BLKÖ:O’Donnell, Karl Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 6. (Quelle)
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O’Donnell, Karl Graf (General der Cavallerie und Großkreuz des Maria Theresien-Ordens, geb, im Jahre 1715, gest. zu Wien 26. März 1771). Graf Karl trat in jungen Jahren als [7] Cornet bei Bernes-Kürassieren, heute Kürassier-Regiment Nr. 7, ein, rückte in kurzer Zeit vor, so daß er den Türkenkrieg schon als Rittmeister mitmachte; er wurde in demselben bei Kroczka verwundet. Im Jahre 1739 wurde er Major, bald darauf Oberstlieutenant bei D’Ollone-Dragoner Nr. 4, am 8. December 1742 Oberst im Dragoner-Regimente Balloyra Nr. 2. Bei mehreren Anlässen, insbesondere aber bei Piacenza, 16. Juni 1746, hatte sich O. so ausgezeichnet, daß ihm die Ehre ward, Namens des Fürsten Joseph Liechtenstein die eroberten Fahnen und Standarten nach Wien zu überbringen. Bei dem Einfalle in die Provence befehligte O. ein besonderes Corps und nahm bis zu dem im Jahre 1748 zu Aachen zwischen Frankreich und Spanien geschlossenen Frieden noch an mehreren entscheidenden größeren und kleineren Kämpfen Theil. Schon im ersten Feldzuge des siebenjährigen Krieges erkämpfte er sich bei Lobositz (1. October 1756) den Feldmarschall-Lieutenantsrang und wurde auch Inhaber des eben erledigten Kürassier-Regiments Cordova. Nicht unwesentlichen Antheil hatte er an dem Siege bei Kollin (18. Juni 1757), wurde bei Leuthen (5. December d. J.) verwundet und gerieth in Gefangenschaft. Nach seiner Ranzionirung kehrte er sofort zur Armee zurück und zeichnete sich wieder bei Hochkirch. 13./14. October 1758, aus, in welcher Schlacht er die ganze Reiterei des linken Flügels commandirte. Im Feldzuge des Jahres 1759 erkämpfte er bei Düben am 29. October, wo die Preußen nahe daran waren, über seine aus Reiterei bestehende Nachhut herzufallen, neue Lorbeern. Sobald er die Absicht des Feindes erkannte, traf O. so geschickte Dispositionen, daß die ganze Reiterei eben in dem Augenblicke, als der Feind sich zum Angriffe anschickte, der drohenden Gefahr entging und auch nicht ein Reiter verletzt wurde, der Feind aber das Nachsehen hatte. O’Donnell’s Ehrentag ist der übrigens zum Nachtheile unserer Waffen ausgefallene Schlachttag bei Torgau (3. November 1760). Mit fünf Cavallerie-Regimentern des linken Flügels sollte er zur Unterstützung des Generals Lacy zwischen Zinna und Torgau Stellung fassen, mußte aber sofort zwei Regimenter an General Buccow abgeben; indessen hatte der Feind mit seiner Hauptmacht die Truppen, welche der Feldmarschall Daun befehligte, angegriffen und zum Weichen gebracht, auch rückte feindliche Reiterei gegen Zinna vor und bedrohte so unseren rechten Flügel. O’Donnell griff nun mit den ihm gebliebenen drei Reiterregimentern den Feind, der doppelt so stark war, in der Flanke an, schlug ihn in die Flucht und machte sogar den feindlichen Commandanten General Finkenstein zum Gefangenen; eroberte mehrere Siegeszeichen, brachte einige verlorene Geschütze zurück und setzte unsere in Unordnung gerathene Infanterie in den Stand, sich wieder zu sammeln. Zugleich behauptete er seine Stellung bis in die Nacht. Aber die Verwundung Daun’s und Mißerfolge auf anderen Puncten brachte den Sieg auf die Seite Preußens. O’Donnell übernahm nun das Commando der Armee, trat den Rückzug an und führte ihn ohne Verlust bis Dresden aus. Er behielt nun in Abwesenheit Daun’s das Obercommando, blieb auch bis in den Herbst 1762 bei der Armee, wurde aber vorher noch, am 16. August, bei Reichenbach von dem Herzoge von Braunschweig-Bevern geschlagen. Am 8. December g. J. wurde er commandirender [8] General in den Niederlanden, im April 1764 geheimer Rath, im November 1765 General-Inspector der Cavallerie und im März 1768 Gouverneur von Siebenbürgen. Letztgenannte Stelle legte er gegen Ende 1770 nieder und und kam im Februar 1771 nach Wien zurück, wo er die Vorbereitungen zur Reise nach Ungarn machte, auf welcher er den Kaiser Joseph begleiten sollte. Aber während derselben befiel ihn seine Todeskrankheit und er starb zu Wien im Alter von 56 Jahren. O. hatte in 18 Schlachten gekämpft und hatte an dem Siege mehrerer derselben wesentlichen Antheil; für seine Waffenthat bei Torgau war er in der 6. Promotion (vom 22. December 1761) mit dem Großkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet worden.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1837, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 116 u. 1729. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Instit, gr. 8°.) Zweite Abtheilung, Bd. I, S. 177, Nr. 1 [nach diesem wäre Graf Karl schon im Jahre 1700 geboren, eine Angabe, die mit anderen durchaus nicht übereinstimmt, da der Graf im Jahre 1771 im Alter von 56 Jahren starb, und wenn Meyer’s Angabe richtig ist, im Alter von 71 Jahren gestorben wäre]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 78.- Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, Gleditsch, nachmals Brockhaus, 4°.) III. Sect. 1. Theil, S. 379 [in Stramberg’s – die österreichischen O’Donnell’s sehr flüchtig behandelnden – Artikel über die Familie O’Donnell].