BLKÖ:Habsburg, Don Juan d’Austria (1629–1679)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Habsburg, Jutha
Band: 6 (1860), ab Seite: 336. (Quelle)
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129. Don Juan d’Austria (geb. 7. April 1629, gest. 17. September 1679). Natürlicher Sohn Philipp’s IV., Königs von Spanien. Don Juan’s Mutter hieß Maria Calderona und hatte durch ihre Schönheit und ihren Gesang den König entzückt. Im 13. Jahre erkannte Philipp seinen Sohn durch den Namen Don Juan d’Austria an; er hatte eine treffliche Erziehung erhalten und in Sprachen, Mathematik und in anderen Wissenschaften ungewöhnliche Fortschritte gemacht. Zu seinen Kenntnissen gesellten sich noch eine schöne äußere Erscheinung, ein feines geschmeidiges Benehmen, und als er am königlichen Hofe als Prinz feierlich vorgestellt wurde, verdunkelte er durch seinen Geist und die äußere Erscheinung den Prinzen von Asturien, was ihm den Neid der Königin Elisabeth, ersten Gemalin Philipp’s IV., einer Tochter Heinrich’s IV. von Frankreich, zuzog. Aber auch der Gewogenheit Maria Anna’s von Oesterreich, Philipp’s zweiter Gemalin, hatte sich Don Juan nicht zu erfreuen. Da Don Juan für das Waffenhandwerk bestimmt war, sandte ihn sein Vater bereits 1642 unter der Leitung des Marquis Castagneda zum königlichen Heere an der portugiesischen Grenze. Seine besondere Befähigung in Führung der Waffen veranlaßte seinen Vater, ihn an die Spitze der Expedition zu stellen, welche 1647 entsendet wurde, die Unruhen in Italien zu dämpfen. Anfänglich mit wechselndem Glücke, im weitern Verlaufe mit dem Erfolge auf seiner Seite, löste er befriedigend die Aufgabe, trug den Sieg davon über die französischen Intriguen und wurde von König Philipp zum Generalvicar über Italien, unter den alle übrigen Statthalter gestellt waren, ernannt. Auch auf diesem Posten hielt er das königliche Ansehen seines Vaters aufrecht. Im Jänner 1652 schickte ihn dieser in die seit 11 Jahren aufrührerische Provinz Catalonien, wo er am 13. October d. J. Barcelona einnahm und die Ruhe herstellte. 1656 schickte ihn Philipp nach den Niederlanden, um daselbst den Krieg gegen die Franzosen zu leiten. Aber kaum verließ er mit seinen drei Galeeren den Hafen, als er von vier algierischen Kriegsschiffen angegriffen, hart bedrängt und zuletzt von einem fürchterlichen Seesturme an die afrikanische Küste geworfen wurde. Aber glücklich entkam der Prinz, gelangte an den Ort seiner Bestimmung und brachte mit dem Prinzen von Condé, welcher damals in der spanischen Armee diente, den Franzosen mehrere Niederlagen bei, wodurch letztere mehrere Jahre in den Schranken gehalten wurden. Als aber im Jahre 1658 neuerdings der Krieg ausbrach, erlitt der Prinz in der Schlacht von Dünnkirchen (am 13. und 23. Juni) – ungeachtet der größten persönlichen Bravour – eine entscheidende Niederlage. Der pyrenäische Friede 1659 rief den Prinzen nach Spanien zurück. Um diese Zeit war der 30jährige Prinz Großprior der Maltheser in Castilien, Staatsrath und Admiral, und erhielt [337] nun den Oberbefehl über das Heer an der portugiesischen Grenze. Anfänglich war ihm in diesem Kriege das Glück wenig hold, später wendete es sich zu seinen Gunsten, bis auf der Seite der Portugiesen der Graf von Schomberg dem vordringenden Prinzen sich entgegenstellte und ihm am 8. Juni 1663 bei Estramoz eine Schlacht lieferte, welche Portugals Schicksal vollkommen entschied. Don Juan kehrte nun nach Madrid zurück, wo seine Niederlage dem Hasse der Königin Maria Anna Gelegenheit bot, ihn beim Könige in Mißgunst zu setzen. Als Philipp am 17. September 1665 starb, wurde Don Juan von der Reichsverwaltung ausgeschlossen. Früher schon war er des Heerbefehles beraubt und nach Consuegra verbannt worden. Am Hofe der Königin war ihr Beichtvater, Cardinal Eberhard Nitard – richtiger Neidhardt – in allen Dingen maßgebend. Die Staatsgeschäfte lagen in seiner Hand und sein Haß gegen Don Juan zog diesem die heftigsten Verfolgungen zu. Da aber der Prinz einen sehr großen Anhang im Volke, und Neidhardt heftige Gegner hatte, so wurde endlich letzterer, um vom Hofe entfernt zu werden, vom Staatsrathe als außerordentlicher Botschafter nach Deutschland