Ausladung fremdländischer Thiere

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Textdaten
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Autor: Heinrich Leutemann
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Titel: Ausladung fremdländischer Thiere
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 648–649
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Gartenlaube (1874) b 646.jpg

Ausladung einer Sendung afrikanischer Thiere aus dem Schiffe „Urano“ in Triest.
Nach der Natur aufgenommen von H. Leutemann.

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Ausladung fremdländischer Thiere.



„Mein lieber L., Sie sollten einmal mit mir nach Triest reisen, wenn für mich dort Thiere ankommen. Zu sehen, wie da die Elephanten, die Giraffen in der Schlinge hängen, mittelst des Krahns aus dem Schiffsraum in die Luft gehoben und dann entweder zum Landen in die Barke oder zunächst nur auf das Verdeck niedergelassen werden – das würde Sie gewiß sehr interessiren,“ so sprach schon im vorigen Jahre einmal mein Freund Hagenbeck zu mir, und ich gestehe, daß diese kurze Schilderung hinreichte, um den Entschluß zur Mitreise in mir zu reifen. Im vorigen Jahre wurde Nichts aus der Sache; um so energischer trafen wir aber für dieses Jahr unsere Verabredung, und im Mai führte uns ein Eilzug von Dresden, wo wir uns getroffen, nach dem Süden. Ein Transport von acht Giraffen, fünf Elephanten, drei Löwen, drei Leoparden, drei Hyänen, drei Luchsen, vier Nashornvögeln, einem Kranichgeier (Secretär), achtundzwanzig Perlhühnern, vier Trappen, einem Uhu und einer Menge kleiner Säugethiere und Vögel war bereits zu Schiff von Alexandrien unterwegs und mußte in den nächsten Tagen in Triest eintreffen.

Nach kurzer Ruhepause in Triest setzten wir in früher Morgenstunde unsere Reise fort und ließen uns fabrikmäßig als Eilzugreisende von den gebildeten und gescheitelten Kellnern der Bahnhöfe im Hochgebirge abspeisen und tränken. Trotz der langen Maitage kamen wir doch erst im Dunkeln in Triest an. Der im Bahnhof nebst andern ähnlichen Geistern aufgestellte Commissionär des Hôtels zum „Schwarzen Adler“ belehrte uns, daß das Schiff „Urano“ noch nicht angekommen sei, dagegen seien vor Kurzem einige Thiere ausgeladen worden, „nit Löwi, nit Leopardi“, sondern Thiere „mit die lange Näs“. Für wen diese Elephanten „mit die lange Näs“ waren, das wußte er nicht. So finster es war, so kam mir doch Alles gleich ganz italienisch vor; auf dem Bahnhofe vernahm man fast nur die italienische Sprache, und wo wir unsere Muttersprache hörten, war es stets das fremdartige Deutsch des Italieners. Auch der „Schwarze Adler“, der uns bald unter seine Fittiche nahm, machte in Bezug auf die Personen seines Haushalts davon keine Ausnahme, was insofern sein Gutes hatte, als man nun in freien Augenblicken gelegentliche Studien im Italienischen machen konnte, worin mir Carlotta, das Stubenmädchen, treulich behülflich war.

Ein sanftes, nicht unharmonisches Plätschern weckte uns am andern Morgen: der Himmel ergoß sich in Strömen von Regen. Ich hatte bisher immer solches Wetter für ein Vorrecht meines geliebten Vaterlandes gehalten, sah aller nun meinen Irrthum ein. Der „Urano“ war aber auch in der Nacht noch nicht angekommen.

Es war Sonntag, und da sogar an Festtagen einiges Verkaufsleben auf dem Markte am Hafen herrscht und die fremdartigen Fischformen mich interessirten, konnte das Auge sich doch nicht über Mangel an Beschäftigung beklagen. Auch eine große Menagerie war gerade in Triest und wurde natürlich von uns besucht. Als wir endlich zur Leibesstärkung dem Horste des schwarzen Adlers wieder zusteuerten, saßen bereits der Bruder und der Agent meines Freundes im Gastzimmer; der „Urano“ war also eben angekommen. Der erstgenannte Herr war mit einem Wärter dem Agenten, Herrn Meyer, bis Suez entgegengereist, und Alles war glücklich in Triest angelangt.

