BLKÖ:Welden, Franz Ludwig Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wekebrod, Franz
Band: 54 (1886), ab Seite: 214. (Quelle)
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Welden, Franz Ludwig Freiherr von (k. k. Feldzeugmeister und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Laupheim in Württemberg im Juni 1782, gest. zu Gratz 7. August 1853). Sein Geburtsdatum läßt sich ohne Einsicht in den Taufschein nicht mit Bestimmtheit angeben, denn man findet den 10., dann wieder den 16. und den 20. Juni als solches verzeichnet. Der Sproß einer uralten schwäbischen Familie, über welche die Quellen S. 221 berichten, ist er von acht Geschwistern der zweitgeborene Sohn des Freiherrn Karl Albrecht aus dessen erster Ehe mit Josepha geborenen Freiin Speth von Zwiefalten. Sein Vater war kaiserlicher Rath und der freien Reichsritterschaft in Schwaben Ritterrath. Ludwig trat in das heimische, damals in des Kaisers Sold stehende Infanterie-Regiment „Würzburg“ als Lieutenant ein und wurde bald Oberlieutenant in demselben. Zu Philippsburg 1799 erhielt er zugleich mit der Feuertaufe eine schwere Verwundung, und wieder trug er eine solche im Gefechte bei Feucht am 3. October 1800 davon. Im December 1802 trat er ganz in k. k. Dienste, und zwar zuerst in das 4. Infanterie-Regiment ein. Bald in das 3. und zugleich beim Generalstabe eingetheilt, fand er in letzterem bis 1804 beim Mappirungsdienste in Galizien Verwendung. Im Juli 1804 wurde er Capitänlieutenant, aber schon zwei Wochen später durch Convention wirklicher Hauptmann. Ende August 1805 erfolgte seine definitive Uebersetzung zum Generalstabe, in welchem er durch 23 Jahre diente. Im Feldzuge 1805 befindet er sich bei der Avantgarde der Generale Kienmayer, Merveldt und Schusteckh-Herve; er wurde am 3. November bei Stadt Steyr verwundet und schlug sich, von feindlicher Uebermacht umringt, mit 46 Huszaren und 2 Geschützen auf der Straße nach Altenmarkt durch. Während der nun folgenden Friedenszeit stand er theils bei der Aufnahme in Oesterreich, theils in der Zeichnungskanzlei zu Wien in Verwendung. 1808 erfolgte seine Berufung ins Chefbureau, und als in diesem Jahre unter den Auspicien des Erzherzogs Karl eine militärische Zeitschrift ins Leben trat, betheiligte er sich in literarischer Beziehung daran und widmete auch später noch manchen Artikel diesem militärischen Blatte. Im Feldzuge 1809 gerieth er bei Regensburg in Gefangenschaft, wurde aber schon nach einigen Tagen gegen einen französischen Capitän ausgewechselt; auf dem Schlachtfelde bei Aspern rückte er zum Major vor und erhielt für persönliche Bravour und sonstiges eifriges Verhalten in dieser Campagne das Ritterkreuz des neu gestifteten Leopoldordens. Nun wieder in das Chefbureau berufen, wurde er 1812 von dem Feldmarschall Fürsten Schwarzenberg zu diplomatischen Sendungen benützt und blieb während der Dauer dieses Feldzuges dem Generalstab des Fürsten zugewiesen. 