BLKÖ:De Ligne, Karl Franz Joseph Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Deleidi, Luigi
Band: 3 (1858), ab Seite: 213. (Quelle)
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De Ligne, Karl Franz Joseph Fürst (k. k. Feldmarschall, Ritter des goldenen Vließes, Commandeur des Mar. Theresien-Ordens und Inhaber des Inf.-Reg. Nr. 30 [gegenwärtig Graf Nugent], geb. zu Brüssel 23. Mai 1735, gest. zu Wien 13. Dec. 1814). Er gehört einem der angesehensten und edelsten Geschlechter Belgiens an. Sein Vater und sein Großvater standen als Feldmarschälle in österr. Diensten. Der Fürst erhielt eine sorgfältige Erziehung und trieb mit Eifer classische Studien, und in seiner Vorliebe für den Stand, worin seine Ahnen Ruhm erworben hatten, Kriegsgeschichte und Militärwissenschaft. Im J. 1755 wurde der Fürst Hauptmann im Inf.-Reg. seines Vaters Nr. 38. An der Schlacht von Kollin (18. Juni 1757), an der Belagerung von Schweidnitz (im Nov. dess. J.), an den Schlachten von Breslau (22. Nov. dess. J.) und Leuthen (5. Dec. dess. Jahres) nahm er thätigen Antheil, bewies eine Unerschrockenheit und Tapferkeit, welche seine Truppe zum Muthe entflammte und stellte als Schriftsteller diese Schlachten mit treffenden Bemerkungen und höchst originellen Ansichten historisch dar. D. wurde nun Stabsofficier. Im darauf folgenden Feldzuge wohnte er dem Entsatze von Olmütz bei. In der Schlacht bei Hochkirch (14. Oct.) und bei der Unternehmung auf Dresden im November, zeichnete sich der Prinz wieder aus. Bei Hochkirch fehlte es nur wenig, daß nicht eine und dieselbe Kanonenkugel den Prinzen und Loudon zugleich tödtete. Mittlerweile ward er zum Obersten des Regiments befördert; seine spätere Ernennung zum Generalmajor wurde verschoben, da der Prinz in Kriegsgefangenschaft gerathen war. Als Oberst focht er bei Kunersdorf, that sich beim Dorfe Zehren und später bei Maxen hervor, überall eine seltene Kaltblütigkeit und Sicherheit in Ausführung der schwierigsten Aufträge beurkundend. Nach dem Siege bei Maxen wurde der Prinz an Ludwig XV. nach Paris gesandt, die Nachricht von dem Siege zu überbringen. Im Feldzuge 1760 bei der Armee unter General Lacy, zeichnete sich der Prinz bei Radeburg (Juni), bei Dresden (7. Juli) aus und wohnte mit seinem Regimente der Einnahme von Berlin bei. Zum Andenken an diesen Tag bewahrte der Prinz die Feder aus dem Schreibzeuge des großen Königs, welche General Emmerich Esterhazy von Sans-Souci mitgebracht hatte. (De Ligne berichtet in seinem Tagebuche [214] darüber: „Il [d. i. Esterhazy] ne prit qu’un tableau pour lui, une écritoire pour le Feldzeugmeister, un flûte pour Odonell et une plume pour moi.“) in der darauf folgenden Schlacht von Torgau (3. Nov.) nahm er die Höhen von Siptitz, hielt sie im heftigsten Kugelregen bis zur Entscheidung des Tages, und als sich wider Vermuthen die Lage der Dinge änderte (s. d. Lex. Artikel Daun, Quellen Nr. V.), unterstützte er auf das Trefflichste den Rückzug. Im letzten Feldzuge des 7jährigen Krieges (1761) beschränken sich die Waffenthaten des Prinzen auf die Vertheidigung der Dörfer Reussendorf und Dittmansdorf (8. Juli) und die Gefechte bei Goldenwald und zuletzt bei Schweidnitz (21. Juli), an welch letzterem Orte sein Versuch, ihn zu entsetzen, durch die mittlerweile eingetretene Beendigung des Krieges, erfolglos blieb. Im J. 1764 – als Joseph II. zum Kaiser gekrönt wurde – ward D. GM.; 1770 begleitete er den Monarchen nach Neustadt zu der denkwürdigen Zusammenkunft mit dem Könige; 1771 erhielt er die Inhaberstelle des Inf.