BLKÖ:Habsburg, Maria Elisabeth, gewöhnlich Maria Isabella von Parma

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 46. (Quelle)
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231. Maria Elisabeth, gewöhnlich Maria Isabella von Parma, Joseph’s II. erste Gemalin (geb. 31. December 1742, gest. 27. November 1763). Tochter Don Philipp’s, Herzogs von Parma, vermält mit Joseph [Bd. VI, Nr. 124], der damals 19 Jahre zählte, per Procuration zu Parma am 7. September, in Person am 6. October 1760. Am 1. October hielt Maria Isabella ihren festlichen Einzug in Wien und an diesem Tage zog zum ersten Male die neu errichtete adelige ungarische Leibgarde auf, durch die Pracht ihrer Anzüge allgemeine Bewunderung erregend. Maria Isabella gebar ihrem Gemale zwei Kinder: [47] Maria Theresia (geb. 20. März 1762, gest. 23. Jänner 1770) und Christine (geb. und gest. 22. November 1763). Joseph war entzückt von seiner Gemalin, welche nicht nur äußere Schönheit und Anmuth, sondern auch Verstand, Geist und Talente besaß. Mehr als einmal äußerte er, es schmerze ihn, ihr nur ein Herz bieten zu können. Vom ganzen Hofe wurde sie angebetet, insonderheit besaß sie die Bewunderung und Liebe ihrer Schwiegermutter. Maria Theresia pflegte zu sagen: „Es gibt im Verlaufe des Tages nicht einen Augenblick, in welchem ich nicht veranlaßt wäre, sie zu bewundern“. Maria Isabella übte großen Einfluß auf Joseph, sie verstand es, seinen feurigen Ungestüm zu mäßigen und durch Bildung und Kenntnisse war sie auch nicht selten eine glückliche Rathgeberin in Geschäften. Indeß zehrte eine gewisse Schwermuth an ihr; Todesahnungen erfüllten ihr Gemüth, unendlich litt dabei ihr Gemal. Maria Theresia zitterte für Beide. Eines Tages sagte die Kaiserin zu Caraccioli: „Ich liebe sie zu sehr, um sie nicht verlieren zu müssen, sie wird ein Opfer sein, das der Himmel von mir verlangt“. Leider erfüllte sich ihre Prophezeiung. Maria Isabella starb nach kaum dreijähriger Ehe im Alter von 21 Jahren an den bösartigen Blattern, fünf Tage nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Christine, deren Leben unmittelbar nach der Geburt erlosch. Interessant ist, was die geistreiche Karoline Pichler in ihren Denkwürdigkeiten über Maria Isabella mittheilt: „Diese Prinzessin, schreibt Frau von Pichler, hatte sich früher dem Kloster bestimmt, und eine Anecdote, welche ich von ihr erzählen hörte, läßt helle Blicke in die Tiefe ihres kräftigen und eigenthümlichen Gemüthes werfen. Ihr war eine geliebte Person – wenn ich nicht irre ihre Mutter – gestorben. Ganz in tiefsten Schmerz aufgelöst, kniete sie am Sarge und flehte zu Gott, sie bald mit der Vorangegangenen zu vereinigen. Da war es ihr, als spräche Jemand die Zahl Drei aus. Ihre hocherhabene Seele ergriff mit Begierde diesen, wie sie glaubte, prophetischen Ausspruch und in drei Tagen hoffte sie die Erfüllung ihres sehnlichen Wunsches. Aber es vergingen drei Tage, drei Wochen, drei Monate und der erwartete Friedensbote, der die der Welt Ueberdrüssige abrufen sollte, erschien nicht. Wohl aber erschienen bald darauf die Boten des österreichischen Hofes, welche die Hand der Prinzessin für den Erben so vieler Kronen, für einen der schönsten, geistvollsten und versprechendsten Prinzen forderten. Nur ungern, nur aus Zwang, entsagte die Prinzessin ihrem Wunsche, ihr Leben in Einsamkeit und Trauer hinzubringen und ward des römischen Königs (denn das war Joseph damals schon[1]) Frau. Er umfaßte die nicht schöne, aber höchst liebenswürdige und anziehende Braut mit aller leidenschaftlichen Glut eines starken Gemüthes. Er liebte sie heftig, innig, zärtlich, und obwohl sie diese Gefühle zu erwidern sich außer Stand fühlte, so mußte sie doch, von ihrem richtigen Verstande und geläuterten Gefühle geleitet, sehr wohl verstanden haben, selbst den Forderungen seines liebenden Herzens zu entsprechen; denn so lange sie lebte, glaubte er sich von ihr geliebt. Während ihres kurzen Lebens an seiner Seite hatte sie ihr Herz, vor allen Anderen, einer seiner Schwestern, der [48] wunderschönen Erzherzogin Christine Maria [Bd. VI, Nr. 44], nachmaligen Gouvernantin (sic) der Niederlande, zugeneigt. Mit dieser hatte die Verstorbene einen Freundschaftsbund errichtet und häufige Briefe gewechselt, in welchen sie ihr Herz und den wahren Stand ihrer Empfindungen treu darstellte. Als nun Christine ihren geliebten Bruder so der Verzweiflung zum Raube sah, sie, die doch wußte, daß er um ein Gut trauerte, was er im Grunde nie besessen – um Isabella’s Liebe – glaubte sie sich aus Mitgefühl und Rechtlichkeit verpflichtet, dem Getäuschten die Wahrheit zu eröffnen und so seinen allzuheftigen Schmerz zu mäßigen. – Sie zeigte ihm die Briefe der Verstorbenen. – Es war ein Mißgriff, ein unseliger Einfall! und er verfehlte seine Wirkung nicht. Joseph sah sein blutendes, hingebendes Herz verschmäht – getäuscht; seine hohe Meinung von der Verstorbenen zernichtet. Wohl mögen seine Thränen um die Verlorene versiegt sein, aber Erbitterung, Verachtung gegen das ganze weibliche Geschlecht setzte sich in seiner Brust fest, von der sein besserer Sinn nur Wenige ausnahm, indeß er die Uebrigen als bloße Puppen oder Gegenstände der Sinnlichkeit betrachtete.“

Pichler (Karoline), Denkwürdigkeiten (Wien 1844, kl. 8°.) Bd. I, S. 136 –142. – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa oder ganz besondere, theils nicht mehr, theils noch nicht bekannte Persönlichkeiten. Geheimnisse, Details, Acten und Denkwürdigkeiten der Lebens- und Zeitgeschichte Kaiser Joseph’s II. (Wien 1848, I. Klang, 8°.) Bd. II, S. 370: „Die beiden Frauen Joseph’s“. – Porträte. 1) J. E. Nilson fec. (4°.); – 2) J. G. Haid sc. 1760 (gr. Fol.), Schwarzk., ganze Figur, einen Arm auf einem Notenbuche haltend.

  1. Das war Joseph damals noch nicht; erst 31/2 Jahre später, am 27. März 1764, erfolgte Joseph’s Wahl zum römischen Könige und am 3. April d. J. seine Krönung zu Frankfurt.