BLKÖ:Haberle, Karl Konstantin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 114. (Quelle)
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Haberle, Karl Konstantin (Meteorolog, geb. zu Erfurt am 11. Februar 1764, ermordet von Räubern zu Pesth am 1. Juni 1832). Besuchte die Schulen seiner Vaterstadt, und hörte seit 1785 an mehreren Hochschulen Deutschlands die Naturwissenschaften. Nun ward er Lehrer im Wichmann’schen Erziehungsinstitute zu Celle im Lüneburg’schen, dann im Hause eines preußischen Edelmannes, und machte mit seinen Zöglingen Reisen in die Schweiz und nach Frankreich. Im Jahre 1805 erhielt er zu Erfurt die philosophische Doctorswürde und beschäftigte sich dort mit wissenschaftlichen Arbeiten; ging aber, durch feindliche Invasion zweimal aus seiner Vaterstadt vertrieben, 1813 über Mähren nach Ofen. Daselbst wurde er 1817 zum ordentlichen Professor der Botanik an der Pesther Universität ernannt, und ihm 1821 das Diplom eines Doctors der Medicin verliehen. Diese Stelle bekleidete H. bis an seinen gewaltsam herbeigeführten Tod, da Raubmörder in der Nacht vom letzten Mai auf den ersten Juni 1832 in seine Wohnung einbrachen, und ihn, wahrscheinlich während er im tiefen Schlafe versunken lag, erwürgten. In die Zeit, während er zu Erfurt privatisirte, fällt eine große Anzahl wissenschaftlicher, im Drucke erschienener Arbeiten; diese sind in chronologischer Folge: „Meine Gedanken über Erziehung, als Entwurf zu einer musterhaften Erziehungsanstalt“ (Erfurt 1796), diese Schrift gab H. anonym heraus; – „Beobachtungen über die Gestalt der Grund- oder Keimkrystalle des schörlartigen Berylls, und dessen übrige oryktagnostische Verhältnisse“ (Erfurt 1805); – „Beiträge zu einer allgemeinen Einleitung in das Studium der Mineralogie ...“ (Weimar 1806), ursprünglich als Anmerkungen und Zusätze zu A. G. Joh. Karl Batsch’s: „Einleitung zum Studium der allgemeinen Naturgeschichte. 1. Abthlg.“; – „Das Gewächsreich oder charakteristische Beschreibung aller zur Zeit bekannten Gewächse“. 1. Abthlg. (Weimar 1806); – „Das Mineralreich oder char. Beschreibung aller Mineralkörper“. 1. und 2. Abthlg. (ebd. 1806), dieses und das vorige Werk sind Commentare zu den Bertuch’schen Tafeln der allgemeinen Naturgeschichte; – „Beobachtungen über das Entstehen der Sphaeria Cagenaria Pers., so wie des Merulius destruens Pers., und über die Gestalt dieser Schwammarten in den Perioden ihrer Entwickelung“ (Erfurt 1806); – „Charakteristische Darstellung der gemeinnützigsten, so wie der am öftesten vorkommenden Mineralien ...“ (Weimar 1806, mit K. T. 8°.); – „Kleine Witterungsanzeigen für Bürger und Landmann und jede Haushaltung für das Jahr 1810“ (Weimar 1810, 12°.); – „Meteorologische Hefte für Beobachtung und Untersuchungen zur [115] Begründung der Witterungslehre“ Heft 1–3. (Weimar 1810–1812, mit 7 K. K. gr. 4°.), daraus besonders abgedruckt: „Mineralogisch-meteorologische Beobachtungen“ (ebd. 1811); – „Ueber Witterungsbeurtheilung und Erspähung oder ausführliche Uebersicht dessen, was bisher zur wissenschaftlichen Begründung der Meteorologie geschahe, und noch dafür zu thun ist“ (Weimar 1811); – „Neues geocentrisches Planetarium als ein meteorologisches Constellatorium... Mit einem dazu gehörigen Instrumente“ (ebd. 1811); – Schema zum Eintragen der täglichen meteorologischen Beobachtungen“ (ebd. 1811); – „Meteorologisches Lehrbuch zur Beförderung gründlicher Kenntnisse von Allem, was auf Witterung und sämmtliche Lufterscheinungen Einfluss hat“ (ebd. 1812, mit K. K.); auch unter dem Titel: „Meteorologisches Jahrbuch für das Jahr 1811“; – „Meteorologisches Jahrbuch zur Beförderung gründlicher Kenntniss von Allem, was auf Witterung und Lufterscheinung Einfluss hat“. 1. Jahrgang (ebd. 1810, mit 14 K. K. gr. 8°.). Die erste Hauptabtheilung enthält die theoretische, die zweite die practische Witterungslehre. – „Meteorologische Aphorismen zur Erlernung wissenschaftlicher Witterungsbeurtheilung“ (ebd. 1812). In Gehlen’s „Journal“ schrieb er mit Bucholz: „Ueber den Magnesit“ (VIII, 1809) – und „Ueber den dichten Bitterkalk“ (IX, 1810); – in Schweigger’s „Journal“: „Ueber den ächten ungarischen Alaunstein“ (XXI, 1817); – „Beschreibung einer neuen Art Braunkohle“ (ebd.); – auch enthalten Andre’s „Hesperus“ und die „neuen physik. Abhandlungen der Akad. zu Erfurt“ (1808) mehrere seiner Aufsätze. Sein bei Lebzeiten verfaßtes Testament – H. war unverehelicht – verfügte u. A., daß seine reiche Bibliothek nebst den Handschriften in das Eigenthum der Universität, zum größern Theile in jenes der Leseanstalt der medicinischen Facultät zu Pesth überzugehen habe. Ferner bestimmte er den Rest seines Vermögens zu Gradualstipendien für ausgezeichnete und sittliche Candidaten der Arzneikunde. H. war Mitglied von neun gelehrten Gesellschaften. Als er den gewaltsamen Tod starb, zählte er 68 Jahre.

Innsbrucker medicinische Zeitung 1832, Beilage Nr. 87. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Ilmenau, Voigt, kl. 8°.) Zehnter Jahrg., 1832, S. 443. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Joh. Ambr. Barth, Lex. 8°.) Sp. 983. – Meusel (Joh. Georg), Das gelehrte Deutschland [nach diesem geb. 1. Februar 1764]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIV, S. 535.