BLKÖ:Habsburg, Maria Theresia von Oesterreich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 58. (Quelle)
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Maria Theresia von Österreich (1638–1683) in der Wikipedia
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250. Maria Theresia von Oesterreich, Königin von Frankreich (geb. 20. September 1638, gest. 30. Juli 1683). Tochter Philipp’s IV., Königs von Spanien, aus seiner ersten Ehe mit Isabella, Tochter Heinrich’s IV. von Frankreich. Maria Theresia wurde am 9. Juni 1660 dem Könige Ludwig XIV. von Frankreich vermält. Sie gebar dem Könige in einer 23jährigen Ehe sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter, wovon fünf in der Kindheit starben und nur der Thronerbe Ludwig XV. (geb. 1. November 1661, gest. 14. April 1711) den Vater überlebte. Außerdem besaß aber Ludwig XIV. viele natürliche Kinder, von denen mehrere legitimirt wurden, als: Maria Anna, Prinzessin von Blois; Ludwig, Graf von Vermandois; Ludwig August, Herzog von Maine; Ludwig Cäsar, Graf von Vexin; Louise Franzisca von Nantes; Ludwig Alexander, Graf von Toulouse, und Franzisca Maria, nachmalige Herzogin von Chartres. Die Vermälung Ludwig’s XIV. mit Maria Theresia war ein Act der Politik, und wollte sich Ludwig selbst dazu nicht entschließen, weil er eben damals eine heftige Leidenschaft für Mazarin’s Nichte, Maria von Mancini, nährte, mit der er sich auch vermälen wollte. Nur die Drohung des Cardinals, den König zu verlassen, wenn er diesen Schritt unternähme, und die Absicht, durch die Vermälung mit der Infantin Spaniens Frankreich den Frieden zu geben, bewog den König zu diesem Schritte. Maria Theresia trat in ihr 23. Jahr, als ihre Vermälung beschlossen wurde. Diese war aber, selbst als schon die Verhandlungen eingeleitet waren, noch so entfernt davon, eine Thatsache zu werden, daß sich der Herzog von Savoyen mit seiner Tochter Margaretha, welche auch als Braut Ludwig’s gewählt worden war, sogar nach Lyon begeben hatte, damit sich die Prinzessin und Ludwig XIV. daselbst persönlich kennen lernen sollten. Ludwig schien sogar an Margarethen Gefallen zu finden, als Graf von Pimentel incognito in Lyon eintraf, mit einer Vollmacht seines Königs Philipp IV., dem Könige Ludwig die Hand der Infantin anzutragen. Der Herzog von Savoyen verließ mit Entrüstung Lyon und soll nicht eben schmeichelhafte Worte, als er die Grenze überschritt, ausgesprochen haben. Nun wurde der Herzog von Grammont mit der Bewerbung beauftragt. Am 17. October 1659 hielt der Herzog seinen Einzug in Madrid und warb feierlich um die Hand der Infantin, die er für den König auch sofort erhielt. Nun begab sich Maria Theresia, von ihrem Vater geleitet, nach Fuentarabia, wo sich Don Louis de Haro im Namen Ludwig’s mit ihr vermälte. Der König Ludwig selbst war incognito eingetroffen, indem er den ersten Eindruck, den die Infantin auf ihn machen würde, durch nichts stören lassen wollte. Maria Theresia fand Gnade vor dem Herzen dieses, in der Liebe unbeständigen Königs; sie gefiel ihm, aber auch der König, der seltene Anmuth mit [59] Majestät vereinte, hatte auf der Infantin Herz einen unauslöschlichen Eindruck hervorgebracht. Die Vermälung in Person wurde in der Kirche von Fuentarabia vollzogen und als Ludwig XIV. nach geschehener Ceremonie sich vor Philipp IV. entschuldigte, ihm so viel Mühe gemacht zu haben, daß er von Madrid bis an die Grenze Frankreichs habe kommen müssen, erwiederte Philipp diese Artigkeit durch die ungleich größere: „Ich würde zu