BLKÖ:Habsburg, Rainer Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Habsburg, Philipp IV.
Band: 7 (1861), ab Seite: 125. (Quelle)
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Rainer von Österreich (1783–1853) in der Wikipedia
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273. Rainer Joseph, Erzherzog (geb. zu Florenz 30. September 1783, gest. zu Bozen in Tirol 16. Jänner 1853). Sohn des Kaisers Leopold II. aus dessen Ehe mit Maria Ludovica von Spanien. Frühzeitig verwaist, übernahm sein ältester Bruder, der nachmalige Kaiser Franz I., die Oberaufsicht über seine Erziehung, in welcher gründlicher Unterricht in staatswissenschaftlichen und militärischen Fächern die Hauptsache bildeten, ohne daß jedoch die anderen wissenschaftlichen Gebiete vernachlässigt wurden. So war denn die Botanik immer ein Lieblingsstudium des Erzherzogs, und als botanisirender Forscher und Entdecker durchwanderte der erlauchte Fürst nach allen Richtungen die pflanzenreichen Gefilde Oesterreichs. Im Jahre 1814, nach der Organisirung der damals wieder österreichisch gewordenen Lombardie und Venedigs als lombardisch-venetianisches Königreich, wurde Erzherzog Rainer von seinem kaiserlichen Bruder zur Würde eines Vicekönigs in den genannten Ländern berufen. Ununterbrochen bis zum 17. März 1848, an welchem Tage, noch ehe die Wiener Ereignisse in Mailand bekannt geworden, der Erzherzog seine alljährliche Reise nach der Residenz antrat, stand er an der Spitze der Geschäfte im genannten Königreiche, in welchem ungeachtet seines von allen Parteien anerkannten segenvollen 34jährigen Waltens nun auch der allgemeine Aufstand ausbrach. Während seines Vicekönigthums gab es kein gemeinnütziges Werk, das nicht sein Entstehen oder seinen einflußreichen Schutz ihm verdankte: die vielen Wohlthätigkeits- und Armenanstalten im lombardisch-venetianischen Königreiche waren unter ihm im besten Gedeihen begriffen. Ueber die Kleinkinderbewahranstalten, die er in’s Leben rief, so wie über die Waiseninstitute und im Jahre 1845 eingeführten grauen und barmherzigen Schwestern, denen die ausschließliche Pflege und Wartung in den weiblichen Krankenhäusern obliegt, übernahm das Patronat seine erlauchte Gemalin. Jede großartige Unternehmung, sei es in Hinsicht auf Verschönerung der Städte oder der Gemeinnützigkeit überhaupt, wurde durch ihn angeregt und bei seiner Ausführung überwacht. Von ihm wurden die Grundsteine zu dem herrlichen neuen Tempel San Carlo und zur lombardisch-venetianischen Eisenbahn gelegt und noch unter seiner Regierung beide Werke der Vollendung nahe gebracht. Den Garten in seiner Sommerresidenz Monza bereicherte er – ein wissenschaftlich unterrichteter Botaniker – mit einer Menge seltener Pflanzen aus allen Welttheilen und förderte dadurch wesentlich das Studium dieses naturwissenschaftlichen Zweiges. Ueber sein Wirken im Lande ist nur Eine Stimme und selbst dann herrschend geblieben, als die Revolution das ganze Land durchwogte. Seitdem der erlauchte Prinz in obenerwähnter Weise, nicht fliehend, sondern einem alten Brauche zufolge das Land im Jahre 1848 verlassen hatte, kehrte er nicht mehr in dasselbe zurück; die Ereignisse hatten seinem Herzen tiefe Wunden geschlagen und er zog sich von allen Staatsgeschäften [126] ein für alle Male zurück. Das milde Klima und die landschaftlichen Reize Südtirols ließen den Natur- und Pflanzenfreund sich für den bleibenden Aufenthalt in Bozen entscheiden, wo er auch bis an seinen Tod verweilte, der nach dreitägiger Erkrankung ihn im Alter von 70 Jahren seiner Familie entriß. Der Erzherzog war, gleich seinem verewigten Bruder, Erzherzog Rudolph, der erlauchte Gönner Beethoven’s und ein großer Freund der Musik, wie er überhaupt Kunst und Wissenschaften förderte. Der Erzherzog war mit Maria Elisabeth, Prinzessin von Savoyen-Carignan, des Karl Albert’s, Königs von Sardinien, Schwester (geb. 13. April 1800, gest. 25. December 1856), seit 28. Mai 1820 vermält. Dieser Ehe entstammen acht Kinder, sechs Söhne und zwei Töchter; diese sind in chronologischer Folge: Maria (geb. 6. Februar 1821, gest. 22. Jänner 1844); Adelheid (geb. 3. Juni 1822, gest. 20. Jänner 1855), vermält seit 12. April 1842 mit ihrem eigenen Vetter, dem damaligen Erbprinzen, jetzigem Könige Victor Emanuel II. von Sardinien; Leopold (geb. 6. Juni 1823), k. k. Feldmarschall-Lieutenant, General-Geniedirector und Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 53; Ernst (geb. 8. August 1824), k. k. Feldmarschall-Lieutenant, Commandant des 3. Armeecorps und Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 48; Sigismund (geb. 7. Jänner 1826), k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 45; Rainer (geb. 11. Jänner 1827), k. k. General-Major, Minister-Präsident und Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 59, vermält seit 21. Februar 1852 mit Maria Karolina , Erzherzogin von Oesterreich; Heinrich (geb. 9. Mai 1828), General-Major, Brigadier beim 3. Armeecorps zu Klagenfurt, Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 62; und Maximilian Karl (geb. 16. Jänner 1830, gest. 16. März 1836). Der Erzherzog Rainer ist, seinem letztausgesprochenen Wunsche gemäß, in Bozen beigesetzt (siehe unten die Quellen: IV. Grabdenkmal).

