BLKÖ:Bononcini, Johann Maria

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Boogers, Lukas
Band: 2 (1857), ab Seite: 59. (Quelle)
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Giovanni Battista Bononcini in der Wikipedia
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Bononcini, Johann Maria[WS 1] (geb. zu Modena um das J. 1660[WS 2], gest. zu Venedig[WS 3] um die Mitte des vorig. Jahrh.). Sein längerer Aufenthalt zu Wien, für dessen Hoftheater er mehrere Opern componirte, welche daselbst aufgeführt wurden, räumt ihm eine Stelle in diesem Lexikon ein. Schon sein Vater, gleichen Namens[WS 4], war ein ausgezeichneter Musiker und unter ihm bildete sich Johann Maria aus. 1694 erschienen zu Rom zwei für das dortige Theater geschriebene Opern. Im J. 1699 kam er nach Wien. Die dem Kaiser Leopold gewidmeten „Duetti da Camera“ (Bologna 1691) hatten schon früher die Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet. In Wien hielt er sich in der Eigenschaft eines kais. Compositore bis 1710 auf, in welcher Zeit folgende Opern von ihm aufgeführt wurden: „La Fede pubblica“ (1699); – „Affetti più grandi vinti dal più giusto“ (1701); – „Endymione“ (1706); – „Mario fuggitivo“ (1708); – „Abdolonimo“ (1709); – und „Muzio Scevola“ (1710). Im J. 1720 folgte er einem Rufe nach London, wo Georg I. den Gedanken gefaßt, eine Akademie der Musik zu gründen, und zur Ausführung desselben die drei größten Musiker seiner Zeit, Ariosti, Bononcini und Händel, der aber bereits in England lebte, berief. In London stieg nun B.’s Ruf als Künstler zu hoher Bedeutung. Eine glückliche Composition „Funeral Anthem for John Duke of Marlborough“ (London 1722, in Partitur gest. ), welche bei des Herzogs Beerdigung in Westmünster aufgeführt worden, erwarb ihm die Huld der Gräfin von Godolphin nach ihres Vaters Tode Herzogin von Marlborough, die ihm ein Jahrgehalt von 500 Pf. St. aussetzte. Auch wurden ihm seine Compositionen mit hohen Summen bezahlt. Da verminderte ein ihm vorgeworfenes und auch vollkommen erwiesenes Plagiat sein Ansehen, er verlor selbst die Gunst seiner Schutzfrau und verließ endlich 1733 London [die nicht uninteressante Plagiat-Geschichte erzählt umständlich Gerber in dem unter den Quellen angeführten Lexikon der Tonkünstler]. Einige Jahre hielt er sich nun in Paris auf, als er nach dem Aachener Friedensschlusse einem neuen Rufe des Kaisers von Oesterreich nach Wien folgte (1748), wo er zur Feier des Friedens eine Composition verfaßte, wofür ihm der Monarch 800 Ducaten schenkte. Nun begab er sich nach Venedig, wo er als Componist ein Engagement fand, nach und nach aber ganz verschollen war. [Alle seine anderen Compositionen zählt Gerber im bezeichneten Werke auf.] Marc Antonio[WS 5], sein Bruder, gleichfalls ein tüchtiger Musiker, schrieb auch mehrere Opern für die Wiener Hofbühne u. z. „Camilla Regina de Volsci“ Opera seria, aufg. 1697, welche seinen Ruf über ganz Europa verbreitete; – „Etearco“ Opera seria, 1707; – „Tigrane Rè d’Armemia“ 1710, und das Oratorium: „Decollazione di S. Giovanni Battista“, auch in Wien 1709 aufgeführt.

Hawkins Geschichte der Musik V. Bd. S. 274 [daselbst sein Porträt nach dem unten angegebenen gestochen]. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgem. Encyklopädie der Künste und Wissenschaften (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 11. Th. S. 412. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues Historisch-biogr. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, A. Kühnel, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 555 [unter dem Namen: „Buononcini“]. – Porträt gestochen in Kupfer von Sympson (London 1733, gr. Fol.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Nach Anderen heißt er Giovanni bzw. Giovanni Battista Bononcini.
  2. 18. Juli 1670.
  3. 9. Juli 1747 in Wien.
  4. Giovanni Maria Bononcini (1624–1678) (Wikipedia).
  5. Nach Anderen heißt er Antonio Maria Bononcini.