BLKÖ:Glantschnigg, Joseph Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Glaser, Rudolph
Band: 5 (1859), ab Seite: 205. (Quelle)
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Glantschnigg, Joseph Anton (Maler, geb. in Bozen 1695, gest. ebenda nach 1750). Sohn des berühmten Historienmalers Ulrich G. (s. d. Folgenden). Erhielt den Unterricht in der Kunst von seinem Vater und verließ, 25 Jahre alt, seine Vaterstadt, reiste nach Wien, von da mit Unterstützung eines Verwandten nach Würzburg. Dort zu einer Zeit angelangt, als die Klöster und Abteien in Baiern, Salzburg und Oberösterreich eben begannen, ihre Kirchen, und Stiftgebäude auszuschmücken, fand er daselbst alsbald vollauf Beschäftigung, ließ sich in Würzburg nieder, und heiratete die Tochter eines dortigen Bürgers, aus welcher Ehe ein Sohn und eine Tochter hervorgingen, und letztere in der Kunst ihres Vaters, von ihm unterrichtet, Namhaftes leistete. Der Sohn widmete sich dem Staatsdienste. Nach dem Tode seiner ersten Frau vermälte sich G. zum zweiten Male mit seiner Magd, deren schlechte Wirthschaft, verbunden mit des Künstlers eigenem Leichtsinn, ihn in Armuth und Elend stürzte, bis ihn davon im Alter von etwa 60 Jahren der Tod erlöste. G. hat viel und seinem Princip gemäß, daß ein Künstler Alles malen müsse, Alles gemalt: Historienbilder, Schlachtstücke, Heiligenbilder, Thier-, Fruchtstücke und Stillleben, Landschaften, Architekturstücke und bossirte in Wachs. In allen seinen Arbeiten, wie mannigfach sie auch sind, beurkundet sich ein treffliches Talent. Er malte in überraschender Weise schnell, aber in seiner Vorliebe für die Jagd und Gärtnerei ließ er die Kunst Kunst sein und lebte mehr seinen Passionen, die später seinen Verfall mit veranlaßten. Für den Fürstbischof von Würzburg, den Grafen von Seinsheim, für die Grafen von Schönborn, Rotenhan u. A. war er seit Jahren beständig beschäftigt. Seine Arbeiten aufzuzählen ist, da sie sich im Privatbesitze befinden und nie in die Oeffentlichkeit gelangten, sehr schwer. Wir nennen die Kreuzgänge der Dominicanerklöster zu Würzburg und Bamberg, die Malereien im Rothkreuzhofe bei Würzburg. Viele seiner Gemälde kamen in den Besitz des großherzogl. Rathes Scharold in Würzburg und waren noch 1837 in demselben. – Seine Tochter war gleichfalls eine gewandte Künstlerin, wie ihre Thierstücke nach Roos und die zahlreichen Altarblätter in den Kirchen von Würzburg und Bamberg beurkunden. – Der eigentlich berühmte, aber nicht, wie er es verdient, hinlänglich bekannte Künstler ist Glantschniggs Vater Ulrich[WS 1] (Historienmaler, geb. zu Hall im Innthale Tyrols 1661, gest. zu Bozen 1722). Sohn eines Gerbermeisters, der schon [206] 1671 nach Bozen übersiedelte, weshalb G. allgemein für einen Bozner angesehen wird. Er lernte zuerst bei Deutenhofer, ging dann zu seiner Ausbildung nach Venedig, wo Heinrich Frisch und Joh. Karl Loth seine Meister waren; dann reiste er in Italien, in der Schweiz, besuchte München und ließ sich 1686 in Bozen nieder. Daselbst arbeitete er fleißig historische und Altargemälde, ländliche Gesellschaftsstücke und dergl. m. Von Ulrichs zahlreichen Arbeiten nennen wir: „Die Legende von den Wundmalen des heil. Franz von Assissi“ (Hochaltarbild in der Franciskaner-Kirche zu Bozen, gemalt 1712), wurde