Aus dem Leben Pius des Neunten

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Autor: unbekannt
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Titel: Aus dem Leben Pius des Neunten
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aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 784
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Pius IX. und Fanny Elßler
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[784] Aus dem Leben Pius des Neunten. Kurze Zeit nach der Erhebung Pius des Neunten auf den päpstlichen Stuhl erschien eine Deputation der Juden aus dem römischen Ghetto im Quirinal, um dem heiligen Vater ihre Huldigung darzubringen und demselben zugleich als Zeichen ihrer Ergebenheit einen prachtvoll gearbeiteten antiken Kelch zu überreichen.

„Es ist gut, meine Kinder,“ erwiderte Pius auf ihre Ansprache, „ich nehme Euer Geschenk an und danke Euch herzlich dafür. Aber könntet Ihr mir nicht sagen, wie viel dieser Kelch etwa in römischen Thalern werth sein mag, abgesehen von seinem Kunstwerth, der unschätzbar ist?“

Die Juden sahen einander an, dann antwortete der Anführer der Deputation: „Fünfhundert Thaler, Ew. Heiligkeit!“

„Gut; da ich nun Eure Gabe angenommen habe, dürft Ihr auch eine von meiner Seite nicht zurückweisen. Hier habt Ihr tausend Thaler, die ich Euch bitte, in meinem Namen an die Familien des Ghetto zu vertheilen.“

Die Juden nahmen das reiche Geschenk freudig an; Pius der Neunte verdiente sich ihren Dank aber bald noch reichlicher, indem er das von der übrigen Stadt hermetisch abgesperrte Ghetto öffnete und erweiterte und den Bewohnern desselben überdies gestattete, sich auch in anderen Stadttheilen anzusiedeln. –

Im Jahre 1847 tanzte Fanny Elßler im Theater Argentina zu Rom und die ganze jeunesse dorée lag ihr zu Füßen; ihre eifrigsten Verehrer vereinigten sich, um der gefeierten Tänzerin einen goldenen Kranz im Preise von zwölftausend Lire zu überreichen. Zuvor aber beschloß man, die Einwilligung des heiligen Vaters dazu einzuholen, denn man fürchtete bei der gedrückten Lage des Augenblicks, er würde vielleicht diesen Act der Verschwendung strenge tadeln, wenn er nicht wenigstens pro forma um Erlaubniß gefragt würde.

„Gebt der Tänzerin Euern Kranz,“ sagte Pius der Neunte, „wenn Ihr Euch dazu gedrängt fühlt; ich sehe darin nichts, was die Würde der Kirche oder die Sicherheit des Staates gefährden könnte. Aber gestattet mir die Einwendung, daß ich die Wahl Eures Andenkens für eine berühmte Ballerina nicht glücklich finde. Ich bin zwar nur ein schlichter Priester, der sich in solchen Angelegenheiten gar nicht für competent hält, allein ich hätte geglaubt, daß ein Kranz für den Kopf und nicht für die Beine gehöre.“

Fanny Elßler erhielt trotzdem ihren Kranz für zwölftausend Lire, erfuhr aber auch durch einen Indiscreten die Antwort des Papstes und suchte denselben zu ihren Gunsten zu stimmen, indem sie ihm eine Summe von sechstausend Lire für die Armen übersandte.