I. Zur Biographie. Naske (Adolph Karl), Biographische Skizze Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Rainer (Wien 1853, 8°.). – Schimmer (Karl August), Bilder aus der Heimath (Wien 1853, 8°.) S. 377: „Die Brüder des Kaisers Franz“. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) 1845, Nr. 125, S. 327; Dieselbe 1853, Nr. vom 5. Februar [beidesmal mit dem Porträte des Erzherzogs, doch nur das Letztere ist getroffen und auch gut in Holz geschnitten]. – Austria. Oesterr. Univ. Kal. (Wien, Klang, gr. 8°.) Jahrg. 1854, S. 184. – Storch (Franz Dr.), Skizzen zu einer naturhistor. Topogr. des Herzogth. Salzburg (Salzburg 1857, Mayr, 8°.) S. 30 [berichtet von des Erzherzogs Besuchen der Salzburger Gebirge und von dessen Liebe für die botanische Wissenschaft] – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter 1843, S. 453: „Erzherzog Rainer“.
II. Porträte. 1) Wien, Neumann, lithogr. (4°.); – 2) Lithogr. von Kriehuber (Wien, Spina, Fol.); – 3) Stahlstich im Goth. Hofkalender (16°.); – 4) N. Schiavoni p., A. Biasoli sc. (8°.); – 5) J. Mazza del. et sc. (4°.); – 6) N. Schiavoni p. et sc. (Fol.); – 7) E. Rados del., L. Rados sc. (gr. Fol.).
III. Denkmal Auf dem Speikkogel der Koralpe im Lavantthale in Kärnthen befindet sich eine dreiseitige klafterhohe Pyramide, zum Andenken an die Ersteigung dieser Höhe durch Kaiser Franz, die Erzherzoge Johann und Rainer. Jede Seite der Pyramide ist dem Einen der drei erlauchten Gäste eingeräumt und auf der dem Erzherzoge Rainer gehörigen steht die Inschrift:

Hic. Fuit. Rainerus. Archidux.
Austriae. Die. 5. Augusti. 1817.

IV. Grabdenkmal. Der Erzherzog Rainer hat in seinem Testamente den Wunsch ausgesprochen, in Bozen zur Ruhe bestattet zu werden. „Sollte ich in Bozen sterben, schreibt der fromme Fürst, so ist mein Leichnam in der dortigen Pfarrkirche zu begraben. Ein einfacher Stein bezeichne den Ort meiner Ruhe, auf welchen folgende Inschrift zu setzen ist:

[127]

          Mein Glaube.
Mein Glaube darf nicht wanken,
O tröstlicher Gedanken,
Ich werde durch sein Auferstehen
Gleich ihm aus meinem Grabe gehen;
Die Nacht, die mich hier decket
Bis mich der Engel wecket
Ist kurz, dann ruft mein Heiland mich
Dort hin, wo Niemand stirbt, zu sich.

Wanderer, der Du an meinem Grabe stehst, bete für mich, armen Sünder, auf daß mein Glaube verwirklicht werde.“