Ausgewählte Abhandlungen des Bischofs Aphraates/Abhandlung über das Gebet

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Textdaten
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Autor: Aphrahat
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Titel: Abhandlung über das Gebet
Untertitel:
aus: Bibliothek der Kirchenväter, Band 38, S. 67–84.
Herausgeber: Gustav Bickell
Auflage: 1
Entstehungsdatum: 3./4. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Jos. Koesel’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Kempten
Übersetzer: Gustav Bickell
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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[067]

Abhandlung über das Gebet.




Reinheit des Herzens ist ein vorzüglicheres Gebet als alle anderen Gebete, die mit lauter Stimme gesprochen werden. Schweigen, wenn es mit lauterer Gesinnung verbunden ist, ist besser, als mit erhobener Stimme zu rufen. Nun, mein Lieber, gib mir dein Herz und deinen Sinn und vernimm, welche Kraft das reine Gebet besitzt! Betrachte, wie unsere gerechten Vorväter durch ihre Gebete vor Gott den Sieg errungen haben, und wie ihr Gebet zu einem reinen Opfer wurde; denn durch das Gebet wurden ihre Opfer wohlgefällig angenommen. Ferner ließ es die Fluth aufhören, heilte die Unfruchtbarkeit, vertilgte Heerlager, offenbarte Geheimnisse, theilte das Meer, spaltete den Jordan, hielt die Sonne zurück, brachte den Mond zum Stillstand, rottete die Gottlosen aus, ließ Feuer vom Himmel herabfallen, verschloß den Himmel, befreite aus der Grube, bewahrte vor dem Feuer und errettete aus dem Meere. Kurz, seine Macht ist überaus gewaltig, wie die Macht des reinen Fastens. Und ebenso wie ich dich in der vorigen Unterweisung deutlich über das Fasten belehrt habe, so will ich [068] es auch jetzt nicht versäumen, dir eine Unterweisung über das Gebet mitzutheilen.

Zuerst also wurde das Opfer Abels wegen seiner Herzensreinheit vor Gott angenommen, aber das Opfer Kains verworfen. Doch woher können wir den Umstand wissen, daß jenes Opfer angenommen und dieses verworfen wurde? Woher wußte Abel, daß sein Opfer angenommen, und Kain, daß das seinige verworfen war? Hierüber will ich dich, so gut ich kann, belehren. Wisse also, mein Lieber, daß die Opfer hierdurch unterschieden wurden: wenn ein Opfer Gott wohlgefällig war, so fiel Feuer vom Himmel herab und verzehrte es. Als nun Abel und Kain gemeinschaftlich ihre Opfergaben darbrachten, fiel das lebendige Feuer, welches vor Gott dient, herab und verzehrte das reine Opfer Abels; aber dem Opfer Kains näherte es sich nicht, weil dieses nicht rein war. Hieran erkannte Abel, daß sein Opfer angenommen, und Kain, daß das seinige verworfen war. Aber auch die Früchte des Herzens Kains bewiesen und bezeugten, daß er voll Trug war, da er ja seinen Bruder ermordete. Denn seine Hände gebaren, was sein Herz empfangen hatte. Aber die Herzensreinheit Abels war sein Gebet. Nun will ich dir erst noch beweisen, mein Lieber, daß alle Gott wohlgefälligen Opfer vom Feuer verzehrt worden sind. Denn als Manoe, der Vater Samsons, ein Opfer darbachte, fiel brennendes Feuer herab und verzehrte es; in der Flamme aber stieg ein Engel, welcher mit ihm redete, zum Himmel auf. Ferner, als Gott dem Abraham die Verheissung, daß ihm ein Sohn geboren werden würde, zugesichert hatte, sprach er zu ihm[1]: „Nimm dir ein dreijähriges Kalb und eine dreijährige Ziege, eine Turteltaube und eine junge Taube!“ Als nun Abraham diese Opferthiere geschlachtet und zerspalten und ihre Hälften einander gegenüber gelegt hatte, da fiel ein Schlaf über ihn, und es wurde finster, und Feuer kam herab, welches zwischen den Hälften hindurchzog und sein [069] Opfer verzehrte. Auch auf die Opfer, welche in der Stiftshütte dargebracht wurden, fiel brennendes Feuer herab, um sie zu verzehren. Als daher einst Nadab und Abiu, die Söhne Aarons, den Opferdienst nachläßig besorgt hatten, kam das Feuer wie gewöhnlich zur Zeit des Opfers herab, fand aber ihre Opfer nicht rein und berührte sie deßhalb nicht. Als Jene nun sahen, daß das Opfer nicht verzehrt wurde, brachten sie zu diesem Zwecke fremdes Feuer herbei, damit sie nicht von Moyses tadelnd gefragt werden möchten, weßhalb das Opfer nicht verzehrt worden sei. So verzehrte dann das fremde Feuer die Opfer, aber das Feuer vom Himmel verzehrte Nadab und Abiu. Also heiligte sich der Herr an ihnen, weil sie seinen Dienst nachläßig versehen hatten. Auch als jene zweihundert und fünfzig Männer eine Spaltung gegen Moyses anstifteten und ohne göttlichen Auftrag Weihrauchfässer darbrachten, wurde jenes Feuer aufgeboten, brach hervor vor dem Herrn und verzehrte diese Männer. So wurden ihre Rauchfässer durch ihr Leben geheiligt. Auch Salomo betete, als er bei der Einweihung des von ihm erbauten Tempels Opfer darbrachte, worauf Feuer vom Himmel herabkam und das Fett der Brandopfer auf dem Altare verzehrte. Ebenso fiel auch Feuer vom Himmel und verzehrte das Opfer des Elias, und es wurde wohlgefällig angenommen gleich dem Opfer Abels, aber das Opfer der Baalspriester wurde verworfen gleich dem Kains. Diese ganze Beweisführung über das Feuer habe ich geschrieben, um dich zu überzeugen, daß das Opfer Abels von Feuer verzehrt worden ist.

