BLKÖ:Barbier, Adrian Nikolaus Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 152. (Quelle)
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Barbier, Adr. Nikol. Freiherr von (Staatsmann, k. k. geheim. Rath, Gouverneur der östr. Nationalbank, geb. zu Brüssel 10. Juli 1758, gest. 12. October 1840). Trat 1777 in östr. Staatsdienste, wurde 1791 Rechnungskammerrath, 1794 Domänen- und Finanzrath. In den J. 1792 und 1794 retteten seine Umsicht und rastlose Thätigkeit einen bedeutenden Theil des östr. Staatseigenthumes in den Niederlanden. [153] 1802 wurde B. Hofrath bei der k. k. allg. Hofkammer. Thätigen und von glücklichem Erfolge begleiteten Antheil nahm B. an der Sendung als zweiter k. k. Commissär im J. 1815 nach Wien behufs der Contributionen, der Uebernahme des Aerarialdepots und anderer mit dem französ. Generalintendanten Daru zu pflegenden Unterhandlungen. Der Kaiser zeichnete ihn dafür mit dem St. Stephansorden aus. In den J. 1809 und 1810 zu den in Ofen abgehaltenen Conferenzen des Fürsten Liechtenstein mit dem französ. Bevollmächtigten Grafen Champagne zugezogen, stellte er des Letzteren überspannten Forderungen in Oesterreichs Interesse solchen Widerstand entgegen, daß Graf Champagne gegen Barbier’s Anwesenheit bei den Unterhandlungen protestirte. Nun wurde B. zum Vicepräsidenten der k. k. allg. Hofkammer und zum wirkl. geh. Rathe erhoben. Im J. 1814 war B. beim Heere der Alliirten im Gefolge der obersten Armee-Verwaltung, wo er so ersprießliche Dienste leistete, daß er mit dem nur sehr Wenigen verliehenen goldenen Civilehrenkreuze von seinem Kaiser ausgezeichnet wurde. Er wohnte den Conferenzen des Wiener Congresses bei und im J. 1815 führte er 3 Commissionen aus, von denen ihm der insbesondere bei letzterer bewiesene Tact und die dabei bethätigte strenge Rechtlichkeit einen europ. Ruf erwarben. Diese Commissionen waren: 1) die Privatforderungen Oesterreichs an Frankreich, 2) dieselben Forderungen der alliirten Staaten und 3) die Realisirung der französischen Contributionen an die Alliirten. B. erhielt nun das Commandeurkreuz des St. Stephansordens und wurde in den Freiherrnstand erhoben. Bis zum J. 1822 verblieb B. in Paris; 1828 begab er sich behufs mehrerer östr. Reclamationen nach Brüssel zum Abschluß der Convention vom 5. Mai 1828. Als er nach 13jähr. Abwesenheit nach Wien zurückkehrte, berief ihn der Monarch zu dem Posten eines Gouverneurs der östr. Nationalbank, aus welcher Stelle er 1837 in die Ruhe übertrat und bei dieser Gelegenheit das Großkreuz des k. k. Leopoldordens erhielt. Aus seiner Ehe mit Theresia Deplangue hinterließ er vier Töchter, doch keinen männlichen Erben. Im Leben heiter, leidenschaftslos, zeichnete er sich durch strenge Moralität, Gottesfurcht, Menschenliebe und Anspruchslosigkeit aus.

Zeitung für den deutschen Adel (1840) Nr. 98. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar 1842, Voigt) XVIII. Jahrg. 1840, 2. Thl. S. 1006. – Oestr. National-Encyklopädie (v. Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 182.