BLKÖ:Gugg, Franz Xaver

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Gugel
Band: 6 (1860), ab Seite: 22. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 136151973, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Gugg, Franz Xaver|6|22|}}

Gugg, Franz Xaver (Techniker und Maschinenbauer, geb. zu Salzburg 2. Mai 1788, gest. ebenda zu Anfang des Jahres 1857). Von seinem Vater, Kunst- und Glockengießer in Salzburg, erhielt er seine erste Bildung; um sich zu vervollkommnen, besuchte er das Ausland und lernte zu Constanz, Straßburg und andern Orten. Dann kehrte er in seine Heimat zurück und lebte daselbst als Kunst- und Glockengießer. Die Kirchengeläute zu Saalfelden, Teisendorf, Haag im Hausruckviertel, zu Morzg bei Salzburg und bei der h. Dreifaltigkeit in Salzburg selbst sind sein Werk. Reinheit und Stärke des Tones, anhaltende Schwingung und richtige Harmonie zeichnen seine Arbeiten aus. Außerdem verfertigte G. andere mechanische und technische Vorrichtungen, als: Maßstäbe aller Art, electrische Lampen, neue Distanzmesser, neue Papin’sche Töpfe, Pressen neuer Art u. dgl. m. Mit dem Lyceal-Professor Michael Buchner in Salzburg (geb. 1783, gest. 12. Nov. 1819) verfertigte und verbesserte er das Newmann’sche Gebläse (1. Febr. 1818), eine eigene Dampfmaschine, über welche er zugleich mit Buchner das Schriftchen herausgab: „Neue verbesserte Dampfmaschine“ (Salzburg 1818, Duyle). Auch sonst noch machte er sich durch Verbesserung anderer nützlicher Vorrichtungen bekannt. Diese unermüdliche Thätigkeit in den mannigfaltigsten technischen Fächern, begleitet von glücklichen Erfolgen, richtete die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf ihn. 1838 erhielt er einen Ruf nach Wien zur Maschinendirection der Kaiser Ferdinands-Wasserleitung, und wenige Monate später einen zweiten als Mechaniker und Adjunct des Maschinendirectors der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Diesen letzteren nahm er an und übersiedelte im Herbst 1838 nach Wien. Schon 1840 wurde G. Maschinendirector. Als solcher wirkte er wesentlich mit beim Baue der ersten in Oesterreich verfertigten Locomotive „Austria“, führte in den Maschinen und Werkstätten wesentliche mechanische Verbesserungen ein und beförderte durch mehrere glückliche Erfindungen die Sicherheit, Präcision und Einfachheit des Betriebes. 1844 vertauschte G. aus Familienrücksichten den Dienst der Nordbahn mit dem Staatsdienste. Mit Wehmuth sahen ihn seine früheren Untergebenen, die ihn durch festliche Erinnerungsgaben – kunstvoller silberner Pokal vom Beamten-Personale –, eine silbervergoldete Dose von den Arbeitern – ehrten, aus ihrem Verbande scheiden. Im Staatsdienste leitete G. das Maschinenwesen beim Vorrücken der südlichen Staatsbahn; wurde 1846 provisorischer, 1850 wirklicher Inspector der Staatseisenbahnen, und überhaupt allen wichtigen Berathungen in diesem Fache beigezogen. [23] 1854 trat er in den Ruhestand. Seinem Lieblingswunsche zufolge, seine letzten Tage in der Heimat zu beschließen, kehrte er noch im Herbste 1854 in dieselbe zurück, und starb daselbst im Alter von 69 Jahren. Der Wissensdrang, der ihn früh zum tüchtigen Meister gemacht, verließ ihn sein ganzes Leben hindurch nicht, und immer stand er mit dem Fortschritte der Zeit in seinem Fache auf gleicher Höhe. Als er im hohen Alter in seine Heimat zurückkehrte, nahm ihn seine Vaterstadt, der er während seines sechzehnjährigen Aufenthaltes in Wien eingedenk geblieben, in den Gemeinderath auf. G. liegt auf dem Friedhofe zu St. Peter in Salzburg begraben.

Salzburger Landes-Zeitung 1857, Nr. 36 und 37; „Nekrolog“. – Pillwein (Benedikt), Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer, theils verstorbener, theils lebender Künstler u. s. w. (Salzburg 1821, Mayr’sche Buchhandlung, kl. 8°.) S. 72. – Von seiner mannigfaltigen technischen Geschicklichkeit, namentlich aus früherer Zeit, melden der „Kameral-Korrespondent zu Erlangen“ – der „Münchener Anzeiger für Kunst- und Gewerbefleiß“ – die „Zeitung für die elegante Welt“ – alle aus den Jahren 1818–1820.