Doch nun, mein Lieber, vernimm wieder von dem reinen Gebet, wie viele Wunderkräfte durch dasselbe gewirkt worden sind. Denn weil Abraham gebetet hatte, befreite er die fünf Könige aus ihrer Gefangenschaft. Durch sein Gebet gebar seine unfruchtbare Gattin, und durch die Kraft seines Gebetes empfing er die Verheissung, daß durch seinen Samen die Völker gesegnet werden sollten. Auch Isaak erprobte die Macht des Gebets, als er für Rebekka betete, daß sie gebar, und für Abimelech, daß der Zorn Gottes von ihm [070] wich. Auch unser Vater Jakob betete in Bethel, wo er die Himmelspforte geöffnet sah und die zur Höhe hinaufführende Leiter, welche Vorbilder unseres Erlösers waren. Denn die Thüre des Himmels ist Christus, gemäß seinem Worte[2]: „Ich bin die Thüre zum Leben, auf daß Jeder, welcher durch mich eintritt, ewig lebe.“ So sagt auch David[3]: „Dieß ist das Thor des Herrn, durch welches die Gerechten eintreten.“ Die Leiter, welche Jakob sah, ist gleichfalls ein Vorbild unseres Erlösers, durch welchen die Gerechten aus der Tiefe zur Höhe emporsteigen. Nicht minder bildete sie das Kreuz unseres Erlösers vor, welches gleich einer Leiter aufgerichtet wurde. Oben auf jener Leiter stand der Herr; denn über Christo ist der Allherr, wie der selige Apostel sagt[4]: „Das Haupt Christi ist Gott.“ Jakob nannte den Ort Bethel und richtete daselbst einen Stein zum Zeugniß auf, welchen er mit Öl übergoß. Auch hierdurch hat unser Vater Jakob ein Geheimniß vorbildlich angedeutet. Denn die Heiden, welche an Christum glaubten, sind mit Steinen, welche die Salbung empfangen, zu vergleichen. Diese sind es, welche gesalbt werden, wie Johannes von ihnen sagt[5]: „Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.“ Durch das Gebet Jakobs ist also das Geheimniß der Berufung der Heiden voraus verkündigt worden. Siehe da, mein Lieber, wie viele Vorbilder in der Vision Jakobs verborgen sind. Denn er sah die Himmelspforte, welche Christus ist, und die Leiter, das Vorbild des Kreuzes, und er salbte den Stein als Typus der Völker, und er gelobte die Zehnten, welche dem Levi gegeben werden sollten. Denn in ihm waren verborgen sowohl die Geber der Zehnten, als auch die Empfänger der Erstlinge, und er barg in seinem Schoße den jungen Löwen Juda, welcher selbst den König Messias in sich schloß. Diesen kündigte er an durch die Salbung, die Stämme in ihm leisteten Gelübde zu Gunsten [071] der Leviten, die Könige in seinem Schoße erhoben sein Herz, und es forschte in ihm der Geist der Propheten, welche einst aus seinem Samen erstehen sollten. Nur mit seinem Stabe war er über den Jordan gegangen, welchen er als ein wunderbares Vorbild in der Hand hielt; denn er bezeichnete das Kreuz des großen Propheten. Er richtete seine Schritte nach dem Lande des Sonnenaufgangs, weil von da den Völkern das Licht aufgegangen ist. Er ließ sich nieder bei dem Brunnen, auf dessen Mündung ein Stein lag, welchen selbst die vereinte Kraft Vieler nicht hinwegheben konnte. Denn viele Hirten vermochten nicht ihn hinwegzuschaffen und den Brunnen aufzudecken, bis daß Jakob kam und durch die Kraft des in ihm verborgenen Hirten den Stein abhob und die Heerde tränkte. Ebenso kamen viele Propheten und vermochten nicht den Taufbrunnen aufzudecken, bis daß der große Prophet kam, ihn allein eröffnete, sich in ihm taufen ließ und mit seiner lieblichen Stimme rief[6]: „Jeder Durstende komme zu mir und trinke!“ Ferner betete Jakob diese Danksagung, als er von Laban zurückgekehrt und aus den Händen seines Bruders Esau errettet war[7]: Mit diesem meinem Stabe bin ich über den Jordan gegangen, und nun bin ich zu zwei Heeren geworden.“ Welch wunderbares Vorbild unseres Erlösers! Denn als unser Herr zum erstenmal in diese Welt kam, ging er hervor wie ein Reis aus der Wurzel Jesse’s, ähnlich dem Stabe Jakobs. Wenn er aber vom Vater wiederkommen wird bei seiner zweiten Ankunft, so wird er zu ihm zurückkehren mit zwei Heeren, einem aus dem Volke Israel, und dem anderen aus den Heidenvölkern, gleichwie Jakob mit zwei Heeren zu seinem Vater Isaak zurückkehrte. Jakob kehrte mit seinen elf Söhnen zurück, gleichwie unser Erlöser mit seinen elf Jüngern kommen wird. Denn Judas befindet sich nicht unter ihnen. Benjamin wurde erst später geboren, so daß es im Ganzen [072] zwölf Söhne Jakobs waren, ebenso wie Bartholomäus[8] später erwählt wurde, so daß es zwölf Jünger unseres Erlösers waren. Dieß wäre über das Gebet Jakobs zu bemerken.

