BLKÖ:Hildebrandt, Hermann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 475. (Quelle)
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* Hildebrandt, Hermann (Journalist, geb. zu Magdeburg 12. Juli 1823, wurde seit dem 15. December 1864 in Wien vermißt, in den Tagen vom 23. bis 25. April 1865 zu Karlsburg im Wieselburger Comitate Ungarns, von der Donau ausgeschwemmt, am Strande gefunden). Hildebrandt wurde, da er Talent zeigte, ungeachtet die Vermögensverhältnisse der Eltern ziemlich beschränkt waren, für die wissenschaftliche Laufbahn bestimmt; beendete 1843–1846 in Halle die Theologie und kehrte dann in seine Vaterstadt zurück, wo er, die Theologie aufgebend, Lehrer an einer höheren Mädchenschule wurde. Die Bewegung des Jahres 1848 machte ihn zum Journalisten. Ein Artikel über den damaligen Krieg in Schleswig-Holstein im Magdeburger Volksblatte, welches H. redigirte, wurde Gegenstand eines Hochverraths-Processes, dessen Ergebniß nach dreimonatlicher Untersuchungshaft die Verurtheilung H.’s wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängniß und Verlust der Ehrenrechte war, welche letztere er für sein Vaterland erst durch die Amnestie vom Jahre 1861 wieder erhielt. Durch diesen Vorgang aus seiner Redactionsstellung gerissen, ertheilte er Privatunterricht, arbeitete für die Magdeburger Zeitung und übersiedelte im Frühjahre 1855 nach Paris, um sich dort eine selbstständigere Lebensstellung zu begründen. Von Paris aus schrieb er während der großen Industrie-Ausstellung des genannten Jahres Correspondenzen für das Wiener Journal „Ostdeutsche Post“ und trat nach einigen Monaten in ein festes Engagement bei diesem Blatte. Obgleich ein Norddeutscher, fühlte er sich bald in Wien heimisch und war mit ganzer Seele bei dem Journale thätig, bei dem er seit seinem Aufenthalte in Wien bedienstet war. Wie sein Freund und Biograph Bruno Bucher schreibt, „hatte er, einen kurzen Urlaub nach Ischl abgerechnet, während der 82/3 Jahre seines Aufenthaltes in Wien nicht einen Tag Urlaub genommen. Im Gegentheil ruhte oft, wenn seine Collegen sich erholten, wochen- und monatelang die ganze Last des Blattes auf ihm, sorgte er für den Leitartikel oder schrieb Kunstartikel, welche durch feines Urtheil und glänzende Darstellung Aufsehen machten ...“. So im Laufe der Jahre mit dem Institute der Zeitung völlig verwachsen, lehnte er vortheilhafte, seinen Fähigkeiten und Leistungen mehr entsprechende Anerbieten ab. Da wurde ihm am 9. December 1864 von dem Besitzer der „Ostdeutschen Post“ brieflich angezeigt, die Regie des Blattes bedürfe der Erleichterung, sein Posten müsse eingehen, seine Arbeiten auf die übrigen Redactionsglieder vertheilt werden. Verantwortlicher Redacteur könne er als Ausländer doch nicht werden. Uebrigens bleibe ihm seine Stellung so lange gewahrt, bis er eine andere entsprechende werde gefunden haben. So wenig H. Ursache haben mochte, um seine Existenz besorgt zu sein, so demüthigte ihn doch der Gedanke, die Jahre in Wien als großentheils verloren betrachten, sich eingestehen zu müssen, daß alle seine Kenntnisse und sein Fleiß ihn doch eigentlich um keinen Schritt vorwärts gebracht hatten. Sein Freundeskreis, zu welchem einst Ernst von Schwarzer, L. J. Semlitsch, Theodor Mannheimer und Rudolph Fröhlich, Alle vor ihm und Letzterer auch eines freiwilligen Todes in den Fluthen des Mondsee’s gestorben, gehört hatten, war sehr klein geworden. So sehr er auf werkthätige Theilnahme bei jedem rechnen konnte, der ihn kannte und als tüchtige Arbeitskraft gewiß bald [476] und vielleicht eine entsprechendere Verwendung gefunden hätte, so hatte doch die unerwartete, ja plötzliche Lösung seines bisherigen Verhältnisses, seinen inneren Sinn so mächtig getrübt, daß er, wie er auch rang sich aufzurichten, geistig zusammenbrach und Rettung im entsetzlichen Selbstmorde suchte. H. zählte erst 41 Jahre. Mit ihm starb ein tüchtiger, kenntnißreicher Mann und ein Charakter.

Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 20, im Feuilleton: „Hermann Hildebrandt“. Von Bruno Bucher. [Ein warmer beredter Nachruf von Freundeshand.] – Neue freie Presse (Wiener polit. Journal) 1864, Nr. 110, 114; 1865, Nr. 158, 160, 235, 241 [mehr oder weniger wichtige, Hildebrandt und sein Ende betreffende, Mittheilungen]. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1864, Nr. 351; 1865, Nr. 114.