1813 zum Oberstlieutenant im Corps befördert, kam er zur Armee in Italien, wo er sich bei der Einnahme von Tarvis, 7. October 1813, und im Gefechte [215] bei Oliveto auszeichnete; als dann Mantua capitulirt hatte, erhielt er den Auftrag, die französische Armee über die Alpen ins südliche Frankreich zurückzuführen. Auf dem Wiener Congresse befand er sich als militärischer Begleiter des Großfürsten Constantin Cesarewitsch und erhielt dafür den St. Annenorden zweiter Classe. 1815 wurde er dem General der Cavallerie Freiherrn Frimont beigegeben. An der schweizerisch-französischen Grenze befürchtete man jeden Augenblick den Durchbruch der französischen Alpenarmee unter Suchet. Die Bewegungen derselben zu beobachten, ward Welden dahin abgeordnet. Von einem schweizerischen Mauthbeamten geführt, recognoscirte er, bei seiner abgehärteten Natur die Strapazen des anstrengenden Bergsteigens rüstig überwindend, das Juragebirge und konnte nun bei den Bewegungen des unter dem Simplon aufgestellten Corps des Feldmarschall-Lieutenants Radivojevich demselben wichtige Dienste leisten. So wurden unter seiner unmittelbaren Leitung die von den Franzosen besetzten Alpenpässe bei Les-Rousses (2. Juli 1815) und Fossile forcirt, und Welden sah sich für persönliche Auszeichnung mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens geschmückt. 1816 zum Obersten und Brigadier im Pionniercorps befördert, führte er gleichzeitig die Aufsicht über die Zeichnungskanzlei und das topographische Bureau; 1821 wurde er Generalstabschef des zur Niederwerfung der Erhebung in Piemont abgesendeten k. k. Armeecorps. 1822 kehrte er vom Hofe des in seine Rechte wieder eingesetzten Königs von Sardinien, wo er mit Ehren und Auszeichnung überhäuft worden, als Brigadier zum Pionniercorps zurück und ward zunächst Director der Landesbeschreibungs-Redactionen, 1828 Director der Militär-Landesbeschreibung. Ueber die wissenschaftlichen Ergebnisse einer um diese Zeit unternommenen Reise in die Alpengegenden wird noch weiter unten die Rede sein. Im Juni 1828 zum Generalmajor ernannt, kam er als Brigadier nach Zara in Dalmatien, von da 1832 in gleicher Eigenschaft nach Budweis und dann als Bevollmächtigter zur Militär-Centralcommission in Frankfurt a. M., wo er sieben Jahre verblieb und in der Zwischenzeit, im März 1836, zum Feldmarschall-Lieutenant vorrückte. 1838 ging er als Divisionär nach Gratz, und 1843 erhielt er das Militärcommando in Tirol. Als er dann in den Wintermonaten 1847/48 eine Erholungsreise nach Italien hinab bis Palermo unternahm, erkannte er bald, daß sich auf der Halbinsel wichtige und bedenkliche Ereignisse vorbereiteten. Ohne beauftragt zu sein, glaubte er seine Wahrnehmungen dem Staatskanzler Fürsten Metternich nicht vorenthalten zu sollen. Als er dann auf seinen Posten in Tirol zurückkehrte, bestätigte sich auch seine Voraussicht, denn die Unruhen in Italien kamen zum vollen Ausbruche. Kaum hatte er die Kunde von dem Mailänder Aufstande erfahren, so schritt er sofort zur Armirung der Franzensveste und bot den Landsturm von Brad, Stilfs und Trafoy zur Besetzung des Stilfser Joches auf. Er selbst eilte nach dem Süden, verschaffte den alten Mauern von Trient durch rasche Arbeiten eine entsprechende Widerstandskraft, warf die ins Land gedrungenen feindlichen Colonnen, nachdem er ihnen empfindliche Verluste beigebracht hatte, zurück und stellte die Verbindung mit Verona her. Um