BLKÖ:Dandolo, Girolamo

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Damianitsch, Martin
Band: 3 (1858), ab Seite: 143. (Quelle)
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Dandolo, Girolamo (Schriftsteller, geb. gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts). Sohn des Silvester Dandolo (s. d. S. 145). Machte sich in letzterer Zeit durch Herausgabe des Werkes: „La Caduta della Repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni“ (Venedig 1855, Naratovich, 8°.) bemerkbar. [144] Das Werk besteht aus einem Haupttheil (463 S.) und einem Appendice (156 S.). Das Ganze ist eine Entgegnung auf das Buch von Fabio Mutinelli: „Memorie storiche sugli ultimi cinquant’ anni della Repubblica Veneta“, welcher den Fall Venedigs begründet: „che Venezia ne’ suoi ultimi cinquant’ anni era nella decrepità, vegetava, non viveva; e che la Repubblica sparve dal mondo per mancanza di fede, di educazione, di costumi, di armi, di tesoro e di famiglia“. D. eröffnet nun den Haupttheil seines Werkes mit dem „Sunto storico dalla caduta di Constantinopoli in potere de’ Turchi fino all’ abdicazione 12 Maggio 1797“ u. mit den Betrachtungen über dieses Ereigniß (S. 1–84), worauf die Lebensskizzen der denkwürdigen Venetianer folgen, welche um die Mitte des 18. Jahrhunderts geblüht, oder zu blühen begannen u. z. in alphabetischer Ordnung zuerst die Patricier (S. 88–211); dann die Weltgeistlichen (S. 213–307); die Klostergeistlichen (S. 309–335); die übrigen Stände (S. 337–430) und die Künstler Venedigs (S. 431–463). Der Appendice beginnt mit einer „Nota sui liberi muratori veneziani“ (über die italienischen Freimaurer), worauf Zusätze zu den genannten 5 Abschnitten der Biographien, und Biographien der denkwürdigen Personen der benachbarten einst zu Venedig gehörigen Gebiete folgen und zwar von Chioggia (S. 23–25), Polesine (S. 26–28), Padua (28–42), Treviso (42–61), Udine (61–77), Belluno (77–93), Vicenza (93–110), Verona (110–156). D. wiederlegt nun Mutinelli durch den Nachweis, daß Venedig in der Zeit seines Sturzes durchaus nicht so macht- und ehrlos dagestanden, wie Mutinelli dies schildert. Die kurzen Lebensskizzen der zahlreichen allen Ständen angehörigen Venetianer, welche in jener Periode sich um das Vaterland, um die Menschheit, um Kunst und Wissenschaft verdient gemacht, widerlegen am einfachsten und treffendsten die Ansicht Mutinelli’s über die geistige und sittliche Entnervung und den innern Verfall Venedigs zur Zeit seines Sturzes. Kennt man dem Werke Girolamo Dandolo’s eine gewisse Flüchtigkeit an, welche auf Rechnung der polemischen Natur desselben zu setzen sein dürfte, da das Werk als Entgegnungsschrift keinen langen Aufschub zu gestatten schien, so ist es doch ein höchst dankenswerther und interessanter Beitrag zur Cultur und Personengeschichte Venedigs und anderer italienischer Provinzen im letzten Jahrhundert, der zum ersten Male oft wohl nur aphoristische Mittheilungen, oft aber wieder wichtiges Detail über denkwürdige Personen und Thatsachen enthält.

v. Wurzbach-Tannenberg (Const. Dr.), Bibliogr.-statistische Uebersicht der Literatur des östr. Kaiserstaates III. Bericht (Wien 1857, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 682. Marg. 22276. –