BLKÖ:Gottlieb, Anna

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 281. (Quelle)
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Gottlieb, Anna (Sängerin, geb. zu Wien 29. April 1774, gest. ebenda 7. Febr. 1856). Ihre Mutter, eine geb. Theyner, betrat (1765) 19 Jahre alt die Bühne und vermälte sich 1766 mit Joh. Christoph Gottlieb (siehe unten die Quellen). Aus dieser Ehe ging Anna hervor, welche zu ihrer Zeit als Sängerin bekannt war und als „erste Pamina“ ein kunstgeschichtliches Interesse darbietet: denn der unsterbliche Mozart hatte für sie den Part der Pamina in der „Zauberflöte“ geschrieben, den sie zur vollen Zufriedenheit des Meisters sang. Später, als ihr die „Zauberflöte ihrer Kehle“, wie sie sich selbst ausdrückte, treulos geworden, trat sie zum Schauspiel über und wurde unter der im schlimmen Andenken stehenden Direction Steinkellers im J. 1828 plötzlich und ohne Pension entlassen. Sie lebte seither viele Jahre vergessen, bis die 1842 veranstaltete Mozartfeier in Salzburg, bei Gelegenheit der Enthüllung seiner Statue, sie wieder an’s Tageslicht brachte; sie wandte sich nämlich an die Redaction der „Sonntagsblätter“, ihr durch das Comité die Reise dahin zu ermöglichen; „ich möchte gern sterben“, bat sie, „wenn ich, die Einzige wohl, die von Allen lebt, welche bei der ersten Vorstellung der Zauberflöte mitgewirkt haben, bei der Enthüllung mit sein könnte. Ich wallfahrtete gern zu Fuße, aber mein Alter .... und anders kann ich nicht.“ Die Säcularfeier Mozarts, die im Jahre ihres Todes (1856) stattfand, hatte sie wohl erlebt, ihr aber krankheitshalber nicht beiwohnen können. Seit Jahren nahm sie das letzte Fauteuil der rechten Seite im Carltheater ein und freute sich an schönen Tagen vor dem Theatercaffeehause in der Leopoldstadt der wärmenden Sonnenstrahlen. So erreichte die „bekannte Unbekannte“, wie sie hieß, das hohe Alter von 83 Jahren, in welchem sie starb; unter den wenigen Künstlern, die ihrem Sarge folgten, war Karl Laroche.

Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) I. Jahrg. (1842) Nr. 35: „Die erste Pamina.“ – Frankfurter Konversationsblatt 1842, S. 1063. – [De Luca] Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelenn, 8°.) I. Bdes. 2. St. S. 367. – Pest-Ofner Localblatt 1856, Nr. 34. –