BLKÖ:Guggenberger, Ignaz Martin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 23. (Quelle)
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Guggenberger, Ignaz Martin[BN 1][BN 2] (militärischer Schriftsteller, geb. zu Jägerndorf 23. Februar 1800). Der Sohn eines Kaufmanns, erhielt im Elternhause eine gute Erziehung und 1813 von den schlesischen Landständen einen Stiftplatz in der Militär-Akademie. 1820 verließ G. die Anstalt als Lieutenant und wurde im Regimente Kaiser-Jäger zu Innsbruck eingetheilt. 1831 wurde er Oberlieutenant, 1834 Hauptmann zweiter Classe, kam 1837 in das Infanterie-Regiment Erzherzog Ludwig Nr. 8, und rückte 1838 zum Hauptmann erster Classe vor. Ein Sturz auf den Kopf, den er bei einer Reise erlitt, hatte eine Gehirnerschütterung zu Folge, an der alle Heilungsversuche scheiterten, und die ihn zwang 1841 in den Ruhestand zu treten. Zeit 1849 taucht G.’s Name öfter und bei verschiedenen Gelegenheiten auf. In diesem Jahr organisirte er in Steiermark ein 6000 Mann starkes Landesaufgebot gegen die 60 Meilen lange ungarische Grenze und befehligte es bis November dieses Jahres. Als unmittelbar darauf die Typhus-Epidemie ausbrach, trat er an die Spitze der zu ihrer Hintanhaltung aufgestellten Sanitätscommission, und gelang es seinen und des Handelsmannes F. E. Settele rastlosen Bemühungen, der weiteren Verbreitung der Epidemie Schranken zu setzen. Bei seinem unermüdlichen Streben, sich selbst zu unterrichten und die gewonnenen Kenntnisse zu verbreiten, wobei sein Sinn immer die praktische Seite einer Sache herauskehrte, entwickelte er eine mannigfaltige Thätigkeit. Schon 1823 hatte er den Forstlehrcurs in Maria-Brunn gehört, 1826 kam er als Lehrer in die Cadetenschule des Jäger-Regiments, in welchem er Officier war. In dieser Zeit, in welcher gute Militär-Lehrbücher mangelten, arbeitete er an einer Militär-Geographie, die in Folge der Ungunst der Zeitverhältnisse in den Dreißiger-Jahren ungedruckt blieb. 1835 wurde er Director der genannten Cadetenschule und 1845 Professor an der Neustädter Militär-Akademie, jedoch trat ihm bei seinen Vorträgen das durch jenen Sturz entstandene Gehirnleiden störend entgegen. Nichts destoweniger fallen in die Zeit vor und nach jenem Ereigniß mehrere Facharbeiten, und zwar: „Der Bauernwagen als Sänfte, oder die möglichst schmerzensfreie Fortschaffung der Kranken, insbesondere der Verwundeten, vom Schlachtfelde mittelst der neu erfundenen Hebelschwingung ...“ (Innsbruck 1832, mit 3 Taf., 12°., 2. Aufl. ebd. 1835, mit 4 Taf., gr. 8°.); – „Der [24] Felddienst der drei verbundenen Waffen: Infanterie, Kavallerie und Artillerie, für Offiziere der k. k. österreichischen Armee“, I. Bd. (2. Aufl. Wien 1834, Heubner, mit Tab. u. Plänen, 12°.); – „Das Infanterie-Bataillon auf Kriegsdauer, oder Gedanken über die einfachste und schnellste Ausbildung eines neuerrichteten Infanterie-Bataillons für Dienst und Kampf“ (ebd. 1837, mit 6 Kupfertaf., gr. 12°.); – „Neues Transport-System zur leichten Ueberwindung der Hindernisse und Schwierigkeiten an Eisenbahnen, Strassen und Wegen und bei Beschiffung der Flüsse“. 1. Abthlg (als Manuscr. gedr.). (2 unv. Abdr. Gratz 1845, mit Abbild., gr. 8°.). Außer diesen selbstständig veröffentlichten Werken erschienen mehrere militärische Aufsätze in Zeitschriften und zwar in der „Oesterreichischen Militär-Zeitschrift“: „Etwas über leichte Truppen“ (1829); – „Militärische Spaziergänge“ (1841, Dec.-Heft); – „Befehl und Ausführung“ (1842, Oct.