BLKÖ:Loudon, Gedeon Ernst Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Louček, Franz
Band: 16 (1867), ab Seite: 66. (Quelle)
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Loudon, Gedeon Ernst Freiherr von (k. k. Feldmarschall, Großkreuz des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Tootzen in Liefland 10. October 1716, gest. zu Neutitschein 14. Juli 1790). Entstammt einer schottischen, später nach Liefland übersiedelten Adelsfamilie, über welche in den Quellen Näheres berichtet wird. Im Jahre 1731, ebenso aus eigenem Antrieb wie vom Haus aus zum Militärstande bestimmt, trat er, 15 Jahre alt, in ein russisches Infanterie-Regiment, mit welchem er im Jahre 1733 in Polen [67] einrückte, als in diesem Lande wegen der doppelten Königswahl Unruhen ausgebrochen waren. Er machte nun die Belagerung und Eroberung von Danzig mit, in welche Stadt sich der König der einen Partei, Stanislaus Leszczinski geflüchtet hatte. Als im Jahre 1735 russische Truppen zum deutschen Heere stießen, da die Kaiserin Anna solche dem deutschen Reiche gegen die Franzosen schickte, befand sich L. bei diesem Heere, kehrte aber, als es in Deutschland überflüssig, dagegen in Rußland gegen die Einfälle der krimischen Tataren immer nöthiger wurde, mit demselben in die von den Tataren angezündeten brennenden Steppen am Dnieper zurück. Nun focht L. von 1736 bis 1739 gegen die Türken und wohnte der Eroberung von Asow bei, der Erstürmung der Linien bei Perekop, der Einnahme von Oczakow, der Schlacht bei Stawutschane, dem Siege von Choczim und der Besetzung der Moldau durch die Russen. Nachdem im Jahre 1739 der Friede zwischen Rußland und der Pforte geschlossen worden, verließ L. die Armee und begab sich nach St. Petersburg, um dort mehrere ihm widerfahrene Unbilligkeiten zur Sprache zu bringen und seine Beförderung zu erwirken. Aber weder den einen noch den anderen Zweck konnte er erreichen. Während seines Aufenthaltes in St. Petersburg wurde L. mit Hochstätten, der früher Erzieher im Hause des Baron Binder in Wien und jetzt Secretär in Diensten eines hochadeligen Liefländers war, näher bekannt, und dieser beredete ihn, als nach Kaiser Karl VI. Tode die Garanten der pragmatischen Sanction Maria Theresia von allen Seiten feindlich anfielen, in österreichische Dienste zu treten. Mit Empfehlungsbriefen begab sich L. über Berlin nach Wien. In Berlin jedoch überredeten ihn frühere Kameraden, die er dort fand, in preußische Dienste zu treten und L. wartete mehrere Wochen auf eine Audienz bei Friedrich II., die aber keineswegs nach Loudon’s Erwartungen ausgefallen war, denn der König soll, nachdem er L. scharf angeblickt, zu den ihn begleitenden Officieren gesagt haben: „La physiognomie de cet homme ne me revient pas“. Die Wahrheit dieser Aeußerung, die übrigens Nicolai geradezu in Abrede stellt, muß dahingestellt bleiben. Thatsache ist, daß L. mit Empfehlungen des Grafen Rosenberg, österreichischen Gesandten am preußischen Hofe, nach Wien ging. Im Jahre 1742 kam L. in Wien an, bald gelang es ihm, eine Audienz bei der Kaiserin zu erhalten und der Erfolg derselben war ein günstiger. Um jene Zeit errichtete eben Trenk sein slavonisches Freikorps, in diesem wurde L. als Hauptmann angestellt. Mit demselben zog er nun nach Baiern, ohne doch an dem wüsten Treiben des berüchtigten Corps Antheil zu haben. Als die österreichische Armee siegreich in Baiern vordrang und 1743 die Franzosen über den Rhein zurückgetrieben wurden, bildete das Trenk’sche Corps den Vortrab und Loudon mit seiner Compagnie war an der Spitze desselben. Am 3. Juli stand das Heer bereits ganz auf französischem Boden. Bei einem nächtlichen Kampfe, den seine Panduren bei Elsaßzabern mit den Franzosen zu bestehen hatten, wurde L. schwer verwundet und gefangen. Die Kugel fuhr ihm ober der rechten Brustwarze in den hohlen Leib und hinten beim Schulterblatt hinaus. Zugleich mit der Kugel schlug aber auch ein metallener Knopf von seinem ungarischen Dollman in den Körper und das machte die Wunde gefährlich, denn der [68] Knopf mußte aus dem Körper geschafft werden. Endlich gelang dieß den Bemühungen des ihn behandelnden französischen Chirurgen. Lange dauerte übrigens L.’s Gefangenschaft nicht, denn schon einige Tage darnach streiften Panduren durch das Dorf, in welchem L. an seiner Wunde darniederlag. Diese, als sie ihren Hauptmann fanden, befreiten ihn und brachten ihn zu seinen Truppen, aber auch der Bauer, bei dem Loudon im Quartier lag, wurde über dessen Verwendung vor Plünderung verschont. Das siegreiche Vorrücken der österreichischen Waffen im Elsaß veranlaßte den Preußenkönig im Sommer 1744 zu einem neuerlichen Einfall in Böhmen und Maria Theresia mußte das Heer aus dem Elsaß nach dem bedrohten Böhmen zurückrufen. Das Trenk’sche Pandurencorps wurde nun in ein ordentliches ungarisches Regiment umgewandelt und Trenk dessen Oberst. Loudon, der schon mit dem früheren Parteigänger sich nicht vertragen und manche seiner Handlungen mißbilligt hatte, mußte auch jetzt von ihm manche Unbill erleiden, bis er, nach der Schlacht von Soor, im Unwillen über den Abenteurer, das Regiment und den Dienst gänzlich verließ. L. ging nach Wien und wartete dort in gedrückten Verhältnissen auf eine bessere Zeit. Nach beendetem Kriege, 1748, erhoben sich von allen Seiten die Anklagen gegen Trenk. Einer seiner Verfolger kam zu L. und ließ durch diesen Trenk anbieten, er wolle gegen eine gewisse Summe Geldes von seiner Klage wider ihn abstehen. Als L. am folgenden Tage Trenk im Theater sah, theilte er ihm den erhaltenen Auftrag mit und rieth ihm, sich mit dem Kläger durch den verlangten Betrag abzufinden, Trenk aber nahm Antrag und Rath L.’s so übel, daß es im Schauspielhause zu einem heftigen Wortwechsel kam, der mit einer Forderung auf die Klinge endigte. Wenige Tage nach diesem Vorgänge wurde Trenk verhaftet und ihm wegen in Baiern verübten Räubereien und Ausschweifungen der Proceß gemacht, der mit seiner Verurtheilung zu lebenslänglichem Gefängniß auf dem Spielberg endete. In Folge dieses Processes wurde L., der im Begriffe stand Oesterreich zu verlassen und fremde Dienste zu suchen, in Oesterreich zurückgehalten, da er, um als Zeuge gegen Trenk zu dienen, ausdrücklichen Befehl erhalten hatte, in Wien zu bleiben. L. trat aber nicht als Zeuge gegen Trenk auf, sondern erst als Trenk im Processe Loudon’s Ankläger wurde, widerlegte L. die Anklagen Trenk’s durch die Schreibtafel, in welcher dessen Befehle, wie er sie dictirt hatte, mit Bleistift aufgezeichnet standen. Loudon wies diese Schreibtafel bei Gericht vor und bewahrte sie später sein ganzes Leben hindurch. Als er nach beendetem Processe Oesterreich verlassen wollte, erhielt er durch Vermittlung einiger Freunde eine Majorsstelle im Liccaner Grenz-Regimente. Nachdem er diese Stelle erhalten hatte, heirathete er zu Pösing in Ungarn Clara von Hagen, die Tochter eines croatischen Officiers und begab sich mit ihr an seinen Bestimmungsort in die Grenze. Pezzl berichtet nun anläßlich dieser Ehe: „Es ist ein Irrthum, wenn einige Schriftsteller sagen, Loudon habe mit seiner Gemalin einige Kinder, und darunter auch einen Sohn gezeugt, die aber alle in der frühen Kindheit wieder verstorben seien. Loudon’s Gemalin war ein einziges Mal schwanger, und zwar während des ersten Feldzuges im siebenjährigen Kriege, da sie in Wien lebte. Aber auch diesesmal verlor sie ihre [69] Leibesfrucht durch eine unreife Geburt. Loudon war und blieb also stäts kinderlos“. Die Behauptung widerlegt sich am einfachsten durch die zwei, beim Niederreißen der von Loudon in der Station Bunic im Ottokaner Grenz-Regimentsbezirke erbauten Kirche vorgefundenen Leichensteine zweier Söhne Loudon’s, die beide in der Kindheit (in den Jahren 1752 u. 1753) gestorben [vergleiche das Nähere unten nach den Quellen S. 90, Loudon’s Kirche]. Auf seinem Posten in der Grenze widmete L. seine ganze Muße dem Studium der Kriegswissenschaften, auch hatte er sich in seinem Bezirke bald das allgemeine Vertrauen erworben. Als im Jahre 1754 den Grenzern neben ihrer Leistung von Kriegsdiensten auch noch eine Steuer auferlegt wurde, brach unter ihnen ein allgemeiner Aufruhr aus; viele verließen ihre Dörfer, zogen sich in die benachbarten Wälder zurück, begingen Gewaltthätigkeiten u. dgl. m. Da gelang es vornehmlich Loudon, die Leute zur Ruhe zurückzuführen und den Aufruhr zu ersticken; von seiner eigenen Abtheilung hatte sich keiner daran betheiligt und die Uebrigen wurden durch dieses Beispiel, durch sein Zureden und seine Vorstellungen beschwichtigt. L. lebte seinem Berufe und den Studien, bis im Jahre 1756 der siebenjährige Krieg ausbrach und Oesterreich zwei Armeen in Böhmen, eine unter Feldmarschall Browne gegen die sächsische Grenze, die zweite unter Piccolomini an der Grenze von Schlesien aufstellte. Ungeachtet mehrere Tausend Kroaten zur Armee gezogen wurden, befand sich doch L. nicht unter den Officieren, die in’s Feld rückten. Der damalige commandirende General in Croatien, Petazzi, hatte die heftige Abneigung, welche er gegen Loudon empfand, dadurch bethätigt, daß er gerade ihn in der Licca in Unthätigkeit sitzen ließ. Da machte sich L., ohne erst bei dem ihm gehässigen General anzufragen, selbst auf und ging nach Wien, um dort seine Sache zu führen, die jedoch mißlich stand, da er sich gegen die militärische Subordination vergangen hatte. Schon sollte er mit einem Verweise abgefertigt und in die Grenze zurückgeschickt werden, als wieder die Vermittlung eines Freundes zu L.’s Bestem ausschlug. Bei der Reichs-Executionsarmee, welche die Kaiserin aufzustellen eben im Begriffe stand, fehlte es an leichten Truppen. Die Croaten wurden am tauglichsten dazu befunden und nach einer Berathung mit ihrem Minister Kaunitz wurde von der Kaiserin angeordnet, daß ein Corps von 800 Croaten zur Reichsarmee stoßen sollte. Bei Kaunitz stand damals als Secretär derselben Hochstätten in Diensten. den L. bereits in St. Petersburg kennen gelernt und auf dessen Rath er nach Oesterreich gegangen war. Als Fürst Kaunitz mit seinem Secretär sich wegen der Wahl eines tüchtigen Führers der nach Deutschland zu entsendenden Croaten berieth, schlug Hochstätten den eben in Wien anwesenden Loudon vor. Die Folge davon war, daß L., statt mit einem Verweise nach Croatien zurückzukehren, nach Böhmen geschickt wurde, wo er im Armeecorps des Feldmarschalls Browne als Oberstlieutenant bei den Croaten eingetheilt ward und dort zu bleiben hatte, bis die Reichsarmee aufgestellt war. Seit dieser Zeit wurde Fürst Kaunitz Loudon’s Gönner und blieb es sein Leben lang, wurde auch später sein wärmster Freund. Bald bekam Loudon bei der böhmischen Armee Gelegenheit sich hervorzuthun. Als Feldmarschall Browne, nachdem es ihm nicht gelungen [70] war, das bei Pirna eingeschlossene Heer der Sachsen zu befreien, sich zurückzog. überfiel Loudon, welcher die Croaten im Browne’schen Corps befehligte, mit einer Abtheilung derselben die Stadt Tetschen, hieb die darin liegenden zwei preußischen Schwadronen Huszaren zum größten Theile nieder und brachte auch Beute an Pferden mit. Hatte sich L. schon durch diesen Handstreich Browne’s Vertrauen erworben, so befestigte er dasselbe noch mehr, als, nachdem die Winterquartiere bezogen waren, Loudon mit seinen Croaten die Strecke an der Grenze der Lausitz besetzt und jede Gelegenheit benützt hatte, um Ausfälle über die Grenze zu machen, die den Feind beunruhigten und ihm öfter beträchtlichen Schaden zufügten. Vornehmlich aber hatte er sich im Februar 1757 bei der Erstürmung der Redoute bei Hirschfeld ausgezeichnet, in Folge welcher er in Anerkennung seiner Bravour am 17. März d. J. zum Oberst befördert wurde. Nach der bald darauf für die Oesterreicher, aber nicht ob Mangel an Tapferkeit, sondern aus Uebereilung im entscheidenden Augenblicke, unglücklich ausgefallenen Schlacht bei Prag (6. Mai 1757) befand sich L. mit seinem Regimente bei jenem Theile des Heeres, welches von preußischer Reiterei und Infanterie völlig umringt, keinen andern Ausweg fand, als sich durch den von allen Seiten andrängenden Feind durchzuschlagen und in das nahe Prag zu werfen. Die siegreichen