BLKÖ:Habsburg, Philipp IV.

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 122. (Quelle)
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272. Philipp IV., König von Spanien (geb. 8. April 1605, gest. 17. September 1665). Sohn des Königs Philipp III. aus dessen Ehe mit Margaretha von Oesterreich [s. d. Nr. 192]. Gemalinen: 1) Isabella von Frankreich (geb. 1602, gest. 6. October 1644), ihm vermält 1621; 2) Maria Anna von Oesterreich (geb. 22. December 1634, gest. 16. Mai 1696) [s. d. Nr. 208]. Kinder. Aus erster Ehe: Balthasar (geb. 17. October 1629, gest. 9. October 1646) [Bd. VI. Nr. 36]; Maria Theresia (geb. 20. September 1638, gest. 30. Juli 1683) [s. d. Nr. 250], nachherige Königin von Frankreich, Gemalin Ludwig’s XIV.; Margaretha Marie Therese (geb. 12. Juli 1651, gest. 12. März 1673) [s. d. Nr. 195], nachherige deutsche Kaiserin, Gemalin Leopold’s I.; und Karl II., König von Spanien (geb. 6. November 1661, gest. 1. November 1700) [Bd. VI, Nr. 133]; und der natürliche, nachmals legitimirte Sohn Don Juan d’Austria (geb. 7. April 1620, gest. 17. September 1679) [Bd. VI. Nr. 129]. Ueber seine anderen natürlichen Kinder siehe zu Ende dieser Lebensskizze. Hervorragende Lebensmomente. 1621 folgte er seinem Vater in der Regierung. Der bisher ungetrübte Friede in den Niederlanden wurde wieder gestört, es begannen die alten Feindseligkeiten von Neuem und waren durch Kriege mit England, Frankreich und Italien noch bedenklicher und schwieriger zu unterdrücken. Peter Heyen, ein Niederländer, nahm 1628 die große spanische Silberflotte weg; im Jahre 1634 entsendeten die Holländer zwei starke Corps nach Indien, schlugen die spanische Flotte bei Lima und eroberten die Stadt San Salvador in Peru; jedoch trieb Don Friderico di Toledo die Holländer wieder heraus. In Italien stellten sich auch 1635 die Sachen sehr zu Spaniens Nachtheil, und da Frankreich wieder die [123] Hände im Spiele hatte, konnte das von allen Seiten angegriffene Spanien, dem es an Allem fehlte, was nöthig ist, den Besitz eines fremden Landes zu erhalten, Geld und Soldaten, nicht mit Nachdruck auftreten. Die französischen Marschälle de Chatillon und de Breze schlugen bei Avin (20. Mai 1635) im Lüttich’schen den spanischen General Thomas von Savoyen so auf’s Haupt, daß 6000 Mann auf dem Platze blieben. Im Lande selbst, und zwar in Catalonien, brach 1640 offener Aufstand aus, die Einwohner erschlugen den Gouverneur von Barcelona, und schüttelten nach des Herzogs von Cardona Tode das spanische Joch ab, sich unter französischen Schutz begebend. Es ist eine alte geschichtliche Erscheinung, wenn der Unterdrückte sich nicht selbstständig machen kann, so erträgt er doch leichter die Herrschaft des mächtigern Unterdrückers, der ihn schützen kann, als die des schwächern, der um seine eigene Selbstständigkeit besorgt ist und um sie erst kämpfen muß. In Portugal wieder verjagten im nämlichen Jahre alle Städte an einem Tage die im Lande befindlichen Spanier und das Volk rief den Herzog von Braganza, der dem Geschlechte der alten portugiesischen Könige entstammte, als