BLKÖ:Ritter von Rittersberg, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 26 (1874), ab Seite: 182. (Quelle)
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Ritter von Rittersberg, Johann (k. k. Hauptmann und Schriftsteller, geb. zu Prag in Böhmen 9. October 1780, gest. ebenda 18. Juni 1841). Sein Vater Maximilian Ritter von Rittersberg war k. k. Artillerie-Hauptmann und die Mutter Anna aus dem alten Geschlechte der Geroniš von [183] Libussin. Der im Jahre 1800 von der Landesregierung an die studirende Jugend in Böhmen erlassene Aufruf, in die Schaaren der Vaterlandsvertheidiger zu treten, führte ihn aus den juridischen Hörsälen unter die Fahne der von Erzherzog Karl in jener Zeit errichteten böhmischen Legion, deren Concentrirungsplatz Budweis war. Hier diente R. im Bataillon der Akademiker und wurde in der Kanzlei des Landescommandirenden Generalen, Feldzeugmeister Grafen Sztaray, welcher in Budweis sein Hauptquartier hatte, verwendet. Nach Auflösung der böhmischen Legion folgte Rittersberg der Aufforderung Sztaray’s, als Cadet in das 33. Infanterie-Regiment zu treten, welches den Namen des Generals trug. In diesem Regimente wurde R. im Jahre 1804 zum Lieutenant befördert. Bei Ausbruch des Krieges im Jahre 1805, damals Adjutant des Grenadier-Bataillons seines Regiments, kam R. nach Italien. In diesem kurzen Kriege, in welchem er mehrere Male den Dienst eines Brigade- und Divisions-Adjutanten zu verrichten hatte, erwarb er sich die Gunst des damaligen Feldmarschall-Lieutenants Freiherrn von Vogelsang, welcher nach dem Friedensschlusse die Uebersetzung R.’s zu seinem Regimente bewirkte und ihn als Inhabers- und zugleich Divisions-Adjutanten zu sich nahm. Während des Waffenstillstandes wurde R. zum Hauptmann befördert. Als in den Jahren 1813 und 1814 Feldzeugmeister Marquis von Chasteler den Befehl des Graf Klenau’schen Armeecorps von Dresden übernommen hatte, kam R. zur Dienstleistung in dessen Hauptquartier nach Zehist bei Dresden, wurde später von dem commandirenden Generalen Fürsten Schwarzenberg mit der Einrichtung des Platzcommando’s in Montbelliard in Frankreich beauftragt und nach Vollzug dieses Geschäftes bis zum Abzuge der Truppen aus Frankreich in dem schreibenden Hauptquartier der Armee zu Vesoul bei Dijon verwendet. 1814 zog er mit dem dritten Bataillon seines Regiments abermals über den Rhein und wohnte mit demselben der Berennung der Feste Pfalzburg und später der Einschließung des in Straßburg befindlichen französischen Armeecorps des Generals Rapp bei. Als die Expedition gegen Neapel im Jahre 1821 stattfand, erbat sich Rittersberg, von dem dritten zu den beiden ausmarschirenden Feldbataillons übersetzt zu werden. Nach beendigter Expedition bat R., dessen Gesundheit durch die Strapazen der Feldzüge und insbesondere durch die ihm wenig günstige Einwirkung des südlichen Klima’s stark gelitten hatte, um Entlassung aus dem Armeedienste, und wählte, nachdem er sie erhalten, Prag zu seinem Aufenthalte. Da seine Versuche, eine Anstellung bei dem Kriegsarchive zu erhalten, ohne Erfolg geblieben waren, widmete sich R. literarischen, vorzüglich militärisch-historischen Arbeiten, und auch die damals neu erwachten Kunstbestrebungen nahmen seine Thätigkeit in Anspruch. Er war ein enthusiastischer Freund der Tonkunst und der bildenden Künste und ein Kenner beider. Seine Kunstliebe und sein richtiges Kunsturtheil wurden auch die Veranlassung, daß ihn der Verein der Kunstfreunde für Kirchenmusik in Böhmen, zu dessen Begründung R. vorzüglich mitgewirkt, im Jahre 1826 zu seinem Geschäftsleiter und Ausschußmitglied, ferner die seit dem Jahre 1786 bestehende Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag im Jahre 1824 zu ihrem Ausschußmitgliede und 1831 an die Stelle des [184] zum Präsidenten erwählten Christian Grafen Clam-Gallas zum Referenten wählte. R. war auch schriftstellerisch thätig, und außer zahlreichen Zeitungsaufsätzen hat er selbstständig herausgegeben: „Historischer Militär-Almanach des 16., 17., 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere und den österreichischen Kaiserstaat, mit 15 Porträts ...“ (Prag 1825, C. W. Enders, 8°.); – „Geschichte des k. k. 47. Baron Vogelsang’schen Linien-Infanterie-Regiments seit dessen Errichtung im Jahre 1632 bis auf die neueste Zeit, mit welcher zugleich eine kurze Uebersicht der Kriegsgeschichte Oesterreichs in jener Epoche verbunden ist“ (ebd. 1827, 8°.); – „Biographien der ausgezeichnetsten verstorbenen und lebenden Feldherren der k. k. österreichischen Armee aus der Epoche der Feldzüge 1788–1821, nebst treuen Abbildungen derselben u. s. w.