Was sollen wir aber über die unermeßliche Macht des Gebetes Moysis sagen? Denn sein Gebet errettete ihn aus der Hand Pharaos und zeigte ihm die Herrlichkeit Gottes. Durch sein Gebet brachte er die zehn Plagen über Pharao. Sein Gebet zertheilte das Meer, machte das bittere Wasser süß, ließ Manna herabfallen, brachte die Wachteln herbei, spaltete den Felsen und ließ Wasser herausfließen, besiegte Amalek, stärkte Josue, überwand Og und Sehon im Kampfe, ließ die Bösen in die Hölle hinabstürzen, wandte den Zorn Gottes von seinem Volke ab, zermalmte das abgöttische Kalb, brachte die Gesetzestafeln vom Berge herab und ließ sein Antlitz glänzen. Kurz, über sein Gebet ließe sich noch mehr sagen als über das Jakobs. Auch Josue, der Sohn Nun’s, erlangte durch sein Gebet Vieles bei seinem Gotte. Denn sein Gebet theilte den Jordan, stürzte die Mauern Jerichos, erlangte die Bestrafung Achan’s, hielt den Lauf der Sonne an, ließ den Mond stehen bleiben, schlug die Könige, unterwarf das Land und brachte es in den Besitz der Israeliten. Laßt uns nun auch des schweigenden Gebetes der Anna, der Mutter Samuels, gedenken, welches vor Gott so wohlgefällig war, daß er ihre Unfruchtbarkeit aufhob, ihre Schmach von ihr hinwegnahm und sie jenen priesterlichen Nasiräer gebären ließ. Auch Samuel selbst betete vor seinem Gotte, als er den Israeliten ein Zeichen gab. Denn als er ihnen ihre Sünden vorhielt, weil sie einen König verlangt hatten, brachte er ein Opfer auf dem Altare dar, und es regnete in den Tagen der Weizenernte. Auch David betete zu Gott und ward errettet aus den Händen Sauls. Deßgleichen, als er für das Volk betete, wendete er den Zorn Gottes von ihm ab und machte dem Walten [073] des Würgengels ein Ende. Auch Asa betete, und sein Gebet bewirkte eine große Hilfe, als der Äthiopier Zara mit einem Heere von tausendmal Tausenden gegen ihn zog. Da sprach Asa in seinem Gebete:[9] „Hieran wird man deine Macht erkennen, unser Gott, daß du ein großes Volk in die Hand eines geringen Volkes überlieferst.“ Und es erhörte Gott sein Gebet und sandte seinen Engel, auf daß er Jene verwirre. So ward die ungeheuere Heeresmacht durch die Macht des Gebetes Asa’s besiegt. Auch sein Sohn Josasphat besiegte und überwand ein feindliches Heer durch sein Gebet. Auch Ezechias betete, und sein Gebet streckte 185,000 Mann darnieder durch den Engel, welcher die himmlischen Heerschaaren anführt. Auch Jonas betete zu seinem Gott aus der Tiefe des Meeres; es ward ihm Erhörung und Antwort zu Theil, und er entkam unbeschädigt. Denn sein Gebet durchdrang die Tiefen, besiegte die Wellen, überwand die Stürme, durchbrach die Wolken, schwang sich auf in die Luft, schloß den Himmel auf und wurde vor den Thron der Majestät gebracht durch Gabriel, welcher die Gebete vor Gott zu bringen pflegt. Da gab die Meerestiefe den Propheten wieder zurück, und der Fisch ließ den Jonas auf das Land entrinnen. Auch die gerechten Männer Ananias, Azarias und Misael besiegten durch ihr Gebet die Flamme, überwanden die Gluth des Feuers, veränderten die Natur des Brennenden, bezwangen den Grimm des Königs und wurden errettet. Auch Daniel betete, und sein Gebet verschloß den Rachen der Löwen. Das gefräßige Maul war wie verstopft gegenüber dem Fleisch und den Gebeinen des Gerechten. Die Löwen streckten ihre Vorderpfoten aus, um Daniel aufzufangen, damit er nicht auf den Boden falle. Sie umschlangen ihn mit ihren Vorderbeinen und küßten seine Füße. Wenn sich aber Daniel in der Grube zum Beten anschickte, so breiteten auch sie ihre Vorderpfoten gen Himmel aus, indem sie dem Daniel nachahmten. [074] Dann stieg der Empfänger der Gebete zu ihnen herab und verschloß den Rachen der Löwen. Denn Daniel sagte ja zu Darius:[10] „Mein Gott hat seinen Engel gesandt, welcher den Rachen der Löwen verschlossen hat, so daß sie mich nicht umbrachten.“ Die Grube war nämlich verdeckt und versiegelt, aber in ihrem Innern erglänzte ein Licht. Da freuten sich die Löwen, daß sie wegen Daniels ein Licht sahen. Wenn Daniel ermüdet war und schlafen wollte, so streckten sich die Löwen aus, damit er auf ihnen, statt auf der bloßen Erde, ruhe. Jene Grube war heller als ein Obergemach mit vielen Fenstern; und Daniel betete darin mehr als in seinem Obergemache, wo er nur täglich dreimal gebetet hatte. Alsdann kam Daniel siegreich aus der Grube heraus, und seine Ankläger wurden statt seiner hineingeworfen. Da wurde den Löwen das Maul wieder geöffnet, so daß sie jene fraßen und ihre Gebeine zermalmten. Sein Gebet bewirkte auch, daß die Juden nach Beendigung der siebzig Jahre aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrten. Kurz alle unsere gerechten Vorväter haben in der Zeit der Drangsal die Rüstung des Gebetes angezogen und sind durch dasselbe aus ihrer Noth errettet worden.

