BLKÖ:Canciani, Paul

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Canaletto
Nächster>>>
Canella, Joseph
Band: 2 (1857), ab Seite: 248. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Canciani, Paul|2|248|}}

Canciani, Paul (Staatsmann und Servitenmönch, geb. zu Udine 1725, gest. 1810). Stammt von bürgerlicher Familie und machte seine Studien im Convente der Serviten seiner Vaterstadt. Er trat endlich selbst in den Orden und ging nach Venedig, wo er die Theologie studirte. Er machte darin und in andern Wissenszweigen solche Fortschritte, daß er von seinem Orden nach Bologna, Florenz und Neapel geschickt wurde, in den Anstalten des Ordens Unterricht zu ertheilen. Als er nach Venedig zurückkehrte, war ihm bereits ein ausgezeichneter Ruf vorausgegangen, und der Senat, auf seinen Scharfsinn vertrauend, schickte ihn als Gesandtschaftssecretär nach London. Drei Jahre versah er zur vollen Zufriedenheit der Republik diesen Posten, als ihn Rom zum apostolischen Missionär ernannte. Nach seiner Rückkehr übertrug ihm der Senat die hohe und wichtige Stelle eines Staatsraths, welche er bis zum J. 1767 bekleidete, in welchem Jahre, als das Gesetz erschien, das die Klöster aufhob, C. sich in die Ruhe zurückzog. Nun widmete er sich ausschließlich wissenschaftlichen Arbeiten, übersetzte die Bibel, verglich den lateinischen Text mit dem hebräischen, syrischen, griechischen, und schrieb das Werk: „Barbarorum leges antiquae cum notis et glossariis“, 5 Bde. (Venedig 1781–90, Fol.), welches reich ist an kostbaren historischen Documenten, und worin C. philosophischen Tiefblick beurkundet; leider werden darin Plan und Ordnung vermißt. C. besaß seltene Gelehrsamkeit, sprach die meisten Sprachen des europäischen Continents, hatte als Politiker Tact und Voraussicht und bekannte sich als Denker zu den Ansichten Sarpi’s. Seine vielen Reisen, sein Umgang mit Gelehrten aller Nationen, seine Kenntniß der mannigfaltigen, staatlichen Verhältnisse, die er sich an Ort und Stelle geholt, ließen ihn einen richtigen Blick [249] in die Zukunft thun, als er den nahen Fall Venedigs vorhersagte. Einer seiner Biographen leitet seine Lebensbeschreibung mit den gewichtigen Worten ein „Ad illustrare una provincia od un regno bastarebbe un uomo, quando questi si nomasse Paolo Canciani.“

Tipaldo, Biografia degli Italiani illustri. I. Bd. S. 300. – L’Alchimista Friulano (eine in Udine erscheinende Zeitung) Nr. vom 7. April 1850: „Cose patrie. Paolo Canciani.“Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studii storici (Venedig 1856) Giunte ec correzioni ai cenni biografici, S. 63.