BLKÖ:Siskovich, Joseph Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Sitarski, Franz von
Band: 35 (1877), ab Seite: 32. (Quelle)
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Siskovich, Joseph Freiherr (k. k. Feldzeugmeister und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Szegedin 1719, gest. zu Prag 4. Februar 1783). Trat, 19 Jahre alt, in die kaiserliche Armee. In der Infanterie, bei welcher er eingetreten war, machte er den Erbfolgekrieg mit Auszeichnung mit, und war bei Beginn des siebenjährigen Krieges (1756–1763) bereits Oberst im 2. Infanterie-Regimente Erzherzog Karl. In der Schlacht bei Collin, 18. Juni 1757, erkämpfte er sich den Generalsrang, war im Feldzuge des Jahres 1760 Chef des Generalstabes bei Feldmarschall Daun, wurde nach dem Friedensschlusse Hofkriegsrath und im Jahre 1767 commandirender General in Galizien und Feldzeugmeister, in welcher Eigenschaft er nach Böhmen kam, wo er im Alter von 64 Jahren starb. In seine 45jährige Dienstzeit fallen mehrere Waffenthaten, die ihm das höchste militärische Ehrenzeichen, das sein Kaiser zu vergeben hat, in zwei Graden eintrugen. Schon n der Schlacht bei Kollin, 18. Juni 1757, rückte er mit dem Vorhaben in den Kampf, sich das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zu verdienen. Zu seinem Oberstlieutenant de Vettes – S. selbst war Oberst des 2. Infanterie-Regiments – sprach er: „Mein Freund, heut wollen wir uns das Ordensband verdienen“. Eine preußische Colonne drang eben aus dem Dorfe Chotenitz hervor und stürzte sich auf das ihm gegenüber [33] stehende Regiment Siskovich’s. Dieses empfing die Preußen mit einem wirksamen Musketenfeuer, brachte sie zum Wanken, warf sich dann ihnen entgegen und trieb sie wieder in das Dorf zurück. Der Preußenkönig, der den ganzen Vorgang mit eigenen Augen mit angesehen, sammelte sofort die in Unordnung gerathenen Truppen und führte sie noch einmal aus dem Dorfe gegen die Oesterreicher. Aber das Regiment, S. an der Spitze, warf die Preußen zum zweiten Male und noch drei folgende Male entschieden zurück, was in den feindlichen Reihen einen solchen Schreck verbreitete, daß selbst der König seine Soldaten zu einem sechsten Angriff zu bringen nicht im Stande war. Beim letzten Angriff der Preußen war S. schwer verwundet worden, verließ aber nicht eher den Kampfplatz, bis der siegreiche Ausgang der Schlacht entschieden war. Neben der bereits erwähnten Beförderung zum General-Major, erhielt er noch in der 2. Promotion vom 1. August 1758, der einzige, das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens, für das, während er noch an seinen Wunden darniederlag, das ganze Officierscorps beim Kaiser bittlich eingeschritten war. Im folgenden Jahre wirkte S. beim Ueberfall des preußischen Convoi bei Domstadtl mit. In der Schlacht bei Hochkirch 13./14. October 1758, erstürmte er mit seiner Grenadier-Brigade und dem Regimente Erzherzog Karl vor Tagesanbruch die mit zwei Redouten vertheidigte Anhöhe, deren Besatzung aus sieben Bataillons bestand, trieb die Besatzung in die Flucht, nahm alle Kanonen und Zelte und behauptete seine Stellung. Im Winter desselben Jahres befehligte er sämmtliche Aufstellungen von Arnau bis an die mährische Grenze, übernahm 1759 das Commando seiner Grenadier-Brigade und zeichnete sich bei Mären am 20. und 21. November aus, wo seine Grenadiere, über Gräben und Schluchten hinweg, die Anhöhe erstürmten und den Feind zur Flucht zwangen. Im wenig bedeutenden Feldzuge des Jahres 1760 hatte er außerdem, daß er als Generalstabschef des Feldmarschalls Daun thätig war, vor Ausbruch desselben in Siebenbürgen vier Infanterie- und zwei Reiter-Regimenter errichtet. Nach Abschluß des Hubertsburger Friedens (15. Februar 1763) war S. als Hofkriegsrath thätig. Als dann nach dem Ableben des Gemals der Kaiserin Maria Theresia, Kaiser Joseph II., welcher das Großmeisterthum des Maria Theresien-Ordens übernahm, die bisherige Verfassung des Ordens durch Hinzufügung einer Commandeurs-Classe – bisher besaß der Orden nur Klein- und Großkreuze – geändert worden, erhielt in der ersten darauffolgenden Promotion, der zehnten der Reihe nach (vom 15. October 1765), Siskovich das Commandeurkreuz. Der General war ein Soldat, wie sie die vergangene Zeit brauchte, in welcher die strammste Manneszucht die Intelligenz;: blinder Gehorsam den freien, aus Eigenem thätigen Willen ersetzten. Als zu seiner Zeit die Reformen im Militärwesen Statt fanden, ließ er sich deren Einführung und die Abrichtung der Truppen auf das ernsteste angelegen sein. Ein Exercirmeister aus ganzer Seele, sah er darauf, daß der Mann Herr seiner Waffe wurde und sie mit Sicherheit handhabte, daher er auch auf das Scheibenschießen der Mannschaft seine volle Aufmerksamkeit richtete.

Neue militärische Zeitschrift (Wien, 8°.) Jahrgang 1811, 12. Heft, S. 99. – Reilly (F J. J. v.), Skizzirte Biographien der berühmtesten Feldherren Oesterreichs von Maximilian I. bis auf Franz II. (Wien 1813, [34] Kunst, u. Industrie-Comptoir, kl. 4°.) S. 400. – Hirtenfeld (J.), Der Militär Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 47, 206, 1727 und 1731. – Thürheim (A. Graf), Feldmarschall Karl Joseph Fürst de Ligne, die „letzte Blume der Wallonen“ (Wien 1877, 8°.) S. 45. – Mailath (Joh. P. v.), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg 1850, Fr. Perthes, 8°.) Bd. V, S. 58 u. 66.