Nicht minder hat uns aber auch unser Erlöser mit diesen Worten über das Gebet belehrt:[11] „Betet im Verborgenen zu dem Verborgenen, der Alles sieht!“ Denn er sagt: „Gehe in dein Kämmerlein und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und der Vater, welcher in das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ Warum aber, mein Lieber, hat wohl unser Erlöser gelehrt: „Bete zu deinem Vater im Verborgenen, indem du die Thüre verschließest“? Hierüber will ich dir nach meinem Verständnisse Aufschluß geben. Er sagt also: „Bete bei verschlossener Thüre zu deinem Vater im Verborgenen!“ Dieß bedeutet aber, daß wir nach Anweisung des Wortes unseres Herrn im Verborgenen im Herzen beten und die Thüre verschließen sollen. Was ist [075] aber unter dieser Thüre, die wir verschlossen haben sollen, anders zu verstehen, als der Mund? Dieser ist nämlich die Thüre zu jenem Tempel, in welchem Christus wohnt, wie der Apostel sagt:[12] „Ihr seid ein Tempel des Herrn.“ Christus soll also in dieses Haus, nämlich in deinen inneren Menschen, eingehen und es von allem Unreinen läutern, während die Thüre, nämlich dein Mund, geschlossen ist. Wenn diese Verordnung nicht so zu verstehen wäre, wie könntest du sie dann immer befolgen? Wenn es sich träfe, daß du in der Wüste dich befändest und weder Haus noch Thüre hättest, könntest du dann etwa nicht im Verborgenen beten? Oder wenn du dich auf dem Gipfel eines Berges befändest, wolltest du dann etwa nicht beten? Aber unser Erlöser wollte dadurch andeuten, daß er den Willen des Herzens und der Gesinnung kennt, wie er selbst sagt: „Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, schon ehe ihr darum bittet.“ Und bei dem Propheten Isajas steht geschrieben:[13] „Ich erhöre meine Auserwählten, schon bevor sie mich anrufen; und schon ehe sie zu mir schreien, antworte ich ihnen.“ Ferner sagt Isajas[14] in Betreff der Sünder: „Wenn sie auch viel beten, werde ich sie doch nicht erhören.“ Ferner heißt es:[15] „Mit lauter Stimme werden sie mir in die Ohren schreien, aber ich will sie nicht hören.“ Dieses bezieht sich aber bloß auf das trugvolle Gebet, welches nicht angenommen wird. Denn du mußt alle Aussprüche der heiligen Schrift nach ihren verschiedenartigen Beziehungen auffassen und ihre Bedeutung richtig begreifen. So sagt auch unser Heiland ein anderes Wort, welches mit Verstand aufgefaßt werden muß. Er sagt nämlich: „Wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich unter ihnen.“[16] Wie verstehst du nun diesen Ausspruch unseres Heilands, mein Lieber? Wenn du allein bist, ist dann etwa Christus nicht bei dir? Es steht ja doch geschrieben:[17] „Christus [076] wohnt in Denen, welche an ihn glauben.“ Hier wird gelehrt, daß Christus da sei, wo Zwei oder Drei versammelt sind. Ich aber will dir zeigen, daß zuweilen statt Zweien oder Dreien mehr als Tausend im Namen Christi versammelt sind und Christus doch nicht unter ihnen weilt, während andererseits ein Mensch allein sein kann und Christus gleichwohl bei ihm ist. Aber dennoch bleibt dieses Wort unseres Heilands: „Wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich unter ihnen“ durchaus passend und angemessen, wenn man es nur richtig versteht. Denn wenn ein Mensch seine Seele im Namen Christi gesammelt hält, so wohnt Christus in ihm, und Gott wohnt in Christo. So ist dann also ein solcher Mensch Einer von Dreien, nämlich er selbst, Christus, welcher in ihm wohnt, und Gott, welcher in Christo wohnt. Denn so sagt unser Herr:[18] „Ich in meinem Vater und mein Vater in mir,“ und wiederum:[19] „Ich und mein Vater sind Eins.“ Deßgleichen sagt er:[20] „Ihr seid in mir, und ich bin in euch.“ Auch heißt es bei dem Propheten: „Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln.