BLKÖ:Joendl, Johann Philipp

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Joël, Felix
Band: 10 (1863), ab Seite: 225. (Quelle)
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Joendl, Johann Philipp (Architekt und Schriftsteller im Baufache, geb. zu Prag 3. November 1782). Sein Vater war Wundarzt und Bürger zu Prag. Nach beendeten philosophischen Studien sollte er, dem Wunsche des Vaters zufolge, die Medicin studiren, aber die um jene Zeit in Prag neu errichtete ständisch-polytechnische Lehranstalt brachte ihn auf ein ihm bei weitem zusagenderes Gebiet, und J. wurde Techniker. Nach beendeter Technik (1806 und 1807), in welcher er sich vornehmlich dem Baufache zugewendet, wurde er Adjunct an der Anstalt und von dem Professor der Baukunst Fischer sogleich bei dem Baue des Jagdschlosses zu Bubenč praktisch verwendet. Bei dieser Gelegenheit machte er sich dem Grafen Rudolph Chotek, damaligem Oberstburggrafen von Böhmen, bemerkbar, und da dieser auf seinen Herrschaften großartige Bauten im Sinne hatte, und nach einem Architekten, der in seine Dienste träte, suchte, fiel sein Augenmerk auf J., der den ehrenvollen und auch sonst vortheilhaften Antrag annahm und so Architekt des Grafen Chotek wurde. Anfangs lebte er in Neuhof, wo eben das prächtige Schloß Katschina gebaut wurde, später aber mit Beibehalt seiner Stellung [226] in Prag, wo sich sein Wirkungskreis bedeutend erweiterte. Mit seinen Arbeiten wuchs sein Ruf, und der hohe böhmische Adel, Graf Desfours, Franz Fürst Dietrichstein, Heinrich Graf Chotek, Fürst Colloredo-Mannsfeld, Graf Wratislaw-Mitrowitz, Johann Graf Kolowrat, Fürst Clary-Aldringen, Graf Schlik, Graf Waldstein-Wartenberg u. A. bedienten sich seiner als Architekten und Baurathes. Seine reichen Erfahrungen legte J. in folgenden, von der Fachkritik als gediegen bezeichneten Werken nieder: „Die landwirtschaftliche Baukunst in drei Bänden und einem Atlas mit 73 Tafeln“ (Prag 1828 und 1829, Selbstverlag; zweite durchaus verbesserte und vermehrte Auflage Wien 1842, Wallishausser, Text gr. 8°., Atlas in Folio); – „Unterricht in der Land-Baukunst überhaupt und bezüglich auf Privat- und Gemeindegebäude in Landstädten, Marktflecken und Dörfern. Anweisender und angewandter Theil mit 30 lithographischen Foliotafeln von Bauplänen und Theilzeichnungen“ (Prag 1840 [Wien, Wallishausser], gr. 8°., Atlas in Folio); von diesem Werke erschien noch im nämlichen Jahre eine von Joh. Nep. Štěpánek[WS 1] ausgeführte čechische Uebersetzung unter dem Titel: „Poučenj o stawitelstwj pozemnjm wůbec a zwlásstě wzhledem na priwátnj a obecnj stawenj we wenkowských městech městečkách a wesnicjch“ (ebd. 1840, gr. 8°.); auch wurde dasselbe auf den sächsischen Gewerbeschulen, wohin J. auf Wunsch des k. sächsischen Ministeriums des Innern mehrere Exemplare gesendet hatte, beim Unterrichte verwendet. Die Herausgabe desselben wie auch die böhmische Uebersetzung war unter den Auspicien der k. k. patriotisch-ökonomischen Gesellschaft von Böhmen erfolgt; – „Ueber Park-Anlagen und Verschönerung der Landschaften nebst einer kurzen vorbereitenden Abhandlung über Pflanzenphysiologie. Mit 13 (in Kupfer gestochenen) Plänen und Detail-Zeichnungen“ (Wien, 1850, Lex. 8°., Atlas in Folio); – „Praktische Erfahrungen im Baufache, besonders in kritischen Fällen, mit 14 Foliotafeln von Plänen und Theilzeichnungen (Wien 1851, ebd., gr. 8°., Atlas in Folio); dieses Werk bildet sowohl ein selbstständiges Ganzes, wie es auch als Fortsetzung und Ergänzung der vorbenannten Werke erscheinen kann. Wie auf theoretischem Gebiete als Bauschriftsteller J. sich einen ehrenvollen Namen erworben, so legen auch seine Bauten Zeugniß ab von seiner tüchtigen technischen und künstlerischen Ausbildung, und stets bemüht, das alte utile dulci zu verwirklichen, sind seine Bauten die harmonische Verbindung eines angemessenen schönen Styles mit der zweckmäßigsten inneren Einrichtung. Mit Uebergehung der zahlreichen Wohn- und Amthäuser, Forstgebäude, Pfarreien, Schulen