Jetzt war selbstverständlich das Nächste die Besichtigung der angekommenen Thiere; wir begaben uns also nach dem Hafen und balancirten über die lange, zum Verdecke führende, vom Regen schlüpfrige Brücke hinauf und dann auf steiler Treppe hinunter in den Schiffsraum. Hier herrschte natürlich ein malerisches Durcheinander: vor und hinter dem Maschinenraume standen die großen Thiere, an die Schiffsseiten angebunden. In der Mitte war aus Kisten, Koffern, Säcken, Matten und allerhand Vorräthen eine Art Lager errichtet, für einen Maler ein köstlicher und anregender Anblick; fast Alles war meinem Auge neu: die aus Stroh geflochtenen Säcke von verschiedensten Formen, früher mit Futter gefüllt, jetzt theilweise leer, die Schilde aus Elephantenhaut, die Seile aus Durrastroh, die aus einem Stück Baumstamm geschnitzten Futterschüsseln und was sonst Alles noch dalag. Nur der Schinken und die Bierflaschen, Reste eines von den Leuten genossenen Frühstücks, waren mir bekannte Größen.

Von den Thieren waren, wie schon erwähnt, nur die Giraffen und Elephanten frei angebunden; einige mitgenommene Schafe liefen, fast immer den Andern im Wege, ganz frei herum. Alles Uebrige befand sich in den üblichen durchweg aus Holz bestehenden Transportkäfigen, welche der Raumersparniß wegen stets so eng wie möglich sind, so daß es den Thieren darin nie zu wohl wird.

Einen unerwarteten und höchst unterhaltenden Anblick gab es, als aus einem Käfige zwei junge mit Halsbändern versehene Löwen, aus einem andern ein rother Affe genommen und mit Stricken angebunden wurden. Sie waren offenbar alte Bekannte, denn der Affe, ein junger, überaus lustiger, von der Philosophie des Lebens noch nicht angekränkelter Gesell, sprang sofort auf die Löwen zu und fing an mit ihnen zu spielen. Auch diese, im Gefühle der größeren, wenn auch gemäßigten Freiheit, überließen sich ihrer jugendlichen Heiterkeit, und die Scenen, die sich da entwickelten, waren so überaus komisch, daß Alles aus vollem Herzen lachen mußte. Am komischsten war es wohl, wenn der Affe auf einen der Löwen sprang und sich nun sitzend oder stehend wie ein Kunstreiter im Circus geberdete, wobei der als unfreiwilliges Pferd dienende Löwe auf’s Eifrigste bestrebt war, seinen Reiter loszuwerden.

Der Morgen des andern Tages galt den Vorbereitungen zur Ausladung, strafte aber leider unsere Hoffnungen auf schönes Wetter Lügen. Es regnete zwar nicht mehr mit der erstaunlichen Beharrlichkeit wie am Vormittage des vorigen Tages; dafür hatte sich aber ein kaltes Wehen aufgethan, die Bora, jener berüchtigte Wind, der von den kahlen Abhängen des Karstes herab die Triestiner öfter heimsucht. Um die Thiere vor Regen und Wind zu schützen, mußten also zunächst Decken gesucht und zum Umbinden zurecht gemacht werden. Ein immer regeres Leben entwickelte sich nun auf dem Schiffe, und ich ließ es nicht daran fehlen, überall, wo es galt, dabei zu sein und tapfer zuzusehen, denn das ist nun einmal der Beruf des Malers. Unweit des Hafens stand auf ganz niedrigen Rädern eine Anzahl merkwürdig langer Ochsenwagen; ein solcher wurde gemiethet, um die Kisten, Koffer und alles Derartige nebst den Thierkäfigen zu befördern. Ich habe nämlich zu erwähnen vergessen, daß eigentlich Alles zusammen auf einer Dampfbarke, also zu Wasser, nach dem Bahnhofe gebracht werden sollte, aber diese Art des Transportes wurde nicht nur dadurch unmöglich, daß das sonst so ruhige Wasser des Hafens immer größere Wellen warf, sondern auch in Folge eines Schadens an der Maschine der Dampfbarke. Der Transport mußte daher zu Lande, also durch die Straßen bewerkstelligt werden.

