BLKÖ:Chotek von Chotkowa und Wognin, J. Rudolph Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Chotek, Franz Xaver
Band: 2 (1857), ab Seite: 362. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Johann Rudolph Chotek von Chotkow in der Wikipedia
GND-Eintrag: 136186130, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Chotek von Chotkowa und Wognin, J. Rudolph Graf|2|362|}}

Chotek von Chotkowa und Wognin, J. Rudolph Graf[BN 1] (Staatsmann, Präsident der königl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften und Ritter des goldenen Vließes, geb. 17. Mai 1748, gest. 26. Aug. 1824). Vater des Vorigen. Erhielt eine sorgfältige Erziehung und bildete sich auf wohlvorbereiteten Reisen aus. Im Alter von 22 Jahren begann er seine Laufbahn als niederösterreichischer Regierungsrath und zog bald die Aufmerksamkeit Josephs II. auf sich. 1776 wurde C. Hofrath bei der böhm. österr. Hofkanzlei, einige Jahre später Hofkanzler. In Folge übergroßer Anstrengung in den Geschäften wurde seine sonst feste Gesundheit gar bald so zerrüttet, daß er sich vom Staatsdienste zurückziehen mußte. Er legte daher 1788 sein wichtiges Amt nieder. Binnen 2 Jahren war seine Gesundheit wieder hergestellt und Leopold II. zeichnete schon in den ersten Monaten seiner Regierung den Grafen C. durch sein volles Vertrauen aus, indem er ihm die Leitung der neuerrichteten für alle österreichischen Länder vereinten Finanz-Hofstelle übertrug. Als Finanz-Minister entwickelte er tiefe Einsicht im gesammten Finanz- und Creditwesen und nahmen die Geschäfte unter seiner Leitung einen raschen Gang. 1793 zog sich der Graf von der Leitung aller öffentlichen Geschäfte in’s Privatleben zurück und lebte seiner Familie und seinen Neigungen, der Pflege der Künste und Wissenschaften und der Förderung humanistischer Zwecke. Doch schon 1796, als ein feindliches Heer Böhmen mit einem Einfalle bedrohte, trat er sogleich aus seiner Zurückgezogenheit hervor, und bot sich zu jeder Dienstleistung an, in der er während dieses gefahrvollen Zeitpunctes dem Vaterlande nur immer zu nützen vermöge. So wurde denn der Graf im J. 1802 zum Staatsminister und Oberstburggrafen von Böhmen ernannt, eine Würde, die seinen Einsichten ein weites Feld zum wohlthätigen Wirken darbot. Der Bau neuer Kunststraßen, die Errichtung mehrerer Fabriken und Manufacturen, die Hebung und Verbesserung der schon bestehenden durch Einführung englischer Weberstühle und Spinnmaschinen, die Verbreitung der Obst-Cultur, die bisher nur in dem Saazer- und Leitmeritzer Kreise mit Erfolg betrieben wurde, auch in anderen Kreisen durch das ermunternde Beispiel, welches er auf seinen eigenen Gütern gab; der neue kräftige Schwung, den der böhm. Handel empfing, beurkunden C.’s weise, wenn auch nur kurze Verwaltung von Böhmen; denn schon im J. 1805 berief der Monarch auch den Grafen C. in’s Conferenz-Ministerium. Als 1809 die Hauptstadt abermal durch ein feindliches Heer bedroht wurde, wurde C. zum Landes-Commissär in Oesterreich ernannt, weil eine friedliche Ausgleichung der drohenden Verhältnisse erwartet wurde. Als aber plötzlich die Vertheidigung Wiens angeordnet worden, hörte das Landes-Commissariat auf, und wurden nun alle Civil-Behörden dem Befehle des Militär-Gouverneurs, Erzherzogs Maximilian von Este untergeordnet. Bei dieser gänzlich veränderten Lage begab sich Graf C. in’s Hoflager. Nach hergestelltem Frieden erhielt Graf C. das Präsidium der Hof-Commission in polit. Gesetzsachen. Einen Theil seiner Muße widmete er fortan der Cultur seiner Güter, auf welchen er alle Verbesserungen der Landwirthschaft einführte, die nur immer mit dem Boden und Clima sich vereinigen ließen. In dankbarer Erinnerung an den Fürsten, der ihn durch sein Wohlwollen ausgezeichnet, und ehrend die Verdienste der Feldherrn um das Vaterland, errichtete Graf C. auf einem seiner Güter, dem romantischen Waldrus, nicht fern von der Stelle, wo Loudon in Verfolgung des Prinzen Heinrich von Preußen über die Moldau [363] gesetzt, ein Denkmal, das Joseph II., und den beiden Feldherrn, Lascy und Loudon, verdient um Böhmens Verteidigung 1778, geweiht war. Wenige Monate vorher, ehe er sein dem Staate und der Menschheit gewidmetes Leben enden sollte, verlor er seine Gemalin, mit welcher er 52 Jahre eine ereignißreiche Zeit verlebt hatte.

Wolf (Adam), Graf Rudolph Chotek, k. k. östr. Staats- und Conferenzminister (Wien 1853, 8°.). – Abhandlungen der kön. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. Neue Folge I. Bd. S. 23–35, separat abgedruckt: „Rückblicke auf das Leben und Wirken etc.“ – Carro (Jean de), Almanach de Karlsbad (Karlsbad, kl. 8°.) 1855, 25. année, S. 62 [daselbst sein Porträt, ohne Angabe des Zeichners. Carro gibt den 17. Mai 1746 als Ch.’s Geburtsdatum an]. – Neuer Nekrolog der Deutschen. Herausg. von Friedr. August Schmidt (Ilmenau 1826, Voigt, 8°.) II. Jahrg. 1824, S. 1178. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835 u. f., 6 Bde.) I. Bd. S. 540 [nach diesem ist Ch. den 17. Mai 1748 geb.]. – Porträt. Unterschrift: Graf Rudolph Chotek (P. Fendi[WS 2] del. J. Axmann sc.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Chotek von Chotkowa und Wognin, J. Rudolph[WS 1] Graf [Bd. II, S. 362].
    Politik (Prager polit. Blatt) 1865, Nr. 33, 41, 54, im Feuilleton, in dem Artikel: „Die Begründer des Centralismus in Oesterreich“ [gibt auch Mittheilungen über die Grafen Johann, Rudolph und Wenzel Chotek]. [Bd. 23, S. 375.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Wenzel.
  2. Vorlage: J. Fendi.