die Mitte Mai erhielt er den Auftrag zur Uebernahme des [216] Commandos der in Görz sich neu bildenden Reserven. Er eilte sofort an den Ort seiner Bestimmung, befand sich am 1. Juni schon an der Piave, eröffnete am 8. durch Erstürmung der feindlichen Stellung bei Enego die Verbindung der Terraferma mit Tirol, zwang am 14. Treviso zur Capitulation und vollendete die Einschließung Venedigs von der Landseite am 24. Juni, an demselben Tage, an dessen Morgen die Festung Palmanuova, für deren Beschießung ihm nur ein Mörser zur Verfügung stand, ihre Uebergabe erklärte. Am 15. Juli rückte er in Padua ein, stellte bis 23. die Verbindung mit Mantua her, ging am 3. August über den Po, besetzte in der Nacht zum 4. Ferrara, säuberte durch sein bloßes Erscheinen am 6. Bologna von feindlichen Freischaaren und kehrte, nachdem er seinen Hauptzweck erreicht hatte, auf einen von Radetzky ihm zugekommenen Befehl über den Po nach Padua zurück, wo er am 9. August wieder eintraf. In der 151. Promotion vom 27. November 1848 erhielt Welden das Commandeurkreuz des Maria Theresien-Ordens, und zwar, wie es im kaiserlichen Handschreiben heißt: „für die von ihm eingeleiteten und mit einsichtsvoller Tapferkeit ausgeführten Operationen“. Ueber die nun folgende kurze Periode seiner weiteren Thätigkeit in Italien gehen alle Quellen, gleichsam wie auf Verabredung, mit auffallendem Schweigen hinweg, nur Einer bricht dasselbe, Freiherr von Helfert, wenngleich auch er mehr andeutet, als eigentlich berichtet und aufklärt. „Welden“, schreibt der anerkannte Geschichtsforscher über Oesterreichs neuere und neueste Zeit, „war in keiner Lage seines Lebens der Mann, mit seinem Urtheil zurückzuhalten, und dieses Urtheil war scharf und die Form, in der er ihm Ausdruck gab, noch schärfer. In seinen Manieren gehörte er zu jenem Schlage von Leuten, für die es in der deutschen Sprache einen bezeichnenden, von einem überaus nützlichen, doch etwas kräftig wirkenden Geräthe des Landmanns entlehnten Ausdruck gibt. Man bringe, dazu allerhand Zwischenträgereien in Anschlag, an denen es unter solchen Umständen nie zu fehlen pflegt, und man wird begreifen, wie es zwischen der Umgebung Welden’s und der des Feldmarschalls erst zu einzelnen Mißverständnissen, allmälig zu dauernder Verstimmung und Verbitterung, zuletzt zu offenem Zwiespalt, ja geradezu Haß kommen mußte. Sehnte sich Welden aus dieser Lage, so dachte man auch in Mailand daran, ihn auf gute Art wegzubringen, und so kam er durch Ernennung zum Civil- und Militärgouverneur von Dalmatien, welche am 22. September 1848 erfolgte, außer alle unmittelbare Berührung mit dem Hauptquartier Radetzky’s.“ Namentlich war es General Schönhals, mit dem Welden sich nicht vertrug. In dieser Zeit, in den ersten Tagen des October, benützte der mißvergnügte Commandant von Padua die Durchreise eines Sohnes des Fürsten Windisch-Grätz, des Prinzen Ludwig, den ein mehrwöchentlicher Urlaub nach dem Norden führte, dazu, um dessen Vater in einem eigenen Schreiben seine Dienste anzubieten. Als Windisch-Grätz das Schreiben empfing, war die Ordre de Bataille für seine Unternehmungen gegen Wien bereits fertig, und es gab darin für Welden keinen