Jetzt endlich ging nach genügendem vorherigem Durcheinanderlaufen das Aufwinden vor sich; unter dem lauten Aechzen der Kisten, dem Rasseln der Krahnkette und dem Rufen und Commandiren der dabei Thätigen stiegen die betreffenden Gegenstände, gewöhnlich drei oder mehr zusammengefesselt, an’s Tageslicht empor, um dann die Brücke hinab auf den Ochsenwagen befördert zu werden. Beim Handhaben der Käfige mit den Raubthieren mußte natürlich mit großer Vorsicht verfahren werden, denn obwohl die starken Gitterlatten nur sehr enge Zwischenräume haben, greifen doch insbesondere die gewandten Leoparden oft mit den Tatzen heraus. So laborirte z. B. Herr Meyer noch an einer auf diese Weise in Alexandrien empfangenen Wunde am Beine, während ein Diener, Seppel, noch von Inner-Afrika her aus gleichem Anlaß die rechte Hand verbunden trug. Als der Wagen beladen war, sollte auch meine Neugierde befriedigt werden, denn nun kam die Reihe an die Thiere. Den Anfang machten zwei arabische Pferde, welche noch in Alexandrien gekauft worden waren; sie benahmen sich dabei verständig genug und ergaben sich, nachdem sie beim Emporheben einige fruchtlose Versuche, Boden zu gewinnen, gemacht hatten, ruhig in ihr Schicksal. Oben auf dem Verdecke hingegen kostete es große Mühe, die Thiere zum Stehen zu bringen, und [649] es gewährte vom Schiffsraume aus, wo ich stand, einen merkwürdigen Anblick, den schönen Schimmelhengst zu sehen, wie er zuerst hinaufkam, sich nicht wieder zu stehen getraute und rings herum nun festgehalten wurde, bis er den Gebrauch seiner Beine wieder erlernte.

Große Schwierigkeiten verursachten die Elephanten; sie ließen sich noch ziemlich ruhig unter die Krahnkette führen, aber von dem Augenblicke an, wo ihnen der Gurt untergelegt wurde, wehrten sie sich oft verzweifelt, unter furchtbarem Gebrülle warf fast stets das betreffende Thier die drei Männer, die dieses Amt übernommen hatten, rechts und links auseinander und entwickelte dabei trotz seiner verhältnißmäßigen Kleinheit eine für die Zukunft vielversprechende Kraft. Und doch schmeckt keins der eingefangenen Thiere von Anfang an so viel Prügel, wie der widerspenstige Elephant. Aber es ist eben leichter in China einen gemeinen Soldaten zur willenlosen Maschine zu machen, als einen solchen in der Freiheit geborenen Elephanten über seinen nunmehrigen Standpunkt zum Menschen aufzuklären.

Hingen die Elephanten nach Bewältigung ihres Widerstandes endlich in der Schlinge, so waren sie auch da noch lange nicht zur Ergebung in ihr Schicksal gekommen; sie brüllten noch wie besessen, oben auf dem Verdecke aber kamen sie, wahrscheinlich im Gefühle ihrer dicken Beine, auch schnell wieder zum Gebrauche derselben. Einen sehr komischen Eindruck machte ein ganz kleiner Elephant, der aus seiner Decke kaum noch mit Rüssel und Schweif hervorragte und daher einen nicht ganz Kundigen über das Hinten oder Vorn leicht irre führen konnte. Als er, der am geduldigsten und nur auf’s Fressen bedacht war, am Krahn hing, erinnerte er fast an eine Schildkröte; so ganz anders war durch die verhüllende Decke seine Erscheinung geworden.