Preußen schlossen sofort Prag ein. Dieses wurde nun von dem Könige von Preußen nicht belagert, sondern durch Beschießen verwüstet, bis bei Kolin, am 18. Juni, auch für ihn die Stunde der Vergeltung schlug und durch den glänzenden Sieg, welchen damals Daun über den König errungen hatte, das bis dahin eingeschlossene Prag wieder befreit wurde. Unter den durch Aufhebung der Belagerung Freigewordenen befand sich auch Loudon und während General Nadasdy den König verfolgte, that L. ein gleiches mit dem Armeecorps des Generals Keith, dem er Geschütze, Pontons, anderes Kriegsgeräthe, vielerlei Vorräthe, mehrere Officiere und Soldaten wegnahm. Bei dieser Gelegenheit wurde auch General Mannstein, dem der König den Verlust der Schlacht bei Kolin zuschrieb, gefangen genommen. Aber da er sich nicht ergeben wollte, wurde er von den Croaten niedergehauen. Während der Monate Juni und Juli führte L. den kleinen Krieg gegen die Preußen fort, dehnte seine Streifungen bis gegen Dresden aus und nahm öfter feindliche Posten gefangen und den Preußen an mehreren Orten die Vorräthe weg. Bei Welmina und Schreckstein in Böhmen und bei Gottlaube in Sachsen richtete er mehrere lagernde preußische Corps auf’s Uebelste zu und machte ansehnliche Beute. Ende Juni 1757 war endlich die Reichs-Executionsarmee versammelt und rückte über Nürnberg in den sächsischen Kreis ein. Jetzt erst erhielt L. seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß, das Commando über die für dieses Corps bestimmten leichten Truppen. Er nahm mit demselben an der Vertreibung der Preußen aus Gotha (19. September) Theil und erhielt, während die Stabsofficiere eben bei Tische saßen und durch einen blinden Lärm auseinander gejagt wurden, durch einen Courier die Nachricht von seiner, schon am 25. August erfolgten Beförderung zum General-Major. Der diese Botschaft überbringende Courier wurde in der Gegend von Erfurt von preußischen Huszaren aufgefangen und vor den König geführt. Der [71] König ließ nun Loudon das Generalspatent sammt seinem Compliment zustellen. Der am 5. November stattgehabten Schlacht bei Roßbach wohnte L. zwar bei, kam aber nicht in’s Gefecht und zog sich nach derselben mit seinem Corps in’s Erzgebirge gegen die böhmische Grenze zu. Nun folgte die Schlacht bei Leuthen (5. December), in welcher L. gleichfalls nicht mitgekämpft. Erst im Feldzuge des Jahres 1758 that der zukünftige Feldmarschall die ersten großen Schritte auf der Bahn des Kriegsruhmes und der Schlachtenehre, bisher hatte er sich nur im kleinen Kriege als tapferer Degen, überlegter Führer und kühner Angreifer bewährt. Der König von Preußen hatte die Belagerung von Olmütz begonnen und Feldmarschall Daun schickte sich an, die Stadt zu befreien. Den Vortrab seiner Armee führte Loudon, der in der ersten, des zum Andenken an den glänzenden Sieg von Kolin gestifteten Maria Theresien-Ordens gehaltenen Promotion (7. März 1758) mit dem Ritterkreuze desselben war geschmückt worden. Um die Belagerung von Olmütz mit großem Nachdruck fortsetzen zu können, veranstaltete der König einen außerordentlichen großen Transport von beinahe 4000 Wagen, welche den Belagerern Geld, Montur, Munition und Proviant aller Art zuführen sollte. Daun’s Plan war, durch Wegnahme dieses Transportes Olmütz zu befreien, ohne Schlacht und vieles Blutvergießen. Es galt nun, den König über diese Absicht zu täuschen, was ihm auch durch verschiedene Bewegungen gelang. Der Transport ging am 26. Juni von Troppau ab und hatte unter des Obersten Mosel Führung eine Bedeckung von 10.000 Mann. Loudon hatte am 27. schon bei Sternberg verschiedene Posten so vortheilhaft besetzt, daß eine von dem Könige dem Transporte entgegengeschickte größere Truppenabtheilung, welche Oberst Werner führte, nicht weiter vorwärts konnte, da er überall auf die Oesterreicher stieß. Am 28. besetzte Loudon die Anhöhen, von denen das Defilée zwischen Bautsch und Altliebe, welches der Transport passiren mußte, bestrichen werden konnte. Im Gebüsch versteckt lauerten die Ungarn und Croaten, auf der offenen Ebene aber die Huszaren und Dragoner. Als der Transport sich näherte, befahl Loudon, ohne erst die Ankunft des Generals Siskowitz abzuwarten, den Transport anzugreifen. Nach einem fünfstündigen Gefechte und nachdem er mehrere hundert Wagen dem Feinde abgenommen hatte, mußte doch L. die Fortsetzung des Kampfes aufgeben und nahm, den Transport sich selbst überlassend, Stellung bei Bährn. Indessen war doch durch diesen Ueberfall große Verwirrung in den ganzen Zug des Transportes gekommen. Als der König Nachricht von dem Vorfall erhalten hatte, schickte er sofort den General Ziethen mit 5000 Mann dem Transporte entgegen, der nun im Ganzen eine Bedeckung von fast 15.000 Mann zählte. Am 30. Juni zog der Transport auf der Straße gegen Domstadl fort. In der Zwischenzeit hatte General Siskowitz seinen Posten erreicht und der Plan eines zweiten Angriffs sollte zur Ausführung kommen. Loudon konnte nun, mit der Abtheilung Siskowitz’s verstärkt, seinen Angriff ausführen. Man ließ den Vortrab der Preußen, etwa 100 Wagen das Defilée bei Domstadl passiren und nun begann man den Angriff und schoß, um die Verwirrung zu steigern, zuerst meist unter die Pferde, wodurch der Zug in’s Stocken kam. Ziethen formirte nun in [72] aller Eile aus dem Transporte eine förmliche Wagenburg, die er mit 3 Bataillons und 6 Kanonen besetzte, mit einem anderen Theile seiner Truppen griff er die Oesterreicher an, warf auch bei diesem Angriffe einige Bataillons und nahm einige Kanonen; aber die Dragoner von Siskowitz fielen nun den Preußen in die Flanke und in den Rücken und zu gleicher Zeit brach Loudon von der anderen Seite hervor, hieb auf die Preußen ein, sprengte mehrere Pulverkarren in die Luft und brachte eine solche Verwirrung unter den Preußen hervor, daß, während mehrere Bataillons derselben sich nach dem Defilée von Domstadl zogen, Ziethen, der von den Uebrigen abgeschnitten worden war, seine Rettung auf dem Wege nach Troppau suchte. Nun griff Loudon die aufgefahrene Wagenburg an und nur General Krakow mit dem Reste einiger Bataillons und etwa 250 Wagen entkam. Von den 4000 Wagen waren nur 200 im Lager vor Olmütz angekommen. Alles übrige und auch die Cassen, wie König Friedrich im Gegensatz zu Tempelhof und Archenholz berichtet, fielen in die Hände der Oesterreicher, 2000 Preußen wurden niedergemacht, 700 gefangen. Drei Tage nach diesem glücklichen Fang, am 2. Juli 1758, wurde Loudon zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. Der glücklich ausgeführte Ueberfall hatte, wie Daun berechnet hatte, die Aufhebung der Belagerung von Olmütz zur Folge. In der Nacht vom 2. Juli machte sich das Belagerungscorps auf den Marsch nach Schlesien und Daun ließ nun dasselbe durch die leichten Truppen seines Heeres, unter Commando von Buccow, Siskowitz, Saint Ignon, Janus, Lanius und Loudon beobachten, durch beständige Angriffe ermüden und ihm so den Marsch erschweren. Der König, der Loudon die Vernichtung seines Transportes abzahlen wollte, sobald sich eine Gelegenheit bot, griff ihn thatsächlich in eigener Person mit Fouquet vereint bei Oporschno an. In der That war auch L. in eine schlimme Lage gerathen. Zwischen zwei Feuer gebracht, war er nahe daran aufgehoben zu werden, aber seine Kühnheit und Umsicht retteten ihn aus der Gefahr. Im weiteren Verlaufe dieses Feldzuges bildete Loudon immer den Vortrab der Armee Daun’s und zeigte sich insbesondere in der Wahl seiner Stellungen als Meister. Das Städtchen Peitz in der Brandenburg zwang er zur Capitulation, dabei fielen 40 eiserne Kanonen und viele Munition in seine Hände. Bei Hochkirch bewährte er sich wieder in seiner ganzen Art. Am 14. October Morgens 5 Uhr begann die Schlacht, eine der merkwürdigsten im ganzen Kriege, um 10 Uhr Morgens hatte sie mit dem glänzenden Siege der Unseren geendet. Loudon selbst hatte mit seinem Corps die Höhe von Steindörfel, im Rücken des Königs und eine große Batterie genommen. Der Verlust der Preußen betrug an diesem Tage, nach Archenholz, 9000 Mann. Feldmarschall Keith und der Prinz Franz von Braunschweig waren im Kampfe gefallen, Prinz Moriz und General Geist tödtlich verwundet. Das ganze Lager der Preußen, 100 Kanonen, 30 Fahnen und Standarten und eine große Menge Munition war erbeutet worden. Daun schreibt im Bericht der Schlacht an die Kaiserin: „Man muß diesen Sieg der Tapferkeit und Standhaftigkeit Dero Truppen, besonders der Infanterie, wie auch den Gränitzern unter Anführung des General Loudon zuschreiben“. Der geschlagene König suchte nun die von [73] General Harsch eingeschlossene Festung zu entsetzen. Daun aber schickte ihm Loudon zur Verfolgung nach, der ihm bei Schönberg, Pfaffenberg, Lauban, Löwenberg, hitzige Gefechte lieferte und in jedem derselben Pontons, Pferde, Wagen abnahm und viele Gefangene machte. Nachdem dieser Feldzug beendet war, berief ihn die Kaiserin nach Wien, wo Loudon das letzte Mal vor zwei Jahren als ein unbeachteter Major sich befand und wohin er nun als Feldmarschall-Lieutenant und ruhmgekrönter Held zurückkehrte. In der zu Prag, dem damaligen Hauptquartiere (am 4. December) stattgehabten 3. Promotion wurde ihm das Großkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt, welcher Verleihung am 5. März 1759 die Erhebung in den Freiherrnstand und am 10. März das Incolat im Herrenstande Böhmens folgte. Im Feldzuge des J. 1759 hatte Loudon, der ein Corps von 18.000 Mann befehligte, die Aufgabe, sich mit der russischen Armee zu vereinigen, was ihm durch die Bewegungen der Preußen, die unter allen Umständen dieses Vorhaben zu vereiteln suchten, sehr erschwert wurde; endlich gelang ihm die Vereinigung am 3. August in Frankfurt a. O. Neue Lorberen pflückte er in der Schlacht bei Kunnersdorf (12. August 1759), in welcher die Russen von den Preußen bereits geschlagen waren und der König schon Boten, mit der Siegesnachricht nach Berlin entsendet hatte, die sich später in die Kunde einer großen Niederlage verwandelte. Die Niederlage war Loudon’s Werk, der eben in’s Gefecht kam, als die Russen bereits zum zweiten Male gänzlich zurückgeworfen worden waren. Mit Hartnäckigkeit stellten sich die Preußen auf dem sogenannten Kuhgrund fest, der König in Person führte auf dem rechten Flügel die Bataillons in’s Feuer. Aber Loudon leistete ihnen mit seinen Kerntruppen die tapferste Gegenwehr. Es wurde bereits nur mit den Bajonneten gefochten und war auf beiden Seiten das Würgen entsetzlich. Vergeblich versuchte der König die in voller Flucht begriffenen Bataillone zum Stehen zu bringen, die, als nun Loudon noch mit seiner Reiterei über sie herfiel, in größter Verwirrung ihre Rettung im nahen Walde suchten. Groß war der Verlust der Preußen an diesem Tage, Archenholz gibt ihn auf 20.000 Mann an. Die von den Preußen den Russen abgenommenen Geschütze wurden nicht nur alle wieder zurückerobert, sondern noch 100 preußische erbeutet. Kaiserin Maria Theresia erhob Loudon zum General-Feldzeugmeister, die russische Kaiserin Elisabeth schickte ihm einen Ehrendegen mit goldenem, reich mit Diamanten besetzten Gefäß und jedem Regimente von seinem Corps, das in der Schlacht mitgefochten hatte, Tausend Rubel. An einer Benützung des Sieges wurde Loudon durch das eigenthümliche Verhalten Soltykow’s, des Anführers der russischen Hilfstruppen gehindert, das zuletzt damit endete, daß die Russen ganz vom Kriegsschauplatze verschwanden und nach Polen zurückmarschirten. Den Erklärungsgrund dieses Vorganges wollte man darin finden, daß, während die Kaiserin Elisabeth es mit ihren Verbündeten gut meinte, der russische Thronfolger in dieser Sache entgegengesetzter Ansicht war. Loudon bezog im Schlesischen die Winterquartiere und schloß mit Fouquet einen Waffenstillstand bis 14. März 1760. Im Feldzuge des Jahres 1760 erhielt Feldzeugmeister Loudon das Commando über das 36.000 Mann starke Corps, das in Preußisch-Schlesien [74] operiren sollte. Die Hauptthat dieses Feldzuges von Seite Loudon’s ist die Schlacht bei Landshut (23. Juni), welche nach einer ungemein tapferen Gegenwehr der Preußen mit deren gänzlicher Vernichtung endete. Loudon hatte 8300 Gefangene gemacht, darunter den Oberanführer General Fouquet, ferner die Generale Malachowsky und Schenkendorf und 246 Oberofficiere. Das ganze Lager, 58 Kanonen, 34 Fahnen, 2 Standarten, nebst vielen Wagen und Karren, waren Beute der Oesterreicher geworden. Dem Siege von Landshut folgte die Eroberung von Glatz, welche am 26. Juli, nachdem der Kampf und die Beschießung nur 5 Stunden, von 6 bis 11 Uhr Morgens, gedauert hatten. Die ganze Besatzung, an 2000 Mann, darunter 107 Officiere, wurden kriegsgefangen. 