BLKÖ:Dobrowsky, Joseph Abbé

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 334. (Quelle)
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Dobrowsky, Joseph Abbé[BN 1] (Geschicht- und Sprachforscher, geb. zu Györmet bei Raab in Ungarn 17. Aug. 1753, gest. zu Brünn 6. Jänn. 1829). Er schreibt sich eigentlich Daubrowsky und sein Vater Jakob (ein geborner Böhme) war Unterofficier in einem Dragoner-Regimente, das damals in Ungarn stand. Die Namensänderung entsprang aus der fehlerhaften Einschreibung in das Taufbuch; um Irrungen vorzubeugen, mußte sich nach diesem gehalten werden. In den ersten Wochen seines Lebens kam D. nach Böhmen. Als sich der Vater später nach erhaltenem Abschied in Bischofteinitz niederließ, besuchte der Knabe daselbst die deutschen Schulen, kam später zu den Augustinern nach Deutschland, wo er das Gymnasium absolvirte und hier auch, da dasselbe fast ausschließlich von böhmischen Knaben besucht wurde, den Grund zu seinen sprachlichen Studien und Forschungen legte. Poesie, Rhetorik und Philosophie hörte er an der Universität zu Prag. Er suchte nun um die Aufnahme in den Jesuiten-Orden nach und trat am 9. Oct. 1772 das Noviziat zu Brünn an. Da aber schon das folgende Jahr die Gesellschaft aufgehoben [335] wurde, ging er zur Fortsetzung der theologischen Studien nach Prag zurück und verlegte sich hier vorzugsweise auf orientalische Sprachen. Im J. 1776 kam er als Lehrer der Mathematik und Philosophie in das gräflich Nostitz’sche Haus, wo er vier junge Grafen zu unterrichten hatte. Daselbst lernte er den Topographen Schaller (s. d.) und den Historiker Pelzel (s. d.) kennen, welch’ letzterer D.’s Sinn für böhm. Geschichte und Literatur weckte. Seine Absicht, eine theologische Lehrkanzel für orientalisches Sprachstudium zu erlangen, konnte D. nicht erreichen, weil er Böhmen, wo alles besetzt war, nicht verlassen und für die ausgeschriebene Stelle in Lemberg den Concurs nicht machen wollte. Mit Hofentschließung vom 27. März 1786 erhielt er die neuerrichtete theologische Censorsstelle in Prag. Nachdem er 1787 zum Priester geweiht worden, wurde er zwei Jahre später als Vicedirector des Hradischer General-Seminariums nächst Olmütz nach Mähren berufen, und bald darauf zum wirklichen Rector ernannt. Mit der Aufhebung dieses Institutes 1789 erhielt er eine Pension von 500 fl., kehrte nach Prag zurück und lebte hier im Nostitz’schen Hause den Wissenschaften, insbesondere den Forschungen in der slav. Literatur. Als Kaiser Leopold II. der königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften 6000 fl. schenkte, beschlossen die Mitglieder, einen Theil dieser Summe zu historischen Untersuchungen in Schweden zu verwenden, wohin in den Zeiten des 30jährigen Krieges manches kostbare Document entführt worden. Diese wichtige Sendung ward D. übertragen und wurden ihm zu diesem Zwecke 1000 fl. angewiesen. Er trat am 15. Mai 1792 in Gesellschaft des Grafen Joachim v. Sternberg die Reise an und kehrte im März 1793 über Petersburg, Moskau und Warschau nach Prag zurück. Die interessanten für slavische Geschichte und Sprachen wichtigen Ergebnisse seiner Reise legte D. in einem eigenen Berichte nieder, der unten, wo D.’s Werke aufgezählt werden, angeführt ist. Bevor er indessen das Resultat seiner Reise dem Drucke übergab, machte er eine zweite mit dem Grafen Friedrich Nostitz durch ganz Deutschland nach Italien; allein in den Bädern zu Albano