“[21] Auf diese Weise also, mein Lieber, mußt du jenen Ausspruch unseres Erlösers verstehen. Nun will ich dir auch zeigen, wie Gott in allen unsern gerechten Vorvätern war, als sie beteten. Denn als Moyses auf dem Berge betete, war er zwar allein, aber Gott war bei ihm; und er wurde nicht etwa, weil er allein war, nicht erhört, sondern sein Gebet wurde überreichlich erhört und besänftigte den Zorn Gottes. Auch Elias war allein auf dem Berge Karmel, aber sein Gebet wirkte staunenswerthe Wunder. Durch sein Gebet ward der Himmel verschlossen und nachher sein Verschluß wieder gelöst. Sein Gebet errettete ihn vom Tode und entriß ihn dem Grabe. Sein Gebet rottete den Greuel der Abgötterei in Israel aus und ließ dreimal Feuer vom Himmel herabfallen, einmal auf [077] den Altar und zweimal auf die Hauptleute. Das Feuer, welches auf sein Gebet herabfiel, bereitete ihm Rache. Er kniete nieder und betete, und ward alsbald erhört. Aber die vierhundert und fünfzig, welche mit lauter Stimme schrieen, wurden nicht erhört, weil sie den Namen Baals anriefen. So ward auch Elias überreichlich erhört, obgleich er allein war. Auch der Prophet Jonas wurde erhört, als er aus der untersten Tiefe betete; obgleich er allein war, fand er alsbald Erhörung und Antwort. Auch Elisäus betete und brachte Verstorbene aus dem Todtenreiche zurück und wurde selbst errettet aus den Händen der Bösen, die ihn umringt hatten. Obgleich er dem Anscheine nach allein war, umgab ihn doch eine gewaltige Heerschaar. Denn sein Schüler sagte ja:[22] „Es sind ihrer mehr, die mit uns sind, als die mit ihnen sind.“ So waren sie nicht allein, obwohl sie allein waren. Nach dem, was ich dir eben auseinandergesetzt habe, kannst du das Wort unseres Herren verstehen: „Wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich unter ihnen.“ Wenn du also beten willst, so richte, wie ich dich schon zuvor belehrt habe, dein Herz nach oben und deine Augen nach unten, gehe ein in deinen inneren Menschen und bete im Verborgenen zu deinem himmlischen Vater! Dieses alles aber habe ich dir deßhalb so ausführlich hierüber geschrieben, daß das reine Gebet erhört, das nicht reine nicht erhört werde, weil es unter uns Menschen gibt, welche zwar viel beten, lange flehen, sich neigen und ihre Hände erheben, aber von den Werken des Gebets weit entfernt sind. Denn sie beten wohl jenes Gebet, welches uns unser Heiland lehrte: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ – Aber, o Mensch, der du betest, bedenke, daß du ein Opfer vor Gott darbringst! Hüte dich also, daß sich der Darbringer der Gebete nicht schäme, dein fehlerhaftes Opfer anzunehmen! Du bittest, daß dir vergeben werde, und versprichst, selbst vergeben zu wollen. [078] Erwäge doch zuvor in deinem Herzen, ob du wirklich deinen Feinden vergeben hast, und alsdann versprich, daß du ihnen vergeben wollest! Suche nicht Gott zu belügen, indem du sagst, du vergebest, während du doch in der That nicht vergibst! Denn Gott ist nicht ein Mensch gleich dir, daß du ihn belügen könntest. Wenn Jemand sich gegen seinen Mitmenschen vergeht, so kann er den Herrn um Verzeihung anflehen; wenn er sich aber gegen Gott verfehlt, wen kann er dann um Verzeihung bitten? Verurtheile dich also nicht selbst durch dein Gebet! Höre ferner, was unser Herr sagt:[23] „Wenn du ein Opfer darbringen willst und erinnerst dich, daß dein Bruder Etwas gegen dich hat, so laß dein Opfer vor dem Altare und gehe hin, um dich mit deinem Bruder auszusöhnen; alsdann komme zurück und opfere deine Gabe!“ Sorge also dafür, daß du während deines Gebetes dich nicht an eine Feindschaft, die du unterhältst, zu erinnern brauchst! Bedenke in deinem Herzen, daß dein Gebet alsdann vor dem Altare zurückgelassen wird und der Darbringer der Gebete sich weigert, es von der Erde aufzuheben. Denn er muß dein Opfer makellos machen; nur wenn es rein ist, bringt er es vor Gott. Wenn sich in deinem Gebete die Worte finden: „Vergib mir, gleichwie ich vergebe,“ so antwortet dir der, welcher die Gebete emporträgt: „Vergib zuerst deinem Schuldner, so will ich alsdann dein Gebet zu deinem Gläubiger hinauftragen; erlaß deine geringfügige Schuldforderung von hundert Denaren, so wird dir dein erhabener Gläubiger die zehntausend Talente erlassen, ohne Zinsen von dir zu fordern!