BLKÖ:Filcík, Johann Nepomuk

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Fiedler, Joseph
Band: 4 (1858), ab Seite: 226. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Filcík, Johann Nepomuk|4|226|}}

Filcík, Johann Nepomuk (Schullehrer, geb. zu Kopidlno, einem Städtchen des Gitschiner Kreises in Böhmen, 19. Nov. 1785, gest. 25. Jänner 1837). Der Sohn eines Tischlers, der schon als Kind großen Lerneifer und Talent zur Musik zeigte. Besuchte die Pfarrschule seines Geburtsortes, hörte 1803 zu Jičin den Präparanden-Curs und war bereits 1804 Unterlehrer in Kolin. 1805 begab er sich nach Prag, wo er zwei Jahre an der Strahower Schule thätig war, kam dann nach Verwendung an verschiedenen Orten 1812 nach Chrast, wo er die daselbst sehr vernachläßigte Schule übernahm. Hier wie überall bewährte [227] er sich als tüchtigen Pädagogen, auch wurde er nach einigen Jahren zum Musterlehrer ernannt. Ausgezeichnet als Musiker, der selbst alle Instrumente spielte, auf der Violine concertirte, tüchtige Kenntnisse im Generalbaß und Notensatze besaß, wirkte er auch in seiner Stellung als Lehrer unter seinen Zöglingen für die Belebung des musikalischen Sinnes. So hatte er aus eigenen Mitteln in dem kleinen Orte Chrast ein Knaben-Orchester – 40 Köpfe stark – organisirt, mit welchem er bei großen Festen die Meisterwerke der Tonkunst zur Aufführung brachte, als „Die 7 Worte Christi“, von Haydn; „Die Schöpfung“, von demselben (1824); „Die Jahreszeiten“, von demselben (1826), das „Requiem“, von Mozart (1831); „Das römische Miserere“, von ebend. (1852). Seine übrige Muße verwendete er zu schriftstellerischen Arbeiten und verkaufte seinen Acker, um den Druck des ersten Buches zu bestreiten. Er schrieb: „Pravidla dobropísemnosti české“, d. i. Anleitung zur böhmischen Rechtschreibung“ (1822, 2. Auflage 1827); – „Proč a proto při uměni početním“, d. i. Das Warum und Darum bei der Rechnenkunst (Königgrätz 1823); – „Rychlý počtář“, d. i. Der schnelle Zähler (Ebd. 1830, verm. Aufl. 1833); – „Housli škola, d. i. Violinschule (Ebenda 1832); – „Přírodopis“, d. i. Naturbeschreibung (1835, 8°.) – und nach seinem Tode erschienen: „Starožitnosti“, d. i. Alterthumskunde (Ebenda 1843) und „Zahradníček čili návod ke štepařstvi etc“, d. i. Der kleine Gärtner oder Anleitung zum Oculiren (Ebenda 1849). In seinem Nachlasse befand sich unter andern Schriften eine „Generalbasslehre“. Die letzten Lebensjahre immer kränkelnd, mußte er schon zu Anfang 1836 den Schuldienst aufgeben. Uebrigens war er bis an sein Ende, das ihn im Alter von 62 Jahren erreichte, thätig und nur sein schweres Leiden in letzter Zeit hinderte ihn an der Ausführung seiner Absicht, ein kleines Wörterbuch für den Schulgebrauch zu verfassen. F. war in der That, was sein Titel bezeichnet, ein Musterlehrer.

Jungmann (Josef), Historya literatury České, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849) S. 553. – Sborník, kalendář učitelský na rok 1858. – Včela, d. i. Die Biene (Prager Zeitschrift) 1834, 28. Mai. – Handschriftliche Mittheilungen des Dr. Ludw. Aug. Frankl, der als Kind sein Schüler war.