erhielten sie Nachricht von der schweren Krankheit des Vaters, Grafen Franz Anton Nostitz. Sie kehrten demnach eiligst nach Prag zurück, wo D. nunmehr seinen bleibenden Aufenthalt nahm und von seiner Rectorspension, wozu sich noch eine kleine Pension, die er aus dem Hause des Grafen Nostitz bezog, gesellte, der Wissenschaft lebte. Kleine Reisen, besonders im Sommer nach Wien, Dresden, Ungarn, wechselten von nun an mit einer rastlosen literarischen Thätigkeit, welcher die Wissenschaft so viele schätzbare Arbeiten verdankt. Alle slavischen Sprachen hat D. beleuchtet, insbesondere aber die böhmische kritisch gewürdigt, und seine Untersuchungen sind für die Geschichte von hohem Nutzen. Er war, wie sein Nachfolger Palacky (s. d.) sich ausdrückt, in der That ein Mann, wie ihn die Natur nur selten erscheinen läßt; denn er verband ein außerordentliches Gedächtniß mit unermüdeter Thätigkeit und einen durchdringenden Scharfblick mit stets gleicher Lebhaftigkeit des Geistes. Die ausgezeichnetsten Gelehrten des In- und Auslandes suchten seine Freundschaft und seinem Talente wurde überall jene Achtung gezollt, die aus der innigsten Anerkennung des Verdienstes hervorgeht. D. verlebte unter diesen Umständen die Tage seines fruchtreichen Alters in edler Ruhe, welche Ausflüge wohl auch kleine Reisen würzten. Seine selbständigen. wie in andern Werken zerstreuten Schriften, aus dem Gebiete der Geschichte, Literaturwissenschaft, Philologie und aus andern Zweigen, [336] werden sämmtlich weiter unten aufgezählt. D. war nicht nur wirkliches Mitglied der kön. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften, auch andere gelehrte Gesellschaften als: die kaiserl. russische, die Warschauer Gesellsch. der Wissenschaftsfreunde u. m. a. hatten ihm ihre Diplome gesendet. Von literarischer Wichtigkeit ist sein Briefwechsel, denn er stand mit Männern wie Adelung, Docen in München, Grimm, Savigny, Wilkens in Berlin, Semenowitsch, Senator und Präsident der kaiserl. russischen Akademie und mit vielen Andern in Correspondenz. Ein im J. 1782 auf einer Jagd, der er als Zuseher beiwohnte, lebensgefährlicher Schuss in die Brust, in welcher die Kugel bis an sein Lebensende stecken blieb, war glücklicher Weise ohne Folgen; hingegen eine vernachläßigte Verkühlung, die er sich auf einer Reise, auf seine sonst sehr glückliche physische Constitution noch im Greisenalter pochend, zugezogen, endete im Alter von 76 Jahren sein Leben. Seine Handschriften legirte er dem böhm. Museum. Nach seinem Tode beschloß die königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften ihm auf seinem Grabhügel ein Denkmal von Gußeisen zu setzen. Auch befindet sich in den „Abhandlungen“ dieser Gesellschaft die „Abbildung des Grabmals J. Dobrowsky’s in Brünn“.

Dobrowsky’s Werke. I. Historische und archäologische Schriften, a) Selbständige (die mit einem * bezeichneten sind auch in den nebenbezeichneten Sammelschriften abgedruckt: „Abhandlung über den Ursprung des Namens Czech“ (Prag 1782, 8°.), befindet sich auch in Pelzels dritter Ausgabe der Geschichte von Böhmen vom Jahre 1782 und in der vierten vom J. 1817; – mit Pelzel gemeinschaftlich gab D. heraus: „Scriptores rerum Bohemicarum e Bibliotheca eccles. Metropolit. Pragensis“, 2 Bde. (Prag 1783 u. 1784, gr. 8°.); – „De sacerdotum in Bohemia coelibatu narratio historica cui constitutiones Concilii Moguntini Fritzlariae 1244 celebrati adnexae sunt“ (Prag 1787, 