203 Kanonen, Mörser und Haubitzen, 4000 Kanonenkugeln, 10.000 Bomben und Granaten, 2000 Zentner Pulver, 200.000 Stück Carabiner-Patronen, mehrere hundert Stück Gewehre, außerdem 23.000 Centner Mehl, 14.000 Pfund Brot, 55.000 Metzen Getreide aller Art, 24.000 Centner Heu, nebst vielen anderen Lebensbedürfnissen bildeten unsere Beute. In dem Briefe mit der Siegesnachricht, den Fürst Kaunitz an die Kaiserin schickte, kommt die Stelle vor, in welcher der Fürst den General Loudon „Josua“ nennt, eine Bezeichnung, deren man sich bei Loudon später noch oft bediente. Indem sich nämlich der Fürst den Brief mit der Siegesnachricht von der Kaiserin, wenn sie ihn gelesen, zurückerbittet, „um das Vergnügen zu haben, ihn noch einmal zu lesen“, schließt er mit den Worten: „Gott erhalte Euerer Majestät Ihren Josua“. Loudon rückte nun gegen Breslau vor und wollte diese Stadt belagern, gab aber diesen Gedanken, wohl in der Sorge, daß sich die Belagerung in die Länge ziehen und er diese Zeit viel bester benützen konnte, wieder auf, nachdem er sie am 1. August nur von 10 Uhr Nachts bis Mitternacht beschossen hatte. Nun folgten die Schlacht bei Liegnitz (15. August), welche durch das Nichterscheinen Daun’s auf dem Kampfplatze, auf dessen Unterstützung mit seinem Hauptcorps Loudon gerechnet hatte, von den Unseren verloren wurde und das Unternehmen auf Kosel (25.–28. August), in welchem sich die Elemente gegen unseren Helden verschworen hatten, denn anhaltende Regengüsse hatten die ganze Gegend um Kosel unter Wasser gesetzt und jede Operation gerade unmöglich gemacht. Der Feldzug des Jahres 1761, zu dem Loudon im Winter 1760/61 zu Wien die Dispositionen selbst entworfen und erwirkt hatte, daß er ganz unabhängig von Daun das 60.000 Mann starke Armeecorps in Schlesien commandirte, begann mit mehreren Bewegungen, in welchen sich Loudon und Friedrich gegenseitig beobachteten und Ersterer das Eintreffen der Russen erwartete, die sich in den langsamsten Märschen der Oder näherten und endlich am 12. August mit Loudon vereinigten. Jedoch wurde L. durch diese Letzteren nur in seinen Unternehmungen gehindert, denn die Russen waren den Preußen durchaus nicht feindlich gesinnt und zeitgenössische Schriftsteller berichten, daß russische Generale und Officiere auf dem Marsche erklärt haben, sie würden die Preußen nie angreifen, sondern sich nur wehren, wenn der König selbst auf sie losschlüge. Auch hatte der Anführer der Russen den zuerst beabsichtigten Angriff Loudon’s auf das preußische Lager bei Schweidnitz – und wie es [75] scheint absichtlich – vereitelt; so konnte es denn Loudon ganz gut geschehen lassen, daß die Russen, Mangel an Lebensmitteln vorschützend, am 1. September wieder abzogen. Loudon konnte nun wieder allein operiren und sein Hauptaugenmerk war auf die Festung Schweidnitz gerichtet, die er nicht in langwieriger Belagerung, sondern durch einen kühnen Handstreich nehmen wollte. Die Nacht vom 30. September auf den 1. October wurde zur Ausführung bestimmt. General Giannini und die zur Ausführung des Angriffs gewählten Officiere mußten die Festung in Augenschein nehmen und bis Abends etliche hundert Leitern in Bereitschaft haben. Von zehn Uhr Morgens hielten Huszaren und Croaten die Festung im weiten Kreise umschlossen, rückten mit angehender Nacht immer näher gegen dieselbe, damit kein Mensch hinein oder heraus konnte. Der Angriff sollte um halb 3 Uhr Morgens an vier Puncten zugleich von vier Colonnen, jede zu vier Bataillons geschehen: auf das Galgenfort, Jauernickerfort, Gartenfort und Bögenfort. Die Colonnen wurden von Wallis, O’Donnell, Link, Kaldwell, Rumel und De Vins geführt. Jeder Colonne waren die erforderlichen Arbeiter, Zimmerleute mit Aexten, Brechwerkzeug und Leitern mitgegeben. Alle vier Colonnen standen unter Befehl des Generals Amadei. Die Unterstützung hinter den angreifenden Colonnen bildeten vier Bataillone Infanterie und 16 Schwadronen Reiterei unter Karl Liechtenstein [Bd. XV, S. 165] und Joseph Graf Kinsky [Bd. XI, S. 296]. Um die Besatzung in der Festung zu täuschen, mußten die Croaten, welche die Festung umzingelt hielten, unter General Janus einen falschen Angriff auf die Wasserschanze thun. Am Morgen als Loudon jedem Bataillone seinen Platz anwies, hielt er eine Anrede an sie, empfahl ihnen gute Ordnung zu halten und verbot unter Androhung des schärfsten Kriegsrechtes die Plünderung, als Vergütung dafür versprach er ihnen eine Belohnung von 100.000 Reichsthalern. Auf diesen Antrag riefen die braven Wallonischen Grenadiere: „Nein, Vater Loudon, führe uns nur zur Ehre, wir brauchen kein Geld“. Um 9 Uhr Abends begann Amadei seinen Marsch gegen die Festung. Commandant derselben war General Zastrow. Die Besatzung bestand aus etwa 3900 Mann. Um 2 Uhr Morgens standen die Bataillons vor der Festung auf den ihnen angewiesenen Plätzen, ohne von den Preußen entdeckt worden zu sein. Um halb 3 Uhr begann der erste Angriff auf das Bögenfort, welchem sofort die drei übrigen folgten. Die Preußen empfingen die Belagerer mit Geschütz- und Gewehrfeuer, diese aber stürzten unaufhaltsam über das Glacis in den bedeckten Weg und begannen nun die Außenwerke jeder Schanze zu stürmen. Schritt um Schritt wurde die Besatzung im Kampfe in das Innere der Werke getrieben. Graf Wallis, Oberst des Loudon’schen Regiments, wurde zweimal schon von den Preußen zurückgeworfen. Aber von Neuem vorstürmend rief er seinen Leuten zu: „Kinder, wir müssen die Festung ersteigen oder ich will hier sterben, ich habe dieß unserem Chef versprochen. Unser Regiment führt seinen Namen. Wir müssen siegen oder sterben“. Diese Anrede that Wunder. Das Bataillon sprang muthig in den Graben, die Officiere selbst trugen die Leitern herbei, diese wurden an den Hauptwall angelegt, derselbe von allen Seiten zugleich bestürmt und bald erstiegen. [76] Bei der ganzen Unternehmung fiel von Seite der Oesterreicher kein Schuß, sie kämpften nur mit Bajonnet und Säbel. Erst als sie in die inneren Festungswerke gedrungen waren, nahmen sie die dort stehenden preußischen Kanonen, kehrten sie um und feuerten damit gegen die Stadt. Der von Janus mit seinen Croaten auf das Wasserfort unternommene falsche Angriff verwandelte sich in einen wahren, die Croaten erstiegen die Schanze. Um 6 Uhr Morgens, nach dreistündiger Stürmung, war die Festung genommen und die ganze Besatzung, alles Geschütz sammt Munition und sonst große Vorräthe waren in Loudon’s Besitz. Die Gefangenen waren 3776 mit 114 Officieren, darunter General Zastrow. Die Beute bestand aus 211 Stück Geschützen, 1200 Pfund Pulver, 123.000 Kanonenkugeln, 27.000 Kugel-, 6290 Kartätschenpatronen, 4,600.000 Flinten-, 3,876.000 Karabinerkugeln, 1.300.000 Flintenpatronen, 40.000 Bomben; an Mundvorrath: 20.000 Portionen Brot, 334.780 Portionen Zwieback, 18.000 Scheffel Mehl, 104.900 Scheffel Getreide. In der ersten Wuth hatten die Soldaten wohl zu plündern begonnen, aber alsbald sprengten Liechtenstein und Kinsky mit ihrer Reiterei in die Stadt und stellten die Ordnung her. Loudon ließ den Stürmenden die versprochene Belohnung auszahlen und jeder Soldat erhielt 13 Thaler auf die Hand. Das Regiment Kolowrat, von welchem kein Mann geplündert, erhielt von der Kaiserin dieses braven Verhaltens wegen ein besonderes Geschenk. Der Verlust der Oesterreicher betrug an Todten, Verwundeten und Vermißten 1363 Mann, die meisten waren durch ein am Bögenfort in die Luft gesprengtes Pulvermagazin umgekommen. Loudon ließ nun die Festung von seinen Truppen besetzen und die beschädigten Werke ausbessern. Die Kaiserin schickte auf die Nachricht von der Einnahme der Festung Loudon ihr mit Brillanten besetztes Bildniß und zwei Kästchen mit Kleinodien für jene Officiere, die sich bei dieser Unternehmung besonders ausgezeichnet hatten. Der Vortheil, den Oesterreich durch den Fall von Schweidnitz errungen, überwog bei weitem die in den bisherigen sechs blutigen Feldzügen errungenen. Nachdem Loudon seine Armee die Winterquartiere in Schlesien beziehen ließ, begab er sich selbst nach Wien, wo er am 2. Jänner 1762 von Hof und Bevölkerung mit Jubel empfangen wurde. Nach dem, Ende 1761 erfolgten Tode der Kaiserin Elisabeth, welche Maria Theresia’s[WS 1] Bundesgenossin gewesen, schöpfte Friedrich II., der an Peter III. einen Bundesgenossen gewonnen, neue Hoffnung, die freilich bald wieder schwand, nachdem Kaiser Peter schon nach wenigen Monaten seiner Regierung Thron und Leben verlor. Indessen hatte doch der König schon die Belagerung von Schweidnitz begonnen und die Festung nach 63tägiger Belagerung genommen, deren sich Loudon in drei Stunden bemächtigt hatte. Nun aber wurde der Friede ernstlich in Anregung gebracht und am 15. Februar 1763 zu Hubertsburg in Sachsen zwischen Oesterreich und Preußen geschlossen. So viel Blut war von beiden Seiten vergossen worden, damit der Länderbesitz beiderseits unverändert verbleibe, wie er vor Ausbruch des Krieges im Jahre 1756 gewesen! Loudon, der sich nach den Mühen und Beschwerlichkeiten des Krieges nach Ruhe sehnte, erhielt nun von der Kaiserin das böhmische Indigenat und das unweit [77] Kolin gelegene Gut Klein-Beczwar zum Geschenke. Seine angegriffene Gesundheit stärkte er zu Karlsbad, wo er den Dichter Gellert kennen lernte, dem wir eine vortreffliche Charakteristik Loudon’s [vergleiche die Quellen S. 89] verdanken. Da ihm das Gut Klein-Beczwar einen zu geringen Umfang hatte, vergrößerte er es durch den Ankauf von Groß-Beczwar, baute nun ein schönes Schloß und lebte dort als Landwirth. Im Jahre 1766 ernannte ihn die Kaiserin zum Hofkriegsrathe, im Jahre 1767 nahm ihn die unmittelbare Reichsritterschaft als Mitglied in ihre Versammlung auf, im Jahre 1769 ernannte ihn die Kaiserin zum commandirenden General von Mähren und Commandanten von Brünn, welche Stelle L. jedoch bald wieder zurücklegte. Der Begegnung des Kaisers Joseph und Königs Friedrich II. in Mährisch-Neustadt im Herbste 1770 wohnte auch Loudon bei und wurde L. von Seite des Königs in liebenswürdigster Weise bevorzugt. Einst bei Tische, als Loudon wie gewöhnlich ein ganz bescheidenes Plätzchen suchte, nahm ihn der König bei der Hand und zog ihn an seine Seite mit den Worten: „Hierher zu mir, mein Herr von Loudon, ich sehe Sie lieber neben mir, als mir gegenüber“. Auch schenkte er ihm vor dem Abschiede zwei schöne Pferde mit reichen Schabraken. Als im Jahre 1772 die erste Theilung Polens erfolgt war, bereiste Kaiser Joseph in Gemeinschaft mit Loudon, Pelegrini und Nostiz das neu erworbene Land von einem Ende zum andern. Der Besitz seines Gutes Groß- und Klein-Beczwar wurde ihm durch die im Jahre 1775 ausgebrochenen Bauernunruhen, welche einen sehr bedenklichen Charakter angenommen hatten, gründlich verleidet. Obgleich seine Besitzung von jeder Gewaltthätigkeit verschont geblieben war, verkaufte er doch dieselbe, erließ seinen Unterthanen beim Abschiede alle Rückstände und übersiedelte nach Wien, wo ihm die Kaiserin, welche die Käuferin seines Gutes war, dafür das ehemalige Liechtenstein’sche Haus sammt Garten in Hernals, dann zum Absteigquartier ein Haus in der Stadt und eines in der Vorstadt gab. Aber alles dieß verkaufte Loudon, der einen einsameren Aufenthalt auf dem Lande liebte und kaufte Hadersdorf bei Wien, wo er als Landwirth lebte, baute, pflanzte, verbesserte und sein selbstgewähltes Asyl verschönerte. Als bald nach dem Tode des Churfürsten Maximilian Joseph von Bayern, des letzten seiner Linie (30. December 1777), Oesterreich seine Ansprüche auf Bayern erhob, verdüsterte sich der politische Horizont und alle Anzeichen eines nahen Krieges zeigten sich. Am 27. Februar 1776 wurde Loudon zum Feldmarschall erhoben. Zwei Heere wurden aufgestellt, eines in Böhmen an der schlesischen Grenze, welches Kaiser Joseph in Person, Lacy und Hadik an der Seite, befehligte, das andere gleichfalls in Böhmen an den Grenzen von Sachsen und der Lausitz, welches unter Loudon stand. Der Krieg jedoch bot, außer einigen, für den Tactiker lehrreichen Bewegungen, sonst keine interessanten Momente. Eines Umstandes aber sei gedacht, weil er beweist, wie Joseph II. seinen Loudon hoch in Ehren hielt. Als eines Tages der Kaiser mit Loudon einen sehr hohen Berg erstieg, um von diesem erhöhten Standpuncte die Gegend geometrisch aufzunehmen, bemerkte der Kaiser, indem beide die Ankunft der geometrischen Instrumente erwarteten: „Die Welt vermuthet wohl nicht, daß jetzt ein [78] Kaiser mit seinen Generalen auf diesem einsamen Platz im wilden Gebirge steht. Laßt uns ein Andenken unserer Gegenwart hier lassen und unsere Namen in die Bäume schneiden“. Jeder sann nun darauf, seinen Namen und Rang kurz aber deutlich auszudrücken. Loudon that eben dieß. „Setzen Sie Ihren bloßen Namen hin, sagte der Kaiser zu ihm, das ist für die Nachwelt genug. Nur wir andern haben zu unseren Namen noch Titel nöthig.