-Reg. Nr. 30, die Feldmarschall-Lieutenants-Charge und das goldene Vließ. In die 17jährige Friedensperiode zwischen dem 7jährigen und dem bairischen Erbfolgekriege fallen des Fürsten Reisen nach England, Italien und der Schweiz, nach Frankreich, Deutschland und Polen, sein literarisches Leben und Wirken auf seinem Landsitze zu Bel-Oeil in Belgien, seine Bekanntschaft mit Montesquieu, d’Alembert, Voltaire und der ehrenvolle Antheil an Friedrichs II. Vertraulichkeit. Im bairischen Erbfolgekriege 1778 war D. Commandant des Grenadiercorps und focht gegen den Prinzen Heinrich bei Hühnerwasser, Niemes, Doxan, Budin. Der Teschner Friede (13. Mai 1779) endigte diesen kurzen Feldzug. Sein ritterliches Verhalten in den Niederlanden, als die Streitigkeiten wegen der Scheldeschifffahrt anhuben (Oct. 1784), erwarb ihm die Liebe und Achtungen selbst seiner Gegner und setzte ihn in die Lage, der Sache einen ehrenvollen Ausgang zu geben. Glänzend war seine Aufnahme am Petersburger Hofe, wo sein ältester Sohn, der mit einer Prinzessin Massalski vermält war, 400,000 Rubel zu fordern hatte. Ohne den Zweck seiner Reise erreicht zu haben, kehrte er mit Auszeichnungen überhäuft zurück. Bei der Zusammenkunft Josephs mit Katharina (1787), wurde D. mit wichtigen Aufträgen an jenen Hof geschickt, dann begleitete er die Kaiserin auf ihrer Reise nach Cherson. Im J. 1788 begab er sich, bereits zum Feldzeugmeister ernannt, mit diplomatischen Aufträgen zu dem Fürsten Potemkin und folgte der russischen Armee bis nach der Eroberung von Oczakov. Im Türkenkriege (1789) befehligte der Prinz ein Armeecorps unter Hadik und Loudon, theilte mit Loudon bei der Einnahme von Belgrad den Ruhm, und wurde wegen seines vorsichtigen Benehmens und geschickten Manövers bei der Belagerung dieser Festung, am 12. Oct. 1789 Commandeur des Maria Theresien-Ordens, welche Auszeichnung nach der Versicherung des Fürsten in seinen Memoiren ihm die schönste Freude seines Lebens bereitet hatte. Der Fürst selbst wurde von dem damals herrschenden Lagerfieber heftig befallen. Sein Zustand verschlimmerte sich so, daß er das Heer verlassen und sich in’s griechische Kloster Kergedek begeben mußte. Doch schon nach acht Tagen verließ er es noch sehr leidend und eilte nach Belgrad, wo er mit regem Geist in die Leitung der Belagerungswerke auf der Semliner Seite gegen die untere Festung eingriff. Er ließ eine bedeutende [215] Zahl von Geschützen zur Unterstützung der Batterien an der Savespitze in Wirksamkeit bringen, und am 6. Oct. war eine Batterie auf der unteren Spitze der Kriegsinsel für 15 schwere Geschütze vollendet und diese selbst eingeführt. Das Feuer dieser Batterien wirkte verheerend in der Festung und beugte den Starrsinn des Commandanten derselben, Osmann Bassa, mit dem der Prinz während dieser Zeit einen humoristischen Briefwechsel führte, in welchem er sich stets mit „Ihr guter Nachbar und Ihr Freund“ unterschrieb. Mit diesem Feldzuge endete D. seine militärische Laufbahn und Thätigkeit. In seiner Anhänglichkeit für das Kaiserhaus verschmerzte er hochsinnig den Verlust seiner schönen Güter in Brabant und noch am Sterbebette überhäufte ihn der große Kaiser Joseph mit