“ Wenn du dann vergeben willst, so nimmt der Darbringer der Gebete dein Opfer und trägt es empor. Wenn du aber nicht vergibst, so sagt er zu dir: „Ich bringe dein unreines Opfer nicht vor den heiligen Thron; du aber wirst vielmehr das erlangen, daß dich dein Gläubiger zur Rechenschaft ziehen wird; denn wenn du ihm auch ein Opfer darbringst, so [079] läßt er dein Opfer unbeachtet und entfernt sich von dir.“ Höre aber, was der Prophet[24] sagt: „Verflucht sei, wer in seiner Heerde ein gutes Männlein hat, und gelobt es, und opfert dem Herrn ein Schwächliches!“ Hierüber sagt er auch:[25] „Bring’ ein Solches doch deinem Fürsten dar, ob er dir wohl deßhalb gewogen sein wird, du Heuchler!“ Du mußt also vor deinem Gebete deinem Schuldner vergeben und alsdann beten, so wird dein Gebet zu Gott emporsteigen und nicht auf Erden zurückbleiben.

Gott spricht durch den Propheten:[26] „Dieß bereitet mir Erquickung, daß ihr die Mühseligen erquicket.“ O Mensch, bereite also Gott eine Erquickung, indem du dich nicht damit begnügst, zu beten: „Vergib mir;“ sondern erquicke die Mühseligen, pflege die Kranken, ernähre die Armen, so hast du dadurch ein Gebet verrichtet. Dieß will ich dir beweisen, mein Lieber, daß der Mensch betet, so oft er ein Gott wohlgefälliges Werk thut. Denn es steht geschrieben, daß Phinees, der Sohn Eleazars, als er den Zambri mit der Madianitin sündigen sah, in das Gemach eintrat und Beide tödtete, und daß ihm diese Tödtung als ein Gebet angerechnet wurde. Denn also spricht David[27] über ihn: „Phinees erhob sich und betete; und es wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet von Geschlecht zu Geschlecht bis in Ewigkeit.“ So wurde ihm als Gebet angerechnet, daß er aus Eifer für Gott Jene tödtete. Hüte dich also, mein Lieber, daß du nicht etwa sagest, wenn sich dir die Gelegenheit zu einem Gott wohlgefälligen Werke darbietet: „Es naht die Zeit des Gebetes, ich will erst beten und dann jenes Werk besorgen.“ Leicht könnte dir dann, während du dein Gebet noch nicht vollendet hast, jene Gelegenheit entgehen; du würdest dann des Verdienstes, Gottes Willen und Wohlgefallen erfüllt zu haben, verlustig werden und gerade durch dein Gebet dich einer Sünde schuldig machen. Thue aber das, was vor [080] Gott wohlgefällig ist, so hast du gebetet. Vernimm ferner das Wort des Apostels:[28] „Wenn wir uns selbst richteten, so würden wir nicht gerichtet.“ Beurtheile also in dir selbst, was ich dir sage! Wenn du in der Fremde wandertest und bei großer Hitze Durst littest, träfest dann einen der Brüder und sagtest zu ihm: „Erquicke mich, denn ich werde vom Durst gequält“, Dieser aber erwiderte dir: „Jetzt ist die Zeit zum Gebet, ich will beten und alsdann zu dir zurückkehren“, und du verschmachtetest unterdessen vor Durst, was würde dir wohl vorzüglicher erscheinen, daß er wegginge, um zu beten, oder daß er deine Durstesqual lindere? Oder, wenn du im Winter eine Reise machtest und Regen und Schnee auf dich fiele, so daß du entsetzlich durch die Kälte littest, träfest dann gleichfalls deinen Freund zur Zeit des Gebetes, erhieltest von ihm Dasselbe zur Antwort und müßtest vor Kälte umkommen, welchen Nutzen hätte dann das Gebet jenes Mannes, der dir in deiner Noth keine Hilfe leisten wollte? Denn unser Herr wird zur Zeit des Gerichtes, wenn er über die zu seiner Rechten und Linken getrennt aufgestellten Menschen das Urtheil fällen wird, zu den auf seiner rechten Seite stehenden also sprechen:[29] „Ich war hungrig, und ihr habt mich gespeist; ich dürstete, und ihr habt mich getränkt; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war ein Fremdling, und ihr habt mich aufgenommen.“ Zu den auf seiner linken Seite Stehenden wird er alsdann reden und sie in die Qual schicken, weil sie Dieses alles nicht gethan haben; aber die auf der rechten Seite wird er in das Himmelreich eintreten lassen. Das Gebet ist dann angemessen, wenn es mit guten Werken verbunden ist. Es wird angenommen, wenn man dabei durch Barmherzigkeit Gottes Wohlgefallen zu erwerben sucht. Es wird erhört, wenn man dabei seinen Beleidigern vergibt. Es ist Gott angenehm, wenn es von jedem Truge frei ist. Es ist kräftig, wenn die Kraft Gottes in ihm wirksam ist.