“ Der Krieg, in welchem es nicht einmal zu einer Hauptschlacht gekommen war, endete mit dem Abschluß des Friedens zu Teschen, der am 13. Mai 1779 Statt hatte. Loudon kehrte wieder in seine Einsamkeit nach Hadersdorf zurück, der ihn nach mehreren Jahren ländlicher Ruhe erst wieder der Krieg mit’ den Türken entriß, den am 24. August 1787 die Pforte Rußland erklärt hatte und an welchem Oesterreich nicht nur als Bundesgenosse theilnahm, sondern am 9. Februar 1788 der Pforte selbst den Krieg erklärte. Der Krieg übrigens, dessen Oberbefehl der Kaiser selbst, mit Lacy an der Seite, übernommen hatte, wurde in wenig entscheidender Weise geführt, ja er war als Offensivkrieg begonnen und nun in einen Defensivkrieg verwandelt worden. Die Berufung Loudon’s, dessen Name im Heere zündend lebte, war unerläßlich geworden und am 12. August verließ Loudon Wien, am 18. traf er im Lager bei Türkisch-Dubitza ein. Am folgenden Tage übernahm er das Commando und am 20. schlug er bereits den Feind bei Dubitza, ihn von allen Seiten in die Berge zurückjagend und ohne in der eigenen Truppe auch nur einen Mann zu verlieren. Nun begann ein frischer fröhlicher Krieg, die Belagerung von Dubitza wurde energisch betrieben. Am 25. August forderte L. die Besatzung zur Uebergabe auf; am 26. Morgens verlangte sie zu capituliren. Neun Geschütze und 60 Centner Pulver fielen in den Besitz der Unseren, 414 Officiere und Gemeine wurden zu Kriegsgefangenen gemacht. Nun richtete Loudon auf die Festung Novi sein nächstes Augenmerk. Zuvor aber schlug er am 2. September die Türken, die vor der Festung in einem Lager aufgestellt waren. Die Belagerung Novi’s wurde am 10. September eröffnet und regelmäßig fortgesetzt. Einen Angriff der Türken am 20. September, welche 7000 Mann stark zum Entsatz herangerückt waren, schlug er entschieden zurück. Einen, am 21. auf Befehl Loudon’s unternommenen Sturm vereitelte die Feigheit der Croaten, welche die Sturmleitern umwarfen und statt gegen den Feind, um sich herum feuerten. Loudon ließ also den Sturm einstellen. Am 3. October, nachdem er Tags zuvor die Besatzung hatte zur Uebergabe auffordern lassen, begann Loudon von Neuem den Sturm und dießmal fiel die Festung. 40 Geschütze und 8000 Metzen Getreide waren die Beute. Auch im Feldzuge des folgenden Jahres (1789) führte Loudon den Oberbefehl. Auf seiner Reise auf den Kriegsschauplatz hatten ihn die Stände Krains aus Dankbarkeit, daß er ihre Provinz vor den Einfällen der Türken gesichert, zu ihrem Mitgliede aufgenommen. Die erste wichtigere That dieses Feldzuges war der Fall von Berbir, oder Türkisch-Gradisca, dessen Belagerung er am 20. Juni begonnen hatte. Die Festung war von Türken selbst freiwillig verlassen und am 9. Juni von den Unseren besetzt worden, 35 Kanonen, 260 Centner Pulver und sonst noch viele Munition waren die Beute. Der Verlust der Unseren war gering: 32 Todte und [79] 100 Verwundete. Den Schluß und Glanzpunct dieses Feldzuges bildete der Fall von Belgrad, dessen Belagerung Loudon am 14. September begonnen hatte. Am 30. um 9 Uhr Morgens befahl Loudon den ersten Sturm. Vier Stunden wurde gestürmt und man hatte bereits die Vorstädte und Thore besetzt. Am 7. October um 9 Uhr Morgens verlangte der Pascha zu capituliren. am 9. October nahm Loudon die Festung in Besitz, 395 Geschütze, 6000 Pfund Pulver, 20 Czaiken, 45 mindere Schiffe und sonst eine große Menge Munition bildeten unsere Beute. Der Verlust unsererseits betrug während der ganzen Belagerung an Todten 11 Officiere, 289 von der Mannschaft, an Verwundeten 27 Officiere, 732 von der Mannschaft. Dem Falle Belgrads folgte die Uebergabe von Semendria, das sich ohne Verzug ergab. So wie einst Prinz Eugen , so wurde nun Loudon Generalissimus, d. h. er erhielt sofort den Oberbefehl über alle Armeen, die Vollmacht, die Operationen nach seinem Gutdünken anzuordnen, nur dem Kaiser allein Rechenschaft abzulegen, er unterstand nicht mehr dem Hofkriegsrathe, sondern dieser ihm. Doch die noch gegen Ende des Feldzuges 1789 begonnene Belagerung von Orsova endete erst im künftigen Jahre, da es sich im April 1790 ergab. Seine, Mitte December 1789 erfolgte Rückkehr glich einem wahren Triumphzuge. Von Ort zu Ort, wo er durchreiste, bewillkommnete man ihn mit Festzügen, Feierlichkeiten, Kanonenschüssen u. dgl. m., besonders in Pesth überbot sich alles, den Helden zu feiern. Dieser aber zog sich wieder in seine ländliche Einsamkeit nach Hadersdorf zurück und wartete, bis ihn der Kaiser von Neuem berief. Und dieß währte nicht lange. Schon im März 1790 hatte sich der politische Horizont von Neuem verdüstert. Preußen schämte sich nicht, in nie ruhender Eifersucht gegen Oesterreich, getrieben von einer Ländergier, die nicht ansteht zu rauben, wo sich Zeit und Gelegenheit findet, den deutschen Namen durch ein Bündniß mit der Pforte gegen Oesterreich – wie heute durch eines mit Italien – zu besudeln. Sofort wurden in Böhmen, Mähren und Galizien drei Armeen in der Stärke von 150.000 Mann aufgestellt und den Oberbefehl über das Ganze erhielt Loudon. Um diese Zeit (20. Februar 1790) starb Kaiser Joseph II. Sein Nachfolger Leopold bestätigte den Feldherrn in der ganzen Vollmacht, die ihm sein Vorgänger eingeräumt hatte. Loudon stellte nun das Heer als Cordon längs der ganzen Grenze von Mähren, Galizien und Böhmen auf, ging dann nach Wien, welches er aber nach kurzem Aufenthalte am 18. Juni 1790 wieder verließ, um zur Armee nach Mähren zu reisen und dessen Aufstellung zu besichtigen. Am 27. Juni hatte er einen förmlichen Fieberanfall. Er befand sich eben im Hauptquartier zu Neutitschein. Aber der Stabschirurg stellte ihn von seinem Unwohlsein ganz her, so daß er am 5. Juli einen Ritt machen konnte. Am folgenden Tage fühlte er sich stark ermüdet. In der Nacht vom 6. auf den 7. trat aber das schmerzvolle Leiden in der Urinblase ein. dem er endlich, nachdem noch wiederholte Blasenstiche, aber fruchtlos vorgenommen wurden, am 14. Juli um 7 Uhr Abends im Alter von 74 Jahren erlag. Ueber seine Krankheit und seinen Tod ist von Hartenkeil ein eigenes Büchlein veröffentlicht worden. Seit seinem 16. Jahre war Loudon Soldat und war, wie dieß in der Biographie [80] erzählt ist, einmal und schwer verwundet worden, dann nie wieder, aber der Tod kam ihm oft sehr nahe. So bewahrte er immer eine Flintenkugel, welche während eines Gefechtes an die Schneide seines bloßen Degens geprallt, und nachdem sie sich gespalten, auf das Stichblatt heruntergefallen war. Seinen Croatensäbel hatte ihm eine Haubitzenkugel aus der Hand geschleudert und ihn so umgebogen, daß er nicht mehr gerade gerichtet werden konnte. Zweimal war er, wie man aus einem der vielen ihm zu Ehren gedichteten Lieder erfährt, durch seine Hündchen der Gefahr des Todes entgangen. Im siebenjährigen und im Türkenkriege wurden ihm wiederholt Pferde unter dem Leibe verwundet, er selbst blieb immer unverletzt, um zuletzt auf dem Krankenlager zu sterben. Durch sein Testament erklärte er seine Gemalin als Universalerbin, Kinder hinterließ er keine; zwei Söhne waren, wie bereits erwähnt worden, in der Kindheit gestorben; er ließ nun drei Neffen nacheinander aus Liefland kommen [s. d. Lebensskizze: Johann Ludwig Alexander Freih. v. Loudon, S. 92], aber nur der letzte, der oben genannte, überlebte ihn. Sein Vermögen bestand in dem Gute Hadersdorf, in einigen Capitalien und Pretiosen. Nach ihrem Tode trat sein Neffe Johann Ludwig Alexander in den vollen Besitz. Die Leiche wurde aus Neutitschein über Wien nach Hadersdorf gebracht, wo er an der bei Lebzeiten gewählten Stelle beigesetzt und sein Grab durch ein Denkmal, welches noch immer besucht wird, bezeichnet wurde. Ueber dieses und die vermeintliche Inschrift, welche seine Gemalin auf das Denkmal setzen ließ, über seine Bildnisse, die ihm zu Ehren geschlagenen Denkmünzen, errichteten Denkmäler, seine Charakteristik als Mensch und Feldherr findet sich Näheres in den Quellen, auf die hingewiesen wird. Diese Lebensskizze Loudon’s hat Herausgeber dieses Lexikons in den Tagen von Oesterreichs tiefster Erniedrigung – nach der unglücklichen Schlacht von Königgrätz, oder wie sie auch genannt wird, von Chlum (3. Juli 1866) – geschrieben. O daß uns doch ein Loudon wieder erstünde, der uns zu neuen Siegen führte! O daß uns doch Staatsmänner würden, welche es sich ehrlich und ernstlich angelegen sein lassen, das Aller Ehren Ist Oesterreich Voll, zu verwirklichen! Man verzeihe dem Autor diese vielleicht nicht hieher gehörige Abschweifung, aber unter der Wucht seiner Gefühle ward ihm, dem begeisterten Großösterreicher, von der gegenwärtigen Sachlage dieser Schmerzensschrei erpreßt.

I. Quellen zu Loudon’s Biographie. a) Selbstständige Werke. [Die so häufig vorkommende Schreibweise seines Namens mit einem a (Laudon) ist ganz falsch und die mit o (Loudon) ist die allein richtige.] Bube (Wilhelm von), Am Grabe Laudon’s (Gratz 1790, 8°.). – Hartenkeil (Johann Jacob), Ueber Laudons Krankheit und Tod (o. O. [Salzburg] 1792, 8°.). – Historisches Gemälde der Kriegsthaten des kaiserl. königl. Heeres im Jahre 1789. Als Fortsetzung von Loudon’s Leben und Heldenthaten (Wien 1789, 8°.). – Kriegs- und Heldenthaten des Freiherrns Gideon von Loudon, Ihrer Kaiserlich-Königlichen Apostolischen Majestät General en Chef einer besonderen Armee u. s. w., in drei Theilen, von unpartheyischer Hand bis auf die gegenwärtige Zeit aufgesetzt, auch mit dienlichen Kupfern, deren Plans von denen wichtigsten Vorfällen versehen (Leipzig und Wien 1762, 8 Pläne, 8°.). – (Krsowitz, Ferd. Taubmann von) Laudon’s Leben und Heldenthaten, 2 Bde. (Wien 1788, 8°., und Ofen 1789, 8°.); – vermehrt von Franz Xaver Huber, 2 Bde. (Salzburg 1790, auch Kempten 1790, 8°.). – Derselbe, Loudon’s Tod und Grab (Wien 1790, Grund, 8°.). – Loudon’s Ehrendenkmal. Abgelesen [81] in der literarischen Gesellschaft zu *** (im Jahre 1790, mit L.’s Bildniß, gestochen von A. Kohl, 8°.). – Loudon’s Leben und Heldenthaten. Neue ganz umgearbeitete Auflage (Wien 1789). – Laudon’s Leben, Heldenthaten und Tod (Cöln 1792, 8°.). – Pezzl (Johann), Loudon’s Lebensgeschichte (Wien 1791, J. V. Degen, 8°.); in’s Französische übersetzt unter dem Titel: Vie du Feld-maréchal Baron de Loudon (Luxembourg 1792, mit Porträt, auch Vienne 1792, mit Porträt, 8°.). – Richter (Christoph Gottlieb), Die Bücher Laudon, eines der obersten Feldhauptleute u. s. w. der Kaiserin Maria Theresia (Brünn 1762, 8°.) [Richter gab dieses Buch unter dem Pseudonym Lux Ascher heraus). – Tolnay (F. G.), Laudon’s Ehrendenkmal u. s. w (o. O. u. J. [Temesvár um 1780], 8°.) – Trenck (Friedrich von der), Denkmal und Trauerrede bei dem Grabe des Feldmarschalls Laudon (Ofen und Wien 1790). – Beccatini (Francesco), Storia, accampamenti e militari operazioni del Feldmaresciallo di Loudon (Triest 1793, 8°.). – Kramerius (W. M.), Laudonow žiwot a jeho hrdinští činowé, d. i. Loudon’s Leben und Heldenthaten (Prag 1789, 8°., mit Porträt). – Leven en heldendaden van G. E. vryheer van Loudon (Gent 1792, 8°.).