Zeichen seines Wohlwollens. Während der unheilvollen Wirren in den Niederlanden gelang es, auch die Ergebenheit des Prinzen für einen Augenblick in Zweifel zu ziehen, aber nur für einen Augenblick, denn die Worte, welche der Monarch auf dem Sterbebette an den Fürsten richtete: „ich habe mich von Ihrer Ergebenheit vollkommen überzeugt, gehen Sie nach Brabant, um Ihre eigenen Geschäfte zu besorgen“, sind des Prinzen glänzendste Rechtfertigung. Bis 1807 lebte D. in ruhiger Muße und Zurückgezogenheit in Nußdorf bei Wien der Wissenschaft und Kunst. An öffentlichen Geschäften nahm er keinen Antheil. In diesem Jahre ernannte ihn Kaiser Franz I. in Anerkennung seiner Verdienste zum Kapitän der Trabanten-Leibgarde und Hofburgwache und 1808 zum Feldmarschall, ohne ihm jedoch ein Commando zu übertragen. Seit dieser Zeit nahm er sehr oft Antheil an militärischen Berathungen und präsidirte im Capitel des Mar. Theresienordens. Die Zeit seiner Zurückgezogenheit von öffentlichen Geschäften verwendete er auf literarische Ausarbeitungen. Seine Memoiren sind eine Frucht vieljähriger militärischer Erfahrungen und gründlicher Kriegskenntnisse, und wiewohl man in ihnen Ordnung und Zusammenhang vermißt, indem D. nach seiner eigenen Aeußerung seine Gedanken immer so niederschrieb, wie sie ihm kamen, so bleiben doch diese Memoiren durch die große Zahl von Begebenheiten, die sie umständlich schildern, für die Geschichte jener Periode von besonderer Wichtigkeit. Die Sammlung seiner übrigen Werke bildet ebenfalls eine sehr interessante Lectüre. [Ueber des Prinzen Werke, sowohl die von ihm selbst herausgegebenen, als nach seinem Tode erschienenen, vergleiche die Quellen: I. Werke des Prinzen De Ligne.] Als im Jahre 1803 Napoleon die Sequestration der Güter des Hauses De Ligne aufhob, übertrug der Prinz seine Rechte an seinen Sohn Ludwig Lamoral (gest. 10. Mai 1813). Von Seite des deutschen Reiches erhielt er als Entschädigung die Abtei Edelstetten, welche er 1804 an den Fürsten Esterhazy verkaufte. Sein Haus war der Vereinigungspunct der ausgezeichnetsten Personen. Als die Souveräne im J. 1814 zu Wien bei dem Congresse versammelt waren, wurde er mit besonderer Auszeichnung behandelt, und sein nie alternder Witz, seine Heiterkeit und Lebhaftigkeit wurden allgemein bewundert. Aus seinem Munde kam die geistreiche Bemerkung über den Congreß, der mehr eine Vereinigung von Festen als von Berathungen zu sein schien: „Le Congrès danse, il ne marche pas.“ Auch fügte er noch hinzu: Wenn alle Vergnügungen erschöpft sein werden, so werde ich das Leichenbegängniß eines Feldmarschalls zum Besten geben. Er hat leider Wort gehalten, denn er starb am 13. December 1814, bald 80 Jahre [216] alt. Seiner eigenen Bestimmung zu Folge, wurde er auf dem Kahlenberge bei Wien bestattet. Sein Charakter spricht sich in seinen Schriften aus, die durch Reichthum an Kenntnissen und originellen Ansichten, durch unerschöpflichen Witz, durch geistvolle Darstellung und durch einen vollendeten Styl den Leser sehr anziehen. In seinem Regimente, dem Schreiber dieses mehrere Jahre anzugehören das Glück hatte, lebte und lebt noch sein Andenken fort; in den Jahren 1836–1844 befanden sich noch Leute aus der Truppe und Officiere im Regimente, welche die letzte „Blume der Wallonen“, wie sie den Prinzen nannten, persönlich gekannt und mit Bewunderung von ihm sprachen.