Platz; ein solcher fand sich indessen gleich nach Einnahme der Stadt, und der Feldmarschall, welcher Welden seit langem kannte und dessen persönliche Eigenschaften für den Wiener Posten zu würdigen [217] wußte, säumte nicht; seine diesfälligen Anträge nach Olmütz zu senden. Mit kaiserlichem Handschreiben vom 3. November 1848 empfing Welden „bei dem für Wien ausgesprochenen Belagerungszustand“ den ah. Auftrag zur Leitung aller für die Stadt und Umgebung erforderlichen Maßregeln mit dem Titel eines Gouverneurs. Am 6. machte eine Kundmachung des Kriegsministeriums der Wiener Bevölkerung diese Ernennung bekannt, am 11. November betrat Welden den Schauplatz seiner neuen Thätigkeit und quartierte sich in der kaiserlichen Burg im Tracte des Amalienhofes ein. Ueber sein Verhalten in dieser Stellung hieß es nach seinem Tode in einem Wiener Blatte: „General Welden ist uns Allen in einer unheilvollen Zeit so nahe gestanden, daß es kaum bis zu der untersten Volksclasse herab Jemanden gibt, dem es nicht klar wäre, wie sich bei Welden eine seltene mit Selbstaufopferung gepaarte Gewissenhaftigkeit bei Erfüllung der übernommenen Pflichten mit dem innigen Wunsche verband, der Stadt Wien und ihrem Verkehr alle nur möglichen Erleichterungen zuzugestehen, aber gegen das Gemeinschädliche war er unermüdet und unermüdlich“. Nur wenige Monate blieb Welden in dieser schwierigen Stellung, er wurde am 12. April 1849 zur Uebernahme einer noch schwierigeren, nämlich des Obercommandos in Ungarn, nach Feldmarschall Windisch-Grätz berufen, nachdem er einen Monat zuvor, am 13. März, zum General-Feldzeugmeister ernannt worden war. Sechs Wochen, in einer traurigen Zeit, führte Welden das Commando in Ungarn. Aber seine Thätigkeit fiel unüberwindlichen Hindernissen zum Opfer. Ofen konnte er nicht mehr retten. War schon der Schritt, Rußlands Hilfe zu suchen, ein unverzeihlicher politischer Fehler, so machte sich dieser nur um so fühlbarer, als die Russen, statt, wenn sie schon als Hilfstruppen einrücken sollten, sofort und von verschiedenen Seiten zugleich einzumarschiren, ohne Ursache immer und immer zögerten und so mittelbar den Fall Ofens und den Rückzug der Armee verschuldeten. Wir gehen über die Ungeheuerlichkeiten, welche Schlesinger in seinem Buche „Aus Ungarn“ dem Feldzeugmeister andichtet, hinweg, und auf des Letzteren Werk „Episoden“ verweisend, worin er auch diese Zeit seines Obercommandos darstellt, bemerken wir nur, daß Welden am 1. Juni 1849 geistig und körperlich zerrüttet und tief gebeugt durch die Niederlage der Armee und die Mißerfolge seines Wirkens überhaupt, sein Obercommando niederlegte. Er ging nun, um zunächst Erholung und Kräftigung für seine durch die dreizehnmonatlichen Strapazen zerrüttete Gesundheit zu suchen, zunächst nach Gratz, welche Stadt ihm noch aus der Zeit, als er daselbst Divisionär gewesen, besonders lieb war. Anfangs August aber kehrte er auf seinen Posten als Gouverneur von Wien, den er sich vorbehalten, zurück; doch es war nicht mehr der eiserne, dem Geschicke trotzende General, sein Diensteifer hatte ihm die Kräfte untergraben, und so mußte er im Juni 1851 um Versetzung in den bleibenden Ruhestand