BLKÖ:Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, Alexander Leopold Franz Emerich Prinz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 197. (Quelle)
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Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, Alexander Leopold Franz Emerich Prinz (Thaumaturg, geb. zu Kupferzell bei Waldenburg 17. August 1794, gest. 14. November 1849). Ist das achtzehnte Kind des Prinzen Karl Albrecht aus dessen Ehe mit dem ungarischen Edelfräulein Judith Freiin von Reviczky. Der Vater (gest. 1795) hatte seiner Gemüthskrankheit wegen nie zur Regierung gelangen können. Den Bitten seiner Mutter, die den Knaben bei der Geburt der Kirche geweiht, gab er seine Neigung, Soldat zu werden, auf und wurde für den geistlichen Stand vorbereitet, [198] von Jesuiten erzogen. 1804 in’s Theresianum nach Wien, 1808 auf die Akademie nach Bern, 1810 in’s erzbischöfliche Seminar nach Wien, dann in jenes nach Tyrnau und 1814 nach Ellwangen geschickt, wo er die theologischen Studien beendete. Im letztgenannten Jahre wurde er auch Canonicus zu Olmütz und erhielt 1815 die h. Weihen. Im Jahre 1816 reiste er nach Rom, wo er viel mit den Jesuiten verkehrte und Mitglied der Herz-Jesu-Sodalität zum h. Paul wurde. Mit der päpstlichen Vollmacht Rosenkränze, Crucifixe u. dgl. m. zu weihen, versehen, begab er sich im Februar 1817 nach München, später nach Bamberg, wo er im Volke durch seine Sanftmuth und seine Predigten große Beliebtheit erwarb, während die aufgeklärte Partei der Bevölkerung ihn des Obscurantismus, Ultrapapismus und Jesuitismus beschuldigte. In Bekehrungsversuche mit Dr. Wetzel verwickelt, sah er sich genöthigt, mit der Vertheidigungsschrift: „Abgedrungene Vertheidigung gegen einen Aufsatz im opposition. Blatte 1819, Nr. 78, überschrieben: Kaum glaubliche Proselitenmacherei in Bezug auf den Uebertritt des Dr. Wetzel zur kathol. Kirche“ (o. O. [Nürnberg, Riegel u. W.] 1820, gr. 8°.) das nachmals öfter bebaute literarische Gebiet zum ersten Male zu betreten und sich zu rechtfertigen. Aber erst mit seinem Auftreten als Wunderthäter wurde er für lange Zeit der Held des Tages. Der Bauer Michel zu Unter-Wittighausen im Baden’schen hatte bereits mit seinen Wundercuren Aufsehen erregt, die Kapuziner vermittelten die Bekanntschaft des Prinzen mit diesem Wunderthäter, der dem Prinzen in bäuerlicher Naivität zurief: „daß er als ein geweihter Priester doch größere Wunder müsse verrichten können, als ein Laie“. Und der Geist der Wunder kam über den Prinzen. Die erste Wundercur verrichtete derselbe in Gemeinschaft mit dem Bauer Michel an einer Dame aus hohem Hause, die einer Rückgratverschiebung wegen erlahmt, sich im orthopädischen Institute J. G. Heine’s [Bd. VIII, S. 218] zu Würzburg befand und dort der Heilung entgegenging. Bauer Michel forderte in Gegenwart des Prinzen die Dame im Namen Jesu und der h. Dreifaltigkeit auf zu gehen. Und die Dame erhob sich und ging. Nunmehr trat der Prinz allein als Wunderthäter auf und in Haufen strömte das Volk ihm zu. Der Prinz betete anhaltend über die Preßhaften und Hilfsbedürftigen, dann forderte er von jedem, den er heilen sollte, vor allem festen Glauben, und in der That manchmal gelang es vollkommen. Man wollte manche Cur aus der Wirkung der imposanten Persönlichkeit und begeisterten Zusprache des Prinzen auf den Kranken erklären, durch welche in einigen Fällen, wenigstens für den Augenblick, eine innere Erschütterung, die die äußersten Lebenskräfte des Siechen aufregte, hervorgebracht würde, das Mißlingen vieler Curen hingegen wurde damit erklärt, daß der Glaube desjenigen, welcher geheilt werden sollte, nicht stark genug gewesen sein müsse, was übrigens der Prinz als Grundbedingung der Wirksamkeit seiner Wunderthätigkeit im Voraus stellte. Diese letztere mochte oft gefehlt haben, denn zuletzt begab sich der Prinz, unmuthig über das Mißlingen vieler in den Hospitälern von Bamberg und Würzburg vergeblich versuchten Heilungen, in das Bad Brückenau. Zugleich