8°.); – „Vita Joannis de Jenczenstein, Archiepiscopi Pragensis, tertii apostolicae sedis legati secundi, postea Patriarchae Alexandrini, olim Episcopi Misnensis. Ex Manuscripto Rokyczanensi coaevo nunc primum edita, notisque illustrata“ (Prag 1793, 8°.); – „Nachricht von einem in Böhmen entdeckten heidnischen Grabhügel“ (Prag 1803, gr. 8°.) – *„Kritische Versuche, die ältere böhm. Geschichte von späteren Erdichtungen zu reinigen“, 3 Hfte. (Prag 1821 und 1822, gr. 8°.); sie erschienen zuvor einzeln, u. z.: I. „Bořiwojs Taufe“ (in den „Abhandl. der kön. böhm. Gesellsch. d. Wiss.“ 1803, I. Bd.); II. „Ludmilla u. Drahomira“ (ebend. 1807, II. Bd.); III. „Wenzel und Boleslaw“ (ebend. 1819, VI. Bd.); – *„Cyrill u. Methud, der Slaven Apostel. Ein histor.-krit. Versuch“ (Prag 1823, gr. 8°.) (Abh. der k. b. Ges. d. Wiss. 1823, VIII. Bd.); – *„Mährische Legende von Cyrill und Method“ (Prag 1826, gr. 8°.) (Abh. der k. b. Ges. d. Wiss. Neue Folge, 1827, I. Bd.); – „Historia de expeditione Friderici edita a quodam clerico, qui eidem interfuit, nomine Ausberto, cum notis adjectis a J. D.“ (Prag 1826, 8°.). – b) In anderen Werken: in den „Abhandl. einer Privat-Gesellsch. in Böhmen“ (vergl. die Anmerkung auf S. 178): „Histor.-krit. Untersuchung, woher die Slaven ihren Namen erhalten haben“ (1784, VI. Bd. S. 268); – in den „Abhandl. der böhm. Gesellsch. der Wiss.“: „Wie man die alten Urkunden in Rücksicht auf verschiedene Zweige der vaterländischen Geschichte benützen soll. Ein Versuch über den Břewniower Stiftungsbrief Boleslaw II. vom J. 933″ (1785, I. Bd. S. 178); – „Ueber die Begräbnißart der alten Slaven überhaupt und der Böhmen insbesondere“ (1786, II. Bd. S. 333); – „Ueber eine Stelle im 19. Briefe des heil. Bonifazius, die Slaven und ihre Sitten betreffend“ (1787, III. Bd. S. 156); – „Geschichte der böhmisch. Picarden und Adamiten“ (1789, IV. Bd. S. 300); – in den „Neueren Abhandl. d. kön. böhm. Ges. der Wiss.“: „Ueber das erste Datum der slav. Geschichte und Geographie“ (1790, I, Bd. S. 365); – „Ueber Ergebenheit und Anhänglichkeit der slavischen Völker an das [337] Erzhaus Oesterreich“ (1791, I. Bd.); – „Biographie Otto Steinbachs von Kranichstein“ (1795, II. Bd. S. 16); – „Biographie G. Dobners“ (1795, II. Bd. S. 17); – „Biographie Ignaz von Borns“ (1795, II. Bd. S. 29); – „Biographie Joseph Wratislaws Edlen von Monse“ (1795, II. Bd. S. 32); – „Biographie J. B. Heyrenbachs“ (1795, II. Bd.); – in den „Abhandlungen der königlich böhm. Ges. der Wissensch.“: „Biographie Fortunatus Durichs“ (1804, I. Bd. S. 31); – „Beitrag zur Geschichte des Kelches in Böhmen“ (1817, V. Bd.); – in den „Abhandl. d. k. b. Ges. d. Wissensch. Neue Folge“: „Ueber die ehemaligen Abbildungen böhm. Regenten und ihre Inschriften in der Prager königl. Burg vor dem Brande [1541]“ (1825, I. Bd.); – „Ueber die ältesten Sitze der Slaven in Europa und ihre Verbreitung seit dem 6. Jahrhundert, insbesondere über das Stammvolk der Mährer und ihre Geschichte bis zur Einsetzung des Herzogs Rastislaw“ diese Abhandlung befindet sich vor dem 2. Bande von Jos. Wrat. v. Monse’s „Kurzgefaßter polit. Landesgeschichte“ (Olmütz 1788, 8°.); – in den „Verhandlungen des böhm. Museums“ (1824) ist die „Geschichte der böhmischen Krönung Kaiser 'Ferdinands I.“ von ihm erläutert worden; – in Joseph Müllers[WS 1] altrussischer Geschichte nach Nestor erläuterte D. die Geschichte Cyrills und Methods durch mehrere Anmerkungen, auch schickte er dem Buche die Abhandlung voran: „Wie soll Nestors alte Chronik aus so mancherlei Recensionen des Textes rein hergestellt werden?