“, 2 Theile in 12 Lieferungen, 97 Bogen stark, mit 37 lithographirten Porträts (Prag 1829, Enders, 8°.); dieses Werk, von dem Verfasser dem österreichischen Heere gewidmet, ist eigentlich eine Fortsetzung der von Reilly im Jahre 1813 zu Wien herausgegebenen „Skizzirten Biographien der berühmtesten Feldherren Oesterreichs von Maximilian I. bis auf Franz II.“; – „Sechzig Abbildungen k. k. österreichischer Generäle von älteren bis auf gegenwärtige Zeiten“ (Prag 1831, Fol.); der zu dem Werke gehörige Text unter dem Titel: „Biographische Skizzen u. s. w.,“ ist besonders gedruckt. Viele dieser Abbildungen, welche zu den besten der Sammlung gehören, sind von Ludwig Ritter von Rittersberg [s. d. S. 187], einem Sohne des Herausgebers, ausgeführt; – „Abbé Joseph Dobrowsky. Biographische Skizze. Mit einem Bildnisse“ (Prag 1829, Enders, 8°.). Die vorangeführten Werke sind sorgfältig gearbeitete und für den militärischen Geschichtsschreiber brauchbare Hilfsbücher, die beigegebenen Bildnisse aber, ungeachtet der ziemlich primitiven lithographischen Ausstattung, ihrer Aehnlichkeit wegen immer werthvoll. Kleinere Aufsätze von Rittersberg befinden sich zahlreich in ausländischen Zeitschriften; die meisten, in Hormayr’s „Archiv“, in der „Oesterr. militärischen Zeitschrift“, in der „Zeitschrift des böhmischen Museums“, in der „Wiener Mode- und allgemeinen Theater-Zeitung“, in den „Prager Unterhaltungsblättern“ und der „Bohemia“. Diese Beitrage bestehen aus Biographien, historischen Schilderungen, Reisebildern, Kunstnachrichten und Kunstbeurtheilungen, Gedichten, Uebersetzungen aus dem Lateinischen, Französischen, Italienischen, Böhmischen u. dgl. m. Unter den vielen Biographien sind außer der bereits erwähnten, besonders erschienenen des Historikers und slavischen Literators Abbé Joseph Dobrowsky, bemerkenswerth jene des Directors der Prager Kunstakademie, Joseph Bergler, und des Grafen Chr. Clam-Gallas; – die ausführlichere Skizze einer Geschichte der Tonkunst in Böhmen“ enthält das Hormayr’sche Archiv“ (1824, Nr. 38, 39, 44, 45, 47, 49; 1825, Nr. 4, 10, 32]. Was mit einem von ihm in Angriff genommenen Lexikon der böhmischen Künstler, dessen d’Elvert in seiner Literaturgeschichte von Mähren und Schlesien gedenkt, und mit einer von ihm begonnenen Geschichte der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag geschehen, ist nicht bekannt. Rittersberg versuchte sich ebenfalls in der dramatischen Dichtung, und einige Stücke, die aufgeführt wurden, fanden eine beifällige Aufnahme. Mehrere Male ergriff er auch die Feder, um unwürdige Angriffe böswilliger Journalisten des Auslandes auf verdienstvolle österreichische Schriftsteller [185] und Künstler entschieden zurückzuweisen. Ferner war es R., der den erster Impuls zur Errichtung eines Denkmals in Prag für W. A. Mozart gab, die Geschäfte des Comité’s leitete und sich überdieß bemühte, die sämmtlichen Werke des unsterblichen Tonmeisters ausfindig zu machen, zum allgemeinen Gebrauche zu sammeln und mit dessen von dem Bildhauer Max in weißem Marmor ausgeführten wohlgetroffenen Büste in einem Saale der kaiserlichen Bibliothek in Prag aufzustellen. [Vergleiche darüber dieses Lexikon, XIX. Bd., S. 262: „Der Mozartschrank in Prag.] Bei einer am 18. Juni 1841 unternommenen Fahrt hatte R. das Unglück, von dem Wagen, mit dem die scheu gewordenen Pferde durchgegangen waren, herabzustürzen und die Hirnschale zu zerschmettern. In einem seinem Andenken gewidmeten Nachrufe heißt es wörtlich von ihm: „er hatte sich im Felde als tapferer Krieger, im Frieden als Freund des classischen Alterthums, der Wissenschaften und Künste, wie auch als Schriftsteller ausgezeichnet, und sowie er im Leben von Jedermann, der ihn kannte, geschätzt und geachtet wurde, so erregte auch sein unerwarteter, augenblicklicher Tod das allgemeinste Bedauern“. Ritter von Rittersberg war Mitglied einiger ausländischer und fast der meisten Prager Humanitäts- und wissenschaftlichen Vereine. Aus seiner im Jahre 1809 geschlossenen Ehe mit der Tochter des Generals Vogelsang überlebte ihn ein Sohn Ludwig, dessen besondere Lebensskizze auf S. 187 folgt.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 394. – Wiener Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) 1841, Nr. 40, S. 797.