aber erstattete er im Juli 1821 über seine Wundercuren Bericht an den päpstlichen Stuhl. Der Bescheid, den der Prinz von da erhielt, mochte ihm unerwartet [199] gekommen sein; die Curie verwies den Wunderthäter des 19. Jahrhunderts vorerst auf den Beschluß des Concils von Trient, demzufolge neue Wunder ohne Prüfung und Billigung des Bischofs nicht zugelassen werden sollten und ferner auf die Mirakelbulle des Papstes Benedict XIV. Noch mißlicher wurde die Lage des fürstlichen Thaumaturgen, als sich die Bamberger Sanitätspolizei in die Sache mischte. Mit dieser wollte der Fürst in keinen Contact kommen. Er begab sich nun nach Wien, darauf nach Ungarn, wurde 1825 Domherr zu Großwardein, 1829 Großpropst und 1844 Weihbischof zu Sardica, als welcher er im Alter von 55 Jahren starb. In Oesterreich trat er zwar nicht mehr als Wunderthäter auf, aber er stellte auf dringende Forderungen Scheine an Kranke aus, die von ihm Heilung erflehten, sich zu einer bestimmten Stunde, in welcher er Messe lesen oder beten werde, mit ihm im Gebete zu Gott zu vereinigen. Ob und wie Vielen er geholfen, ist nicht bekannt. Der Prinz, welcher eine feurige Beredtsamkeit besaß, ist auch Verfasser mehrerer zu seiner Zeit vielmal aufgelegten Andachtschriften und Predigtwerke. Indem hier nur die in Oesterreich verlegten oder gedruckten angeführt werden, wird betreffs der übrigen auf Kayser’s „Vollständiges Bücher-Lexikon“ (Leipzig 1835 u. f., Schumann, 4°.) (Bd. III, S. 173, Bd. VII, S. 446, Bd. IX, S. 435, und Bd. XI, S. 476) gewiesen. In Oesterreich sind gedruckt (auch nachgedruckt) erschienen: „Der nach dem Geiste der katholischen Kirche betrachtende Christ“, 2 Theile (Gratz 1823 u. öfter, Ferstl. 8°.); – „Christkatholische Hausmission. Ein Gebet- und Betrachtungsbuch für Alle, welche sich der ewigen Glückseligkeit theilhaftig machen wollen“ (zweite Originalausgabe, Wien 1822, gr. 12°., mit K. u. Vign.), die erste Auflage mit etwas verändertem Titel erschien zu Bamberg; – „Der betende Christ, oder Anbetung und Verehrung Gottes nach dem Geiste der h. Kirche“ (Wien ohne J., Riedl’s Witwe und Sohn, 12°., mit 6 K. K.); – „Das entstellte Ebenbild Gottes in dem Menschen durch die Sünde. Dargestellt in einer Folge von Predigten zur h. Fastenzeit“ (Wien 1836, Mechitharisten-Congr., gr. 8°.); – „Christkatholisches Gebetbuch“ (Wien ohne J., Riedl’s Witwe und Sohn, 12°.), zwei Ausgaben, mit großen und kleinen Lettern; – „Das reuige Herz in Armuth vor Gott. Ein Gebet- und Erbauungsbuch für katholische Christen“ (Wien, Riedl’s Witwe und Sohn, mit 6 K. K., gr. 12°.); – „Lichtblicke und Ergebnisse aus dem Welt- und dem Priesterleben. Gesammelt in den Jahren 1815–1833“ (Wien 1836, Mechitharisten, gr. 8°.); – „Gesammelte Reden vermischten Inhalts nebst der Leidensgeschichte Jesu“ (Wien 1830, Mausberger, gr. 12°.); – „Die Wanderschaft einer Gott suchenden Seele allhier im Thränenthale, oder Pallast der Wissenschaft des Heils. Eine allegorisch-moralische Erzählung in 19 Capiteln“ (Wien 1830, Mausberger, 12°.); – „Erinnerungen für Seelsorger am Krankenbette“ (Wien 1843, Kaulfuß, gr. 12°.); – „Des katholischen Christen Wandel vor Gott. 7 Fastenpredigten“ (Innsbruck 1848, Wagner, 8°.);– „Von der Selbstprüfung des Christen und den Gefahren der Täuschung im Geschäfte der Busse. 8 Fastenpredigten“ (ebd. 1847, 8°.); – „Von den 7 leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit. 7 Fastenpredigten“ (ebd. 1849, 8°.). Auch hat der Prinz das Leben seiner durch ihre Gottesfurcht ausgezeichneten Mutter in dem Werke: „Biographie und christliche Züge aus dem Leben und Charakter der Fürstin Judith von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst geb. Baronesse von Reviczki“ (Regensburg, [200] 1838, 8°., mit Porträt) selbst beschrieben. Des Fürsten Nachlaß aber hat Sebastian Brunner [Bd. II, S. 177] gesammelt und unter dem Titel: „Aus dem Nachlasse des Fürsten Alexander Hohenlohe weiland Bischof von Sardica, Großpropst u. s. w.“ (Regensburg 1851, gr. 8°.) herausgegeben.