“ – II. Literarhistorische und bibliographische Schriften. a) Selbständige: „Fragmentum Pragense Evangelii S. Marci, vulgo autographi ed. lat. crit. recensuit“ (Prag 1778, gr. 4°., mit 1 K.); von diesem Evangelium waren die letzten zwei Quaternionen einer uralten Handschrift durch Karl IV. von Aquileja nach Prag an die Metropolitankirche gekommen. Man hielt diese sowie die ersten fünf Quaternionen davon zu Venedig für die Urschrift des heil. Markus. D. zeigte in obiger Schrift den Ungrund dieser Behauptung, übergab auch eine ihm aus Italien gesendete Gegenschrift: „De codice evangeliario Scti. Marci, partim Pragae partim Venetiis adservato epistoraris dissertatio auctore Antonio Comoretto Congreg. Oratorii Utinensis presbytero“ (Prag 1780, 4°.) dem Drucke; – „Böhmische Literatur auf das J. 1779“, 4 Stücke (Prag 1779, 8°.; – „Böhmische und mährische Literatur auf das Jahr 1780“, 2 Stücke (Prag, 8°.); das dritte Stück, womit der 2. Band geschlossen wird, erschien, weil ein Verbot des Druckes dazwischen kam, erst 1786 [die Angabe in Kaysers Bücher-Lexikon: „Böhmische und mährische Literatur auf das J. 1779–1784“, 6 Jahrgge. à 4 Stücke, ist irrig]; – „Corrigenda in Bohemia docta Balbini juxta editionem Raph. Ungar“ (Prag 1779, 8°.), diese Schrift hatte einen Federnkrieg mit Ungar zur Folge; – „Literar. Magazin von Böhmen und Mähren für die J. 1781–1783“, 3 Stücke (Prag 1786–1787, 8°.); – *„Geschichte der böhmischen Sprache und Literatur“ (Prag 1792, 2. umgearb. Auflage 1818, 8°.) (Neuere Abh. der k. b. Ges. der Wiss. 1790, I. Bd. S. 311); sie reicht bis zum J. 1526. Eine Fortsetzung erschien nicht [Ebert, Bibl. Lexikon Nr. 6272]; – *„Literarische Nachrichten von einer auf Veranlassung der k. böhm. Ges. im J. 1792 unternommenen Reise nach Schweden. Nebst einer Vergleichung der russischen und böhmischen Sprache“ (Prag 1796, 8°.) (Neuere Abh. der k. böhm. Ges. d. Wiss. 1795, II. Bd. S. 195); – in Verbindung mit Anton Pischely gab er heraus: „Českých přislowj zbjrka“, d. i. Auswahl böhm. Sprüchwörter (Prag 1804, 8°.); – „Glagolitica. Ueber die glagolitische Literatur, das Alter der Bukwitza, ihr Muster, nach welchem sie gebildet worden“ (Prag 1807, 8°. mit 2 KK. Zweite von W. Hanka verb. u. verm. Aufl. ebend. 1832, 8°., mit 3 KK.); – „Slavin. Beiträge zur Kenntniß der slav. Literatur, Sprachkunde und Alterthümer nach allen Mundarten“ I. Bd. 1.–6. Hft. (Prag 1808, 8°., mit KK. u. Tab.); in zweiter verb., bericht. und verm. Aufl. herausgeg. von W. Hanka unter d. Titel: „Slavin. Botschaft aus Böhmen an alle slav. Völker, oder Beiträge zu ihrer Charakteristik etc.“ (Prag 1834, 8°., mit 6 KK., 3 Facsim. und 4 Tab.); einen Anhang dazu bildet das vorbenannte: „Glagolitica“; – „Slovanka. Zur Kenntniß der alten und neuen slav. Literatur, der Sprachkunde nach allen Mundarten, der Geschichte und Alterthümer“, 2 Lfgn. (Prag 1815, 8°., mit KK.). – b) In anderen Sammelwerken: In den „Abhandl. einer Privat-Gesellsch. [338] in Böhmen“: „Ueber die Einführung und Verbreitung der Buchdruckerkunst in Böhmen“ (1782, V. Bd. S. 228); – „Ueber das Alter der böhm. Bibelübersetzung“ (1782, V. Bd. S. 300). – III. Philologische Schriften. a) Selbständige: „De antiquis Hebraeorum characteribus“ (Prag 1783, 8°.); – „Neues Hilfsmittel, die russische