BLKÖ:Honigberger, Johann Martin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hooibrenk, Daniel
Band: 9 (1863), ab Seite: 255. (Quelle)
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Honigberger, Johann Martin (Reisender, geb. zu Kronstadt in Siebenbürgen 1795). Stammt von israelitischen Eltern und widmete sich dem medicinischen Studium und dem Apothekergeschäfte. In einem unwiderstehlichen Drange, fremde Länder zu besuchen, verließ er 1815 seine Heimat und ging über Constantinopel nach Kleinasien und [256] Syrien, von Jaffa über Damiette nach Egypten, wo er in Cairo in der Apotheke des Vicekönigs Mehemed Ali eine Anstellung fand, welche er aber aufgab und Cairo verließ, als dort die Pest ausgebrochen war. Er kehrte nunmehr nach Syrien zurück und hielt sich mehrere Jahre in den Küstenstädten und auf dem Libanon auf, die Arzneikunst ausübend. Später reiste er in Gesellschaft des Niederländers Heinrich de Turck durch die Wüste nach Bagdad, von da nach Persien, auf diesem Zuge Bassora, Schiras, Ispahan besuchend. Die Absicht beider Reisenden, bis nach Lahore vorzudringen, wurde durch Mangel an Erwerb, noch mehr aber durch die Gefahren vereitelt, von denen sie anläßlich des zwischen Rußland und Persien ausgebrochenen Krieges bedroht waren; sie kehrten also wieder nach Bagdad zurück, von wo de Turck seine Rückreise nach Europa antrat. Glücklicher war H.’s zweite Reise nach Ostindien, die er nach einiger Zeit wieder unternahm. Auf dieser gelang es ihm, Lahore zu erreichen, wo er nun durch Empfehlungen an Franzosen und Italiener, welche hohe militärische Posten in der Armee des Königs bekleideten, die gewinnreiche Stelle als Arzt, Apotheker und Mechaniker zugleich bei dem Maheradschah Rendjid-Sing erhielt, die er durch 4 Jahre versah und in dieser Zeit so viel erworben hatte, daß er den Rest seines Lebens in Ruhe zuzubringen im Stande war. Der erwachten Sehnsucht nach der Heimat nachgebend, verließ er 1833 Lahore, reiste über Multan und Kabul nach Buchara, überschritt die Grenze, welche Europa von Asien trennte, und kehrte über Orenburg, Nischnej-Nowgorod, St. Petersburg, wo er einige Zeit sich aufhielt, Moskau und Kiew durch die Bukowina nach einer zweijährigen Reise und 20jähriger Abwesenheit in seine Heimat Siebenbürgen zurück, wo er seine Eltern und nächsten Angehörigen noch am Leben fand. Zwei Jahre, 1834 und 1835, brachte er im Kreise der Seinigen zu, dann machte er eine Reise über Italien und Frankreich nach London, von wo er über Deutschland und Wien nach Kronstadt zurückkehrte. Diese Reise hatte er in orientalischer Tracht gemacht und dieselbe erst in Wien abgelegt. Auf derselben nahm er in Bordeaux bereits eine ihm gehörige, von General Allard für ihn mitgenommene Kiste mit wissenschaftlichen Schätzen in Empfang, von denen er die archäologischen in Paris und London verwerthete, 500 Species in den Bergen Afghanistans gesammelter Kräuter aber, darunter 50 ganz neue, nach Wien mitbrachte. Sie erschienen später unter dem Titel: „Sertum Cabulicum“, herausgegeben von Endlicher [siehe Bd. IV, S. 46, unter b) ]. Die Wintermonate 1835/36 brachte er in seiner Heimat zu, begab sich darauf wieder nach Wien, um die Herausgabe seines Reisewerkes zu veranstalten, kehrte aber dann neuerdings in den Orient, an dessen Lebensweise er sich zu sehr gewöhnt, um in Europa sich behaglich zu finden, zurück, von wo durch eine Reihe von Jahren nur spärliche Nachrichten über ihn nach Europa gelangten, bis im Jahre 1857 die (Kronstädter) „Blätter für Geist und Gemüth“ (Nr. 8) von ihrem Landsmanne meldeten, daß er sich in Calcutta befinde und mit der Einimpfung eines Mittels gegen die Cholera beschäftigt sei, welche Methode sich an den Sträflingen erprobt habe und in den ungesundesten Gegenden mit Erfolg angewendet werde. Später brachte die „Donauzeitung“ und nach ihr das „Vaterland“ (1861, Nr. 211) ausführlichere Nachrichten über dieses Heilverfahren [257] Honigberger’s, worüber er auch die Schrift: „Heilung der indischen Brechruhr durch Einimpfung des Quassius. Aus dem Engl. übersetzt. Mit 1 litho. Taf.