Armuth der Sprache

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Textdaten
Autor: Bernhard Vermehren
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Titel: Armuth der Sprache
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1799, S. 149 – 150
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1799
Verlag: J. G. Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[149]
Armuth der Sprache.


Liebe, wer kann sie beschreiben, wer kann die Göttliche schildern?
Sprache hier bist du zu arm, Worte hier seyd ihr zu kalt.
Aber, wenn kühn ein hartes Geschick die Liebenden trennet,
Wenn sich ein furchtbares Meer zwischen die Liebenden stellt,

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Wenn sie des Neides Gewalt aus süßen Umarmungen reißet,

Wenn sie der feindliche Raum weiter und weiter entfernt,
Wie verstehn sie sich beid’ in öder, weiter Entfernung,
Wer lehrt beide getreu auch in der Ferne Verein?
Sprache, du bist’s allein, du arme, verachtete Sprache,

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Die den Liebenden Trost in der Entfernung gewährt.
[150]

Worte, ihr nur allein, ihr tröpfelt lindernden Balsam,
Wenn getrennete Lieb’ schmerzende Wunden uns schlägt.
Gerne vertraut euch jeder, ihr holden Vertrauten der Liebe,
Gerne gießt er sein Leid euch in den lieblichen Schoos.

15
Freundlich kleidet die Armuth dich, du sanftere Sprache,

Wenn ihr nichts mehr sagt, Worte nie saget ihr mehr.

VERMEHREN.