im Jahre 1856 von dem Maler Ph. Sies aus Oberinnthal, nachdem es nach 144jährigem Bestande etwas gelitten, trefflich restaurirt; – „Die drei Weisen aus dem Morgenlande“ (Altarblatt in der Pfarrkirche zu Bozen); – „Die heil. Katharina“ (Altarblatt ebenda); – „Christus am Kreuze“ (in der Kaplaneikirche zu Azwang); – „Eine Madonna“ (in der Mariaschneecapelle zu Oberbozen); – „Die heil. Anna und der heil. Joachim“ (in der Spitalkirche zu Innsbruck); – „Der heil. Anton von Padua, als Wunderthäter“ (zu Rorschach in der Schweiz, gemalt 1721). Die Figuren dieses schönen Bildes sind sämmtlich Porträte der dortigen Bürger; – „Jesus speist die Fünftausend“ (in der Rathsstube zu Bozen); – „Die Hochzeit zu Canä“ (in dem Prälatur Neustift zu Brixen, 20′ lang, 9′ hoch), durchaus Porträte von Bozner Bürgern; – „Der heil. Vincenzius“ (im Speisesaal des aufgehobenen Dominikanerklosters zu Bozen). Staffeleistücke mit Darstellungen aus der Religionsgeschichte befinden sich zu Bozen, Rorschach, im Stifte Neustift und an vielen andern Orten, ebenso sind seine ländlichen Gesellschaftsstücke mit Figuren in Tyroler Nationaltracht, darunter ganz vorzügliche Arbeiten, in Privatsammlungen zerstreut. Ulrichs Arbeiten sind nicht von gleichem Werthe; jene aus seiner Jugend sind schwach und später kam es vor, daß er die Arbeiten seiner Söhne ausbesserte, welche dann öfter für die seinigen ausgegeben werden. Auf seinen historischen und Altarbildern kommen oft Porträte vor, während er sonst Porträte an und für sich nicht zu malen pflegte; insbesondere dienten ihm die Bauern der Umgegend Bozens zu seinen Studien für die Apostelköpfe seiner Bilder. Auf dem obenerwähnten Hochaltarbilde in der Franciskanerkirche soll der auf dem Baume sitzende Gimpel das Porträt eines Krittlers sein, der das Gemälde auf dieser Seite zu leer fand. Ob es nach der Restauration geblieben, ist nicht bekannt. G. starb, 61 Jahre alt, sein Name aber lebt ruhmvoll in Tyrol fort. – Von seinen fünf Kindern übten die zwei Söhne des Vaters Kunst aus. Ueber Joseph Anton wurde bereits Näheres berichtet; – der zweite Johann Ulrich ließ sich zu Borgo di Valsugana nieder, übersiedelte später nach Innsbruck, wo er auch starb. Seine Arbeiten sind bedeutungslos.

Glantschniggs Nachkommen zu Borgo im Valsugnana schreiben sich, wie Ulrich der Vater selbst sich scherzweis zu nennen pflegte: Landschneck. Auf einem Deckengemälde im Mayrl’schen Canonicat-Hause zu Bozen macht er auch auf diese Namensentstellung eine allegorische Anspielung, indem er den Genius der Erde mit dem Globus in der Hand malte, an dem eine Schnecke klebt. – Ueber Joseph Anton: Nagler (G. K. Dr.), Neues allg. Künstler-Lexikon (München 1837 u. f., gr. 8°.) V. Bd. S. 229. – Sammler für Geschichte und Statistik Tyrols. III. Bd. S. 186. – Tirolisches Künstler-Lexikon (Innsbruck 1830, Fel. Rauch) S. 65. – Jäck, Pantheon der Literaten und Künstler Bambergs. – Ueber Ulrich: Bozner Zeitung 1856, Nr. 37. – Tirolisches Künstler-Lexikon (wie oben) S. 64. – Nagler (wie oben) V. Bd. S. 227. – Sammler .. (wie oben) III. Bd. S. 11. – Staffler (Joh. Jakob), Das deutsche Tirol und Vorarlberg (Innsbruck 1847, Fel. Rauch) I. Bd. S. 574 u. II. Bd. S. 872.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Ulrich Glantschnigg (Wikipedia).