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BLKÖ:Brücke, Ernst

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 2 (1857), ab Seite: 169. (Quelle)
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Brücke, Ernst (Dr. der Arzneikunde, Professor der Physiologie und höhern Anatomie an der Wiener Hochschule, wirkl. Mitgl. der kais. Akademie der Wiss., geb. in Berlin am 6. Juni 1819). Sein Vater ist der Porträt- und Historienmaler Johann Gottfried Brücke. Im Alter von drei Jahren reiste B. mit seinen Eltern nach ihrer Vaterstadt Stralsund, wo er bald darauf die Mutter verlor. Da sich sein Vater nach Italien begab, blieb B. im Hause seines Oheims, des Dr. Friedrich Bernhard Droysen, Superintendenten in Stralsund, dessen Gattin den Knaben in seinen vielen und langwierigen Krankheiten mit aufopfernder Sorgfalt pflegte. B. besuchte das Stralsunder Gymnasium und bezog nach dem Tode seiner Pflegeeltern im Herbste 1838 die Universität Berlin, wohin auch sein Vater zurückgekehrt war. Im Frühling 1840 ging B. nach Heidelberg, und im Herbste desselben Jahres, nach einer Reise durch die Schweiz, Ober-Italien u. Tyrol nach Berlin zurück. Nun begann seine wissenschaftliche Thätigkeit, und zwar veröffentlichte er seine ersten Arbeiten in Müller’s Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin. Die erste Abhandlung, die von Brücke im Drucke erschien, war die Theorie des Stereoskops, von dessen Wirkungen sein Erfinder, Wheatstone, eine unrichtige physiologische Erklärung gegeben hatte (in Müller’s Archiv 1841, S. 459). Bald trat Brücke in nähere Beziehungen zu seinen Lehrern, und zwar zu Joh. Müller, Eilhardt, C. G. Mitscherlich, H. W. Dowe, später auch zu G. Magnus und J. C. Poggendorff. Im Herbste 1842 ward er zum Doctor promovirt, machte das Staatsexamen als praktischer Arzt und Operateur und ward dann im Herbst 1843 als Assistent Johann Müller’s am königl. Museum für vergleichende und pathologische Anatomie angestellt und versah das Amt des Prosectors, da der Prosector, Dr. W. Peters von der Regierung zu wissenschaftlichen Zwecken nach Afrika geschickt worden war. Auf der Universität knüpfte er mit Emil du Bois-Reymond enge Freundschaftsbande. Wissenschaftliche Zusammenkünfte bei Professor G. Magnus, bei denen sich außer B. auch noch W. Heintz, H. Knoblauch, G. Karsten und W. Beetz einfanden, veranlaßten im Jahre 1845 die Bildung der Berliner physikalischen Gesellschaft, ohne andere Geldmittel als die jährlichen Beiträge der Mitglieder, deren Anzahl sich im Jahre 1846 schon auf 55 belief. Die Gesellschaft versammelte sich von nun an regelmäßig, ihre Jahresberichte erschienen jährlich unter dem Titel: „Fortschritte der Physik, dargestellt von der physikalischen Gesellschaft zu Berlin“. In den Jahrgängen 1845, 1846 u. 1847 befinden sich B.’s Jahresberichte über die Capitel: „Diffusion und physiologische Optik“. 1846 schickte ihn die königl. preußische Regierung nach Düsseldorf, Brüssel, Antwerpen, Frankfurt a. M. und München, um über den anatomischen Unterricht an diesen Kunstschulen Bericht zu erstatten, und nach seiner Rückkehr wurde er mit Belassung in seinem frühern Posten als Anatom an der königlichen Akademie der Künste zu Berlin angestellt, wobei ihm die Kenntnisse sehr zu Statten kamen, die er in seines Vaters Atelier und in stetem Umgange mit Malern und Bildhauern gesammelt hatte. 1848 ward er an Burdach’s Stelle zum außerordentlichen Professor der Physiologie in Königsberg ernannt, und vermälte sich im nämlichen [170] Jahre zu Stralsund mit der Tochter des Regierungssecretärs Brünslow. Im Winter desselben Jahres erhielt er einen Ruf nach Wien, dem er im April 1849 folgte und wo er bis zur Stunde in seinem Berufe thätig ist. Der Almanach der kaiserl. Akademie der Wissenschaften von 1851 und der Nachtrag von 1852 zählen die verschiedenen Abhandlungen dieses Gelehrten auf, welche in Poggendorfs Annalen, in Müllers Archiv, in der Zeitschrift der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien, in den Denkschriften und Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften abgedruckt sind. Insbesondere sind es die Lehre vom Sehen, die Anatomie und Physiologie des Auges und die Farbenlehre, welche B. in einer größern Reihe von Abhandlungen bereichert hat. Selbständig erschien: „Grundzüge der Physiologie und Systematik der Sprachlaute für Linguisten und Taubstummenlehrer bearbeitet“ (Wien 1856, Gerold, 8°.). B. ist Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften und seit 19. Juni 1849 wirkliches Mitglied der k. k. Akademie der Wissensch.

Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften für das J. 1851 (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) S. 138 und derselbe 1852, S. 138 [Verzeichniß der Abhandlungen und Aufsätze B.’s, die bisher im Drucke erschienen sind].