BLKÖ:Hartl Edler von Luchsenstein, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hartinger, Anton
Band: 7 (1861), ab Seite: 405. (Quelle)
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Hartl Edler von Luchsenstein, Joseph (Humanist, geb. zu Wien 27. Juli 1760, gest. ebenda 23. Juni 1822). Von bürgerlichen Eltern – der Vater betrieb ein kleines Handelsgeschäft in Wien – abstammend, beendete er in Wien die Studien, und wurde bald nach deren Beendigung kais. Hofagent. 17 Jahre versah er dieses Amt und erwarb sich durch sein humanistisches Wirken und seinen Wohlthätigkeitssinn, der sich insbesondere in den verhängnißvollen Kriegsjahren und beim allgemeinen Aufgebote kundgab, solche Verdienste, daß er über Einschreiten des Wiener Magistrates von Sr. Majestät 1799 mit dem erbländischen Adelstand begnadet wurde. Im Jahre 1802 gründete er mit mehreren vermöglichen Privaten die Pottendorfer Spinnfabrik, eine Anstalt, wie sie in jenen Tagen, England ausgenommen, in ganz Europa ihres Gleichen nicht hatte. Eine Menge erwerbloser Menschen fand nun Beschäftigung, viele Zweiggewerbe begannen zu blühen; und der Fortschritt dieser Fabrik rief viele kleinere Unternehmungen in’s Leben, welche ebenso auf den Wohlstand der Bevölkerung, als auf den staatlichen Haushalt wohlthätigen Einfluß übten, weil große Summen, welche bis dahin außer Landes wanderten, nun im Lande blieben. Im Jahre 1808 übernahm H. unter den mißlichsten Verhältnissen die Direction der beiden Hoftheater und des Theaters an der Wien und führte dieselbe während der feindlichen Invasion bis 1811. Sein von ihm in’s Leben gerufenes Pensionsinstitut für verdiente Schauspieler löste sich im Drange der Zeitverhältnisse wieder auf. Als im Jahre 1803 eine Hofcommission zur Regulirung der Wohlthätigkeitsanstalten eingesetzt wurde, ward H. zum Referenten ernannt und entwickelte bis zur Auflösung dieser Commission, 1806, eine segensvolle Wirksamkeit; übernahm auch 1817, als bei der zunehmenden Noth ein Verein zur Unterstützung der Nothleidenden sich [406] bildete, das Referat desselben. Ein unvergängliches Andenken erwarb er sich aber mit dem durch seine Idee und den Beitritt mehrerer Patrioten zur Erinnerung an die glorreichen Jahre 1813 und 1814 in’s Leben gerufenen wohlthätigen Verein zur Unterstützung österr. kais. Invaliden, der in kurzer Zeit über ein Stiftungscapital von mehr als 1 Million und 300.000 Gulden zu verfügen hatte. Solche Verdienste blieben nicht ungewürdigt. Schon 1803 ernannten ihn der Kaiser zum Regierungsrathe, die Stände von Steiermark und Kärnthen zum Landstande beider Herzogthümer, und als Kaiser Franz im Jahre 1809 den Leopold-Orden stiftete, verlieh er ihm aus Höchsteigenem Antriebe das Ritterkreuz des Ordens und 1815 den Titel eines kais. Hofrathes.

Der Wanderer (Wiener Blatt, 4°.) 1822, Nr. 207: „Nekrolog“, von Ebersberg. – Ebersberg (J. S.), Erzählungen für meine Söhne (Wien 1835, kl. 8°.) Bdchn. VI, S. 57. – Derselbe, Der Studierende auf gutem Wege zum Ziel (Wien 1833, Ghelen’sche Erben, kl. 8°.) S. 185. – Majestätsgesuch der Bürger Wiens vom 24. November 1798. – Adelstands-Diplom vom 11. Jänner 1799. – Wappen. Ein aufrechtstehender Schild. Das rothe Feld desselben ist ganz mit einem silbernen, in den vier Winkeln von natürlichen in’s Visir gestellten Luchsenköpfen begleiteten Kreuze belegt. Auf dem Schilde ruht ein rechtsgekehrter gekrönter Turnierhelm, aus dessen Krone ein natürlicher rechtsgekehrter vorwärts sehender Luchs sich erhebt, der in der vorgehaltenen rechten Pranke ein entblößtes Schwert mit goldenem Gefäße zum Hiebe ausholt.