BLKÖ:Güntherode, Karl Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 15. (Quelle)
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Güntherode, Karl Freiherr von (theol. Schriftsteller, geb. zu Fontefonto im Mailändischen 1740, gest. gegen Ende Okt. 1795). Sein Vater war kais. Oberst. Der Sohn trat 1758 – 18 Jahre alt – in den Serviten-Orden zu Innsbruck; wurde 1766 Lehrer der Rhetorik, Logik und Metaphysik in seinem Kloster; nach Aufhebung des Ordens der Gesellschaft Jesu, 1773, öffentlicher Lehrer der Logik und Metaphysik, und 1774 der Dogmatik und polemischen Theologie an der Hochschule zu Innsbruck. Wegen seiner Schrift: „Candidus et Nigrellus“, wurde er von seinen Ordensobern des Lehramtes entsetzt und in dem 4 Stunden von Innsbruck entfernten Kloster Maria Waldrast gefangen gehalten. Nachdem er freigegeben worden, erhielt er 1779 das Lehramt der Kirchengeschichte zu Innsbruck und zugleich die theologische Doctorwürde. 1781 begab er sich nach Wien, nahm sich auf der Reise den Servitenbart ab und trug ihn in seiner Tasche mit herum, weßhalb er nach seiner Rückkehr in einen Proceß verwickelt ward, den jedoch die Hofstelle 1783 zu seinen Gunsten entschied. Im nämlichen Jahre wurde er auch vor eine Commission gestellt, vor welcher er sich über mehrere Puncte seiner Lehre, betreffend die unbefleckte Empfängniß Mariä, den Bilderdienst, die Concilien, den Papst, die Lehren vom Ablaß, von der Ohrenbeichte, vom Fegefeuer, die Mittel zur Heiligung durch Buße, Fasten u. dgl. m., vertheidigen sollte. G. hielt seine Ansichten aufrecht, die Vertheidigungsschrift wurde den Acten beigelegt und nach Wien geschickt. Nun wurde G. seines Lehramtes [16] verlustig und nach Gradiska übersetzt. Auf der Reise nach seinem neuen Bestimmungsorte kam er nach Wien; daselbst lernte ihn der Fürst Esterházy kennen, fand an ihm Gefallen und ernannte ihn zu seinem Bibliothekar. Mit Gestattung seines Klosters nahm er diese Stelle an, aber nicht lange sollte G. seines Glückes sich freuen; er wurde von einem seiner erbitterten Feinde als ein dem Kloster heimlich entsprungener Flüchtling der Polizei in Wien denuncirt und verfolgt. Obwohl ihm sein Mäcen, der Fürst, um ihn zu retten, Eisenstadt in Ungarn zum künftigen Aufenthalt anwies, so erreichte ihn dennoch auch dort sein Verfolger; auf Befehl der ungarischen Hofkanzlei wurde er (im August 1794) festgenommen und als Arrestant zu den Serviten nach Wien gebracht. G. fand Wege, sich direct an den Kaiser zu wenden; er klagte wegen ungerechter Mißhandlung, und der Monarch drang auf die strengste Untersuchung der Angelegenheit, welche im September 1795 damit endete, daß G. unschuldig erklärt wurde. Er kehrte nun auf das Esterházy’sche Schloß nach Eisenstadt zurück; genoß aber nicht lange mehr den Triumph seiner Ehrenrettung, denn bald darauf machte ein Schlagfluß seinem Leben im Alter von 45 Jahren ein Ende. G. gab folgende Schriften heraus: „Geschichte meines Bartes“; – „Institutio Theologiae naturalis“ (Innsbruck 1774, 8°.); – „Dissertatio de criteriis veri et falsi“ (ebd. 1774, 8°.); – „Ven. Patrum sensa de beatitate hominis“ (ebd. 1776, 8°.); – „De suprematu concilii generalis supra Romanum Pontificem“ (ebd. 1777, 8°.); – „Patrum sensa de creatione, praevaricatione et poena hominis“ (ebd. 1777); – „Candidus et Nigrellus priedie Kalendas Majas“ (ebd. 1777); – „Praelectio prima ex historia ecclesiastica in Caes. Reg. Universitate Oeniponti“ (ebd. 1781, 8°.). Auch ist er der Verfasser der anonym erschienenen Schriften: „Faustin’s Briefe“ ([Salzburg] 1788, Mayr, 8°.); – „Das römische Gesetzbuch“, 3 Theile (Frankfurt und Leipzig [Wien] 1787, Volke, und die Forts. Karlsruhe 1787); – „Die römische Religionskasse; ein Anhang zum römischen Gesetzbuch oder die in Teutschland noch zu wenig bekannten Grundsätze des römischen Hofes; aus päpstlichen Bullen gezogen“ 3 Theile (l. Thl. Karlsruhe [Wien] 1787, 2. und 3. Theil ebd. 1788, 8°.).

Meusel (Johann Georg), Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetztlebenden teutschen Schriftsteller (Lemgo 1783, Meyer’sche Buchhandlung, 8°.) Vierte verm. und verb. Ausgabe. Bd. I, S. 626. – Meusel (Johann Georg) Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1802, Gerhard Fleischer, 8°.) Bd. IV, S. 467. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasten- und Prediger-Almanach (ohne Ang. d. O. u. J.) S. 80 [erscheint daselbst als Günderode. Die 17 Punkte seiner Lehre, die oberwähnten Punkte betreffend, werden daselbst ausführlich mitgetheilt]. – Neue allgemeine deutsche Bibliothek. Bd. 24, Intelligenzblatt Nr. 20, S. 162 u. f.