Sprache leichter zu verstehen“ (Prag 1799, 8°., zweite verm. Aufl. 1813); bei dem Durchmarsche der Russen ist das Wörterverzeichniß stark vermehrt worden; – „Die Bildsamkeit der slavischen Sprache, an der Bildung der Substantive und Adjective in der böhm. Sprache dargestellt“ (Prag 1799, 4°.); – „Deutsch-böhmisches Wörterbuch“, 2 Bände (Prag, I. Bd. 1802, II. Bd. 1821, 4°.); D. hat in diesem Wörterbuche nur die Buchstaben bis M selbst revidirt; da also den zweiten Theil, mit Ausnahme des M, durchaus Anton Puchmayer redigirte, sollte auf demselben auch dessen Name stehen; – „Vollständiges Lehrgebäude der böhmischen Sprache“ (Prag 1809, gr. 8°., zweite zum Theil verb., zum Theil umgearb. Aufl. 1819, gr. 8°.); das Slovo slovenicum (1799) und der Entwurf der böhm. Declinationen (1803) gehen voran [Ebert, Bibl. Lexikon Nr. 6272]; – *„Entwurf zu einem allgemeinen Etymologikon der slavischen Sprachen“ (Prag 1813, 2. verm. Auflage von Wenzel Hanka, 1833, 8°.) (Abh. d. k. b. Ges. d. Wiss. 1813, IV. Bd.) [Ebert, Bibl. Lex. Nr. 6272]; – „Institutiones linguae slavicae literalis dictae, quae in libris liturgicis obtinet“ (Wien 1821, 8°.); – „Institutiones linguae slavicae dialecti veteris, quae cum apud Russos, Serbos aliosque ritus graeci, tum apud Dalmatas Glagolitas ritus latini Slavos in libris sacris obtinet“ (Wien 1822, gr. 8°.) mit 4 KK. neue (Titel-) Ausgabe 1852); wird für D.’s verdienstlichstes Werk gehalten. Ueber dieses Werk vergl. die ausführliche Besprechung in den Wiener Jahrbüchern der Literatur (1822, XVIII. Bd. S. 66–107). – b) In anderen Werken. Groß ist Dobrowsky’s Betheiligung an anderen wissenschaftlichen Unternehmungen, so gab er: „Variantes lectiones“ für die von de Rossi in Parma herausgegebene Variantensammlung – in Joh. Dav. Michaelis’ „Neue orientalische Bibliothek“ befinden sich seine „Bemerkungen über die slavische Bibelübersetzung“ (VII. Bd.); – „Pragische Fragmente hebräischer Handschriften“ (XII. Bd.), gab er im Verein mit dem Paulaner-Priester Fort. Durich (s. d.) heraus; – in Griesbachs neuer Ausgabe des griechischen „Neuen Testamentes“ (1796– 1806) stehen seine Varianten aus slavischen Handschriften und seine Beschreibungen der vergleichenden slavischen Handschriften und benützten Ausgaben; – auch schrieb D. die Vorrede zu Fr. Tomsa’s „Vollständigem Wörterbuch der böhmischen, deutschen und lateinischen Sprache“ und fügte eine Abhandlung bei über Ursprung und Bildung der slavischen und insbesondere der böhmischen Sprache; – seine Abhandlung „Böhmische Prosodie“ befindet sich in Pelzels böhmischer Grammatik (1795), dieselbe umgearbeitet und kürzer gefaßt in der zweiten Ausgabe (1798); – in den „Neuen Abhandl. d. k. b. Ges. d. Wissensch.“: „Ueber den ersten Text der böhmischen Bibelübersetzung nach den ältesten Handschriften derselben besonders nach der Dresdner“ (1798, III. Bd. S. 240); – für die „Gesellschaft zur Erforschung der deutschen Quellengeschichte“ in Frankfurt hatte er alle bekannten Handschriften und Ausgaben des Gothen Jornandes verglichen, und diese mehrjährige Arbeit kurz vor seinem Tode bis auf die Reinschrift und die letzte Feile zu Stande gebracht; – seit vielen Jahren hatte er auch zu einem slavisch-böhmischen Glossarium, worin alle Stammwörter nach der in der slavischen Grammatik befolgten Methode aufgestellt werden sollten, emsig gesammelt. Dieses wie manches Andere – wenn man den Namen des Autors wägt – gewiß