BLKÖ:Dragonetti, Dominik

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 376. (Quelle)
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Dragonetti, Dominik[BN 1] (Virtuose, geb. zu Venedig in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, gest. 1846). Zeigte früh ein großes Talent für die Musik und erhielt den ersten Violin-Unterricht von seinem Vater. Nachdem er eine seltene technische Fertigkeit erlangt hatte, trat er in seiner Vaterstadt öffentlich auf und erntete großen Beifall. Nun begann er seine Künstler-Wanderung; wurde auf derselben in Treviso mit dem Procurator von San Marco: Tommasini bekannt, der ihm eine Stelle als primo basso bei der Capelle von San Marco verschaffte. Nach mehreren Jahren folgte er einem Rufe nach St. Petersburg. Seine Berühmtheit als Virtuose im Contrebaß stieg immer mehr. Er producirte sich an mehreren Höfen, wo er mit seinem Spiele Alles entzückte, zuletzt ging er nach London, wo er eine Anstellung und durch seine Eigenthümlichkeiten unter dem englischen Adel Leute fand, die sich für ihn besonders interessirten. Er starb auch daselbst geachtet und im hohen Alter. Ein Werk über die systematische Behandlung des Contrebasses, oder vollständige Anweisung zum Spiele dieses Instrumentes, welches er einem Freunde anvertraut, ist entweder in Verlust gerathen oder veruntreut worden. D., der sich selbst „Patriarch des Basses“ nannte und nicht selten auf Actenstücken so unterschrieb, war ein großer Sonderling. Seine größte Leidenschaft bestand im Sammeln von Puppen, deren er eine große Menge jeder Größe, in Trachten aller Nationen besaß. Sein Leben ist reich an originellen anecdotischen Zügen. Als sein Schädel [377] von Phrenologen untersucht wurde, zeigte sich das Sprachorgan besonders ausgebildet. D. sprach auch alle möglichen Sprachen, aber alle incorrekt und durcheinander. Bemerkt zu werden verdient seine Vorstellung bei Napoleon, den er durch sein wunderbares Spiel so sehr entzückte, daß er ihn rufen ließ und ihm gestattete, eine Bitte vorzubringen. D. sprach nun ein Gemisch von allen Sprachen, ohne sich jedoch verständlich machen zu können. Napoleon, ungeduldig geworden, rief: „Herr Dragonetti, lassen Sie ihren Baß holen, spielen Sie mir vor, was Sie wünschen, da werde ich Sie gewiß verstehen“. Die Vorstellung hatte ein Ende, aber die Bitte des seltsamen Mannes wurde auch gewährt.

Caffi (Francesco), Biografia di D. Dragonetti Veneziano (Venedig 1846, Fol.). – Porträt. Dasselbe befindet sich in der London Illustrated News 1846, von einem kurzen Lebensabriß begleitet.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Dragonetti, Dominik [Bd. III, S. 376].
    Neumont (Alf. v.), Zeitgenossen. Biographien und Charakteristiken. 2 Bde. (Berlin 1862, Decker, 8°.), im 1. Bande in Cesare Balbo’s Biographie. [Bd. 24, S. 393.]