ansuchen, welche ihm denn auch, der nun ein halbes Jahrhundert dem Staate und der Armee ruhmvoll gedient, gewährt wurde. Wir verweilten bisher nur bei dem dienstlichen Leben Welden’s, aber sein Leben bietet noch eine andere, uns viel mehr sympathische Seite in einer Neigung, welche man sonst bei einem Militär [218] von reinstem Wasser – und das war Welden – selten zu suchen pflegt. Ein großer Freund der Natur und insbesondere ihrer lieblichsten Kinder, der Blumen, war er in der botanischen Welt als Blumist eine Autorität und dabei der Auserwählten einer, welcher herrliche Spuren dieser seiner Thätigkeit nach zwei Richtungen als Schriftsteller und sozusagen als Gärtner, im großen Style den ihn Ueberlebenden hinterlassen hat. Schon 1808, da er zu Salzburg als Hauptmann im Generalstabe sich befand, lernte er den Botaniker Franz Anton Braune [Bd. II, S. 124] kennen, der in ihm zur Botanik eine Vorliebe weckte, welche sich nachher zu Wien in Gesellschaft von J. Jacquin, Portenschlag, Sieber und Schott, Vater, vollends ausbildete. Seine militärische Stellung setzte ihn in die Lage, durch wissenschaftliche Reisen seine Kenntnisse ungemein zu erweitern und die berühmtesten Naturforscher Europas persönlich kennen zu lernen. So durchforschte er 1821–1824 als Oberst und Chef des österreichischen Generalstabes in Italien den höchsten Alpenzug Europas vom Montblanc über den Monte Rosa bis zum Ortler, und das Ergebniß dieser Durchforschung ist die Monographie: „Der Monte Rosa. Eine topographisch-naturhistorische Skizze, nebst einem Anhange der von Herrn Zumstein gemachten Reisen zur Ersteigung seiner Gipfel. Mit 1 topogr. Karte, 1 Kupfer und 6 Steintafeln“ (Wien 1824, Gerold, gr. 8°.). Dann besuchte er Neapel und Sicilien, und 1825 unternahm er eine botanische Alpenreise durch Steiermark, Salzburg, Tirol und die Schweiz. Früher schon hatte er aus Portenschlag-Ledermeyer’s Materialien einige Blätter der Pflanzen Dalmatiens auf seine Kosten von Rochel zeichnen und in Kupfer stechen lassen, und sind dieselben im Jahrgang 1824 von Hormayr’s „Archiv“ unter dem Titel: „Enumeratio plantarum in Dalmatia lectarum“ erschienen. Als dann Freiherr von Welden 1828 als General und Militäradjutant nach Dalmatien kam, durchwanderte er nicht nur selbst dieses damals noch so wenig bekannte Land, sondern war auch während seines dreijährigen Aufenthaltes daselbst allen Botanikern, welche das Land besuchten, mit Rath und That behilflich. Aber er that noch mehr. Auf dem öden Boden von Zara schuf er den Volksgarten, eine wahre Wohlthat für denjenigen, der sich dahin verschlagen sah. Der General wurde auch in Liedern verherrlicht, und die damals erschienene Broschüre: „Il nuovo giardino“ (Zara 1829), welche Gesänge von eingeborenen Dichtern enthält, ist ihm gewidmet. Seine eigenen Studien über die Pflanzen Dalmatiens gab er aber in der Regensburger botanischen Zeitung „Flora“ [1829, Bd. I, S. 43, 44, 300, 303; 1832, Bd. I, S. 308–320, 327–330] heraus. Auch besuchte er die angrenzenden Länder und veröffentlichte in der Witthauer’schen „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur u. s. w.