BLKÖ:Hoyos-Sprinzenstein, Johann Ernst Graf von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hoven
Band: 9 (1863), ab Seite: 346. (Quelle)
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Johann Ernst Hoyos-Sprinzenstein in der Wikipedia
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Hoyos-Sprinzenstein, Johann Ernst Graf von (Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des goldenen Vließes, geb. 24. Februar 1779, gest. zu Wien 28. October 1849). Sohn des Grafen Johann Philipp Joseph (geb. 6. September 1747, gest. 30. März 1803) aus dessen Ehe mit Maria Christine Prinzessin von Clary und Aldringen (geb. 19. Jänner 1755, gest. 10. Mai 1821). Entstammt einem alten spanischen, später nach Oesterreich übersiedelten Adelsgeschlechte [über dasselbe S. 348 in den Quellen Näheres]. Wurde bereits 1791 k. k. wirkl. Kämmerer, trat 1809 in die österreichische Landwehr und erhielt bald darauf das Commando eines Bataillons, auf dessen Ausrüstung und Kampffertigkeit er große Summen verwendete; seine eigene Gage vertheilte er unter die Officiere seines Bataillons. In mehreren Gefechten und Schlachten that sich H. rühmlich hervor, kämpfte auch in den Feldzügen der Jahre 1813, 1814 und 1815 in Italien und Frankreich, und nach dem Feldzuge des J. 1815 trat er in die Armee als Oberst (ohne Gehalt) und dann als Lieutenant in die deutsche Garde über. Im Jahre 1821 wurde er wirkl, geheimer Rath; später Obersthofmeister des jüngern Königs von Ungarn, zuletzt Obersthof- und Landjägermeister. Als solcher erhielt er das Großkreuz des [347] Leopold-Ordens, wurde 1836 Ritter des goldenen Vließes, während er in der Armee zum General-Major und Feldmarschall-Lieutenant vorrückte. Alle diese Erhebungen und Auszeichnungen aber machten seinen Namen lange nicht so bekannt, als seine Ernennung zum Obercommandanten der Wiener Nationalgarde, welche nach Ausbruch der Märzbewegung am 14. März 1848 erfolgte. Für den fast 70jährigen, wenngleich erprobten Soldaten war doch diese Bürde zu schwer. Die Nationalgarde war ein in Oesterreich neues Institut, dessen Wirkungskreis eben so wenig erkannt, als geregelt war. Einige ganz wohlgemeinten Tagesbefehle des Obercommandanten, welche nichts weiter bezweckten, als mit Hilfe der Garde der von Tag zu Tag steigenden Anarchie zu begegnen, machten ihn bald mißliebig, und die Zustände selbst verstimmten ihn der Art, daß er bereits am 2. Mai seine Stelle niederlegte. Nur auf allgemeinen Wunsch übernahm er am 7. Mai das Commando zum zweiten Male. Um jeden Dualismus zu beseitigen und mehr Ordnung in den Körper zu bringen, erließ er am 12. Mai einen Tagesbefehl, mit welchem er die Abschaffung des Centralcomité’s der Nationalgarde, eines revolutionären Auswuchses der Garde, anordnete. Unter den Forderungen, welche am stürmischen 15. Mai von einer Deputation der Aula an die Minister gestellt wurden, befand sich als Punct 2 die Zurücknahme des oberwähnten Tagesbefehles. Als das Ministerium darauf nicht eingehen zu können und eher abtreten, als gerade diesen Punct zugeben zu wollen erklärte, nahm die Bewegung jenen unerwarteten Charakter an, der alles besorgen ließ. In der Nacht vom 17. auf den 18. Mai verließ Kaiser Ferdinand heimlich die Residenz und Hoyos wurde von dem Ministerium sofort abgesendet, den Kaiser zur Rückkehr zu bewegen, was ihm nicht gelang. Bald nach seiner Rückkehr wurde der Graf mittelst Cabinetsschreiben vom 22. Mai über sein Ansuchen seines Dienstes als Obercommandant der Nationalgarde enthoben, und Oberst von Pannasch zu seinem Nachfolger ernannt. Einige Tage später, am 27. Mai, wurde der Graf als Bürgschaft für die Errungenschaften des 15. und 16. Mai unter die Aufsicht des Bürgerausschusses gestellt. Müde dieser Wirren, zog sich der Graf sofort in die Ruhe des Privatlebens zurück. Aber schon im folgenden, in seinem 70. Jahre überraschte ihn der Tod, der in Folge eines Sturzes vom Pferde bei Gelegenheit eines Spazierrittes in der Nähe von Horn eingetreten war. An der Stelle, wo dieses unglückliche Ereigniß stattgefunden, erhebt sich nunmehr eine Votivcapelle. Der Graf, ein Patriot im besten Sinne des Wortes, hatte auch, um dem Staate Auslagen zu ersparen, 20 Invaliden in lebenslängliche Versorgung übernommen. Auch ist es Graf Johann Ernst, der den berühmten Erbauer des sogenannten Huebmer’schen Durchschlages am Geschaid, Georg Huebmer [s. d.], auf hochherzige Weise in der Ausführung seines Werkes wesentlich förderte, mit Geldmitteln unterstützte und eigentlich dessen Vollendung ermöglichte. Seit dem Jahre 1831 fügte der Graf zu seinem Namen jenen der Grafen Sprinzenstein hinzu, [Das Nähere siehe unten: l. Zur Genealogie der Grafen Hoyos.]

Nordstein (F. A.), Geschichte der Wiener Revolution (Leipzig 1850, C. B. Lorck, 8°.) S. 72, 82, 121, 138, 154. – Gallerie denkwürdiger Persönlichkeiten der Gegenwart. Nach Originalzeichnungen, Gemälden, Statuen und Medaillen (Leipzig. J. J. Weber, Fol.) [348] Sp. 20. Tafel XXVI, Porträt. – Genaue Darstellung der denkwürdigen Wiener Ereignisse des Jahres 1848 in ihren Ursachen und Folgen (Wien 1849, Wenedict, kl. 12°.) S. 21, 22, 35, 56, 57 u. f., 61–68, 114– 117, 130. – Silberstein (August), Geschichte der Aula, die Wiener-Universität und die akademische Legion vom März bis Ende October 1848 (Mannheim 1848, J. P. Grohe, 8°.) S. 66. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon (Wien 1852, 8°.) Bd. III, S. 273. – Porträt. Facsimile der Unterschrift: Hoyos. FM. Ober-Commandant der National-Garden in Wien. Eduard Kaiser (lith.). Gedruckt bei J. Rauh (Wien. Fol.).