Den eigenthümlichsten Anblick von allen Thieren boten natürlich die Giraffen, wenn sie in gleicher Weise den Schiffsraum zu verlassen hatten. Die Giraffe hat bekanntlich etwas überaus Sanftes, Weibliches, und im Zusammenhange damit ist selbst ihr Widerstand, wo er stattfindet, mehr ein passiver. Ruhig ließen diese Thiere sich den Gurt umhängen und umschnallen, als sie aber nun in der Schwebe hingen, da wurde das Bild allerdings ein höchst groteskes. Gleich einer gigantischen Spinne griff dann stets das Thier mit den langen Beinen nach allen Seiten um sich, um den verlornen Boden wieder zu suchen, und die Gefahr, sich an den Wänden die Beine zu zerschlagen, war mehrmals sehr groß. Der Kopf wurde, wie auch bei den andern Thieren, gleich von Anfang an am Stricke, dessen Ende hinaufgereicht wurde, von oben gehalten, so daß das Thier, oben angekommen, gleich in der menschlichen Gewalt war. Aber merkwürdig, wie beim Menschen so oft, so war auch den Giraffen in der kurzen Minute der bodenlose Zustand so geläufig geworden, daß er ihnen als selbstverständlich erschien, und sie nicht wieder auf den Beinen stehen wollten. Es sah äußerst gefährlich aus, wenn auf dem engen Verdeckraume dann fünf bis sechs Personen mit allen Kräften bemüht waren, das immer von Neuem zusammenknickende Thier aufzurichten. Aber zuletzt gelang es doch stets, und endlich stand die langhälsige Gesellschaft auf dem Verdecke versammelt. Als die Thiere alle oben waren, wurde noch zusammengesucht, was noch unten zurückgeblieben, z. B. einige Kasten und dergleichen; die Schafe wurden gleich von Menschenarmen hinaufgehoben, wobei sie, jedenfalls zu ihrer Verwunderung, nicht eben sanft angefaßt wurden. Es waren dies ein Paar schwarzköpfige Fettsteißschafe mit einem Jungen. Das Mutterschaf und das Junge waren noch mit rothgelber Farbe bemalt, wie das die Hirtenvölker dort gern thun. Das auf dem Bilde liegend dargestellte Fettschwanzschaf war erst in Suez gekauft und soll die in Syrien übliche Race repräsentiren, während das dahinter stehende aus Cassale im Soudan stammt.

Jetzt war Alles zum Abzuge bereit; auch die Giraffen waren bereits am Lande. „Avanti (vorwärts)!“ rief laut Herr Hagenbeck, der die größte Giraffe selbst führte; „avanti!“ brüllte jetzt die ganze Masse der angestellten Leute, und fort ging’s in malerischem Zuge und mit fortwährenden Hindernissen. Für die liebe Straßenjugend war die Sache ein Hauptgaudium; auf alle Weise suchten sie die Thiere scheu zu machen, empfingen aber dafür gerechte Peitschenhiebe an die Beine, und auch ich habe sie mehrmals auf gut Deutsch grimmig ausgescholten, leider mit sehr vorübergehendem Erfolg. Es waren ein Paar famose Jungen darunter, die ich am liebsten gleich gemalt hätte, obgleich sie große Flegel waren. Von den Giraffen erwiesen sich einige kleinere als nicht sehr von der Weiblichkeit beseelt, die ich vorher pries; sie sprangen nach rechts und links, weshalb Herr Hagenbeck die schwierigste sich selbst zum Führen aussuchte; er blieb aber doch mit derselben immer mehr zurück. Mit fortwährendem Geschreie trieben die Wagenführer ihre Ochsen an, obgleich dieselben ganz wacker zogen; auf dem letzten Kasten des Wagens saß der rothe Affe angebunden, immer geneckt von der hoffnungsvollen Jugend und Gesichter schneidend. Von den Schafen mußten die schwarzköpfigen auf den Kutschersitz einer mitfahrenden Droschke genommen werden; kurz das Ganze bot ein wildes Durcheinander, so wild, wie man es als Künstler nur wünschen konnte. Nicht weit vom Bahnhofe kamen auf einmal sämmtliche Giraffen in Galopp, als könnten sie den Genuß der Eisenbahnfahrt nicht erwarten. Sie sollten ihn länger haben, als zu erwarten war.