I. b) „Zur Geschichte seiner Feldzüge. Oesterreichische militärische Zeitschrift, redigirt von Major Schels (Wien, 8°.) Jahrg. 1849, Bd. IV, S. 165: „Einige Züge aus dem Wirken Loudon’s in den ersten Feldzügen des siebenjährigen Krieges. Nach österreichischen Originalquellen“; – dieselbe, Jahrg. 1841, Bd. II: „Ereignisse bei der russischen Armee und dem Corps des Feldmarschall-Lieutenant Loudon, vom 15. September bis Ende November“; – dieselbe, Jahrg. 1835, Bd. I, S. 268: „Die Erstürmung des Lagers bei Landshut durch Loudon am 23. Juni 1760“; – dieselbe. Jahrg. 1823, Bd. Il: „Feldzug des croatischen Armeecorps gegen die Türken im Jahre 1788. Mit dem Plane der Belagerung von Türkisch-Dubitza und dem Plane von Novi“; – dieselbe, Jahrg. 1825, Bd. I: „Der Feldzug des k. k. croatisch-slavonischen Corps und der Hauptarmee im Jahre 1789 gegen die Türken. Mit dem Plane der Belagerung von Berbir, dem des Gefechtes bei Mehadia und dem von der Belagerung von Belgrad“; – dieselbe, Jahrg. 1812, Bd. IV: „Die Belagerung und Einnahme von Belgrad 1789“. – Der Soldatenfreund. Zeitschrift für faßliche Belehrung und Unterhaltung des preußischen Soldaten, herausg. von Schneider (Berlin) Jahrg. 1839/40, Nr. 360: „Der Türkenkrieg 1788–1790“.
I. c) Biographisches, einzelne Züge aus seinem Leben u. s. w. Freiherrnstands-Diplom vom 5. März 1759, für Gideon Ernst von Loudon und seinen Bruder Johann Reinhold, dann für seines Vaterbruders Sohne Karl Gideon und Otto Johann. – Incolat vom 10. März 1759, für Gideon Ernst Freiherrn von Loudon, im Herrenstande im Königreiche Böhmen, in Mähren und in Schlesien. – Deßgleichen vom 26. September 1829 für Olivier Freiherrn von Loudon, Sohn des Johann Ludwig Alexander Freiherrn von L. – Austria. Oesterreichischer Universal-Kalender (Wien, Klang, gr. 8°.) XI. Jahrg. (1850), S. 198: „Gideon Ernst Freiherr von Loudon“. – Bellona. Militär-Kalendarisches Jahrbuch. Herausg. von A. C. Schweigerd (Troppau, Traßler, 8°.) III. Jahrg. (1859). S. 182–201. – Bornschein (Adolph), Oesterreichischer Cornelius Nepos oder Leben, Thaten und Charakterzüge österreichischer Feldherrn u. s. w. (Wien 1812, kl. 8°.) S. 134 bis 183. – BrockhausConversations-Lexikon, 10. Auflage, IX. Band, S. 712. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) I. Jahrg. (1842), S. 517. – „Bescheidenheit des Feldmarschall Loudon“; S. 531: „Brief der Kaiserin Maria Theresia an Loudon“; S. 583: „Loudon und Franz der Erste“; – dieselben. II. Jahrg. (1843), S. 9: „Heldentafel“, von Weissenberg; – dieselben, III. Jahrg. (1844), S. 254 u. 260: „Aus dem Leben Loudons“, von Weissenberg; S. 721: „Armee-Gebetbuch“; – dieselben, IV. Jahrg. (18458), S. 596: „Kaiser Joseph II. im Controlorgange“ (Zusammentreffen Lacy’s und Loudon’s mit dem Kaiser). – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1865, Nr. 229, II. Beilage: „Hadersdorf“ [mit mehreren Einzelnheiten über Loudon]. – Geschichts- und Erinnerungs-Kalender (Wien, Sollinger, 4°.) Jahrg. 1832, S. 150: „Biographie“. – Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz, von Gubitz, Jahrg. 1833, Nr. 191: „Gellert’s Schilderung des Generals Laudon“. – (Gräffer, Franz), Josephinische Curiosa oder ganz besondere, theils nicht mehr, theils noch nicht bekannte Persönlichkeiten, Geheimnisse, [82] Details, Actenstücke und Denkwürdigkeiten der Lebens- und Zeitgeschichte Kaiser Joseph’s II. (Wien 1850, I. Klang, 8°.) IV. Bdchn. S. 254–265: „Die Gutachten Lascy’s, Kaunitz’s und Loudon’s contra Kaiser Joseph“ [es betrifft die Fortführung des Krieges mit Preußen]. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1856, Staatsdruckerei, 4°.) S. 42. 48 u. 1727. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) I. Jahrgang (1810), Nr. 46 u. 47: „Anekdoten aus Loudon’s Leben“, von J. W. Ridler. – (Hormayr’s) Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien, 4°.) IX. Jahrgang (1818), Nr. 54, S. 213: „Loudon“ [eine meisterhafte Charakteristik des Helden und Parallelisirung desselben mit dem Römer Paulus Aemilius]. – Kunitsch (Michael), Biographien merkwürdiger Männer der österreichischen Monarchie (Grätz 1805 u. f., Gebr. Tanzer, kl. 8°.) IV. Bdchn. S. 90. – Leben und Geschichte Kaiser Joseph’s des Zweiten vom Jahre seiner Geburt 1741 an bis zu seinem Tode 1790 (Amsterdam, 8°.) 2. Theil, S. 31. – Leidenfrost (Karl Florentin), Historisch-biographisches Handwörterbuch der denkwürdigsten, berühmtesten und berüchtigtsten Menschen aller Stände, Zeiten und Nationen (Ilmenau 1825, B. F. Voigt, 8°.) Bd. III, S. 379 [gibt den 14. Juni statt des 14. Juli als Loudon’s Todestag an). – Leseblätter (Lemberger deutsches Unterhaltungsblatt, 4°.) 1843, Nr. 59: „Loudoniana“. – Letture di Famiglia del Lloyd austriaco. (Trieste, 4°.) vol. VII, p. 34: „Il Maresciallo barone di Loudon“. Biografia di Filippo Villani. – Linzer Zeitung 1855, Nr. 234, 237 u. 238: „Ein Stück österreichischer Geschichte im Munde des Volkes“ [betrifft die Uebernahme des Commandos im letzten Türkenkriege von Seite Loudon’s, welches vor ihm Lacy geführt hatte]. – Illustrirtes Familienbuch des österreichischen Lloyd (Triest, gr. 4°.) VIII. Bd. (1858). – Illustrirte Militär-Zeitung. Herausg. von Ritter von Hack (Wien, 4°.) I. u. einziger Jahrg. (1863), Nr. 3, S. 20: „Erinnerung an einen großen Mann“ – Lumír, belletristicky týdennik, d. i. Lumir, belletristisches Wochenblatt. Herausg. von Mikowec (Prag, 8°.) VII. Jahrgang (1857), Nr. 7, S. 185: „Loudon ve vojenske hranici“, d. i. Loudon in der Militärgrenze. – Mailath (Johann Graf), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg 1850, Perthes, 8°.) Bd. V, S. 66 (Loudon und die Preußen vor Olmütz); S. 69 (Loudon und die Russen); S. 72 (Loudon und Friedrich II.); S. 73 (L. wird Feldzeug-Meister); S. 74 (L. erobert Landshut und Glatz); S. 76 (L. erstürmt Schweidnitz); S. 116 (Loudon in Sachsen); S. 164 (L. in Croatien); S. 166 (Fall Belgrads); S. 175 (Loudon an der sächsischen Grenze). – Mainzer Journal 1864, Nr. 54, Abendblatt im Geschichtskalender [gibt irrig den 5. März 1716 als Loudon’s Geburtstag und das Jahr 1791 als sein Todesjahr an]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIX, Abtheilung 1, S. 1149 [unter der irrigen Schreibung Laudon]. – Morgenstern (Raphael), Oesterreichs Helden des 17. und 18. Jahrhunderts (St. Pölten 1788, Franz Lorenz, 8°.) S. 302–319. – Neue militärische Zeitschrift (Wien, 8°.) 1813, Bd. II, Heft 7, S. 78: „Ein Charakterzug Loudon’s“, von Ridler. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., 8°.) Tome XXIX, p.888. – Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur. Herausgegeben von Joh. Ridler (Fortsetzung des Hormayr’schen) Jahrg. 1831, Nr. 116: „Joseph II. und Loudon. Ein Beitrag zur Geschichte des bayerischen Erbfolgekrieges“; Nr. 144: „II. Der treue Staatsdiener im Felde“. – Oesterreichische militärische Zeitschrift (Wien, 8°.) Jahrg. 1849, Bd. IV, S. 165. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 497. – Oesterreichischer Plutarch. Von Joseph Freiherrn von Hormayr (Wien 1807, Doll), XII. Bd., S. 165–230. [Auch abgedruckt im Kalender „Austria“ (Wien, bei Klang), XVII. Jahrg. (1856), S. 163.] – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) Jahrg. 1851, S. 502: „Kaiser Franz I. und Loudon“; Jahrg. 1853, S. 163: „Loudon’s Schloß zu Pečwar in Böhmen“. – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichte- und Staatskunde, herausg. von Johann Paul Kaltenbäck, Jahrg. 1836, S. 124: „Loudon’s Bescheidenheit“; Nr. 76: „Philopömen [83] der letzte Grieche und Loudon“, von J. B. Koëlli. – Reilly (Franz Joh. Jos. v.), Skizzirte Biographien der berühmtesten Feldherren Oesterreichs von Maximilian I. bis auf Franz II. (Wien 1813, Kunst- und Industrie-Comptoir, kl. 4°.) S. 397–410. – Schlosser (F. C.), Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis zum Sturze des französischen Kaiserreichs (Heidelberg 1846, J. C. B. Mohr, 8°.) 3. Auflage, Bd. II, S. 362, 364 (Schlacht bei Hochkirch), 376 (Sieg bei Kunersdorf), 382 (Sieg bei Landshut), 407 (Erstürmung von Schweidnitz); Bd. III, S. 366 (Loudon im bayerischen Erbfolgekriege in Böhmen); Bd. V, S. 186 (L. zieht gegen die Türken), S. 196 (Erstürmung Belgrads). – Schweigerd (C. A.), Oesterreichs Helden und Heerführer u. s. w. (Wien 1853, Prandel und Meyer, 8°.) Bd. III, S. 260. – Tagesblatt (Gratz, kl. Fol.) Jahrg. 1865, Nr. 132: „Loudon’s Siege in Schlesien“. – Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen, 8°.) Bd. II, S. 176 u. f. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, Ant. Strauß, 4°.) Jahrg. 1808, S. 93: „Aus Loudons Leben“. – Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1819, Intelligenzblatt Nr. 116. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg, Hoffmann u. Campe, 8°.) Bd. VII, S. 248; Bd. VIII, S. 23.
II. Bildnisse Loudon’s (Büsten, Oelbilder, Kupferstiche, Lithographien und Holzschnitte). In Lebensgröße gemalt von Füger. L. steht da im Harnisch, mit entblößtem Haupte, mit den Füßen auf zerbrochene türkische Roßschweife tretend, steckt mit der linken Hand die österreichische, von einem Lorbeerzweige umwundene Fahne auf die zerschmetterte Mauer Belgrads und senkt mit der rechten das bloße Schwert zur Erde. Kupferstiche, Stahlstiche und Holzschnitte. 1) Im Gürtel: Gideon L. Baro a Loudon, Austriae supremus belli dux. Unterhalb: nil actum reputans siquid superesset agendum. Sallust, de Jul. Caesare. C. Vinazer fec., Jacob Adam sculp. 1787 (Viennae, apud Artaria, 8°.). – 2) Unterschrift: Gideon Baron von Loudon, k. k. Feldmarschall. J. Adam fecit (kl. 8°.). – 3) J. Adam fec. 1789 (4°.), zu Pferde. – 4) Unterschrift
Baron von Loudon,
K. K. Feldmarschall.
Geb. anno 1716 und gestor. den 14. Juli 1790
.
Balzer sc. (4°.) [sprechende Ähnlichkeit]. – 5) J. Hickel p., L. Bentely sc. 1789 (Fol.). – 6) Unterschrift: Loudon. J. Blaschke sc. (8°.) [auch in Hormayr’s „Plutarch“]. – 7) Cöntgen sc. (8°.). – 8) F. S. Engelhard (Darmstadt, Beyerle, kl. 4°.). – 9) J. Steiner p., G. Fiessinger sc. (Fol.), Hüftbild. – 10) J. C. G. Fritzsch sc. (8°.). – 11) Kapeller sc. 1788 (4°.), im Harnisch. – 12) (J. S. Klauber fec.) (4°.), im Harnisch. – 13) Unterschrift: Gideon Ernst LB. a Loudon. C. Caspar ad vivum pinx. Vienn. 1791. Cl. Kohl sc. V. – 14) Im Profil. Löschenkohl exc. (8°.). – 15) Kleiner Kupferstich von Mannsfeld mit der Umschrift: Nil actum reputans siquid superesset agendum. – 16) J. E. Nilson sc. (4°., Gürtelbild). – 17) (Nußbiegel sc.) (Fol.), Schwarzkupferst., Kniestück. – 18) H. Füger p., J. Pichler sc. 1788 (Fol., Schwarzk.), im Harnisch. – 19) Haubenstricker p., J. Pichler sc. (Fol., Schwarzk.). – 20) Gestochen nach einem Originalbilde, gemalt von Rähmel in Wien. Befindet sich auch im „Historischen Calender für 1789“. – 21) E. Schäfer exc. (4°., fast en face). – 22) H. Füger p., J. Selb sc. (Fol., Lith. im Tondr.), im Harnisch. – 23) Vinazer del. 1789, J. L. Stahl sc. (4°.). – 24) A. Gillis p., J. Tardieu sc. 1762 (4°.). – 25) Unterschrift: Gideon Ernest Loudon. Weinrauch sculp. Viennae (8°.). – 26) Unterschrift: Gid. E. Freih. v. Laudon. Fr. Zastiera sc. [mit noch neunzehn andern Bildnissen, sämmtlich zu Hormayr’s „Oesterreichischem Plutarch“, im Abdruck der „Austria“]. – 27) Unterschrift: Gideon a Laudohn (sic), Nobilis Livo. Sacr. Caes. Regiaeq. Apostel. Majestatis Supremus Rei Armamentariae Prefectus (o. A. d. Z. u. St.). – Büsten. In Hadersdorf, dem Lieblingsaufenthalte Loudon’s, in Wiens Nähe gelegen, befindet sich eine Büste des Helden aus carrarischem Marmor mit der Inschrift: Meditatio Mortis optima Philosophia. – Loudon ließ sich noch in seinem letzten Lebensjahre von Müller aus Mannheim abformen. Müller bildete den Helden in Wachs, in Lebensgröße, mit seiner Regiments-Uniform. Dieses Wachsbild wurde von Zeitgenossen L.’s als sehr ähnlich bezeichnet.