“ 1831, Nr. 79–84 seine Skizzen aus Albanien und Montenegro. Die vorerwähnte Zeitschrift „Flora“ enthielt in den Jahren 1820–1841 auch noch andere Arbeiten, meist botanische Reiseberichte und Notizen des Generals, wie er denn auch zu Reichenbach’s „Flora germanica“ zahlreiche Beiträge lieferte. Nach seinem Tode erbte die Regensburger botanische Gesellschaft sein Herbar. Als er im Jahre 1838 als Divisionär nach Gratz kam, wurde auch dieses, und zwar namentlich der Schloßberg, Gegenstand seiner horticulturellen Schöpfungen, wie [219] sich denn an manche Verschönerung der lieblichen Murstadt sein Name knüpft; in Innsbruck später schuf er mit seinem Alpenhause eine gar anmuthige Idee, denn nun fand jede Saxifraga, jede Gentiane und jede andere Alpenblume in demselben den ihr gebührenden Felsblock oder die ihr gewohnte grüne Unterlage. Gleiches Interesse, und darin wurde er von seiner Gemalin – über diese mehr unten – unterstützt, brachte er mit für die Anschauung landschaftlicher Nachbildungen durch die bildende Kunst und legte mit feinem Kunstsinne ein Album von Aquarellen an, für das er nicht leicht ein gelungenes Blatt fahren ließ, wenn es ihm zu Gesichte kam. Die Muße seines militärischen Berufes, namentlich in den Friedensjahren, benützte er zur Niederlegung seiner Ansichten und Beschreibung seiner Erlebnisse in den denkwürdigen Kriegsepochen, welche er selbst mitgemacht; so schrieb er denn über den Feldzug 1809, dann über den „Feldzug der Oesterreicher gegen Rußland im Jahre 1812. Aus officiellen Quellen“, welche Arbeiten erst 1870 im Druck erschienen; über den Krieg der Oesterreicher in Italien gegen die Franzosen in den Jahren 1813 und 1814 und ließ kurz vor seinem Tode erscheinen: „Episoden aus meinem Leben“ (Gratz 1853, Damian und Sorge, 8°.). Der beiden durch seine Tapferkeit 1815 und 1848 erkämpften militärischen Auszeichnungen des Maria Theresien-Ordens wurde bereits gedacht, außerdem besaß er noch Decorationen von Rußland, Preußen, Sardinien, Bayern und Parma, war seit 1840 zweiter Inhaber des 22. Infanterie-Regiments Prinz Leopold von Sicilien und 1849 erster Inhaber des 20. Infanterie-Regiments, heute Kronprinz von Preußen. Nachdem Feldzeugmeister Welden in den Ruhestand getreten, zog er sich für den kurzen Rest seines Lebens (Juni 1851 bis August 1853) in das ihm so liebgewordene Gratz zurück, wo er nach längerem schmerzlichen Leiden im Alter von 73 Jahren sein Dasein beschloß. Ein ihm gewidmeter Nachruf schließt mit den Worten: „Welden, ein Soldat im vollsten Sinne des Wortes, hatte bei geradem, offenem, vielleicht barschem Charakter regen Sinn für jede Schönheit der Natur, für jede Kunst und jedes gewerbliche Interesse. Zarten Empfindungen sehr zugänglich, erfreute er sich an der Großartigkeit der Alpennatur, wie an der Lieblichkeit der Blumen und Pflanzen, die er sorgfältig hegte und pflegte. Er war ein Mann der Ordnung und des Gesetzes – ein Schrecken Aller, welche bei den politischen Umtrieben ihrem Eigennutze nachhingen. Er buhlte nach keiner Popularität, denn die unerschütterliche Festigkeit seines Charakters gegenüber den Feinden des Vaterlandes mußte ihn populär machen. Mit Energie, Geradheit und Ehrenhaftigkeit in seltenem Grade verband er