BLKÖ:Grün, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Grün, Anastasius
Band: 5 (1859), ab Seite: 391. (Quelle)
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Grün, Johann[BN 1] (Schauspieler, geb. in Wien um das J. 1820). Grüns Laufbahn, wie die aller Talente, war eine dornenvolle. Früh ging er zum Theater und mußte sich jahrelang mit untergeordneten Rollen begnügen. Erst als er in der Rolle eines „Wächters“ in einem Volksstücke sehr beifällige Aufnahme fand, richtete sich die Aufmerksamkeit des Publicums auf ihn. Bei dem herrschenden Rollen-Monopol hatte aber dieser Erfolg für G. kein anderes Ergebniß, als daß er nun dreiviertel Jahre immer nur Wächterrollen spielte. Ein anderes Mal ging es so mit dem Charakter eines Bauerntölpels, den G. meisterhaft durchführte. Ein solcher Vorgang konnte aber weder ermuthigend noch fördernd [392] auf G.’s Talent wirken. Endlich gelang es dem wirklich originellen Komiker, der keine der bekannten Größen in diesem Fache nachahmt, sich Bahn zu brechen und seit etwa 4 Jahren zählt G. zu jenen Specialitäten im Gebiete der Bühnen-Komik Wiens, die gesehen zu werden verdienen. Die unbedeutendste Rolle wird in G.’s Händen zu einer originellen Studie, die ächte Wiener Jovialität, die wienerische ungefährliche Leichtfertigkeit, die humorvolle gemüthliche Keckheit, die immer die Lacher auf ihrer Seite hat, finden in G. den vollendeten Ausdruck, und mit einem zwerchfellerschütternden Mienenspiele, einer launigen Sprachweise verbindet er, und das will in der Wiener-Komik Etwas sagen, ein maßvolles Benehmen in jeder Rolle. Nie verletzend, nie gemein, drückt er auf seine Gestalten Lichtblicke, deren künstlerische Wirkung erst nachträglich recht hervortritt, wenn man über die Auffassung des einen oder andern seiner Charaktere nachsinnt. Die Zahl seiner Rollen ist sehr groß. In seiner Maske des großen Kaisers oder kleinen Corporals, mit den rückwärts übereinander gekreuzten Händen, verdiente er durch das Bild vervielfältigt zu werden.

Tritsch-Tratsch (Wiener Caricaturenblatt, 4°.) 1858, Nr. 24: „Wiener bekannte Persönlichkeiten. VII. Johann Grün.“ – Dasselbe 1859, Nr. 6. [In beiden Nummern sein gut getroffenes Brustbild im Holzschnitt]. – Der Telegraf (Wiener Journal, kl. Fol.) 1857 (IX. Jahrg.) Nr. 87: „Wiener Bühnen-Charaktere“ [mit G.’s Porträt in ganzer Figur].

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Grün, Johann [s. d. Bd. V, S. 391], geb. zu Wien 24. Mai 1814, gest. 29. Februar 1860. Führte anfänglich das übliche Wanderleben kleinerer Bühnen – sogenannten Schmieren – kam dann als Tänzer in das Leopoldstädter Theater, von dort 1846 als Komiker nach Triest in das teatro filodrammatico, wo der bekannte humoristische Vorleser Wiest auf ihn aufmerksam geworden, ihn auf seinen Irrfahrten als Declamator mitnahm. Nachdem ihn ein Conflict von Wiest trennte, nahm er ein kleines Engagement bei Pokorny im Theater an der Wien, wo er einen Ortswachter in der Posse „Waldmärchen“ so trefflich gab, daß er nun durch Zutheilung von Wachterrollen in gelinde Verzweiflung gerieth. Im Jahre 1848 spielte er in Pesth, wo aber ein bedenkliches Uebel für einige Zeit ihn der Bühne entzog. Hergestellt, trat er in Wien auf. Seine Wirksamkeit daselbst ist im Hauptwerke geschildert. Rollen wie Körndl im „Mädchen von der Spule“, Damisch in den „Kreuzköpfeln“, der Menschenfeind in „Wie man’s treibt, so geht’s“, den Fleischselcher Fett in „Judas im Frack“, hat er geschaffen und Niemand spielt sie ihm mit gleicher Wirksamkeit nach. Auch hat G. sich mit dramatischen Arbeiten versucht und bereits in Pesth die Stücke: „Camarilla“; „Bürger und Student“; „Nationalgardist und Bäuerin“, mit gutem Erfolge zur Aufführung gebracht; in Wien schrieb er – die mit einem * bezeichneten in Gemeinschaft mit Ottocar Franz Ebersberg [s. d. S. 396 d. Bds.] – folgende: „Das Ultimatum in der Luft“; „Wo steckt der Teufel“; *„Die Kreuzköpfeln“; *„Im Circus“; „Eine innere Stimme“; „Der Hausdieb“; „Halbzehn Uhr“ und „Die letzte Fahrt“. Während er bei Lebzeiten den Glauben, er sei vermögenlos, [422] aufrecht erhielt und es zuließ, daß, als er bereits seiner Auflösung sich näherte, zu seinen Gunsten eine Akademie gegeben wurde, durch welche ein namhafter Ertrag erzielt wurde, fand sich nach seinem Tode eine Summe von nahezu 5000 fl. vor, die er einigen Bekannten und Wohlthätern vermachte.
    Morgen-Post (Wien, Fol.) 1860, Nr. 64. – Pesth-Ofner Zeitung 1860, Nr. 53. – Neu-Wien (Wiener Blatt) 1858, Nr. 33. – Presse (Wiener Journal) 1860, Nr. 61 u. 63 Abendblatt. [Bd. 11, S. 421 f.]