[84] III. Denkmünzen auf Loudon und seine Siege. 1) Avers. Umschrift: Gid. L. Baroni A Loudon Aust. Supr. Belli Duci. Am Armabschnitt: Scheifel. Revers: Heroi | Ob Virtut. | Bell. Clariss. | Perpet. Venerat. | Monumentum | Consecrat 1 Jos. Scheifel | MDCCLXXXII (Silber). – 2) Avers. Umschrift: Gedeon Laudonius Exercitus Caesar. Dux. Revers: Veni. Vidi. Vici. MDCCLXXXIX. Ueber einem auf einem Baumstamme mit Laub sitzenden, mit einer Pranke einen Halbmond niederhaltenden Adler (Silber). – 3) Avers. Umschrift: Ged. Laudonius Exercitt. Austr. Summus Imp. Revers: Taurunum expugnatum (Bild: Beschießung einer Stadt). VIII. Jd. Octobr. | M. DCC. LXXXIX. (Silber.) – 4) Avers. Umschrift: Unus Hic Innumeri Militis Instar Erat. (Unter dem Brustbild: X. Mazenkopf.) Revers: Nunc Placida Compostus Pace Quiescit (über einem auf einem Schilde schlummernden Löwen); dann: M. DCC. XC. (Silber). – 5) Auf den von Loudon über den preußischen General Fouquet bei Landshut am Fuße des Riesengebirges in Schlesien am 23. Juni 1760 erfochtenen Sieg wurde folgende Medaille geprägt. Avers: Die Brustbilder Maria Theresia’s und ihres Gatten. Revers: Ein von feindlichen Waffen errichtetes Trophäum, im Hintergrunde sieht man rechts Gezelte, links hinter Hügeln das Städtchen Landshut. Umschrift: Borus. (orum) Castr. (is) Virt. (ute) Superat. (is) Spoliis Part. (is) Capto Duce. Im Abschnitte: Ad Landeshut. Die Jun. XXIII. MDCCLX. Exemplare in Gold (15 Ducaten). In Silber 2 Loth. Das Capto duce bezieht sich auf die Gefangennehmung Fouquet’s, die hier erfolgt war. – 6) Auf Loudon’s Eroberung der Festung Glatz, 26. Juli 1760, wurde auch eine Denkmünze geprägt. Avers: Die Brustbilder des Kaisers und der Kaiserin. Revers: Ein geharnischter und behelmter Held, mit entblößtem Schwerte in der erhobenen Rechten und dem Wappenschilde der Festung Glatz in der gesenkten Linken. Im Hintergrunde die Stadt Glatz. Umschrift: Securitas Bohemiae. Im Abschnitte: Glacium Recept. (um) XXVI. Jul. (ii) MDCCLX. Exemplare in Gold (14 Ducaten), in Silber 2 Loth. Die Medaille ist von Anton Widemann gearbeitet.
IV. Denkmäler zu Ehren Loudon’s. Gleich wie seinem Lehrer in der Kriegskunst, dem Feldmarschall Lacy [Bd. XIII, S. 468], so ließ auch dem Feldmarschall Loudon der Kaiser Joseph im Jahre 1783 im Hofkriegsrathsgebäude ein Denkmal aufstellen. Dieses stellt den Helden in lebensgroßem Brustbild, in antikem Costume vor. Das wohlgetroffene, aus weißem carrarischen Marmor von Ceracchi in Rom – von dem auch Lacy’s Büste ist – gemeißelte Brustbild steht auf einer mannshohen Säule von röthlichem Marmor. Auf der Säule steht mit goldener Inschrift: GIDEONIS. LOUDONI. SUMMI. CASTRORUM. PRAEFECTI. SEMPER. STRENUI. FORTIS. FELICIS. MILITIS. ET. CIVIS. OPTIMI. EXEMPLUM. QUOD. DUCES MILITESQUE. IMITENTUR. JOSEPHUS II. AUGUSTUS IN. EJUS. EFFIGIE. PROPONI. VOLUIT. ANNO MDCCLXXXIII. Verfasser dieser Inschrift ist Hofrath Baron Sperges. [Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, Strauß, 4°.) Jahrgang 1829, S. 87: „Denkmal“.] – Auch ein Privatmann, der Graf Prosper von Sinzendorf, ließ dem Helden in seinem Garten zu Ernstbrunn ein Denkmal aufstellen. Dieses besteht aus einem Obelisk von Granit, auf dem sich das in Marmor gemeißelte Bildniß Loudon’s befindet, mit der Unterschrift: Gideoni Loudonio, Borussico-Turcico Πολιορκητη. P. c. S.
V. Loudon’s Grabdenkmal im Garten zu Hadersdorf bei Wien. Hinter einem Gitterthore, welches die Planke schließt und vereinigt, zeigt man das von Zauner verfertigte Grabmal Loudon’s in dem Schatten eines Haines. Ein Sarkophag ruht auf drei Stufen, auf welchem voll tiefen Schmerzes ein Krieger hingesunken ist, den Schild zur Seite, das Haupt auf die Hand gestützt. Den grauen Marmor beschatten sanft hinabtrauernde Weiden. Auf der Vorderseite steht folgende von Hofrath Birkenstock verfaßte Inschrift:
TIRO
AD BORYSTENEM
DUX
AD MORAVAM. VIADRUM.
BOBERIM. NEISSAM. VISTRITIAM.
VETERANUS.
AD UNNAM. ISTRUM. SAVUM.
CLARUS TRIUMPHIS
SIMPLEX. VERECUNDUS.
CARUS. CAEASARI.
MILITI. CIVI
[85] Auf der Rückseite steht:
GIDEONO. ERN. LAUDONO
CONJUX
CONTRA VOTUM SUPERSTES
AC HEREDES
POS.
MDCCLXXXX
.
Dieß ist der wahre Wortlaut der Inschrift und ist somit die Angabe, daß in der Inschrift sich die Worte: nec Caesar, nec patria, sed uxor befinden, eitle Erfindung. Diese Entstellung der Inschrift findet sich wirklich so in verschiedenen Werken angegeben, und Hirtenfeld in seinem Werke über den Maria Theresien-Orden commentirt sie sogar mit den Worten: „Loudon’s Leiche wurde über Wien nach Hadersdorf geführt und daselbst im Schloßgarten am 17. Juli ohne alles militärische Gepränge zur Erde bestattet. Seine Gemalin, vielleicht aus Empfindlichkeit hierüber, ließ auf sein Grabmal die Inschrift setzen: Nec Caesar, nec Patria, sed uxor“(!). Man sieht: nach dem Wortlaute der Inschrift, wie sie wirklich auf dem Grabmal steht, zerfällt dieser Commentar in Nichts. – Von anderer Seite wird bemerkt, die Gattin hätte dieß aus Empfindlichkeit gethan, daß der Staat dem Helden kein Denkmal gesetzt habe. Auch dieß ist ganz unrichtig, und wird hier nur auf das von Kaiser Joseph dem Helden im Hofkriegsrathsgebäude (jetzt Kriegsministerium) errichtete Denkmal, dessen schon auf der vor. Seite ausführlichere Erwähnung geschieht, hingewiesen. – Bezüglich des Loudon’schen Grabdenkmals in Hadersdorf ist noch eine vergessene Thatsache hier anzuführen. Als L. Belgrad eroberte, ließ er von einem dortigen Monumente. welches auch ein Grabmal war, die Steine wegnehmen, nach Hadersdorf führen und zu seinem eigenen Grabe bereiten. Sie sind eine Art weißer Marmor, mit türkischen Inschriften und Blumenwerk verziert. So sind diese türkischen Steine ein ewiges Denkmal von der Eroberung Belgrads aus seinen Siegen über die Türken. Eine ältere Ansicht des Denkmals und des Platzes, wo es steht, von J. Adam gestochen, zeigt das Titelblatt zu Joh. Pezzl’s „Loudon’s Lebensgeschichte“. [Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, Gleditsch. 4°.) II. Section, 1. Theil, S. 90 [im Artikel „Hadersdorf“]. – Feierstunden (Wiener Unterhaltungsblatt, 4°. ) Jahrgang 1856, S. 88 u. 89: „Das Denkmal des Feldmarschalls Loudon im Parke zu Hadersdorf“ (mit der Abbildung desselben im Holzschnitt).]
VI. Zeitlieder auf Loudon. Poetisches Sendschreiben der Europäischen Fama an die Wienerische Bürger, abgefasset zum Lob des tapferen Generalen Loudon bey Gelegenheit der vorbeygegangenen Action mit dem König aus Preußen in der Gegend von Landshut. Durch eine treu patriotische Feder entworfen Anno 1760 (Wien, Jos. Kurtzböck, 5 Bl. 4°.). – Die Helden Oesterreichs. Ein Lobgedicht auf Se. Excellenz den K. K. commandirenden General Feldmarschallen Herrn Grafen von Daun und Se. Excellenz den Herrn General-Feldzeugmeister Baron von Laudohn (Wien 1761, Jos Kurzböck, 5 Bl. 4°.). – Ode an Seine Excellenz den Herrn General-Feld-Zeugmeister Freyherrn von Laudon, als Selber die Festung Schweidnitz den Iten Octobris mit Sturm erobert (1761, 2 Bl. 4°.). – Poetische Abschilderung der so herrlichen Victori mit ihren Sonderheiten, worinnen der eigentliche Verlauf der blutigen Schlacht Reimweis vorgestellet und angepriesen wird zum unsterblichen Ruhm des Russischen Achilles Grafen von So[l]tikow und des Oesterreichischen Hector Freyherrn von Laudohn, deren Gedächtniß ewig verbleibe (2 Bl.). – Fernerer Bericht auf die Aufhebung des Königl. Preuß. Corps bey Landshut in Schlesien. So bestehet in Gefangenen sowohl Officiers als Gemeinen 8318 Köpfen. 67 Kanonen. 64 Fähn sammt 2 Standarten und ein Paar silberne Pauken. Gedicht (2 Bl.). – Relation, welche der Tapfere Preusische Feldherr General Fouquet, da er den 23. Juny 1760 vom tapferen und siegreichen Oesterreichischen Gedeon General Laudon bei Landshut in Schlesien gänzlich geschlagen und gefangen worden, an seinen Herrn den König Friederich in Preußen überschicket (Wien, Franz Andre Kirchberger, 2 Bl. 4°.). Gedicht. – Bericht, welchen der Tapfere Preußische Feldherr General Fouquet, da er den 23. Juny 1760 von dem tapferen und siegreichen Oesterreichischen Gedeon General Loudon bey Landshut in Schlesien gänzlich geschlagen und gefangen worden, an seinen Herrn den König Friedrich in Preußen überschicket. Wie auch Antwort des Königs von Preußen an den gefangenen tapferen Fouquet, lateinisch verfasset von einem trientinischen Poeten. Uebersetzt von einem redlich und treugesinnten österreichischen Patrioten (Wien, Franz Andr. Kirchberger, 2 Bl. 4°.). Gedicht. [86]Der frohlockende Oesterreicher über den glorreichen Sieg, welchen der Kaiserl. Königl. General-Feld-Zeugmeister Herr Baron von Laudon über den Königl. Preußischen General-Lieutenant von Foquet erhalten, als in welchem 3000 Mann nebst 3 feindlichen Generalen gefangen worden. In deutschen Reimen entworfen von einem Landsmann (2 Bl. 4°.). – Relation, welche der tapfere Preußische Feldherr General Fouquet, da er den 23. Juny 1760 von dem tapferen und siegreichen Oesterreichischen Gedeon General Loudon bey Landshut in Schlesien gänzlich geschlagen und gefangen worden, an seinen Herrn den König Friedrich in Preußen überschicket (Wien, Franz Andr. Kirchberger, 2 Bl. 4°.), Gedicht. – Loudon. Besungen von Lorenz Leopold Haschka im Julius 1790 (Wien, gedruckt mit Schmidtischen Schriften, 4 Blätter 8°.). – An den Helden Loudon, den zehnten und größten Belagerer Belgrads. Gesungen von J. Christoph Regelsberger P. d. D. (Wien 1789, gedruckt bey Johann Thomas Edl. von Trattnern, k. k. Hofbuchdruckern, 4 Bl. 8°.) – Lied eines alten Invaliten auf dem Lande nach Loudons Zurückkunft aus dem Feldzuge 1789. Vom Verfasser des Volkslieds (Wien, zu finden in der Wapplerischen Buchhandlung, 8 Blätter mit Vignette, 8°.). – Ueber Loudon’s Tod. Der Barde und das Vaterland (Wien 1790, bei Jos. Edlen von Kurzböck. 4 Bl. 8°.). – Lied eines Patrioten auf den Tod des Helden Loudon (Wien 1790, 4 Bl. 8°.). – An die Helden Loudon und Koburg (Wien 1789, gedr. mit Edlen von Schmidbauerischen Schriften, 6 Bl. 8°.). – Kurze und doch vollständige Beschreibung von dem Leben und den Heldenthaten des Generalfeldmarschalls Gideon Freyherrn von Loudon; Vom Jahre 1716 bis zum 20. July 1790. Dem Landvolke gewidmet von A. L. (Steyr, 14 Bl. 8°.). – Ehrenlied auf Loudon’s treues Hündchen. Von M–dt (Wien 1790, Ghelen’sche Schriften, 2 Bl. 8°.). [Dieses Hündchen war zweimal Loudon’s Lebensretter. Einmal: Loudon schlief in der Einsiedeley in Hadersdorf; durch plötzlich entstandene Ueberschwemmung des Wienflusses wurde die Einsiedeley unterwaschen; durch das Bellen des Hundes verließ sie Loudon in dem Augenblicke, als sie einstürzte. Das andere Mal: bei Gelegenheit eines in Loudon’s Wohnung um Mitternacht entstandenen Brandes, wo der Rauch mit Heftigkeit in sein Schlafgemach drang, das er, nur durch das Bellen des Hündchens erweckt, halberschöpft auf dem Fußboden kriechend, verließ, um sein Leben zu retten.] – Das Lied von Belgrad 1789, im Ton Marlborough s’en va-t-en guerre (gedruckt in diesem Jahr, 4 Bl. 8°.). – Volkslied, nach der Eroberung Belgrads gesungen den 14. October 1789 (Wien, bey Thaddäus Col. von Schmidtbauer, 8 Blätter, mit Vignette, einen ungarischen Huszaren darstellend, mit der Devise: „Vivat, Loudon, Belgrad ist über“, 8°.). – Bey Wiens Feyer über Belgrads Eroberung (am Schluß des Titelblattes: den 14. October 1789) (Wien, 4 Bl. 8°.). – Die Eroberung der Stadt und Vestung Novy. Verfaßt von Ignaz Sadlmayr (o. O. u. J., 2 Bl. 8°.). – Die Einnahme von der Vestung Dupiza. Verfaßt von Ignaz Sadlmayr (o. O. u. J., 2 Bl. 8°.). – Trauerlied auf den Hintritt des Herrn Feldmarschalls Gideon Freyh. v. Loudon, sammt dessen Lebensbeschreibung. Von J. d. H. (Zu haben auf dem Jesuiterplatz oder sogenannten Schulhof, 4 Bl. 8°.). – Carniolia (Laibacher Unterhaltungsblatt, 4°.) V. Jahrgang (1842/43), Nr. 61: „Loudon“ [deutsche Uebersetzung eines krainischen Volksliedes auf Loudon]. – Austria. Oesterreichischer Universal-Kalender (Wien, I. Klang, gr. 8°.) VI. Jahrg. (1845), S. 3 der vaterländischen Denkwürdigkeiten von Kaltenbäck: „Der Invalid an Loudon’s Grabe“, von J. B. Koller (Gedicht aus dem Musenalmanache 1783]; S. 96: „Urlaub der Croaten von Loudon“ (Gedicht, December 1788]; – derselbe, VII. Jahrgang (1846), S. 65 der vaterländischen Denkwürdigkeiten von Kaltenbäck: „Auf Haddik’s und Loudon’s Feldzug 1789“ [Gedicht]. – (Triml, unter dem Pseudonym Emil bekannt) Oesterreichs Walhalla (Wien 1849, A. Pichler’s Witwe, kl. 8°.) S. 7, Nr. 5, u. S. 49 [gibt in gebundener Rede Loudon’s letzte Worte an: Wird das Leben mir entrissen, Bin ich wahrlich nicht betrübt, Denn man wird mich nicht vermissen, Da mein Fürst den Frieden liebt]. – Auch in dramatischer Form wurde Loudon gefeiert in dem Stücke: Heldenmuth und Vaterlandsliebe oder Loudon’s und Koburg’s Denkmal. Ein vaterländisches militärisches Schauspiel in 3 Aufzügen aus den Kriegszeiten des Jahres 1789. Von Jacob Edlen von Zepharovich (Wien 1784, 8°.).