Johann IV. zum Könige aus. Die Niederlande wurden 1648 im westphälischen Frieden für unabhängig von Spanien anerkannt; und nach allen diesen Niederlagen schloß Spanien 1659 mit Frankreich den pyrenäischen Frieden, durch welchen es, wie durch den westphälischen, fast allen auswärtigen Handel verlor und nur auf den Verkehr im Innern des Landes beschränkt blieb. Als der König, 60 Jahre alt, starb, hinterließ er betreffs der Thronfolge folgende testamentarische Verfügung. Seinem Sohne Karl, wenn dieser ohne Erben stürbe, sollte die dem Kaiser Leopold verlobte Infantin Margaretha Theresia und deren Kinder, und wenn aus dieser Ehe keine vorhanden wären, der Kaiser Leopold selbst und diesem erst der Herzog von Savoyen substituirt werden. Die Königin von Frankreich, Maria Theresia [s. d. Nr. 250], sollte in jedem Falle ausgeschlossen sein, es wäre denn, daß sie Witwe würde, keine Kinder hätte, in welchem Falle sie zur Thronfolge zuzulassen sei, und sich mit Einwilligung der Stände zu vermälen habe. Spanien hätte sich unter Philipp IV. erholen können, wenn es nicht in seinen Finanzen durch seine früheren Könige Philipp II. und Philipp III. zu sehr geschwächt worden wäre. Philipp IV. besaß an dem Grafen Olivarez einen Minister von ausgezeichnetem Talente und ernstem Willen, das Land aus seiner drückenden Lage zu reißen. Aber die Geldnoth war zu drückend, und die Kriege, in welche Spanien von allen Seiten verwickelt war, ließen es nicht zu Athem kommen. Die stark verringerte Bevölkerung des Landes, die auch ein wesentlicher Grund seiner Verarmung war, wollte Olivarez beseitigen; so beschloß er, alle spanischen Provinzen zu Einem Staate eng zu vereinigen und beständig eine starke Heeresmacht zu unterhalten. Aber sein Plan scheiterte am Widerstande der Stände. Der König selbst war mehr in galanten Abenteuern, als in Staatsgeschäften thätig und der Adel folgte seinem Beispiele, versank in Wollust, Unthätigkeit und Verschwendung. Obwohl Philipp IV. ein Land nach dem andern, Portugal, Catalonien, die Niederlande u. s. w. verlor, stand er nicht an, den Beinamen „der Große“ sich beizulegen; der Herzog von Medina-Celi, als er diese Verfügung des Königs zuerst erfuhr, bemerkte [124] aus diesem Anlasse: „Unser Herr ist wie ein Loch, je mehr man davon nimmt, desto größer ist es.“ Außer dem natürlichen Sohne Don Juan, den er mit Donna Calderona gezeugt, besaß Philipp noch mehrere natürliche Kinder, u. z. Fernando de Valdez, den ihm Maria Gonzalez Tochter Joseph’s Gonzalez, Gouverneur im souveränen castilischen Rath, gebar; dann einen dritten Sohn mit der Schwester des Marquis von Mortara, Gouverneur von Mailand, welcher in den Dominikaner-Orden trat, Bischof von Malaga und Lehrer seines Halbbruders, des Infanten Don Carlos (Karl II.), wurde. Philipp IV. hatte 44 Jahre regiert. Sein Nachfolger Karl II. [Bd. VI, Nr. 133] zählte vier Jahre, als Philipp starb; seine Mutter Maria Anna [s. d. Nr. 208] führte die Vormundschaft, und es begann jenes unselige Regiment des Oberösterreichers Neidhardt, das Spanien in schweres Mißgeschick stürzte.