bestimmt. Da die Königin Neidhardt’s Entfernung nicht zugeben wollte, wuchs die Unruhe, das Volk griff zu den Waffen und endlich mußte Neidhardt den Hof verlassen, worauf er sich in der Eigenschaft eines Gesandten nach Rom begab. Don Juan’s Partei nahm immer mehr zu, auch that er Alles, um das Vertrauen des Volkes zu gewinnen. Die Königin, die Entthronung ihres Sohnes besorgend, räumte ihm in einem Decrete (vom 4. Juni 1669) die Theilnahme an der Staatsverwaltung ein. Noch waren aber die Wirren und Parteiungen am königlichen Hofe nicht beigelegt, und selbst dann nicht, als Maria Anna’s Sohn, Karl II., sich in seinem 15. Jahre plötzlich für volljährig erklärte und am 9. November 1675 die Zügel der Regierung ergriff. Die Verweisung Don Juan’s mit mehreren seiner Freunde war die nächste Folge, aber dieß schwächte weder des Prinzen Ansehen noch seine Partei, und Karl sah sich genöthiget, um den Bürgerkrieg zu verhindern, Don Juan am 29. December 1676 zurückzurufen. Dieser nahm nun am Hofe seines Stiefbruders die Stelle eines ersten Ministers ein; auf diesem Posten schaffte er mehrere Mißbräuche ab, schloß im September 1678 zu Nymwegen den Frieden ab, dessen die erschöpfte Nation dringend benöthigte, betrieb die Vermälung Karl’s mit Maria Louise, Tochter des Monsieur und der Nichte Ludwig’s XIV., ohne sie jedoch zu erleben, da ihn ein Fieber – und nicht wie man meinte Gift – nach 23tägigem Krankenlager im 50. Jahre seines Lebens dahinraffte, in einem Zeitpuncte, da der Einfluß der Königin Mutter wieder mächtig, durch neue Parteiungen am Hofe gestärkt und Don Juan’s Sturz beschlossen worden war. Diese Wirren am Hofe hatten ihn selbst zu Maßregeln genöthiget, welche eine starke Partei gegen ihn aufbrachten, und ihn verhinderten, durchgreifend zur Herstellung der Ordnung, zur Hebung des Landes und Abschaffung der Mißbräuche zu wirken, dazu ihn seine seltenen Talente befähigten und das ihm bei seiner Energie unter anders gearteten Verhältnissen wahrscheinlich gelungen wäre. Sein unbändiger Stolz war mit den genannten Ursachen im Vereine ein nicht geringes Hinderniß, seine besten Absichten [338] zu verwirklichen und gerade der Umstand, daß er es verstanden, in so gefürchtetes Ansehen sich zu versetzen, daß Desormeaux, in seinem „Histoire d’Espagne en abrégé chronologique“, tom. V, den Zweifel ausspricht, ob Jemand gewagt haben würde, ihm, wenn er nicht gestorben, den Beschluß seines Sturzes anzukündigen, – gerade dieß untergrub sein Ansehen und reizte Alles, Ränke gegen ihn zu schmieden. Auch soll er es gewesen sein, der einen Schachsaal hatte, welcher mit großen Quadern von schwarzem und weißem Marmor gepflastert war und auf denen er sich zum Spielen lebendiger Personen zu bedienen pflegte. In den zur Vermälungsfeier seines Königs verfertigten Prachtgewändern wurde er, zum Triumphe seiner Gegner, auf einem Prunklager ausgestellt und theilnahmslos ohne Pracht in der Gruft seiner Ahnen im Escurial beigesetzt. Er war unvermält geblieben, aber aus dem Verhältnisse mit einer vornehmen sicilischen Dame hatte er eine Tochter, Anna Katharina Isabella, welche wider seinen Willen als Karmeliterin zu Madrid eingekleidet und nach des Vaters Tode nach Brüssel versetzt wurde, wo sie am 26. November 1714 in einem Kloster starb.

Bremudano (Francisco Fabro), Historia de la vida y hechos de Don Juan d’Austria (Zaragoz 1673, Fol.). – Leti (Gregorio), Vita di Don Giovanni d’Austria (Coloniae 1686, 12°.). – (Contesse d’Aunoy), Relation du voyage d’Espagne, III, 183 u. f. – Relation des differents arrivés entre Don Juan d’Autriche et le Cardinal Nitard (Paris 1677, 12°.) 2 Bde. – Basnage, Annales des Provinces unies. – Muratori, Annali d’Italia. – Sismondi, Histoire des Francais, tome XXIV und XXV. – Botta (Carlo), Storia d’Italia. – In der Bibliothek zu Riedeck in Oberösterreich, dem Grafen Heinrich von Starhemberg[WS 1] gehörig, befindet sich unter den Handschriften (Nr. 751) auch folgende: „Don Juan d’Austria (der zweyte Sohn K. Philipp’s IV.), Aktenstücke und Briefe zu seiner Lebensgeschichte und Wirksamkeit“; in spanischer Sprache. Größtentheils von bedeutendem Interesse.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Stahremberg.