I. Werke des Prinzen De Ligne. 1) „Mélanges militaires, littéraires et sentimentaires“ (Dresden 1795–1811, chez Geo. Fréd. Walther, 12°.) XXXIV Bde. Diese einzig richtige Ausgabe der Schriften des Prinzen De Ligne erscheint öfter unter dem Titel: „Oeuvres“ und wird mit der weiter unten angegebenen verwechselt. Diese Ausgabe bewerkstelligte der Prinz selbst, und die unter dem Titel: „Oeuvres mêles en prose et en vers“ enthaltenen 20 Bände sind aus dem VIII., XIII., XVIII., XX.–XXIII., XXV.–XXVII., XXIX., XXXIV. Bande der „Mélanges militaires etc.“ gebildet; während die „Oeuvres militaires“ (auch separirt Dresden 1806, Walther, 12°.) aus dem I.–VII., XIV.–XVII., XIX., XXIV. und XXVIII. Bande der „Mélanges militaires“ bestehen. Der Inhalt der XXXIV Bde. ist folgender: I. Préjugés militaires; – II. Fantaisies militaires; – III. u. IV. Mémoires sur les campagnes du prince Louis de Bade en Hongrie et sur le Rhin avec des notes (1795). [Davon erschien eine deutsche Uebersetzung: „Feldzüge des Prinzen Ludwig von Baden in Ungarn und am Rhein.“ Aus dem Französischen (von A. A. Königsdörfer) 2 Thle. (Wien 1799, 8°.)]; – V. Mémoires sur les campagnes faites en Hongrie par le comte Bussy-Rabutin avec des notes (1796); – VI. Mémoires sur la guerre des Turcs depuis 1736 jusqu’en 1739 et sur le deux maréchaux de Lacy et mémoire sur le roi de Prusse Fréderic II. (1796); – VII. Instruction (de 1778) et S. M. le roi de Prusse, trad. de l’allemand et lettres sur la dernière guerre des Turcs (1796) [übersetzt: Briefe während der türkischen Feldzüge von 1787–1789 (Dresden 1799, 8°.)]; – VIII. u. IX. Coup d’oeil sur Bel-Oeil et une grande partie des jardins de l’Europe (1795) [deutsch: Beschreibung des Gartens zu Bel-Oeil nebst einer kritischen Uebersicht der vornehmsten Gärten in Europa. 2 Thle. (Dresden 1799, 8°.)]; – X. Mélanges littéraires et militaires (1796); – XI. Lettres à Eulalie sur le théâtre (1796); – XII. u. XIII. Mes Écarts ou Ma Tête en liberté et Mélanges ou Essai très negligé de plusieurs genres de poésies (1796); – XIV–XVI. Journal de la guerre de sept ans [campagnes de 1757 et 1762] (1796) [deutsch: Tagebuch während der Feldzüge 1757 u. d. f. Aus dem Französischen (von A. A. Königsdörfer. Dresden 1797, 8°.)]; – XVII. Mon journal de la guerre de sept mois en Bavière, en 1778 et celle de sept jours aux Pays-Bas en 1784 (1796); – XVIII. Théâtre (1796); – XIX. Mémoires sur les grands généraux (1796); – XX. Supplément à Mes Écarts et Portraits (1797); – XXI–XXIII. Lettres et Mélanges (1801); – XXIV. Relation de ma campagne de 1788 contre les Turcs (1801); – XXV. u. XXVI. Mélanges (1802 u. 1803); – XXVII. Sur la Correspondance littéraire etc. de la Harpe (1804); – XXVIII. Catalogue raisonné des livres militiares de ma bibliothèque (1805); – XXIX. Encore du Lycée de la Harpe; Fragment sur Casanova; Écarts; Les enlèvements, pièce en 3 actes et en prose; Poésies; Suite du Roman: Valérie ou Lettres de Gustave de Linar à Ernest de G*** (de Madame Krudner); sur les mémoires du baron de Besenval, écrits par lui-meme; – XXX. Mémoirs sur l’ordre de la Toison d’or et sur l’ordre militaire de Marie Thérèse (1808) [das Mémoire über den Marien Theresien-Orden fehlt zuweilen]; – XXXI. L’art de voyager, poëme. Réflexions sur les deux Condés; Écarts; Poésies; – XXXII. Don Carlos, tragédie en 5 actes (et en vers); Saül, tragédie en 5 actes (et en vers); l’heureux mauvais conseil, comédie en 2 act. (et en vers) Poëmes; – XXXIII. u. XXXIV. Petit Plutarque de toutes les nations. Zu dieser Sammlung gehören noch zur Vervollständigung die von Frau von Staël nach seinem Tode herausgegebenen „Lettres et pensées du maréchal Prince de Ligne publiées par madam la baronne de Staël-Holstein (Genève et [217] Paris 1809, neue Aufl. 1817, 8°.) [deutsch: Briefe, Charaktere und Gedanken ... deutsch von J. K. W. Spazier geb. Mayer (Amsterdam 1812 [Brockhaus in Leipzig], 8°.). Diese Schrift hatte vier Auflagen in Einem Jahre, die letzte ist hin und wieder vermehrt; eine fünfte erschien zu London (Colburn, 12°., 2 Bde.); – die „Oeuvres posthumes“ 6 Bde. (Wien u. Dresden 1817, kl. 8°.); ferner die unter Nr. 9, 13, 14, 15 und 16 angeführten Werke. – Die Auswahl der Werke des Prinzen, welche unter dem Titel: „Oeuvres choisies littéraires, historiques et militaires ... Précédées de quelques détails biographiques sur le Prince de Ligne et publiées par un de ses amis“ [Malte-Brun et Propiac] 2 Bde. (Paris 1809, F. Buisson et Genf, Paschoud, 8°.) erschien, geschah ohne des Prinzen Einwilligung; er war auch mit der Auswahl unzufrieden und wollte eine neue veranstalten, doch der Tod vereitelte die Ausführung seines Vorhabens. Von den in der vorbeschriebenen Gesammtausgabe der Werke des Prinzen genannten Schriften erschienen mehrere einzeln; auch wurden außer der bereits angeführten Auswahl seiner Schriften, dem veröffentlichten Briefwechsel u. dergl. m. nach seinem Tode noch andere Werke herausgegeben. In chronologischer Ordnung mit Angabe der Uebersetzungen sind einzeln noch die folgenden erschienen: 2) „Coup d’OEil sur Bel-OEil. A Bel-OEil, de l’impr. du P. Charles de ...“ (8°.); – 3) „Lettres à Eugenie (d’Hannetaire Mme. La Rive) sur les spectacles“ (Bruxelles et Paris 1774, Vallade, 8°.); – 4) „Instruction secrète (de 1778) dérobée à Frédéric II. roi de Prusse contenant les ordres secrèts expédiés aux officiers de son armée pariculièrement à ceux de la cavalerie pour se conduire dans la guerre. Trad. de l’allemand“ (1779) [deutsch: „Unterricht für die Generale der Armee ... mit Anmerkungen vom Prinzen De Ligne“ (Dresden 1799, 8°.); – 5) „Mémoires sur le roi de Prusse Frédéric le Grand“ (Berlin 1780 [Sommerbrodt], 8°.) nach Quérard; (Berlin 1789, Unger, 8°.) nach Kayser; – 6) „Fantaisies militaires par un officier autrichien“ (1780, 8°.) [wiedergedruckt im folgenden]; – 7) „Préjugés militaires et Fantaisies militaires par un officier autrichien“ 2 Bde. (Kralovehota 1780, 1783, neue Aufl. Dresden 1795, 8°., mit Vign.) [deutsch: „Militärische Vorurtheile und Phantasien von L. v. Brenkenhoff“ (Dresden 1797, 8°., mit K. K.)]; – 8) „Mélanges de littérature“ 2 Bde. (Philosopolis 1783, 18°.); – 9) „Portrait de S. M. Catharine II, Impératrice de toutes les Russies“ (Dresden 1797, 8°.); – 10) „Mon refuge ou Satire sur les abus des jardins modernes. Par le P... de L...“ (Londres 1801, Deboffe, 12°.) – 11) „Valérie, ou Lettres de Gustave de Linar à Ernest de G*** (de Mme. de Krudner) continuées par S. A. le prince de L...“ (Dresden 1807, Walter, 8°.); – 12) „Fragmens militiares, extraits des campagnes du Maréchal Prince C. de Ligne“ (Weimar 1810, Industr. C., 8°.); – 13) „Vie du prince Eugène de Savoie, généralissime des armées autrichiennes, écrite par lui même et publiée pour la première fois en 1809. III. édition rev. corr. et augm. de notes et de la dernière partie de la Vie de l’auteur jusqu’à sa mort“ (Paris 1810, Michaud frères, mit Portr., 8°.) [der Prinz schöpfte einen großen Theil seiner Materialien aus dem Werke von Mauvillon und erlaubte sich mit dem Beisatze: „écrite par lui même“ nur einen Scherz. Die erste Ausgabe dieses Werkes erschien unter dem Titel: „Vie du prince Eugène de Savoie écrite par lui même“ (Weimar 1809, 8°.); die zweite unter dem Titel: „Mémoires“ (Paris 1810, Duprat Duverger, mit Portr., 8°.); – 14) „Nouveau Recueil de lettres en réponse à celles qu’on lui a écrites“ 2 Bde. (Weimar 1812, 8°.); – 15) „Philosophie du catholicisme par le prince de L... avec la réponse par Mme. la comtesse M... de B***, et une préface par Ph. Marheinecke“ (Berlin 1816, Reimer, 8°.) [deutsch: „Philosophie des Katholicismus von dem Fürsten von L(igne); nebst der Antwort der Gräfin Margy B(rühl). Aus dem Franz. (von Ch. L. Couard). Mit einer Vorrede von Ph. Marheinecke“ (Berlin 1816, Reimer, 8°.); – 16) „Mémoire sur le comte de Bonneval, suivi des Lettres de la comtesse de Bonneval à son mari ec. Nouv. édition rev. corr. et augm. du Procés du comte de Bonneval fait et instruit par lui même et de deux Mémoires de ce comte sur la tactique. Par. A. A. Barbier“ (Paris 1817, Mme. Hérissant-Ledoux, 8°.); – 17) „Mémoires et Mélanges historiques et littéraires“ 5 Bde. (Paris 1827–29, A. Dupont, 8°.) [bestehen aus Auszügen der Werke des Prinzen; die einzelnen Bände dieser Ausgabe kommen auch mit Separattiteln je nach dem Inhalte der einzelnen Bände vor].