Ich bin mit dem zu Ende, was zur Erläuterung des Bildes gehört, und kann nun ganz kurz sein. Nachdem ich noch der Gefahr, von einem Windstoße in’s Meer geweht zu werden, mit Noth entgangen war, fuhren wir, mein Freund, der Agent, und ich, mit dem Eilzuge voraus nach Wien; der Zug, der die Thiere mitnehmen sollte, fuhr später und langsamer. Der Regen wurde ein gewaltiger Landregen; wir zwar kamen noch glücklich nach Wien, aber eine viertel oder halbe Stunde nach dem Passiren unseres Zuges über eine kleine Brücke im obern Steyermark war diese, unterwaschen von dem steigenden Wasser, zusammengestürzt, und der später kommende Zug mit den Thieren konnte nicht weiter. Ziemlich drei Tage, bis eine Nothbrücke hergestellt war, mußte der Thiertransport hier liegen, glücklicherweise ohne andern Schaden, als den Zeitverlust.

Ich selbst reiste schließlich voraus bis Dresden, wo mich die Depesche mit der Nachricht von der Abfahrt aus Wien noch erreichte, so daß ich die Ankunft der Thiere noch abwartete; denn in Dresden wurde zur Erholung Halt gemacht; verschiedene Thiere wurden der Bewegung wegen einmal herausgenommen, z. B. die Pferde, die jungen Löwen mit dem Affen etc. Eine große Rolle spielten hier die Schildkröten, welche gleichsam als Trinkgelder, ein hoher Kasten voll, mitgenommen worden waren. Wer sich verdient machte durch Etwas, was sich nicht gut mit Geld lohnen ließ, erhielt seine Schildkröte und war glücklich darüber. Ich selbst, als ich mich hier von meinen Reisegenossen trennte, empfing zum Lohne für mein thatkräftiges Zusehen einen Korb voll großer aus Corfu mitgebrachter Orangen, nebst einem desgleichen voll Schildkröten. Letztere vertheilte ich aus Mangel an passendem Raum zur Unterbringung derselben, und sie wandeln wohl alle noch bei den Empfängern munter herum; erstere erlaubte ich mir wenigstens theilweise selbst zu behalten und ihr Andenken ist noch jetzt ein gesegnetes.

Den Schildkröten, beiläufig gesagt, bohrt man in die hintere Seite des Schildes ein Loch, zieht einen starken Faden hindurch, und kann sie so nach Belieben kurz oder lang anbinden, so daß sie sich nach persönlichem Bedürfniß im Freien bewegen können. Sie fressen fast alle Pflanzenkost. (Meine Knaben empfingen als Trost für die weggeschenkten Schildkröten später ein kleines Krokodil für ihr Aquarium, welches, nachdem es den ersten Aerger über die Reise von Hamburg überwunden, jetzt munter frißt und das Interesse von Jung und Alt erregt. Für Aquariumliebhaber sind solche kleine Krokodile eine sehr hübsche Neuigkeit.) Die transportirten Thiere sind natürlich alle längst verkauft, und auch von der großen Menagerie, welche in Triest gleich im Vorbeigehen mitgekauft wurde, ist meines Wissens nichts mehr vorhanden, da fast alles schon unterwegs seine Käufer fand.

L.