BLKÖ:Grabner, Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Glaeser, Franz Joseph
Band: 14 (1865), ab Seite: 462. (Quelle)
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* Grabner, Leopold (Forstmann, geb. zu Breitenfurth in Niederösterreich 21. Juli 1802, gest. zu Wien 4. November 1864). Der Sohn eines k. k. Waldbereiters und aus einer Familie, die seit Generationen sich dem Wald- und Waidwerke gewidmet. Nach beendeten philosophischen Studien erhielt er seine Fachausbildung in der k. k. Forstlehranstalt zu Maria-Brunn bei Wien. Schon im Jahre 1820 wurde er seiner Tüchtigkeit wegen Assistent dieses Institutes. Im Jahre 1827 kam G. als Unterförster zur Verwaltung des k. k. Wiener [463] Waldes und wurde im Jahre 1830 Ingenieur daselbst. In dieser Stellung war er der Erste, der das von Hundeshagen neu erfundene System der Bestimmung der jährlichen Hiebmenge der Waldungen in Oesterreich im Großen in Anwendung brachte, wodurch die Licht- und Schattenseiten dieses Verfahrens zu Tage traten. Im Jahre 1834 zur Professur nach Maria-Brunn berufen, wirkte er bis 1847 daselbst, anfänglich im Fache der Naturwissenschaften, später in jenem der Forstkunde. Der Ruf, dessen sich G. als tüchtiger Forstwirth erfreute, lenkte die Aufmerksamkeit des verstorbenen Alois Fürsten Liechtenstein auf ihn. Der Fürst, als Landwirth eine Specialität, die seines Gleichen nicht sobald wieder fand, wollte auch den forstlichen Theil seiner Güter in einer den Ansprüchen der Forstwirthschaft der Gegenwart angemessenen Weise verwaltet sehen und ersah sich zu diesem Zwecke unseren G., den er im Jahre 1847 als Forstrath in seine Wiener Hofkanzlei berief und an die Spitze des liechtensteinischen Waldwesens stellte. G. erfüllte des Fürsten Erwartungen in vollem Maße und bald gehörte die fürstliche Forstverwaltung zu den besteingerichteten und bestgeleiteten der Monarchie. Als aber mit dem im Jahre 1859 erfolgten Tode des Fürsten[WS 1] in der ganzen Verwaltung der fürstlichen Güter große Veränderungen eintraten, blieb natürlich auch das Forstwesen nicht unberührt und G. mußte manches geschehen lassen, was mit seinen erprobten Ansichten und seiner bisherigen Leitung nicht stimmte. Durch Anstrengungen im Dienste schon von früher her in der Gesundheit geschwächt, waren die Veränderungen in seinen dienstlichen Verhältnissen[WS 2] nicht geeignet, die angegriffene Gesundheit zu kräftigen. Endlich in den Ruhestand versetzt, der ihm die Möglichkeit der Erholung bot, ging diese Hoffnung nicht in Erfüllung. Ein plötzlicher Nervenschlag machte im Alter von 62 Jahren seinem Leben ein Ende. Als Forstmann war G. frühzeitig wissenschaftlich thätig gewesen. Bereits als Assistent an der Forstlehranstalt zu Maria-Brunn gab er seine „Anfangsgründe der Naturkunde für den Forstmann“ (Wien 1838, Heubner) heraus; bearbeitete dann die Cotta’schen Baum-Cubirungstafeln für Oesterreich, welche unter dem Titel: „Tafeln zur Bestimmung des kubischen Inhalts von cylindrischen und kegelförmigen Nutz- und Bauholzstücken“ (Wien 1840, zweite Auflage 1850, dritte Auflage 1851, vierte Auflage 1861) erschienen. Ferner veröffentlichte er die „Grundzüge der Forstwirthschaftslehre“, zwei Bände (Wien, erster Band 1841, zweite Auflage 1854, zweiter Band 1856); dieses Werk G.’s erfreute sich auch im Auslande von Seite der Fachmänner einer ehrenvollen Anerkennung. Zugleich mit Prof. F. Fiscali bearbeitete G. den erklärenden Text zu den von Anton Hartinger[WS 3] im Farbendrucke ausgeführten Werke: „Deutschlands Forstculturpflanzen in getreuen Abbildungen nach der Natur gezeichnet“ (Olmütz 1856, gr. Fol.). Seit 1853 gab er die „Oesterreichische Vierteljahrsschrift für Forstwesen“ (Wien, 8°.) heraus, welche zugleich das Organ des österreichischen Reichsforstvereins war und zu den gediegensten Fachblättern zählt. G. half dieses Blatt und den Reichsforstverein, dessen Vice-Präsident er längere Zeit war, begründen. Im Jahre 1857 wurde er anläßlich der Wiener landwirthschaftlichen Ausstellung mit dem Franz Joseph-Orden ausgezeichnet. G., eine in den Wiener Kreisen beliebte und wohlbekannte [464] Persönlichkeit, war zweimal verheirathet, und zwar mit zwei Schwestern: Josephine und Pauline, Töchtern des durch seine trefflichen Bonmots wohlbekannten k. k. Rathes Ignaz von Sonnleithner, der in diesem Lexikon seiner Zeit auch seine Stelle finden wird.

Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 103: „Nekrolog“ von J. W(essely). – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1864, Nr. 310.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. dieser starb am 12. November 1858.
  2. Vorlage: Verhälthältnissen.
  3. Vorlage: Franz Hartinger.