Bäume und Steine von lebendigen Menschen

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Bäume und Steine von lebendigen Menschen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 480
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[480] Bäume und Steine von lebendigen Menschen. Ein Reisender in Abyssinien bemerkte, als er von dem Flusse Moischime seinen Rückzug angetreten, unweit des Weges alte verdorrte Bäume und Steine, die er den Tag vorher nicht bemerkt hatte. Einer seiner Begleiter, ein Eingeborner, rief beim Anblick dieser alten Baumstümpfe sogleich aus: „Das sind Räuber, die uns überfallen wollen!“ Ich lachte, denn in einem der nächsten Bäume erkannte ich deutlich einen alten, vom Feuer verkohlten Stumpf. Um mir zu beweisen, daß es nichts, als nackte Bareo’s (abyssinische Sklaven) waren, nahm er seine Flinte, kroch in dem langen Grase unbemerkt vorwärts und schoß den nächsten Baum nieder, der denn auch schreiend hinstürzte. Der Schuß wirkte auf die andern Bäume und die Steine, wie einst die Lyra des Orpheus. Alle bekamen Leben, und lösten sich in schnelllaufende, schwarze Menschen auf, die freilich nicht, wie die Bäume des Orpheus, vor Freude auf uns zu, sondern aus Furcht von uns wegtanzten. Mir schien es unmöglich, daß die Kerls sich so täuschend in Bäume und Steine verwandeln könnten, bis einige Mitglieder meines Gefolges, die einst mit zu dem „Geschäft“ gehört hatten, mich überzeugten, indem sie sich theils zu Steinen zusammenwickelten, theils zu Bäumen mit grotesken Aesten und Zweigen gliederten. Einige Stellungen dabei waren so verrenkt und anstrengend, daß die Leute damit in Europa als gymnastische Künstler wahrhaftes Furore und mehr Geld machen würden, als in den menschenleeren Gebirgen und Hochebenen Abyssiniens.