“ (Wien 1859, Typogr. liter. art. Anstalt, 96 S. 8°.), veröffentlicht hat. Es besteht im Wesentlichen in der Inoculation von Quassiatinctur, welche einfach durch einen Einschnitt am linken Arm, in den vier bis fünf Tropfen der Tinctur geträufelt werden, erfolgt. Fachmänner wollen diese Erfindung für einen großen Humbug, der dießmal statt aus dem Heimatlande des Humbugs, aus Nordamerika, aus Ostindien nach Europa kam, ansehen. Honigberger ist noch zur Zeit in Ostindien und zwar in Calcutta, und wie es in dortigen Blättern heißt, als Kaufmann ansäßig. H. hat die Ergebnisse seiner Reise und Forschungen nach verschiedenen Richtungen in einem größeren Werke veröffentlicht, welches den Titel führt: „Früchte aus dem Morgenlande oder Reise-Erlebnisse nebst naturhistorisch-medizinischen Erfahrungen, einigen hundert erprobten Arzneimitteln und einer neuen Heilart, dem Medial-Systeme“ (Wien 1851, Gerold, mit 40 lith. Tafeln, Portr., Pflanzen-Abbild., gr. 8°., und 1 Karte in gr. 4°.); ob das von Honigberger u. d. Tit.: „Thirtyfive years in the East“ (London 8°.) erschienene Werk eine Bearbeitung des obigen oder eine besondere Schrift, kann Herausgeber nicht angeben, wohl aber, daß man beide in England besser kennt und würdigt als bei uns, wo nicht selten die besten Arbeiten dem Lose der Maculatur verfallen. Nachrichten über H.’s unter seiner Leitung in Afghanistan ausgeführte Nachgrabungen wie die Beschreibung der daselbst gefundenen Münzen, gab E. Jacquet im „Journal asiatique“ (Paris) 1836, Bd. 2; 1837, Bd. 2; 1838, Bd. 1; 1839, Bd. 1; – Honigberger selbst veröffentlichte noch im III. Bd. (1832) des „Journal of the Asiatic Society of Bengal“ eine „Relation d’un Voyage de Dereh Ghazikhan a Caboul“. H. ist ein sehr unterrichteter Mann, er spricht zwölf Sprachen, u. z. acht europäische, vier orientalische. H. hat als Reisender und Arzt unbestreitbare Verdienste, als Ersterer durch die treuen Schilderungen eines Landes, welches nur wenige Oesterreicher vor ihm überhaupt, in der Art aber wie er, keiner bereist hatten; als Arzt aber durch Auffindung neuer Heilkräfte, deren Heilwirkungen zu erproben er Gelegenheit gehabt. Die asiatische gelehrte Gesellschaft in Paris, wie auch der Verein homöopathischer Aerzte in Leipzig haben H. zu ihrem Ehrenmitglieds ernannt.

Ackersdijck (J.), J. M. Honigberger Ohne Angabe d. O. u. J. [Haarlem 1836), 8°.). – Nouvelles Annales des Voyages (Paris) 1847, Tome IV; 1848, Tome I: Vivien de Saint Martin. „Deconvertes geographiques en Afghanistan“.Frankfurter Konversationsblatt 1859, Nr. 208, S. 831: „Dr. J. M. Honigberger“. Mitgetheilt von Dr. A. N. – Allgemeine Theater-Zeitung, redig. von Adolph Bäuerle (Wien, kl. Fol.) 28. Jahrg. (1835), Nr. 88, S. 351. – Oesterreichische National-Encyklopädie herausg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. VI, Suppl. S. 387. – Nouvelle Biographie générale … publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1852, 8°.) Tome XXV, p. 76.. – Pesther Lloyd 1861, Nr. 74 [unter den Notizen]. – Feierabend (Wiener Unterhaltungsblatt, 4°.) Bd. I, Nr. 28, S. 330: „Ein abenteuerlicher Zug durch die arabische Wüste“. – Hirschel (Bernhard Dr.). Compendium der Geschichte der Medizin von den Urzeiten bis auf die Gegenwart. Mit besonderer Berücksichtigung der Neuzeit und der Wiener Schule (Wien 1862, Braumüller, gr. 8°.) S. 526, 531, 539. – Frankl (L. A.) , Sonntagsblätter (Wien, 8°.) III. Jahrgang (1844). S. 336. – Das Vaterland (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1861, Nr. 211 [im Feuilleton] [258] unter der Aufschrift: Gegen die Cholera. Diese Mittheilung ist in vielen deutschen Blättern nachgedruckt]. – Porträte. Ein solches ist im Holzschnitt von Blasius Höfel ausgeführt; – ein anderes in Lithographie befindet sich vor seinem Reisewerke: „Früchte aus dem Morgenlande“.