[87] VII. Loudon’s äußere Erscheinung und Charakteristik als Mensch und Feldherr. Seiner äußeren Erscheinung nach war L. von mittlerer Statur, gut gebaut, aber sehr hager, die Stirne ziemlich hoch und stark gewölbt mit stark hervorstehenden Augenbrauenknochen. Die Haare in der Jugend röthlich, im höheren Alter ganz weiß, pflegte er in einem genadelten Toupet, zwei dünnen Seidenlocken und einem hoch in den Nacken hinaufgebundenen Zöpfchen zu tragen. Die Augenbrauen waren röthlich und buschicht, und standen gerade aus dem Angesichte weg, wenn L. über Etwas angestrengt nachdachte oder wenn das Feuer seines Geistes in hellen Flammen aufloderte. Die Augen waren groß und lichtgrau und außer dem Zustande der Leidenschaft, wo ein unbeschreibliches Feuer aus ihnen strahlte, nicht bedeutend, wenigstens nicht so, daß es gleich auf den ersten Blick aufgefallen wäre. Die Nase war etwas erhoben, die Wangen stark eingefallen, gleichwohl das Kinn mehr rund als spitzig, das ganze Gesicht etwas länglicht, die Farbe röthlich braun, den Kopf im höheren Alter, wenn er ging oder saß, immer etwas vorgebogen, aber ganz aufrecht, wenn er zu Pferde saß. Die Physiognomie war, um so zu sagen, altspanisch, nach dem Gesichtsschnitte der Helden Karl’s V., eines Alba, Fuentes, Mondragon. Etwas mehr wohlbeleibt, würde er dem verschwiegenen Wilhelm von Oranien, Gründer der batavischen Freiheit, geglichen haben, dem er überhaupt in vielen einzelnen Zügen verglichen werden mag. Der Ausdruck seines Gesichtes war Ernst, Verschlossenheit, Nachdenken, Strenge. Er hat nie gelacht und nur höchst selten gelächelt und immer wenig gesprochen und mit Bedacht. Gewöhnlich trug er die Uniform seines Regiments Nr. 29, welches er im Jahre 1760 erhalten hatte, lichtblau und selten das Feldmarschalls-Gewand, zu Hause oder auf dem Lande altmodische bürgerliche Kleidung. – Sein Temperament war das cholerisch-melancholische, das letztere herrschte vor, wenn er ruhig war, das cholerische brach hervor, wenn er handelte. Da wurde die kalte unbewegte Seele plötzlich Wallung, Sturm und Flamme, Kälte und Hitze. Bedachtsamkeit und Raschheit waren beide in seinem Gemüthe, wie Wasser und Oel, ohne sich zu vermischen. Loudon in einer langweiligen Gesellschaft, Loudon in seinem Garten arbeitend oder anordnend und von dort in den Staatsrath oder an die Spitze des Heeres gerufen, wie Abdolonymus, Cincinnat und Curius – und Loudon mit gezogenem Degen, zu Pferde, vor der Fronte, waren an Gesicht, Haltung und in ihrem ganzen Thun so ganz verschieden wie Cato und Achill. Er muß tief empfunden haben, was er war und vermochte und warum – und warum die andern nicht wie er. Das brachte Geringschätzung und Haß nicht der Menschen, aber der Menge in ihm hervor. Wie sollte auch er, der Unergründliche, mit den zahllosen hohen Gedanken herumtändeln unter gewöhnlichen Convenienzmenschen, wie unter hohlen Wachsfiguren, die ihm eine Prise Tabak boten und ihn von dem letzten Ballet unterhielten, wenn er an Ueberflüglung dachte und an Sieg! Deßhalb mußte man ihn (mußte er ja aus Pflicht oder Anstand in großen Cirkeln erscheinen) hinter der Thüre oder in irgend einem Winkel, oder auf der mindest beleuchteten Stelle suchen. „Wo ist denn Loudon?“ fragte Theresia bei einem Hoffeste den Herzog von Aremberg, der sehr treffend antwortete: „Le voilá comme toujours derriere la porte, tout honteux d’avoir tant do merite ...“ Was von jeher alle großen Generale bezeichnet hat und alle großen Minister (die zwei sind wohl nicht so verschieden, als die Meisten glauben; Feder und Degen verwunden, beide nur in verschiedener Weise), daß bezeichnete vorzüglich Loudon Langsamkeit, Umsicht, Sorgfalt im Entwurf und in der Prüfung, niederwerfende Raschheit und Stärke im Verfolgen und Vollbringen, und in diesem und jenem Einfalt, die schwer zu betrügen und zu umstellen war, und Schlauheit, die lauert und fängt. Seine Liebe zum Landleben, aber zum stillen Landleben, erklärt sich sehr ungezwungen aus jenen Grundzügen. Er konnte und wollte nichts halb sein. Er, der im Felde den Kriegsrock nie auszog, der Erste und Letzte im Lager, der Vorderste in der Schlacht, tausendäugig, unerbittlich, trat mit sachtem Schritte in die Gefilde des Friedens, vermied die Kennzeichen kriegerischer Ehre, welche andere eben im Frieden am meisten suchen und hervorstellen und wählte die zurückgezogenste unbeobachtetste Beschäftigung. So schläft auch wohl der Löwe oder spielt an der Sonne mit der Maus, aber wehe dem, der ihn wecket oder reizet. – Seine Ueberlegenheit im Vorpostenkriege, seine Vorliebe für’s [88] Erstürmen, seine Fertigkeit im Schießen und Reiten, sein Commandowort, das die Ende beider Flügel erschütterte, sein nagender Schmerz, wenn ihm irgend ein großer Plan nicht ganz, auch nicht ganz so gelang, wie er sichs vorgesetzt hatte – daher sehr treffend unter einem seiner Bildnisse die Worte Lukan’s stehen: Nil actum reputans, siquid supperesset agendum – die gehören zur Schnelligkeit, zum Zerstören des Schädlichen, des Widerstrebenden. Die Leidenschaft für das Schachspiel, die unverdrossene Einholung militärischer Erziehung und Bildung, die ihm nie zu Theil geworden, durch unausgesetztes Studium, die Lust am Unterrichte seines Neffen, die nichts verabsäumende strenge Ordnung und Pünctlichkeit im Dienste und in seinem Hause – die gehören zur Besonnenheit, zum Aufbauen und Erhalten des Nützlichen. Bei seiner natürlichen Genialität that es ihm wenig Schaden, daß er in seiner Jugend wenig gelernt hatte. Bücher und Schulunterricht hätten vielleicht seinen Geist nur aufgehalten. Wenn die rasche Uebung vorangeht und die kluge Theorie nach der Hand noch emsig aufgefaßt wird, so nimmt der Geist, durch die erstere ermuntert und gestärkt, nur im Wesentlichen auf, bleibt frei von ihren Angeln, Widerhaken und lähmenden Fußeisen und verhält sich im Leben und Wirken zu dem, der mit der Theorie angefangen hat, etwa so, wie der, der eine fremde Sprache im fremden Lande selbst zu lernen genöthigt ist, zu dem, der sie zu Hause aus der Grammatik studirt – das kann jedoch kein Trost sein für die, die nichts lernen wollen; denn um dieses zu entbehren, muß man geboren sein mit Loudon’s Anlagen und wenn Loudon und Viele Großes gethan haben, ohne Wissenschaften, so kam dieß wohl vorzüglich daher, weil nicht so fast die Fülle der Kenntnisse, als die Festigkeit des Willens Wunder wirkt und weil der Fall wohl nicht alltäglich ist, daß in demselben Manne Verstand und Willen und deren Ausbildung ganz gleichen Schritt mit einander halten. Zu seiner hohen Besonnenheit gehört auch die Catonische Zucht und Eingezogenheit, mit der er den Umgang mit Weibern floh und überhaupt jede Ausschweifung haßte, die ihm Geist oder Kraft hätte schwächen und abziehen können von seinem Einzigen. Das mag wohl sehr Vieles dazu beigetragen haben, daß ihn Gesundheit und Schnellkraft und Feuer bis an seinen Tod nicht verließen, ja, daß die Kühnheit und Raschheit seiner Entwürfe mit den Jahren stieg, statt mit denselben zu sinken. Seine Thaten gingen meist unverhinderlich hervor aus seinen Vorbereitungen. Wer überlegte, auskundschaftete, anordnete wie er und vollzöge wie er, der müßte siegen wie er. Glück ist wohl mehr im Wort als im Begriff. Um aus vielen nur weniger seiner großen Feldherrn-Eigenschaften zu gedenken – wer hat das Terrain unermüdeter erforscht, besser gekannt und benützt als er? – „Das brauch’ ich als Feldmarschall“, sagte er, noch als Major, ohne Namen, ohne Geld, ohne Protection, zu seiner Frau, die über das ewige Landkartenschauen ungeduldig wurde. Auf jedem Spazierritt, auf jeder Reise bestieg er jeden Hügel und überschaute und beurtheilte die Gegend, und gedachte sich hier seine Armee und drüben seine Feinde. So schärfte er sein Auge zu jenem entscheidenden Scharfblicke, welcher vom Kuhgrunde bei Kunersdorf herab in einem Augenblicke eine gänzliche Niederlage in den vollständigsten Sieg verwandelte. Was er selbst nicht erforschen konnte, erfuhr er durch zahlreiche Spione, die er vorsichtig wählte, richtig und großmüthig und oft aus eigenem Gelde bezahlte und versorgte und selbst wenn sie in’s Unglück kamen und ihm nichts mehr nützen konnten. Den Charakter seiner Gegner zu studiren, war ihm überaus wichtig, dazu keine Mühe zu groß, keine Anekdote zu gering. Daher errieth er oft ihre Pläne und vereitelte sie, noch bevor sie zur Reife gediehen. Väterlich sorgte er für die Bedürfnisse der Armee, nie sie mit Kleinigkeiten plagend; er wollte, daß seine Soldaten muthig seien zum Großen, nicht groß im Kleinen. Gerechtigkeit war sein Hauptzug, wie er unerbittlich war gegen den Schuldigen, so dankbar war er auch gegen den Gefährten seiner Siege. Alles liebte ihn, aber es zitterte auch Alles vor ihm. In seinen Berichten vermißt man seinen Namen fast durchgehends, aber er vergaß niemals die gebührende Lobeserhebung auch des geringsten Verdienstes. Wie man das gemeine Beste einer schnöden Selbstsucht aufopfern, einen Nebenbuhler auf dem Wege des Ruhmes im Stiche lassen, außer dem Sieg noch andere Absichten haben könne, das konnte Loudon gar nicht begreifen. Seine Entsagung, sein Dulden und Ausharren unter den russischen Generalen, die Geduld, welche hier dieser heftige Charakter an den Tag legte, daß er [89] vieles sich gefallen ließ, damit doch Etwas für den Dienst seiner Monarchin gewonnen werde, daß er unablässig darauf sann und sich damit begnügte, ist einer der schönsten Züge in seinem Gemälde. Selbst seine Feinde haben sein ausgezeichnetes Talent geehrt und gefürchtet, auch König Friedrich, der sich über manchen argen Streich, den ihm Loudon spielte, durch Bonmots an ihm rächte. Eben weil Loudon in seiner individuellen Beschaffenheit Friedrichen der gefährlichste Gegner war, sprach dieser einst im Zirkel seiner Generale: „Oh, meine Herren, wir haben alle tüchtig gefehlt! Nur mein Bruder Heinrich und Loudon haben nicht gefehlt“. Plutarch hielt es für berichtigend und belehrend, die Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten der Helden verschiedener Länder und Zeitalter mit einander zu vergleichen. In diesem Geiste möchte man sagen: Laudon war Oesterreichs Paul Aemil und Marcell. Wie Paul Aemil war er im Dienste strenger Pünctlichkeit höchstes Muster, oft sagend: „Niemand gefährde den Staat gleich anfangs durch ein großes Vergehen – aber die, welche Kleinigkeiten vernachlässigen, vernachlässigten auch die Sorgfalt im Wichtigen“. Wie Paul Aemil seine Söhne, so unterrichtete Loudon seinen Neffen und wurde es nicht müde, Zeuge seiner Lehrstunden zu sein. Loudon war anspruchlos gleich Paul Aemil mitten unter den glänzendsten Erfolgen. Des Letzteren Reden an die Jugend seines Heeres nach dem Siege über Perseus und nach dem Falle des macedonischen Reiches scheint eine bloße Wiederholung dessen, was Loudon nach jedem errungenen Vortheile von sich und den Seinigen bekannte. Man meint die Kunersdorfer Schlacht zu lesen, wenn man im Plutarch Paul Aemil’s Streit wider Perseus Phalanx liest und der Römer anfänglichen Verlust und Rückzug bis an den Berg Olokrum und den Sieg entschieden, gleich darauf bloß durch des Feldherrn untrügliches Auge. Ebenso gleicht einander die Liebe der Truppen zu beiden, die Liebe, mit der das von der blutigen Schlacht erschöpfte Heer Paul Aemil’s jüngster Sohn Scipio suchte, in der Folge Karthagos Zerstörer und Numantias Ueberwinder. Wie in den Türkenkrieg Loudon so ging Paul Aemil in den Krieg wider das Stammreich des großen Alexander. Aber bald sprach Paul Aemil: „Nur das erste Consulat habe ich gesucht. Ich erhalte das zweite, weil ihr einen Feldherrn sucht. Wißt ihr einen besseren, ich entsage diesem Amte sogleich. Vertrauet ihr mir aber, so schaffet mir die Kriegsbedürfnisse herbei und redet nicht und deutet nicht. Ich sorge für das Uebrige; denn wollet ihr noch von hieraus der Feldherren Schritte Zug für Zug regieren, so höhnen unsere Feinde uns noch mehr, als sie es jetzt schon thun“. Durch eben diese Gegenwart des Geistes, durch welche Marcell unter allen Römern seiner Zeit die meisten Schlachten gewann, siegte auch Loudon; wie Marcell wild und muthig im Kriege und bescheiden und Freund der Menschen und Künste und Wissenschaften, wie dieser es war. Angeklagt wurde er von Trenk, wie von den Syrakusenern Marcell, und losgesprochen wie dieser zur Schande seiner Feinde, an denen er sich eben so wenig als dieser jemals zu rächen versuchte. Joseph, der immer mit und neben Loudon kriegte – nie mit Loudon – hatte gleichwohl diesen dem ganzen Heere zum Muster vorgestellt. Ihm, den Theresia mit Würden und Geschenken überhäuft, setzte Joseph 1783 im Saale seines Hofkriegsrathes dieß würdige Denkmal: „Gideon Loudon’s, des stets strengen Feldmarschalls, des tapferen, glücklichen Kriegers, des trefflichen Bürgers Beispiel, befahl Kaiser Joseph II., auf daß ihn Heerführer und Krieger stets nachahmen, hier in seinem Bilde aufzustellen“.
