Bär (Wolf) und Fuchs/Nachtrag I

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Bär (Wolf) und Fuchs Bär (Wolf) und Fuchs (1888) von Kaarle Krohn, übersetzt von Oskar Hackman
Nachtrag I
Nachtrag II
[117]
Nachtrag I
(z. S. 62.)

Zur Stütze der dritten möglichen Annahme, dass die russischen zwischen Wolf und Fuchs sich abspielenden Märchen erst in späterer Zeit nach dem Entstehen des Tierepos durch Deutschland (z. B. durch die hanseatischen Verbindungen in Nowgorod) eingewandert sind, hat mein werter Herr Opponent, Dr. E. Aspelin noch einige Thatsachen hervorgehoben:

1) Dass der Wolf, obgleich nicht in allen zwischen Bär und Fuchs sich abspielenden Märchen (s. IV, III, II), so doch in dem Fischen mit dem Schwanze (VII), sowie in den mit diesem zusammenhängenden Märchen (VI, VIII, IX) in Russland durchgehend die Stellung des Bären im Norden eingenommen hat, ganz wie im Westen Europas und dem dort entstandenen Tierepos, wesshalb es nicht wahrscheinlich ist, dass eine so eingreifende Umwandelung in zwei verschiedenen überaus grossen Variantengruppen unabhängig von einander spontan stattgefunden habe, besonders da die literarische Einwirkung in Russland nie so bedeutend wie in Deutschland gewesen ist.
2) Dass die Bedränger des mit dem Schwanze festsitzenden Wolfes bei den Grossrussen zufällig, ohne gerufen zu werden, zur Wuhne gelangen, ganz wie in einigen deutschen (Dd 15) und französischen (Fa 9) Varianten, sowie im Renart, Reinhart und bei Odo von Cirington.
3) Dass in einigen grossrussischen Varianten ein Zuber, Korb od. dergl. am Schwanze befestigt wird (Ha 3, 4; vgl. Bg) [118] ganz wie in mehreren polnischen (Hd 1), deutschen (Dd 8, 11), französischen (Fa 1, 3, 7, 8, 9) und italienischen (Fd 1) Varianten sowie im Renart, Reinhart und Fabul. Extrav.

Gegen diese Annahme sprechen nach meiner Ansicht:

1) Die regelmässige Verbindung der Einzelmärchen VI + VII + VIII + IX, die den Russen, Schweden und Finnen gemeinsam ist, aber sich weder in den volkstümlichen Varianten des Westens noch im Tierepos (selbst von VI + VII giebt es nur eine schwache Spur in dem ältesten und am wenigsten verbreiteten Ysengrimus; VIII und besonders IX kennt das Tierepos überhaupt nicht) vollständig erhalten hat; dagegen haben sich die verschiedenen Verbindungen des Fischens mit dem Schwanze (VII) im Tierepos in keiner einzigen volkstümlichen Variante gezeigt.
2) Der Umstand, dass die Bedränger in West- und Süd-Russland vom Fuchse herbeigerufen werden, ganz wie gewöhnlich in Skandinavien und Westfinnland; weiter der Umstand, dass auch in den meist verbreiteten literarischen Tiermärchen, den Fabul. Extrav. und sogar im Reynke 2 durch das Geschrei der Wölfin, die Bedränger herbeigerufen werden; das Fehlen dieses Herbeirufens möchte ich aus diesem Grunde als eine zufällig und an mehreren Orten spontan geschehene Auslassung ansehen, besonders da sie in den volkstümlichen Varianten der Deutschen und Franzosen so vereinzelt vorkommt.
3) Die alleinstehende westfinnische Variante (Ad ‘a. Iitti’), wo ein Zuber dem Bären an den Schwanz gehängt wird, ohne dass hier ein russischer oder westeuropäischer Einfluss angenommen werden kann; ich möchte also auch diesen Zug als einen ganz natürlichen und sich an mehreren verschiedenen Orten (deutsch-französische Grenze, West-Russland und Finnland) spontan wiederholenden Zusatz erklären.
Kaarle Krohn.     


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