II. Biographien und Biographisches über den Prinzen Karl Joseph De Ligne. [Soubiran (Jean François)] Biographie du prince C. [218] de Ligne (Dresden 1807, 8°., mit Portr.). – Reiffenberg (Frédéric Auguste Ferdinand Thomas de), Le Feldmaréchal prince de Ligne (Brüssel 1846, 4°., ebenda 1850, 8°., mit Portr.) [ein Auszug aus den Nouveaux mémoires de l’académie royale de Belgique]. – Le Voleur (ein Pariser Unterhaltungsblatt, seinem Titel entsprechend aus Nachdruck bestehend) 1852, I. Bd. S. 1117, 1131, 1155, 1171, und II. Bd. S. 3, 21, 39, 69, 101: „Fragments inédits des mémoires du maréchal Prince de Ligne“ [daselbst heißt es S. 106: „le 13 Décembre 1814 il rendait le dernier soupir“]. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder. Nach authentischen Quellen bearbeitet (Wien 1857, Staatsdruckerei, Lex. 8°.) S. 253 [daselbst heißt es S. 254: „In der Schlacht von Hochkirch eroberte er mit stürmender Hand den „sogenannten großen Garten von Dresden“. Bei Hochkirch besteht keine derartige Localität. Hier werden zwei Affairen, zwischen denen mehrere Wochen liegen, zusammengeworfen; denn im October fand die Schlacht bei Hochkirch Statt und im November stand der Prinz bei Dresden und ward dahier angewiesen, den großen Garten, welcher höchstens 100 Klafter von den Vorstädten entfernt und mit einer festen Mauer umgeben war, zu nehmen]. – De La Garde (Comte A.) , Fêtes et Souvenirs du congrès de Vienne, tableaux des Salons, scènes anecdotiques et Portraits 1814–1815, 2 Bde. (Paris und Leipzig 1843, Brockhaus u. Avenarius, 8°.) [enthält interessante und reiche Mittheilungen über den Prinzen, ist eigentlich eine Apotheose desselben, motivirt durch die Liebenswürdigkeit und den reichen Geist desselben]. – Rittersberg (Johann Ritter von), Biographien der ausgezeichnetsten verstorbenen und lebenden Feldherrn der k. k. österr. Armee aus der Epoche der Feldzüge 1788–1821 (Prag 1829, Enders, 8°.) S. 587–628: „Carl Fürst von Ligne, k. k. östr. Feldmarschall.“ – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1830 u. f., Adolph, 8°.) II. Bd. S. 137 [nach diesem geb. zu Brüssel 23. Mai 1735, gest. zu Wien 13. Dec. 1813 (falsch)]. – Literarische Blätter der Börsenhalle (Hamburg 4°.) 1829, Nr. 431: „Erinnerungen vom Wiener Congreß vom Jahre 1814“ (aus dem London Weekley Review) [enthält interessante Details über den Prinzen, unter anderem den berühmten Brief an Rousseau, den De Ligne im Zimmer des Lord Glenbervie zu Paris an den berühmten Philosophen geschrieben hatte]. – Realis, Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien (Wien 1846, Lex. 8°.) I. Bd. S. 364: „De Ligne’sche (Prinz) Haus“ [nach diesem gest. 14. Dec. 1814]. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren (Wien 1845, Beck, 8°.) II. Bd. S. 65: „De Ligne“ [einige Bonmots des geistreichen Fürsten]. – S. 74: „De Ligne zuletzt.“ [Entwirft von dem Fürsten folgende Silhouette: „1814 eines Tages im Spätherbst sieht man den Prinzen De Ligne aus der Teinfaltstraße die Herrngasse entlang zu Fuße gehen. Er trug die Feldmarschall-Uniform ohne allen Ueberwurf, den Rock offen; kurzes Beinkleid; Schuhe, dünnseidene Strümpfe; den Hut unter dem Arm. In scharfer, bewegter Herbstluft flattert das bleiche Haupthaar. Das edle Haupt selbst, dieser Vulkan von Geist, wackelt. Der Gang unsicher, der Schritt tappend, die ganze hohe Greisengestalt, zwar in aufrechter Haltung, aber balancirend, knisternd, knackend. Das sah und hörte man mit Erstaunen, mit Bangen, mit Zittern ... Auf dem Wall der Melkerbastei ... ist ein kleines Haus mit zwei vorspringenden Säulen, dieses kleine Haus war das große Palais des Fürsten De Ligne. Es war wie das Stall- u. Domestikengebäude nebenan rosenroth getüncht. Rosenroth wie des Prinzen Haus waren seine Wangen, rosenroth wie seine Wangen war seine Laune, war seine Rede; rosenroth wie seine Rede sein Briefpapier; rosenroth wie dieses seine Liverey: Alles rosenroth. Nicht lange nach jenem Herbsttage waren alle Rosen weiße Rosen.