Gellert’s Charakteristik Loudon’s. In einem Briefe, den Gellert aus Karlsbad, wo er mit Loudon bekannt wurde, schrieb, heißt es: „Eine meiner ersten und liebsten Bekanntschaften war der Mann, den ich schon genannt habe, der General Loudon, ein Mann von einem besonderen Charakter; ernsthaft, bescheiden, halb traurig, fast wie ich; der wenig redete, fast wie ich, aber richtig und wahr redete; nichts von seinen Thaten, wenig vom Kriege sprach, der aufmerksam zuhörte, und in seinem ganzen Betragen, in seiner Art sich zu kleiden, eben diese gefälligste Einfalt und Anständigkeit zeigte, die in seinen Reden herrschte. Er ist nicht groß von Person, aber wohl gewachsen; hager, aber weniger als ich; hat nachsinnende, tief im Kopfe eingeschlossene lichtgraue Augen, oder auch wohl bläuliche, fast wie ich und etwas röthliche Augenbrauen, nicht wie ich. Die Aehnlichkeit unseres traurigen Wesens und vielleicht auch die Unähnlichkeit unseres Ruhms machte uns bald zu Freunden. Anfangs mochte er sich vor mir [90] fürchten, so wie ich mich vor ihm. Oh, sagte er einmal zu mir, als er mich allein in der Allee fand, ich käme gern oft zu Ihnen; aber ich fürchte mich, ich weiß nicht, ob Sie mich haben wollen. Ein andermal fing er an: Sagen sie mir nur, Herr Professor, wie es möglich ist, daß Sie so viel Bücher haben schreiben können und so viel Munteres und Scherzhaftes? Ich kann’s gar nicht begreifen, wenn ich Sie so ansehe. – Das will ich Ihnen wohl sagen, antwortete ich; aber sagen Sie mir erst, Herr General, wie es möglich ist, daß Sie die Schlacht bei ...[1], die Schlacht bei Kunersdorf haben gewinnen und Schweidnitz in einer Nacht haben einnehmen können? Ich kann’s gar nicht begreifen, wenn ich Sie so ansehe. – Damals habe ich ihn das erstemal herzlich lachen sehen; sonst lachte er nur halb. Er hatte sich genau nach meinem Geschmacke erkundigt. Er bat mich nicht eher zu Tische, als wenn er allein war, ließ meistens weiche Speisen zubereiten, ließ meinen eigenen Wein kommen, ließ mich vom Herzen heraus reden und redete selbst so, ließ mich bald nach der Tafel gehen; kurz er nahm meinen Willen fast ganz an. Ich habe aus seinem Munde nichts als Erlaubtes und Gutes gehört und immer gemerkt, daß er religiös war. Wollte Gott, er gehörte noch zu unserer Kirche! Ich mußte ihm eine kleine Bibliothek aufsetzen; denn das war seine Klage, daß er nicht studirt hätte. Aber in der That ersetzte sein natürlich scharfer Verstand und seine Aufmerksamkeit auf Alles bei ihm den Mangel an Wissenschaften. Was gebe ich Ihnen denn, fing er einmal an. das Ihnen lieb ist; ich möchte es wohl gern wissen. – Herr General, und wenn Sie mir die ganze Welt geben, das ist mir in meinen jetzigen Umständen gleichgiltig. Sein Neveu, der unter dem Loudon’schen Regiment Lieutenant ist. bat mich, ich möchte seinen Onkel bewegen, daß er ihn ein paar Jahre in Leipzig studiren ließe. Er möchte gern noch etwas lernen. Gern, sagte der General, wofern Sie sich ihn lassen empfohlen sein. Wenn er im Vertrauen mit mir reden wollte, so führte er mich von der Gesellschaft in eine entfernte leere Allee und Niemand störte uns alsdann. – Unser Abschied war sehr kurz. – Was ich Ihnen jetzt gesagt habe, sprach er, das behalten Sie auf Ihrem Gewissen. – – Leben Sie wohl – ich werde an Sie schreiben. – – Leben Sie auch wohl, liebster General. Gott beschütze Sie und segne Sie, Ihr Leben.
VIII. Einzelnes: Loudon’sche Reliquien. Loudon’s Kirche. Der Loudon-Wald. Gedichte auf Loudon. Loudon-Stiftung. Loudon’s Gebetbuch.Reliquien von Loudon. Laudon’s Ring. Einen Ring mit croatischer Inschrift, von dem es authentisch nachgewiesen ist, daß er Loudon’s Eigenthum gewesen, hat der Agramer k. k. Postverwalter Ritter von Seethal im Jahre 1861 dem mit der südslavischen Akademie vereinigten Nationalmuseum zum Geschenke gemacht. [Pesth-Ofner Zeitung 1861, Nr. 266.] – Loudon’s Uhr. Eine im Jahre 1586 verfertigte silberne Uhr, welche sich im Nachlasse des im März 1862 zu Uj-Fejértó im Szabolcser Comitate verstorbenen Advocaten Anton Papp befand, war einmal Eigenthum des Generals Loudon. Es ist eine ungefähr 6 Zoll im Durchmesser haltende Sackuhr, die etwa zwei Pfund wiegt, ganz gut geht und Viertel- und ganze Stunden schlägt. Sie befindet sich jetzt im Pesther National-Museum. – Loudon’s Großkreuz des Maria Theresien-Ordens. Das in Diamanten gefaßte Großkreuz des Maria Theresien-Ordens, das Loudon trug, wurde nach des Feldmarschalls Tode vom Hofe um 50.000 fl. zurückgekauft. Später trug denselben Loudon’s Neffe Alexius, nach ihm Prinz Coburg. – Loudon’s Kirche zu Bunić. Militär-Zeitung, herausg von J. Hirtenfeld (Wien, gr. 8°.) Jahrg. 1857, Nr. 10, S. 77; „Schreiben aus Lika in der Militärgrenze“. [Wir erfahren aus diesem interessanten Briefe Näheres über Loudon’s segensvolles Wirken in der Militärgrenze während seines Aufenthaltes im Capitanat von Licca und Korbanien, wo er Major in dem 1746 errichteten Liccaner Regimente war. Im Jahre 1753 erbaute L. in der Station Bunić (Ottočaner Regiments) aus eigenen Mitteln eine kleine Kirche. Rechts vom Eingange ist ein Votivstein mit folgender Inschrift eingemauert: Gedeon Ernestus Loudon Qui Procolonellus – Nunc Tibi Virgo Auget Sicupis Accipe Opus Anno 1753. In einer Ecke der den Kirchenraum umschließenden Mauer deckt ein einfacher großer Grabstein eine Stelle und zeigt folgende Inschrift: „Anno 1752 den 28. October ist Anton Petrus, Sohn des Majoren Gedeon von Loudon, gestorben. Anno 1753 den 9. September ist Leopoldus Filipus, [91] zweiter Sohn des Oberstlieutenants Gedeon von Loudon, im Alter von 4 Jahr 1 Monat gestorben. Ruhe ihrer Asche, Heil ihrer Seele“. Beide Kinder stammten aus Loudon’s Ehe mit einer Officierstochter Clara gebornen von Hagen. Da die Kirche im Jahre 1857 niedergerissen wurde, so wurden obige Inschriften hiemit der Vergessenheit entzogen. Uebrigens wurde im neuerbauten Gotteshause auf Allerh. Befehl eine Denktafel angebracht. Die Inschrift dieser Tafel lautet: „Zur Erinnerung an Gid. Ern. Freiherr von Loudon, kais. FM., dem Sieger von Dubica, Novi, Berbir und Belgrad. Auch sind diese gottgeweihten Räume für zwei seiner geliebten Kinder, Anton und Leopold, als Ruhestätte“. Herausgeber theilt diese Inschrift wörtlich mit, wie sie die Zeitschrift „Der Kamerad“ 1864, Nr. 79, brachte, und wiederholt aus diesem Anlasse, wie dringend nothwendig es sei, daß öffentliche Inschriften, bevor sie bleibend in Stein gemeißelt werden, einer entsprechenden Revision zu unterziehen sind. Sprachunrichtigkeiten zu verewigen, kann nicht auch ein Nebenzweck der Denkmäler sein. Die Einweihung des Gotteshauses fand im September 1864 Statt. – Loudon’s Wald. In der Gegend von Bunić in der Militärgrenze (Ottočaner Bezirks) befindet sich ein nach dem Feldherrn benannter Eichenwald „Laudonski gaj“, den Loudon selbst angelegt und gepflegt. Die Ueberlieferung erzählt, daß Loudon diesen Wald mit Avantgarden, Seitentrupps und Arrièregarden von Eichenpflanzungen umgab und wohlgefällig seine Armee von Jahr zu Jahr sich entwickeln sah. Loudon war damals (1747–1752) Major. Gegenwärtig sieht man noch dichte Eichenparzellen in der Nähe des Hauptwaldes, wahrscheinlich die Reserven der detachirten Trupps, allein die kleineren Detachements und die exponirten Posten sind schon lange unter der Axt gefallen. – Die Loudon-Stiftung. Diese besteht aus einer fünfpercentigen Staats-Schuldverschreibung per 732 fl. C. M., deren Interessen für arme Soldatenkinder des vom Stifter innegehabten Infanterie-Regiments Nr. 29 bestimmt sind. Die Vertheilung der Stiftungs-Interessen steht dem jeweiligen Regimentscommandanten zu [Militär-Schematismus des österreichischen Kaiserthums (Wien, 8°.) Jahrg. 1863, S. 812.] – Loudon’s Gebetbuch. Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren: Historische Novellen, Genrescenen, Fresken, Skizzen u. s. w. Zur Geschichte und Charakteristik Wiens und der Wiener in älterer und neuerer Zeit (Wien 1845, Fr. Beck, 8°.) S. 200: „Curioses Gebetbuch“ [Nachricht über das Gebetbuch, welches Loudon im Jahre 1789 in vielen vielen Tausend Exemplaren drucken und an die Mannschaft der ganzen Armee vertheilen ließ. Ungeachtet seiner einstigen großen Verbreitung ist es jetzt schon so selten, daß ein Exemplar mit großen Summen bezahlt würde.]

  1. Hier ist eine leere Stelle in Gellert’s Brief.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Maria Thersia’s.