auch ein theilnehmendes Herz, aber niemals auf Kosten seiner Pflicht, denn wo diese Strenge heischte, wurde sie auch nachsichtslos geübt. Er hat zwar keine glänzenden und entscheidenden Siege erfochten, aber er hatte dem glorreichen Siegeszuge Radetzky’s in Italien trefflich vorgearbeitet, hat auch sonst dem Staate ausgezeichnete Dienste geleistet, und wenn der Patriot der Retter des Vaterlandes gedenkt, so wird er gewiß den unbeugsamen Welden nicht vergessen, dessen Wirken in Wien wohl eine gewonnene Schlacht aufwiegt.“ Freiherr von Welden war dreimal vermält, zuerst mit Therese geborenen Gräfin Soppranza (gest. 1831), dann [220] mit Maria geborenen Freiin von Aretin (geb. 1812, gest. 15. April 1837) und in dritter Ehe mit Charlotte von Lamey (geb. im August 1813). Nur aus erster und zweiter Ehe entsprangen Kinder, aus erster eine Tochter Luise, welche nach England sich verheiratete, aus zweiter Anna, welche sich am 17. August 1854 zu Gratz mit Richard Grafen Belcredi, damaligem k. k. Statthaltereirath und Kreishauptmann zu Znaim in Mähren, nachherigem Staatsminister, vermälte. – Welden’s dritte Gattin, Charlotte, ist eine kunstbegabte Dame, von welcher vier Schlachtscenen vorhanden, die nach ihren Zeichnungen von Sandmann und Pettenkofen lithographirt worden sind. Diese Blätter stellen vor: „Peschiera während des Bombardements am 27. Mai 1848“; –. „Der Sturm auf Vicenza am 10. Juni 1848“; – „Feldzeugmeister Welden vor Treviso am Morgen des 14. Juni 1849“, lithogr. von Sandmann, und „Vor Komorn am 31. März 1849“, lithogr. von Pettenkofer. Diese vier Blätter sind bei Neumann in Wien 1850 erschienen. Nach dem Tode ihres Gatten wurde die Freifrau bei der Geburt der Prinzessin Gisela, Tochter des Kaisers Franz Joseph und der Kaiserin Elisabeth, zur Aja ernannt und ist Sternkreuzordens und Palastdame.

Porträts. Nach der Natur gezeichnet und lithographirt von E. Kaiser (Wien, Paterno, Fol.). – Nach E. Kaiser, gezeichnet und lithographirt von J. Lancedelli: Der General zu Pferde“ (Wien, Paterno, Fol.). – Mignonporträt im Medaillonformat (12°.). I. Krepp sc. (1848), selten. – Unterschrift: „Ludwig Freiherr von Welden, | k. k. Feldzeugmeister“, daneben das Facsimile seines Namenszuges: „Welden, Feldzeugmeister“. Auf der gegenüberstehenden Seite die vier Verse: „Der kühn besiegt der Feinde Waffen | Und mild besiegt der Herzen Trutz, | Sein Name muß den Sieg auch schaffen, | Wo Wohlthat wird erkämpft und Schutz“. Kriehuber (lith.) 18^53. Gedr. bei J. Höfelich (Wien, Neumann, Fol.). – Auf einem von Pettenkofer gezeichneten Gruppenbilde: Kaiser Franz Joseph I. zu Pferde mit Suite (darunter Radetzky, Haynau, Heß, Welden, Jelačić, Schlik, Schönhals und Grünne (Neumann, Wien, gr. qu. Fol.). – Unterschrift: „Ludwig Freiherr v. Welden, k. k. österr. Feldzeugmeister, † 7. August (1853)“. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in der „Leipziger Illustrirten Zeitung“ 1853, Nr. 530. – Miniaturporträt im Stahlstich ohne Schrift. Ohne Angabe des Zeichners und Stechers (12°.), sehr selten. – Sehr ähnliche Lithographie auf der Vorderseite des Umschlages zu 'Hirtenfeld’s „Oesterreichischem Militär-Kalender“, 7. Jahrg. 1856.