[081] Wenn ich dir aber geschrieben habe, mein Lieber, daß es ein Gebet sei, den Willen Gottes zu thun, so habe ich damit nur sagen wollen, daß Dieß gut und heilig sei. Du darfst aber wegen dieser meiner Äusserung ja nicht etwa das Gebet versäumen, sondern mußt dich um so eifriger desselben befleissigen, ohne je nachlässig zu werden. Denn es steht geschrieben, daß unser Herr sprach:[30] „Betet, ohne nachzulassen!“ Übe dich auch eifrig im Wachen und halte Schläfrigkeit und Trägheit fern von dir, und laß dich nicht verdrießen, bei Tag und bei Nacht zu wachen! Nun will ich dir zeigen, wann es an der Zeit ist zu beten. Das Gebet ist entweder Bitte oder Danksagung oder Lobpreis; Bitte, wenn du wegen deiner Sünden um Erbarmung flehst, Danksagung, wenn du deinem himmlischen Vater dankst, Lobpreis, wenn du ihn wegen seiner Werke preisest. Zur Zeit der Drangsal bringe ein Bittgebet dar; zur Zeit, da dich Gott mit seinen Gittern versorgt, sage dem Geber Dank; zur Zeit, da sich dein Herz freut, opfere Lobpreis! Auf diese Weise bringe alle deine Gebete mit richtiger Unterscheidung vor Gott und bedenke, daß auch David allezeit also sprach:[31] „Ich stand auf, um dir für deine gerechten Gerichte Dank zu sagen!“ In einem anderen Psalme sagt er:[32] „Preiset den Herrn vom Himmel, preiset ihn in den Höhen!“ Ferner sagt er:[33] „Ich will den Herrn benedeien allezeit; immer sei sein Lobpreis in meinem Munde!“ Er betete also nicht nur auf eine einzige Weise, sondern auf verschiedene Weisen je nach den Umständen. Mein Lieber, ich bin fest überzeugt, daß Gott den Menschen Alles gibt, was sie eifrig und anhaltend von ihm erbitten. Aber an Dem, welcher sein Gebet in heuchlerischer Gesinnung darbringt, hat Er kein [082] Wohlgefallen, wie geschrieben steht.[34] Der Beter muß also, ehe er sein Gebet opfert, zuvor sein Opfer sorgfältig untersuchen, ob sich kein Makel daran finde, und alsdann erst es aufopfern, damit sein Opfer nicht auf der Erde zurückbleibe. Was ist aber hier unter Opfer anders gemeint als das Gebet, wie ich dir schon oben geschrieben habe? Denn David sagt:[35] „Opfere dem Herrn Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!“ Denn von allen Opfern ist das reine Gebet das Beste.

