BLKÖ:Dandolo, Silvestro

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Dandolo, Matteo
Band: 3 (1858), ab Seite: 145. (Quelle)
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Dandolo, Silvestro (letzter Admiral der Republik Venedig, östr. Viceadmiral und Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Venedig 1766, gest. ebenda 14. Nov. 1847). Seinen ersten Unterricht [146] leitete der Exjesuit Carlo Lotti, bekannt als lateinischer Schriftsteller und Rector des Jesuiten Collegiums zu Belluno. In der Mathematik war aber der Patrizier Carlo Aurelio Widman, nachmals Provveditore generale der jonischen Inseln, sein Lehrer, der auch von dem Vater seines Zöglings die Erlaubniß erwirkte, daß letzterer sich dem Dienste zur See widmen durfte, wozu ihn frühzeitige Neigung hinzog. Seine ersten Waffenthaten verrichtete D. 1734, in welchem Jahre er den Kämpfen der venetianischen Motte gegen Tunis beiwohnte. Dort that er sich so sehr hervor, daß Angelo Emo in seinen Berichten an den Senat ihn „la perla dei Nobili di Nave“ nannte. Da er, erst 20 Jahre alt, noch nicht zum Commandanten eines Schiffes ernannt werden konnte, ohne die bestehenden Gesetze zu verletzen, erhielt er ein untergeordnetes Commando und auch indeß die zeitweilige Verwaltung der Insel Cerrigo. Als letztere unter Befehl des von der Republik gewählten Statthalters kam, wurde D. zum Prottetore bei der Regierung der Republik ernannt. Hierauf trat er in eine Stelle beim Seeamt ein, welche ihm den Weg in den Senat, wenngleich einstweilen nur mit berathender Stimme bahnte. Zuletzt wurde er Commandant des Linienschiffes Vittoria, mit welchem er in einer speciellen Mission nach Algier segeln sollte, als die Abdankung vom 12. Mai 1797 eben im Augenblicke, da er die Anker im Hafen von Malamocco lichten sollte, ihn seiner Dienste für das Vaterland enthob. D. zog sich nunmehr aus jeder öffentlichen Bedienstung zurück, bis ihm im J. 1800 von Kaiser Franz I., seit zwei Jahren Gebieter von Venedig, das Commando der Fregatte anvertraut wurde, mit welcher Pius VII. im Conclave von S. Giorgio maggiore zum Papste erwählt von Pesaro nach Rom sich verfügen sollte. Von nun an diente D. ununterbrochen in der Marine und stieg von der Stelle eines Fregatten-Capitäns bis zu jener eines Vice-Admirals, in welch letzterer er wichtige Dienste zu leisten Gelegenheit hatte. Unter andern hatte er nach einem von ihm selbst entworfenen Plane Venedig gegen jeden Angriff der französischen Waffen sicher zu stellen, welche es im J. 1805/6 blockirten. In der Napoleonischen Periode commandirte er zuerst die leichte im Hafen von Lido stationirte Flotte, später die zweite Division der im adriatischen Meere mobilen Seekräfte und zuletzt die italienische Schiffsmacht bei den jonischen Inseln, in welcher Stellung er Angesichts der bedeutend stärkeren englischen Seemacht glücklich den Wechsel der Garnison von S. Maura unternahm und ausführte. Mit dem Falle der Napoleonischen Herrschaft wurde er 1821 Commandant des See-Arsenals, befehligte von 1822–26 die östr. Schiffsdivision im mittelländischen Meere, im J. 1826–30 die zum Schutze der im Archipelagus befindlichen östr. Angehörigen aufgestellte Escadre; von 1830–32 war er Brigadier der Seetruppen, Präsident der wissenschaftlichen Commissionen der Marine mit specieller Oberaufsicht des Marine-Collegiums, 1833–38 Commandant der Schiffsmacht im Orient, im letzten Jahre Oberbefehlshaber der Marine, welche Stellung er bis an seinen Tod (14. Nov. 1847) bekleidete. D. war ein Seemann in der schönsten Bedeutung des Wortes, er schützte die östr. Handelsmarine und hielt stets die Ehre der östr. Flagge aufrecht. Die Wegnahme vieler Piraten, die Rettung vieler Schiffe und glückliche diplomatische Verhandlungen zur See bezeichnen die Periode seines Commando’s. Hier seien nur erwähnt: Die Wiedergewinnung der Schiffe und Waaren zu Spezia und Aegina; das gemeinschaftlich mit dem russischen Admiral [147] Heyden aufrechterhaltene Recht der Durchsuchung; die zu Gunsten der Akropolis von Athen von der türkischen Marine gewährte ehrenvolle Capitulation und der glückliche Ausgang seiner Verhandlungen bei Ibrahim Pascha, der vorzugsweise ihm eine Auswechslung der Gefangenen zum Vortheil der griechischen Sache gestattete. Fest in seinen Entschlüssen hielt er die Disciplin energisch aufrecht; unerschütterliche Treue, Liebe zum Vaterlande, Hochsinn und glänzende Generosität charakterisiren alle seine Handlungen. Kaiser Franz I. erhob ihn in den östr. Grafenstand, ernannte ihn zum Kammerherrn, zum Ritter der eisernen Krone, zum Commandeur des Leopold-Ordens. Kaiser Ferdinand verlieh ihm die Würde eines geheimen Rathes und 1844 den Orden des goldenen Vließes. Fremde Mächte, Sardinien, Sicilien, Rußland und der Kirchenstaat zeichneten ihn mit ihren Orden aus. Das Atenäum von Venedig und andere gelehrte Genossenschaften hatten ihn zu ihrem Mitgliede gewählt. Und nach seinem Tode ehrten Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph I. das Andenken des edlen Seehelden, indem Sie einer Schraubencorvette der k. k. Kriegsmarine seinen Namen zu geben gnädigst anordneten.

Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’anni. Studii storici (Venezia 1856, Naratovich, 8°.) S. 100. Giunte e correzioni ai cenni biografici, p. 18. – Gazzetta privilegiata di Venezia, im Appendice vom 23. November 1847: „Nekrolog“ von Giorgio Foscolo.