Und ihm schütten die Körner ein.

     „Ich will ihm selber machen die Streu
Und es tränken mit eigner Hand,

75
Nur laß mich athmen wieder aufs Neu

Die Luft im Vaterland.

     „Und willst Du nicht, so hab’ einen Muth,
Und ich will es danken Dir,
Und zieh Dein Schwert und triff mich gut

80
Und laß mich sterben hier.“


[143]
     König Jakob sprang herab vom Pferd,

Hell leuchtete sein Gesicht,
Aus der Scheide zog er sein breites Schwert,
Aber fallen ließ er es nicht.

85
     „„Nimm’s hin, nimm’s hin und trag es neu

Und bewache mir meine Ruh,
Der ist in tiefster Seele treu,
Wer die Heimath liebt wie Du.

     „„Zu Roß, wir reiten nach Linlithgow

90
Und Du reitest an meiner Seit’,

Da wollen wir fischen und jagen froh,
Als wie in alter Zeit.““