“ – S. 271: „Bei De Ligne“ [betrifft das Buch liber passionis für welches Kaiser Rudolph II. der Familie De Ligne vergeblich die Summe von 11,000 Ducaten angeboten und welches Debure in seiner Bibliographie ausführlich beschreibt]. – Ebenda III. Bd. S. 73: „Seltsamer Grundbesitz“ [erzählt den picanten Vorfall aus des Prinzen Leben, wie er am Vorgebirge von Parthenizza von dem ihm von der Kaiserin Katharina von Rußland geschenkten Gebiet von Tauris Besitz nahm]. – Ebenda 140: „Ein Commando“ [eine Scene aus dem Leben des Prinzen, als er mit dem Herzog von Reichstadt, der damals 3 Jahre zählte, in Schönbrunn zufällig zusammenkam]. – Gräffer (Franz), Neue Wiener Tabletten ... (Wien 1848, Kuppitsch, 8°.) S. 43: „Prinz De Ligne’sche Anekdoten.“
III. De Ligne’s Haus auf dem Kahlen- oder Leopoldsberge bei Wien. Auf dem Kahlenberge befindet sich außer der Kirche und einem Stiftsgebäude noch das Haus, welches vordem der [219] Prinz De Ligne bewohnte und worauf die auf seinen Namen anspielende Devise stand: Quo res cumques cadant semper stat linea recta..
IV. De Ligne’s Charakteristik. Trefflich charakterisirt ihn folgende Skizze: „Jedem Unglücklichen verwandt, war sein Haus eine Freistätte der gebeugten Menschheit, wie es sich der geselligen Freude öffnete. In einer langen Reihe von Jahren hat er, ein Mann von angenehmer Persönlichkeit, ein Muster französischer Feinheit und Grazie, mit ausgezeichnetem Erfolge über das gesellschaftliche Leben geherrscht. Eine Existenz, wie die seine, war eine ganz eigene Erscheinung, die von dem nicht begriffen werden kann, der nicht Zeuge davon war. Durch seine vielen Verbindungen in allen Theilen des cultivirten Europa’s, noch mehr durch seine witzigen Worte, die oft mit unglaublicher Schnelligkeit in den entferntesten Ländern wiederholt wurden, war er nicht sowohl das Eigenthum einer Familie, eines Kreises von Freunden, einer Stadt, als er dem ganzen gebildeten Geschlechte seiner Zeit angehörte und dennoch – von der Familie, von den Freunden, von der Stadt, in der er lebte, wurde er geliebt, als wäre er einzig für sie Alle gewesen. Mit der unerschöpflichen Anmuth seines Umganges erfreute er, was in seiner Nähe lebte. Indem er die Gegenwart mit der Heiterkeit seines Humors, und mit der Fülle seines Herzens liebend umfaßte und erwärmte, fühlte man es mit Rührung – er war der Wiederhall einer schon verklungenen Zeit. Sein Charakter, wie er hier geschildert ist, spricht sich auch in seinen Schriften aus, die überdies noch unaussprechlich interessiren durch Reichthum an Kenntnissen und originellen Ansichten, durch unerschöpflichen Witz, durch geistvolle Darstellung und durch einen vollendeten Styl.“
V. Porträte. 1) Unterschrift: Carl Fürst v. Ligne, k. k. General-Feldmarschall (Prag), L. von Rittersberg lith. [stellt den Prinzen in vollem Mannesalter dar]; auch bei Rittersbergs „Biographien.“ – 2) In der Originalausgabe von des Grafen De la Garde: „Fêtes et Souvenirs du congrès de Vienne“ befindet sich als Titelbild des II. Bandes ein meisterhaft gestochenes und sehr ähnliches Porträt des Prinzen.