und Fabriken, Brauhäuser, Mühlen, prachtvollen Glashäuser, Brücken u. dgl. m. sind als die bemerkenswerthesten Bauten Joendl’s anzuführen: Das innerhalb der großartigsten und reizendsten Parkanlagen sich erhebende Schloß Katschina, Eigenthum des Grafen Chotek, auf der zwischen Czaslau und Kolin befindlichen großen Herrschaft Neuhof gelegen; es befinden sich darin eine Bibliothek, ein Theater, eine Capelle; es ist dieß die größte und vorzüglichste von J.’s Bauten; die Familiengruft der Grafen Chotek in Neuhof, im griechischen Style ausgeführt; viele Parkgebäude daselbst, wie auch deren in dem berühmten Parke von Weltrus; das Schloßgebäude auf der Graf Wratislaw’schen Herrschaft Tachowitz, nebst den Parkanlagen; das Schloßgebäude mit Risalit und Colonade nach [227] der Parkseite auf der Graf Kolowrat’schen Herrschaft Hradischt; die Familiengruft der Grafen Wratislaw auf der Herrschaft Czimelitz. Außerdem enthalten die zuvor angeführten Werke Joendl’s entweder seine eigenen Entwürfe, oder die Grundrisse zu Bauten, die dann von ihm selbst auch ausgeführt worden. Die Gesellschaft zur Ermunterung des Gewerbsgeistes und das vaterländische Museum, ferner die Landwirthschafts-Gesellschaften von Böhmen, Mähren und Schlesien, von Steiermark, Kärnthen, Krain u. a. haben J. zum Mitgliede gewählt. Joendl war mit Anna Arnold, der Tochter eines Prager Bürgers, seit 1807 vermält und erlebte das seltene Glück, im Jahre 1857 als 75jähriger Greis die goldene Hochzeit im Kreise von Kindern und Enkeln, von Ersteren sind von 13 noch 9 am Leben, zu feiern. Von seinen Töchtern ist eine, Emma, an den Dr. Medicinae und Universitäts-Professor Hermann Schmidl-Goebel, naturwissenschaftlichen Schriftsteller und zur Zeit Redacteur der Lemberger (amtlichen) Zeitung, die andere, Flora, an Johann Umlauft, Schriftsteller und Gemeinderath der Stadt Wien, verheirathet. – Von Joendl’s Söhnen hat sich Karl (geb. zu Prag 21. December 1812) als Novellist in weiteren Kreisen bekannt gemacht. Er besuchte seit 1823 das Gymnasium in Prag, wo er aber bei seinem Hange zur Poesie für das regelmäßige Studium in der Schule wenig Neigung an den Tag legte. Er unterbrach also bereits 1830 die Studien und trat bei der damals in Prag befindlichen fürstlich Dietrichstein’schen Central-Directionskanzlei als Praktikant ein. Aber auch da, so geschickt und verwendbar er sich auch im Dienste erwiesen hatte, behagte es ihm wenig, und schon nach zwei Jahren seiner Neigung zur theatralischen Laufbahn nachgebend, trat er aus und wurde 1832 Schauspieler. Fünf Jahre machte er dieses wüste Treiben, von einer Bühne zur andern wandernd, mit; er ward es inne, daß hier nicht das Ideal der Kunst zu suchen und zu finden sei, und von Eckel über diese Laufbahn erfüllt, verließ er sie im Jahre 1837 wieder und trat als Praktikant bei der k. k. Polizeidirection in Prag in den Staatsdienst. Nun erwachte die alte Liebe zur Poesie von Neuem, und er veröffentlichte mehrere Novellen in Zeitschriften, als: Der Misanthrop, Falscher Ehrgeiz, Ein weiblicher Geniestreich, Das Todesurtheil, Der arme Heinrich, Die Schweden, Charlotte Corday, Der Schwank u. m. a., wovon mehrere später unter dem Titel: „Freudvoll und Leidvoll“ (Wien 185., Sallmayer und Comp.) gesammelt erschienen sind. Auch hat er mehrere Uebersetzungen aus dem Schwedischen novellistischen Inhalts in Journalen mitgetheilt. Ein zweiactiges Lustspiel: Die Künstler, wurde schon 1846 von den Sonntagsblättern als zum Druck vorbereitet gemeldet. Eine rege Fantasie und ein glückliches Erzählertalent spricht aus J.’s literarischen Arbeiten. Um jedoch Verwechslungen vorzubeugen, muß bemerkt werden, daß auch sein Vater in früherer Zeit mehrere belletristische Arbeiten in Zeitschriften veröffentlicht hat.

Handschriftliche Aufzeichnungen in meiner biographischen Sammlung. – Die Bücherkataloge von Kayser. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1846, S. 1254.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Jos. Nep. Štěpánek.