Bedeutende, wenn gleich Unbeendete, blieb in Handschrift zurück; – nebstdem schrieb Dobrowsky mehrere Recensionen für die „Wiener Literatur-Zeitung“, für die „Annalen der Literatur“, für Baron Hormayrs „Archiv für Gesch., Stat., Literatur u. Kunst“ und für andere Zeitschriften. Viele von D.’s Schriften sind im Buchhandel bereits sehr selten und stehen in hohen Antiquarpreisen. – IV. Andere Schriften.Prüfung der Gedanken über die Feldwissenschaft der Geistlichen“ (Prag 1781, 8°.); – „Entwurf eines Pflanzensystems nach Zahlen und Verhältnissen“ (Prag 1802, 8°., mit 1 Tafel); diese Abhandlung entstand, als D. im Jahre 1795 an Hypochondrie zu leiden begann, und um den Anfällen vorzubeugen, viel Bewegung in freier Luft machen mußte, wobei er sich zugleich mit Botanik zu beschäftigen begann.
[339] V. Zur Biographie Dobrowsky’s. Rittersberg (Joh. Ritter von), Abbé Joseph Dobrowsky. Biographische Skizze (Prag 1829, C. W. Enders, gr. 8°.) [nach diesem geb. zu Györmet bei Raab in Ungarn 17. August 1753, gest. zu Brünn 6. Jänner 1829]. – Legis (Gustav Thormund), Biographie des Abbé J. Dobrowsky (Prag, Leitmeritz und Teplitz 1837, 4°.) [der wahre Name des Verfassers dieser Biographie ist Glückselig]. – Abhandlungen der kön. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften (Prag, 4°.) Neue Folge. III. Bd.: „Leben und gelehrtes Wirken des Jos. Dobrowsky“, geschildert von Frz. Palacký [davon erschien auch (Prag 1833) ein Separatabdruck und A. Tzarsky übersetzte sie in’s Russische (Moskau 1838, 8°.)]. – Hormayrs Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur u. Kunst. XV. Jahrg. (Wien 1824, 4°.) Nr. 98, 99, 100. – Dasselbe XIX. Jhrg. (Wien 1828, 4°.) Nr. 69, S. 356, und Nr. 120, S. 639. – Zeitgenossen (Leipzig, Brockhaus, Lex. 8°.) dritte Reihe. II. Bd. 2. Heft. – Pelzel (Franz Mart.), Böhmische, mährische und schlesische Gelehrte und Schriftsteller aus dem Orden der Jesuiten (Prag 1786, 8°.). – Meusel (J. G.), Das gelehrte Teutschland (Lemgo 1783, 8°.) 4. Auflage I. Bd. S. 341 [gibt das J. 1754 als Geburtsjahr an]. – I. Nachtrag zur 4. Ausgabe S. 124. – II. Nachtrag S. 61. – Lausitzer N. Magazin XIX. 1841, S. 45: „Dobrowsky’s Briefwechsel mit Karl Gottl. von Anton.“ – Allg. (Augsburger) Zeitung 1829, Nr. 52. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Ilmenau 1831, 8°.) 1829, VII. Jahrg. I. Bd. Nr. 23, S. 64–72. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 726 [Gräffer, Brockhaus, Wigand, Nouvelle Biographie générale stimmen in den Angaben des Geburts- und Todestages überein]. – Ersch (J. S.) u. Gruber (J. G.), Allg. Encyklopädie der Wissensch. u. Künste (Leipzig 1822 u. f., Gleditsch, 4°.) I. Sect. 26. Bd. S. 232 [nach dieser gest. 8. Jänner 1829]. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) V. Bd. S. 159. – Wigands Conversations-Lex. (Leipzig 1847 u. f., gr. 8°.) IV. Bd. S. 244. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen 1853, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 4. Abth. S. 909 [gibt auch den 8. Jänn. 1809 als D.’s Todestag an]. – Nouv. Biographie générale ... publiée sous la dir. de M. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XIV. Bd. Sp. 405Biographie des hommes vivants (Paris 1816, G. L. Michaud, 8°.) II. Bd. S. 404 [gibt das Jahr 1754 als Geburtsjahr und als Geburtsort statt Györmet irrig Jersnek an]. – Palacky (Fr.), Würdigung der böhmischen Geschichtschreiber (Prag 1830) S. XXII.