-Heft, und in der „Darmstädter Militär-Zeitung“ 1843, 7. Heft); – „Etwas über Soldaten-Bildung“ (1843, 7. Heft); – „Ueber Schonung der Streitkraft“ (1845, 10. Heft); – in der „Darmstädter allgem. Militär-Zeitung“: „Militär-Transport auf Eisenbahnen“ (1846, Nr. 56–60); – im „Soldatenfreund“ und in dessen Forts. der „Militär-Zeitung“: „Eine wirksame Donauflotte“ (1849); – „Manöver. Thema“ (Oesterr. Soldatenfreund VI. Jahrg. 1853, Nr. 91, 92, 93);– „Wanderbibliotheken“ (ebd. VII. Jahrg. 1854, Nr. 38); – „Schlachten und Belagerungen: Schlacht an der Alma; der Tag von Inkerman; der Kampf um Sebastopol“ (Militär-Zeitung VIII. Jahrg. 1855); –„Recensionen über Welden’s Krieg in Italien 1813 und 1514; Welden’s Episoden: Aus meinem Leben; Pönitz’s Militär-Briefe eines Verstorbenen“; u. m. a.; – ferner erschienen in verschiedenen wissenschaftlichen Organen, aber auch in Sonderabdrücken folgende Schriften: „Studien nach der Natur. I. Am Wasser“ (Wien 1855, Gerold, gr. 8°., 24 S.); – „Studien nach der Natur. Ueberschwemmungen und deren Verhütung“ (Wien 1856, J. G. Heubner, 1. Heft, 8°., 27 S.); – „Das Wassergebiet des Wienflusses. Eine hydrologische Skizze“ (Wien, Auer, 10. Heft); – „Ueber eine praktisch bequeme geographische Masseinheit als genauer Theilwerth der geographischen Meile, was der französische Meter nicht ist“ (ebd. 1859, Auer, kl. 4°.); – „Thalsohlenbildung am Leopoldsteiner See bei Eisenerz in Steiermark“; – „Ueber Wasser- und Luftstauungen“ (die letzten vier Vorträge wurden von G. in der geographischen Gesellschaft 1858–1860 gehalten und sind auch in den Schriften derselben abgedruckt); – „Vereinfachte Höhen- und Tiefendarstellung ohne und mit Illustration für Karten und Pläne jeder Art und jedes Massstabes“ (ebd. 4°.), diesen Vortrag hielt G. in einer der Versammlungen der geologischen Reichsanstalt. Neben dieser literarischen Thätigkeit widmet G., seit seinem Austritte aus der Activität, verschiedenen mitunter großartigen Bestrebungen seine unausgesetzte Thätigkeit, als den Verbesserungen in der Heizung und Trocknung (1851); einer allgemein anwendbaren Herstellung der Straßen und Wege durch Pressung; einer billigen Flußregulirung durch das Wasser selbst; der Herstellung des Eisenbahn-Oberbaues ohne Holz; einer billigen Eisenanwendung auf Brücken-, Schiff- und Häuserbau (1852); einer verbesserten Benützung der Gasflamme zur verstärkten und schattenlosen Beleuchtung des unter dem Lichtträger befindlichen Raumes (1855) – und in letzterer Zeit „einer neuen Lüftung (Ventilation) ohne alle Zugluft im Aufenthaltsraume der Menschen und Thiere. Anwendbar für die größten und kleinsten Räume, auch im Wagen und auf Schiffen [25] und zur Austrocknung feuchter Oertlichkeiten“. Alle diese Ideen erörtert G. in einzelnen Druckschriften. Früher in Gratz lebend, hat G. seit 1852 seinen bleibenden Aufenthalt in Wien genommen. Er ist Mitglied der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien und widmet als solches besondere Aufmerksamkeit der Wienflußregulirung.

Oesterr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von J. Hirtenfeld (Wien 1850 u. f., Selbstverlag, gr. 8°.) Bd. II, S. 821.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Guggenberger, Ignaz Martin, militärischer Schriftsteller (Bd. VI, S. 23), gest. zu Wien 6. November 1861. [Bd. 9, S. 470.]
  2. E Guggenberger, Ignaz Martin [s. d. Bd. VI, S. 23], gestorben zu Wien 6. November 1861. Außer den in der Lebensskizze angeführten Schriften ist von ihm in der Militär-Zeitung (Wien, gr. 4°.) Jahrg. 1859, Nr. 30–38, die „Geschichte des 18. Infanterie-Regiments“ erschienen.´
    Hirtenfeld (J.), Oesterreichischer Militär-Kalender (Wien, kl. 8°.) 1863, S. 180. [Bd. 11, S. 423.]