Fuße gekommen sein, wenn es hätte sein müssen“. Maria Theresia, welche ihren Gemal wirklich zärtlich liebte, hatte ein nicht eben beneidenswerthes Los. Die Liebschaften des Königs, deren eine auf die andere folgte, wie Frau von Valliere, die Marquise von Montespan, das Fräulein von Fontanges und Frau von Maintenon, duldete sie schweigend. Ja, als die natürlichen Kinder des Königs mit der Marquise von Montespan sogar an den Hof kamen, sagte die Königin, als man ihr dieselben vorstellte, mit von Schmerz durchdrungener Seele, die kleinen Bastarde liebkosend: „Frau von Richelieu versicherte mir immer, daß sie mir für Alles gut stünde, was Unangenehmes aus dieser Verbindung entstehen könnte. Dieß sind die Früchte ihrer Bürgschaft“. Die Neigung des Königs für Frau von Maintenon gab Maria Theresia, diesem tugendhaften und sanften Opfer der Liebe, den letzten Stoß. Von Gram und Kummer verzehrt, den sie nicht einmal äußern durfte, starb sie in drei Tagen, als sie eben in ihr 45. Jahr trat. Ludwig war Zeuge der letzten Augenblicke seiner Gemalin. Obwohl sie zu schwach war, um zu sprechen, so ließ sie dennoch einen Strahl lebhafter Freude blicken, um zu beweisen, daß sie ruhig sterbe, indem sie sterbend noch die Zusicherung seiner Zuneigung erhalte. Einen Augenblick nachher verschied sie. Der König sagte laut: „daß die Königin ihm nie irgend ein Mißvergnügen und kein anderes Leiden verursacht habe, als durch ihren Tod“. Maria Theresia verband mit einer aufrichtigen Frömmigkeit eine bewunderungswerthe Bescheidenheit, eine Sanftmuth ohne Gleichen, einen richtigen Verstand und Schönheit. Ihr Gemal war der Gegenstand ihrer ersten und einzigen Liebe. Man erzählt, daß sie einst ihrem Beichtvater auf die Frage, ob sie nie eine Neigung für irgend Jemand am spanischen Hofe gefühlt habe, antwortete: „Wie hätte mir das in den Sinn kommen können, da daselbst kein anderer König, als mein Vater war“.

Bossuet (Jacques Bénigne), Oraison funèbre de Marie Thérèse d’Autriche, reine de France (Paris 1684, 4°.); in’s Englische übers. (London 1684, 4°.). – Grosez (Jean Etienne), Oraison funèbre de Marie Thérèse d’Autriche, reine de France (Lyon 1683, 12°.). – Harowys (Nicolas de), Panegyricus Mariae Theresiae reginae christianissimae (Paris 1661, 4°.). – Patouillet (Etienne), Oraison funèbre de Marie Thérèse d’Autriche, reine de France (Besançon 1684). – Retrato de Maria Theresia d’Austria (s. l. 1683, 4°.). – Soria (Bonaventura de), Abrégé de la vie de Marie Thérèse d’Autriche (Paris 1683, 12°.); übersetzt in’s Spanische (Madrid 1684, 12°.) (ebd. 1689, 12°.). – Ubaye (Paul d’), L’héroïne chrétienne ou la princesse achevée sous le très auguste nom de Marie Thérèse d’Autriche (Lyon 1671, 4°.). – Der Wanderer (Wiener Blatt, 4°.) 1824, Nr. 33: „Hoheit und Milde. Ein erhabenes Vorbild aus der Christenwelt“. – Der Freimüthige für Deutschland. Zeitblatt der Belehrung und Aufheiterung (Berlin, 4°) 1819, Nr. 57 und 58: „Maria Theresia von Oesterreich, Gemalin Ludwig’s XIV. Eine historische Skizze“. – Porträte. 1) P. Aubry exc. (8°.); – 2) F. Bouttats sc. (8°.); – 3) P. de Jode exc. (8°.), Hüftbild; – 4) N. de Lamessin sc. 1661 (4°.); – 5) B. Moncornet exc. (4°.); – 6) N. Visscher exc. (Fol). – [60] Medaillen. 1) Auf die Vermälung. Jeton, 1660. – 2) Jeton mit dem Brustbilde Maria Theresia’s, 1673. – 3) Ein zweiter Jeton, auch mit dem Brustbilde der Königin, vom Jahre 1675. – 4) Jeton auf den Tod der Königin, 1683. – 5) Jeton auf den Frieden zu Nymwegen, 1679, mit dem Brustbilde der Königin.