VI. Porträte. 1) Unterschrift: Dobrowsky. A Slavicarum literarum cultoribus, gest. von Benedetti in Wien (es ist nach dem Gemälde, welches Frz. Tkadlik 1821/22 in Oel gemalt und das sich nun im Manuscriptensaale des böhm. Museums befindet). – 2) Nach dem nämlichen Original von Aigner (befindet sich in Hormayrs Taschenbuch X. Jahrgang). – 3) In Kupfer gestochen von Berka in Prag. – 4) In Kupfer gestochen von Krones und Rieder in Wien. – 5) Unterschrift: Joseph Dobrowsky; darunter steht: Non omnis morior. L. Rittersberg lith. (nach Benedetti’s Kupferstich; bei Ritter von Rittersbergs Biographie).
VII. Wahlspruch Dobrowskys. Die Zeitschrift des kön. böhm. Museums: „Časopis“ 1855, XXIX. Jahrg. S. 522 gibt folgenden Wahlspruch D.’s an, den er mehreren Freunden in die Gedenkbücher schrieb: Vřeť kadžému srdce po jazyku svému, d. i. Jedem glühe das Herz für seine eigene Sprache.
VIII. Hormayr über Dobrowsky. Im J. 1824 schrieb er über ihn: „Was Dobrowsky zeither für die slavische Sprache und Literatur gethan, in welcher er vom fernsten Rußland bis zu den Wenden Krains als Gesetzgeber erkannt wird; was er gethan, um die herrliche Geschichte des alten Böhmens von zahllosen Fabeln zu reinigen und auch unter den Slaven ein Muster Schlötzerisch-scharfsinniger Kritik aufzustellen; was er für die Prager Gesellschaft der Wissenschaften und für das dortige Museum geleistet, sowie für die Belebung eines ächten Sinnes für die alte Größe und Würde Böhmens und für die allzulange vergessenen Ueberreste seiner meist weit und breit geachteten Literatur und Kunst; welche Quellen sein Adlerauge entdeckt und herausgegeben, wie uneigennützig und rastlos er die herankeimenden Talente gehegt und jedes ehrenwerthe wissenschaftliche Unternehmen mit Jugendkraft gepflegt habe, das lebt in der dankbaren Anerkennung der Zeitgenossen und wird fortleben im Andenken später Enkel. 70 Jahre hat Kazinczy (nicht Kaczinsky, wie er bei Hormayr und bei Andern oft genannt wird), 75 Dobrowsky hinter sich. Beide haben schon in den Tagen der großen Theresia geschrieben, gesammelt und gesichtet und sind wahre Jubelgreise der Literatur.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Dobrowsky, Joseph [Bd. III, S. 334]. Am 11. September 1863 wurde am Gymnasium zu Deutschbrod seine Gedächtnißtafel, geziert mit seinem Reliefporträt, enthüllt.
    Bohemia (Prager polit. und belletr. Blatt, 4°.) 1863, Nr. 197, S. 462. – Brünner Zeitung 1863, Nr. 251: Sein Grabdenkmal auf dem Altbrünner Friedhofe. – Praha (Prager illustr. Blatt, 4°.) 1867, Heft 12, S. 177 [mit Porträt im Holzschnitt]. – Světozor (Prager illustr. Blatt) 1868, Nr. 2 u. 3. – [Bd. 24, S. 391.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Johann Müllers.