BLKÖ:Habsburg, Maria Anna (Königin von Spanien)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 24. (Quelle)
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Maria Anna von Österreich (1634–1696) in der Wikipedia
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208. Maria Anna, Erzherzogin von Oesterreich, Königin von Spanien (geb. 22. December 1634, gest. 16. Mai 1696). Tochter des Kaisers Ferdinand III. aus dessen erster Ehe mit der Infantin Maria Anna, Tochter Königs Philipp III. von Spanien. Erzherzogin Maria Anna war mit dem Infanten Balthasar [Bd. VI, Nr. 36], Sohn König Philipp ’s IV. von Spanien verlobt; als aber Balthasar am 9. October 1646, im Alter von 17 Jahren, starb, wurde Maria Anna drei Jahre später (8. November 1649) Gemalin seines Vaters, des Königs Philipp IV. Sie gebar ihrem Gemale eine Tochter und einen Sohn, erstere: Margaretha Maria Theresia [s. d. Nr. 195], erste Gemalin Leopold’s I.; letzterer: Karl II., der letzte Habsburger in Spanien [Bd. VI, Nr. 133]. Als König Philipp IV. (17. September 1665) starb, wurde Maria Anna Vormünderin ihres damals vierjährigen Sohnes und Regentin von Spanien. Johann Eberhardt Neidhardt (geb. auf dem Schlosse Falkenstein in Oberösterreich 8. December 1607, gest. 1680), oder wie er mit verstümmeltem Namen öfters genannt wird, Nithard oder Nitard, aus dem Orden der Gesellschaft Jesu, war Maria Anna’s und ihres Bruders Leopold, nachmaligen Kaisers, Erzieher und Beichtvater. Als Maria Anna nach Spanien zu ihrem Gemale König Philipp sich begab, folgte ihr Neidhardt in der Eigenschaft als Beichtvater dahin. Nach [25] König Philipp’s Tode ernannte ihn Maria Anna, als Regentin, zum General-Inquisitor des Reiches und überließ ihm die Führung der Regierungsgeschäfte. Alsbald erregten Neidhardt’s Verfügungen allgemeinen Unwillen; es bildeten sich Parteien, und einen großen Anhang besaß König Philipp’s natürlicher Sohn, Don Juan d’Austria [Bd. VI, Nr. 129], der nach Philipp’s Tode von der Reichsverwaltung ausgeschlossen wurde. Auf Don Juan vornehmlich waren Neidhardt’s Verfolgungen gerichtet, jedoch vergeblich. Neidhardt selbst mußte den Platz räumen und Madrid verlassen, bei welcher Gelegenheit er allen erdenklichen Hohn von Seite des erbitterten Volkes zu erdulden hatte. Er begab sich in der Eigenschaft eines Gesandten, indem ihm übrigens alle Einkünfte, die er vordem besaß, waren vorbehalten worden, an den römischen Hof, wo sein Empfang eben auch nicht seinen Erwartungen ganz entsprochen haben mochte. Don Juan erhielt nun Theilnahme an der Staatsverwaltung. Maria Anna’s Sohn, Karl II., erklärte sich am 9. November 1675 für volljährig und ergriff die Zügel der Regierung. Nun war es mit Maria Anna’s Regentschaft zu Ende, Karl schickte seine Mutter in ein Kloster. In dieser Zufluchtsstätte verblieb jedoch Maria Anna nur bis kurz vor Don Juan’s Tode, der im Jahre 1679 erfolgte. Sie erschien wieder bei Hof und behauptete nunmehr ihren ganzen Einfluß in allen Regierungsangelegenheiten. Maria Anna starb im Alter von 62 Jahren, und ihr Sohn, Karl II., der letzte Habsburger in Spanien, überlebte sie um vier Jahre, den Bourbonen ein Land überlassend, welches nahezu zwei Jahrhunderte unter dem Scepter der Habsburger gestanden.

Mémoires de Montglat. Tom. 2.Rélation des differends arrivés en Espagne entre Don Juan d’Autriche et le Cardinal Nitard. 2 Bde. (Paris 1677, 12°.). ─ Allgem. histor. Lexikon (Leipzig 1731, Thom. Fritschens Erben, gr. Fol.) Bd. III, S. 424. ─ Porträte. 1) F. Bouttats sc.(12°.); ─ 2) W. Hollar fec. 1652 (Fol.); ─ 3) E. Widemann sc. (8°.).