I. Geschichte und Biographie Philipp’s IV. von Spanien. Amonnet d’Hailly (Charles François), Harangue funèbre prononcée aux exeques (sic) de Philippe le grand, roi d’Espagne (Bruxelles 1665, 4°.). – D’Aubremont (J. A.), Epicedium in exequiis Philippi IV. (Lovan 1665, 4°.). – Cabrera Nunez de Guzman (Melchior de), Consuelo en la mayor perdida en la muerte de Felipe IV., rey de España (Madr. 1666, 4°.). – Cespedes y Menezes (Gonsalvo de), Historia de D. Felipe IV., rey de las Españas (Lisb. 1631, Fol., auch Barcelona 1634, Fol.). – Dunlop (John), Memoirs of Spain during the reign of Philip IV. and Charles II. from 1621 to 1700. 2 Bde. (Edinburgh 1834, 8°.). – De la Rocca, Histoire du Ministère du Comte Duc d’Olivarez avec des reflexions politiques (1673). – Deshayons (Thomas), Relation de la maladie et de la mort de Philippe IV., roi d’Espagne (Liége 1666, 8°.). – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, Brockhaus, 4°.) III. Sect. 22. Thl. (1846), S. 436–446 [quellenmäßig gearbeiteter Artikel von Flathe]. – Giovanni Paolo di Epifania, Orazione funerale per la morte di Filippo IV. rè delle Spagne (Napoli 167., 12°.). – Gandolfi (Girolamo) Tributum doloris in funere Philippi IV. cognomento Magni, Hispaniarum et Siciliae regis oratione funebri persolutum (Panormit. 1666, 4°.). – Honras de Felipe IV. en el convento de Santo Domingo de Mexico (Mexico 1666, 4° ). – Houbraken (Judas), Oratio funebris in exequiis Philippi IV. Hispaniarum regis (Antwerpen 1666, Fol.). – Maja (Francesco Ambrogio), Oratione funerale in morte del rè Filippo IV. (Palermo 1666, 12°.). – Maladie, testament et mort du feu Philippe IV., roy d’Espagne et le commencement du règne de Charles II. (s. l. et d. (1665), 8°.). – Malvezzi (Virgilio), Historia de los Socessos principales acontecidos à la monarquia de España en tiempo de Felipe quarto el grande (Madr. 1646, 4°.); in’s Italienische übersetzt (Anvers 1641, 12°.). – Muscettola (Antonio), Pompa funebris in morte Philippi IV., regis Hispaniarum (Napol. 1666, Fol.). – Ogier (François), Oraison funèbre de Philippe IV., roy d’Espagne (Paris 1666, 4°.). – Panormitano (Massimo), L’Aquila di Giove, Orazione per le esequie del cattolico monarca delle Spagne Filippo il Grande etc. (Palermo 1666, 4°.). – Quiros (Pedro), Parentacion al rey D. Felipe IV. (Saragoss. 1665, 4°.). – Petralbes (Francesco), Orazione in morte del rè Filippo IV. (Napoli 1666, 4°.). – Santa Maria (Juan de), Dischoso fin a la vida humana, y feliz transito a la eternida de Felipe IV. (Napoli 1675, 4°.). – Relacion de las fiestas de Lima a leventar estandartes per el rey N. S. Felipe IV. (Lima 1622, 4°.). – Sarinana (Isidro), Exequias del rey Felipe IV. en la ciutad de Mexico (Mexico 1666, 4°.). – Setajoli (Filippo), Osequii funebri della compagnia del SS. Crocifisso sotto il titolo de’ Bianchi in morte di Filippo IV. monarca delle Spagne (Palermo 1666, 4°.). – Zanetornato (Domenico), Relatione succinta del governo della Corte di Spagna fatta del Cavalliere – – (1672).
II. Porträte. 1) P. Aubry exc. (8°.); – 2) J. A. Böner sc. (Fol.); – 3) F. Bouttats sc. (12°.); – 4) C. Galle sc. (8°.), Halbfigur; von diesem Kupferstecher ist noch ein zweites Porträt vorhanden in der Suite der [125] Friedensgesandten (Fol.); – 5) (Laz. v. Heyden fec.) (8°.); – 6) W. Hollar fec. 1652 (Fol.), schönes Blatt; – 7) P. de Jode sen. exc., Hüftbild, der König in der Jugend, seltenes Blatt; von demselben Künstler auch ein zweites Blatt (4°.), Halbfigur; – 8) L. Kilian sc. (4°.), Halbfigur; – 9) J. Toorenvliet del., C. Meyssens sc. (kl. Fol.); – 10) P. P. Rubens p., P. Pontius sc. 1632 (gr. Fol.), Halbfigur; – 11) P. de Villafranca del. et sc. 1657 (Fol.), seltenes Blatt; – 12) P. P. Rubens p., C. Visscher sc. (gr. Fol.).