Grabdenkmal Welden’s auf dem Friedhofe zu Gratz. Feldzeugmeister Welden ruht auf dem Gottesacker der Stadt Gratz. Die Hinterbliebenen ließen dem Verblichenen ein Denkmal aufstellen, das auf mehreren rohen Steinblöcken in der Form eines Kreuzes in altdeutschem Style sich erhebt. Statt der üblichen antiken kriegerischen Embleme wählte der Künstler mittelalterliche, ein kurzes deutsches vom Gürtel in Schlangenwindungen umschlungenes Schwert und einen Ritterhelm mit aufgeschlagenem Visier. Der Lorbeer schlingt sich nicht in der steifen Form eines geschlossenen Kranzes, sondern als naturwüchsiger flatternder Zweig um den Helm. Auf dem Fuß des Kreuzes ist das Welden’sche Wappen eingemeißelt, der Quaderstein aber, welcher das Kreuz trägt, weist die den General und sein ganzes Wesen charakterisirende Terzine: „Hart wie der Fels sein Sinn, | War eisenfest sein Muth, | Und weich nur sein Gemüth“; ferner den Namen mit Geburts- und Todesdatum: „Ludwig Freiherr von Welden, k. k. Feldzeugmeister, geb. den 10. Juni 1782, gest. den 7. August 1853“. [Man vergleiche bezüglich des Geburtsdatums den Anfang der Biographie S. 214.] Gedanke und Ausführung des im März 1855 aufgestellten, aus Kehlheimer Marmor gemeißelten Monumentes rühren von dem Münchener Bildhauer Anselm Sickingen. Eine Abbildung brachte die „Leipziger Illustr. Zeitung“ (J. J. Weber) im 24. Bande 7. April 1855, Nr. 614 in sauberem Holzschnitte.
[221] Das Welden-Standbild in Gratz. Welden verlebte mehrere Jahre als Divisionär und nachdem er die Stelle als Gouverneur von Wien 1851 niedergelegt hatte, die wenigen ihm noch gegönnten Jahre der Ruhe in Gratz und erwarb sich um die Verschönerung dieser Stadt solche Verdienste, daß ihm dieselbe auf den Anlagen des Schloßberges ein Standbild zu errichten beschloß. Mit Handschreiben Seiner Majestät des Kaisers vom 22. Mai 1853 wurde die Erlaubniß dazu ertheilt und zugleich ein ansehnliches Geschenk zum Ankaufe des erforderlichen Metalls beigefügt. Die Gesammtkosten kamen durch mancherlei Spenden auf, und man betraute den Bildhauer Hans Gasser in Wien mit der Anfertigung des Modells, während Fernkorn den Erzguß besorgte. Die Figur ist sieben Schuh hoch. Welden, in Generalsuniform dargestellt, hält in der linken Hand den Ehrensäbel, welchen er als Oberstlieutenant in der französischen Campagne 1815 erhielt. Der rechte etwas gehobene Fuß ist auf einen Felsenblock gestützt, hinter dem sich – eine Anspielung auf die von Welden gegründeten Gratzer Parkanlagen – der Stamm eines Baumes erhebt. Das Postament nach einer Zeichnung des Professors Van der Nüll zeigt in vier Medaillons die Wappen der Stadt Gratz mit der Inschrift, welche Welden’s Namen, Geburts- und Sterbedatum enthält, dann zwei allegorische Darstellungen, deren eine sich auf seine Verdienste um die Kriegswissenschaft, die andere auf die seinen Namen führende Invalidenstiftung und seine Lieblingswissenschaft, die Botanik, bezieht. Am 26. Juli 1859 fand unter lebhafter Betheiligung der Bevölkerung von Gratz und mit allen bei solchen Veranlassungen gebräuchlichen Feierlichkeiten die Enthüllung des Standbildes statt. Eine Abbildung desselben im Holzschnitt brachte die „Leipziger Illustrirte Zeitung“, vom 3. September 1859, Nr. 844.
Die Welden-Stiftung. Der General stiftete 1850 unter seinem Namen einen Frauenverein für weibliche Arbeitsschulen, der 1857 das nicht unansehnliche Vermögen von 40.000 fl. in viereinhalbpercentigen Obligationen, 26.000 fl. in fünfpercentigen Grundentlastungsobligationen, dann einen Wechsel von 6000 fl. und 1418 fl. im Baren besaß. Mit diesem Vermögen gingen ganz eigenartige Wandlungen vor sich, über welche das „Neue Wiener Tagblatt“ 1868, Nr. 166 in einem Feuilletonartikel, betitelt: „Aus dem Schwarzbuche der Residenz. Einige wohlthätige Stiftungen und die Wirthschaft in denselben“ belehrenden Aufschluß gibt.