Pachtler (G. M.), Biographische Notizen über Seine Durchlaucht den hochseligen Prinzen A. zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, Bischof von Sardica etc. (Augsburg 1850, 8°., mit Portr.). – Scharold (C. G.). Lebensgeschichte des Fürsten A. v. Hohenlohe-Schillingsfürst (Würzburg 1822, 8°., mit Portr. und 1824, 8°.), Vie du prince A. de Hohenlohe (Lille 1851, 8°., mit Portr.). – Reicher ist die durch die Wundercuren des Fürsten veranlaßte Literatur, welche wir als zur Sache gehörig gleichfalls hersetzen: Ansichten von den Heilungen des Fürsten Hohenlohe (Nürnberg 1822, 8°.). – (Arco, Karl von) Unpartheiische Prüfung über die Wunderheilungen des Fürsten Hohenlohe und des Martin Michel (Würzburg 1822, 8°.). – Desselben Schreiben an F. von Spaun über die Schrift die Thaumaturgen des 19. Jahrhunderts (München 1822, 8°.). – Baur (Franz Nicolaus), Wahre und kurze Beschreibung der merkwürdigen Ereignisse und wohlthätigen heiligen Handlungen des Fürsten A. von Hohenlohe. 2 Theile (Würzburg 1821–1822, 8°.) [auch (1825) in’s Holländische übersetzt]. – (Doyle, Johann) Nachricht von dem Wunder des Fürsten Hohenlohe an Miß Mac’ Lalor von Roßkiltan (Bamberg 1823, 8°.). Dieses Werk scheint eine Uebersetzung des englischen: „Miracle said to-have been wrought by prince Hohenlohe in Ireland on Monday the 9th of June 1823“ (London 1823, 8°.) zu sein.] – Gratz (Alois), Briefe über die Wunderheilungen des Fürsten von Hohenlohe (Mainz 1822, 8°.). – Hornthal (F. S. v.), Darstellung der Ereignisse bei dem vom Fürsten von Hohenlohe unternommenen Heilversuche (Erlangen 1822, 8°.). – Onymus (Adam Joseph), Meine Ansichten von den wunderbaren Heilungen, welche der Fürst A. v. Hohenlohe in Würzburg vollbracht hat (Würzburg 1822, 8°.) [in’s Französische übersetzt: „Réflexion sur le guérisons miraculeuses etc.“ (Anvers 1822, 8°.). – (Paulus) Quintessenz aus Anfang, Mitte und Ende der Wunder-Versuche, welche zu Würzburg und Bamberg von Michel Martin Bauer von Wittichhausen und durch S. H. und D. den Domherrn, Vicariatsrath und Prinzen A. von Hohenlohe-Schillingsfürst unternommen worden sind (Leipzig 1822, 8°., mit Portr.).– Scharold (Carl Gottfr.), Briefe über Würzburg (Würzburg 1822, 8°.) [betreffen die Wundercuren des Fürsten]. – Schneider (Joh. Jos.), Fürst A. v. Hohenlohe und Carl Sigismund Richter oder der Wunderdoktor zu Rauen in Schlesien (Frankfurt 1821, 8°.). – Zenger (Cassiodor Franz Joseph), Vertrautes Gespräch über die vom Fürsten A. v. Hohenlohe bewirkten Heilungen (Sulzbach 1823, 8°.). – Actenmäßiger Bericht über die wunderbare Heilung der Maria Cataloni (Prag 1817, 8°.) [durch den Fürsten L. A. von Hohenlohe W. Sch.]. – Porträte. 1) G. Bernardoni sc. (4°.) – 2) Gloe del., G. For sc. 1822 (8°.); – 3) Gloe del., F. Fleischmann sc. (8°.); – 4) C. Mayer sc. (8°.); – 5) J. Keating sc. (8°., Halbfig.). –