BLKÖ:Deszkiewicz, Johann Nepomuk

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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De Traux, Ludwig
Band: 3 (1858), ab Seite: 263. (Quelle)
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Deszkiewicz, Johann Nepomuk (Sprachforscher, geb. in Galizien 1800). Studirte auf der Universität in Wilna und brachte mehrere Jahre im Königreiche zu. Seit 1833 ist er Bibliothekar des Grafen Potocki auf dessen Herrschaft Lancut in Galizien und widmet sich ausschließlich dem Studium der polnischen Sprache, in welcher Richtung er als Schriftsteller auftrat. Seine erste Arbeit erschien im J. 1843 im „Czasopism naukowy księgozbioru publicznego imienia Ossolinskich“, d. i. in der vom Directorium der Ossolinskischen Bibliothek herausgegebenen gelehrten Zeitschrift, unter dem Titel: „Rozprawy o języku polskim i jego grammatykach“ auch unter gleichem Titel besonders abgedruckt (Lemberg 1843, Milikowski, 8°.). In der ersten Abhandlung untersucht er die Vorzüge der polnischen Sprache, diese vom grammatikalischen Standpunkte mit alten und neuen Sprachen und slavischen Dialecten vergleichend; in der zweiten gibt er die historische Entwicklung der Sprache, in der dritten endlich eine Darstellung seines Systems, wobei er zugleich die bisher in den Grammatiken vorkommenden und von den Grammatikern begangenen Fehler nachweist und kritisch beleuchtet. Das Werk fand eine ungewöhnlich beifällige Aufnahme. Die polnische Kritik, Felix Jezierski in der „Biblioteka Warszawska“, Mickiewicz im 4. Bande seiner Vorlesungen über slavische Literatur, selbst deutsche Organe, wie die „Blätter für literarische Unterhaltung“ und Jordans „slavische Jahrbücher“ sprachen sich einstimmig über die Verdienstlichkeit der sprachlichen Forschungen D.’s aus. In der dritten Abhandlung stellte D. an die slavischen Philologen mehrere Fragepuncte und bat um deren Beantwortung. Nach drei Jahren vergeblichen Wartens trat er nun mit seiner Grammatik auf, welche unter dem Titel: „Grammatyka polskiego języka“, d. i. Grammatik der polnischen Sprache (Rzeszow 1846, Selbstverlag, 8°.) erschien. D. hatte dieses Werk 3mal ganz umgearbeitet und die zwei ersten Bearbeitungen noch in Handschrift vernichtet. Es ist dies so zu sagen der erste Aufbau der polnischen Sprache vom Standpuncte der Philosophie der Sprache. Gegen dieses Werk erhoben sich nun die Gegner und es begann ein Sprachenkrieg, der damals einiges Leben in die seit Jahren kaum vegetirenden literarischen Zustände Galiziens brachte. Es traten auf Stanislaus Pilat in der polnischen Lemberger Zeitung „Rozmaitości“, d. i. Miscellen (1846, Nr. 29) und ebenda J. N. Kamiński; Anton Czajkowski in der „Biblioteka Warszawska“ (1846, Heft LXX); Felix Zochowski im Warschauer „Przegląd naukowy“, d. i. Wissenschaftliche Revue (1846, Nr. 27–35). Letzterer trat nicht nur gegen die Grammatik, sondern auch gegen die „Rozprawy“ und mit einer die Gränzen des gelehrten Streites nahezu überspringenden Heftigkeit auf, welche D. mit den Waffen der Wissenschaft, aber [264] mit Ruhe bekämpfte. Diese gelehrte Polemik genügte aber D. nicht, um seinen Ansichten die eigentliche Geltung zu verschaffen. Im Winter 1849/50 hielt D. zu Krakau im Universitätssaale acht Vorträge worin er sein System der poln. Sprache vollständig entwickelte und später zu ähnlichem Zwecke im Saale der Ossolinskischen Bibliothek in Lemberg. Die erstern Vorträge erschienen abgedruckt in den „Jahrbüchern“ (Roczniki) der Krakauer Jagellonischen Gesellschaft und 50 Exemplare wurden separat für die Mitglieder der Gesellschaft abgezogen unter dem Titel: „Treść odczytów we wszechuczelni Jagiellońskiéj Krakowskiéj w styczniu 1849 objaśniących układ Grammatyki polskiéj“, d. i. Gegenstand der Vorträge an der Krakauer Jagellonischen Hochschule im December 1849, das System der poln. Grammatik erläuternd (Krakau 1850). Die Akademie ehrte D. durch Ernennung zu ihrem Mitgliede. Die letztern erschienen gesammelt in dem Werke: „Zbiór odpowiedz Recezentom Grammatyki z 1846“, d. i. Sammlung der den Recensenten meiner Grammatik gegebenen Antworten (Lemberg 1853, Milikowski, 8°.), worin D. alle ihm von seinen Gegnern gemachten Einwendungen speciell widerlegt und zusammenfaßt, weil die in den Journalen geführte Polemik in den verschiedenen Blättern zerstreut, keinen rechten Einblick in den Stand dieser Angelegenheit gestattete. Mit der letztgenannten Schrift scheint dieser Sprachenkampf abgeschlossen zu sein, denn eine Entgegnung darauf ist bisher nicht erschienen. D., welcher zu Anfang des J. 1857 eine größere Reise über Wien nach Italien unternommen hatte, von der er über Frankreich und Deutschland in seine Heimat nach Lancut zurückgekehrt ist, beschäftigt sich unaufhörlich mit sprachlichen Studien. Im Manuscript liegen und sehen dem Drucke entgegen: Eine kleinere polnische Grammatik für Anfänger; – Ein Wörterbuch jener polnischen Ausdrücke, welche jetzt durch andere verdrängt sind; – und eine neue Auflage seiner „Rozprawy“, welche durch neue Forschungen ansehnlich und wesentlich vermehrt sind.

Orędownik naukowy (Posen, 4°.) 1843, Nr. 23 u. 24. – Woycicki (K. Wl.), Historyja literatury polskiej, d. i. Geschichte der polnischen Literatur (Warschau 1846, Sennewald, 8°.) IV. Bd. S. 513 [daselbst irrig 523 im Artikel über Thomas Kurchanowicz].