Mein Lieber, befleißige dich also des Gebetes, welches für dich mit Gott redet, wie es beim Propheten Isajas heißt, als er den Israeliten ihre Sünden vorhielt und sie Fürsten Sodoma’s nannte, statt Söhne, welche er aufgezogen und erhöht hatte, weil sie ihre Ehre mit Schmach vertauscht hatten. Denn vorher sprach Isajas von ihnen:[36] „Söhne habe ich auferzogen und erhöht,“ und nachher nannte er sie Fürsten Sodoma’s und Volk von Gomorrha. Als sie aber nicht hörten auf die Drohung des Propheten: „Euer Land soll verwüstet und euere Städte mit Feuer verbrannt werden,“ und darauf, daß er sie Fürsten Sodoma’s und Volk von Gomorrha genannt hatte, brachten sie Opfer herbei, um Gott mit sich auszusöhnen. Aber ihre Opfer wurden nicht angenommen, weil ihr Frevel arg war, wie einst im Hause Heli’s, des Hohenpriesters. Denn es heißt in der heiligen Schrift:[37] „Die Schuld des Hauses Heli’s wird durch Opfer und Gaben nicht gesühnt werden.“ Ebenso erging es also auch den Israeliten. Denn Isajas sagte ihnen:[38] „Wozu soll mir die Menge euerer Opfer, spricht der Herr; ich bin überdrüssig der Brandopfer von Widdern und habe kein Wohlgefallen an dem Fette der Mastochsen und dem Blute der Stiere und Böcke. Wer hat dieses denn von eueren Händen verlangt?“ Da fragten sie ihn: [083] „Warum werden unsere Opfer nicht angenommen, obgleich du sie doch verlangt hast?“ Darauf antwortete ihnen der Prophet: „Weil euere Hände voll Blut sind.“ Sie fragten ihn: „Welches Heilmittel haben wir dagegen?“ Er erwiderte ihnen: „Waschet und reiniget euch, entfernet die Bosheit euerer Werke vor eueren Augen, höret auf zu sündigen und lernet Gutes zu thun, suchet Gerechtigkeit und erweiset den Unterdrückten Wohlthaten, schaffet Recht den Wittwen und Waisen!“ Sie fragten den Propheten: „Was wird uns zu Theil werden, wenn wir Dieß thun?“ Er antwortete ihnen: „So spricht der Herr: Wenn ihr Dieses thuet, so kommt und laßt uns mit einander reden!“ Wie können aber die Menschen mit Gott reden, ausser durch makelloses Gebet? Wenn aber das Gebet einen Makel hat, so redet es nicht mit Gott, wie es in dem obigen Ausspruche heißt: „Wenn ihr auch viel betet, so höre ich euch doch nicht; denn euere Hände sind voll Blut!“ Alsdann aber sagte er zu ihnen: „Wenn ihr euch gewaschen habt, so wollen wir mit einander reden. Wären euere Sünden auch wie Scharlach, so will ich sie weiß färben wie Schnee; wären sie roth wie Karmoisin, so sollen sie wie Wolle werden. Wenn ihr mir folget und gehorchet, so werdet ihr das Gute des Landes essen; wenn ihr aber nicht folget und hartnäckig bleibet, so werdet ihr durch das Schwert fallen; also spricht der Mund des Herrn.“

O, welch’ herrliche Geheimnisse schaute hier Isajas im Voraus! Denn er sagte zu ihnen: „Euere Hände sind voll Blut.“ Was ist dieses von Isaias voraus geschaute Blut anders als das Blut Christi, welches sie auf sich und ihre Kinder nahmen, und das der Propheten, welche sie tödteten? Dieses Blut ist roth wie Scharlach und Karmoisin und befleckt sie, so daß sie sich nicht reinigen können. Wenn sie sich aber in dem Wasser der Taufe abwaschen und Christi Leib und Blut empfangen, so wird Blut durch Blut entsühnt und Leib durch Leib gereinigt und die Sünde durch [084] Wasser abgewaschen, und das Gebet redet alsdann mit der Majestät. Siehe, mein Lieber, wie die Opfer und Gaben verworfen sind und statt ihrer das Gebet erwählt ist! Liebe also das reine Gebet, befleissige dich, Gott anzuflehen, bete vor allen anderen das Gebet deines Herrn, übe Alles, was ich dir geschrieben habe, eifrig aus und gedenke deines Freundes, so oft du betest!




  1. Gen. 15, 9.
  2. Joh. 10, 9.
  3. Ps. 117, 20.
  4. I. Kor. 11, 3.
  5. Matth. 3, 9.
  6. Joh. 7, 37.
  7. Gen. 32, 10.
  8. Wohl nur Abschreibefehler für Mathias.
  9. II. Paral. 14, 11.
  10. Dan. 6, 22.
  11. Matth. 6, 6.
  12. I. Kor. 8, 16.
  13. Is. 65, 24.
  14. Is. 1, 15.
  15. Ezech. 8, 18.
  16. Matth. 18, 20.
  17. Joh. 6, 56.
  18. Joh. 14, 10.
  19. Joh. 10, 30.
  20. Joh. 14, 20.
  21. Vgl. II. Kor. 6, 16; Ezech. 43, 9.
  22. IV. Kön. 6, 16.
  23. Matth. 5, 23.
  24. Malach. 1, 14.
  25. Malach. 1, 8.
  26. Is. 28, 12.
  27. Ps. 105, 30–31.
  28. I. Kor. 11, 31.
  29. Matth. 25, 35.
  30. Luk. 18, 1.
  31. Ps. 56, 8. 9.
  32. Ps. 148, 1.
  33. Ps. 33, 1.
  34. Ps. 5, 4.
  35. Ps. 49, 14.
  36. Is. 1, 2.
  37. I. Sam 3, 14.
  38. Is. 1, 11.