BLKÖ:Legis-Glückselig, Gustav Thormud

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Legipont, Oliverius
Band: 14 (1865), ab Seite: 307. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 10014960X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Legis-Glückselig, Gustav Thormud|14|307|}}

Legis-Glückselig, Gustav Thormud (Schriftsteller, geb. zu Prag 19. Juni 1806). Sohn eines altverdienten (1846 gestorbenen) Pädagogen und k. k. Professors. Genoß schon als Knabe die Gunst und den Unterricht des berühmten Slavisten Joseph Dobrowsky [Bd. III, S. 334] und studirte am akademischen Gymnasium seiner Vaterstadt. Hauptmann Malinka (Erzieher im Hause des Feldzeugmeisters Hieronymus Colloredo) unterwies ihn in der Mathematik, Professor Kohl im Zeichnen, Domcapellmeister Kozeluch in der Musik; was die Sprachen betrifft, so conversirte er schon 1813 in den Militärspitälern Prags geläufig mit Franzosen und Russen, hatte auch den Wahlplatz von Culm und Arbesau gesehen und räumen helfen. 1819 auf 1820 trat L. aus den nicht vollendeten philosophischen Studien in den Militärstand, in welchem damals der Jugend die schönsten Aussichten sich darboten, wurde nach abgelegten strengen Prüfungen von dem General-Major (nachmaligen Kriegsminister) Graf Baillet-Latour [Bd. I, S. 125] dem k. k. General-Quartiermeisterstabe zugetheilt und wirkte daselbst in mehreren Diensteszweigen über drei Jahre – befreundet mit Hauptmann Wohlgemuth (nachmals Feldmarschall-Lieutenant), mit Cajetan Graf Alcaini, mit Joseph Baron Wend, von denen die beiden letzteren, die auch literarisch bekannt [308] wurden, dem jungen talentvollen und dienstwilligen Manne edle erfolgreiche Anregungen gaben. Auch sein Onkel (Mutterbruder) J. Herzl, Officier im Infanterie-Regimente Vogelsang, unter welchem Varnhagen von Ense 1809 als Fähnrich gedient, schulte liebevoll den Neffen, der allgemach in anstrengendem undankbarem Dienste keine Befriedigung fand. L.-G. arbeitete seit 1824 für Schickh’s und Bäuerle’s Blätter, besonders für das Hormayr’sche Archiv, nachdem er den Hofrath von Hormayr bei Dobrowsky persönlich kennen gelernt. Auch die vaterländischen Taschenbücher von 1826 bis 1828 enthalten von L.-G. mehrere Erstlingsarbeiten. Durch Abbé Dobrowsky u. A. mit Friedrich David Gräter in Ulm bekannt geworden, machte L.-G. versuchsweise Studien im Gebiete der altnordischen Literatur. Der Trieb nach tüchtigen Kenntnissen rief L.-G., mit ausgiebigen Empfehlungen von Dobrowsky, Schotky u. A. versehen, in’s Ausland, namentlich an Deutschlands Hochschulen und er erwarb mit seiner (dem großen Baugelehrten Stieglitz gewidmeten) Abhandlung „De versus hexametri apud Graecos origine“ (1828) das Magisterium. L.-G. schloß sich mit Verehrung an Beck, Krug, Pölitz, Tittmann, Rosenmüller, hörte die Tragiker unter Herrmann, nahm Theil an den egyptischen Forschungen Seyffarth’s, übersetzte für das damals in Leipzig unternommene deutsche Corpus Juris einen Theil der Digesten und nahm hier aus österreichischen Censurrücksichten den Verfassernamen G. Th. Legis an, schrieb sodann für Andere gegen dreißig lateinische Dissertationen à 10 Thlr. und machte eine flüchtige Reise durch Skandinavien, wo er mit Oehlenschläger, Münter und Tegner zusammenkam und die „Frithjofs-Sage“, den „Baldur“ und die „Götter Nordens“ in’s Deutsche übertrug. Er sammelte dänische, schwedische und isländische Werke über skandinavisches Alterthum und begründete mit diesen vermeintlichen Schätzen ein Sammelwerk: „Fundgruben des alten Nordens“, wovon mehrere Bände (Leipzig 1829 u. f., mit Tafeln u. Karten, gr. 8°.), die Runologie, Skaldenkunst, Edda enthaltend, erschienen sind; aus dem 1. Theile ist auch besonders abgedruckt: „Der Markomannische Thurm der Feste Klingenberg in Böhmen und dessen Inschrift“ (Leipzig 1829, Barth, gr. 8°., mit einer Tafel). Von den nordischen Gelehrten und ihren deutschen Anhängern wurde diese Arbeit mit Scheelsucht betrachtet und als Plagiat ausgeschrieen. Trotzdem schrieb L.-G., dem dabei mindestens das Verdienst des kritischen Uebersetzens zukam, noch seine „Alkuna. Nordische und nordslavische Mythologie“ (Leipzig 1831, Hartmann, mit 13 K. K., 1 Karte und 1 Stammtaf., gr. 8°.), welche auch in’s Holländische übersetzt wurde, und sein „Handbuch der altdeutschen und nordischen Götterlehre“ (Leipzig 1830) u. s. w. Durch den vielschreibenden O. L. B. Wolff (einen Mitschüler H. Heine’s) wurde L.-G. dem alten Eichstädt, der seiner Zeit für den ersten Latinisten unseres Jahrhunderts galt, anempfohlen. Eichstädt gab damals die in gelehrten Kreisen wohl bekannten Dissertationen De latinitate culinaria heraus. L.-G. lieferte ihm unerwartete Beiträge dazu, welche die Epistola virorum obscurorum bei weitem übertrafen und selbst aus Ungarn hergenommen waren. Luden beendete zu derselben Zeit den 3. Band seiner „Geschichte der Teutschen“ (sic). L.-G. war ihm bei den [309] Citaten, worin altfränkische Lieder und Formeln vorkamen, wesentlich hilfreich. Ueberhaupt hat L.-G. in jener Zeit literarischer Seits nach verschiedenen Seiten hin eine ungemein große Thätigkeit entwickelt; jedoch muß eine ausführlichere Schilderung derselben, wodurch man einen nicht uninteressanten Einblick hinter die Coulissen der Literatur und ihrer Hauptacteure gewänne, einem geeigneteren Platze überlassen bleiben. Der Zufall wollte es, daß L.-G. durch einige Monate Secretärsdienste bei dem Obersten Gustavson (Exkönig von Schweden) versah, der damals in dem Leipziger Straßenwirthshause „zur Säge“ wohnte und mit eigenthümlichen Ideen ohne Action beschäftigt war. Durch die Julirevolution und deren Consequenzen in die Heimat getrieben, setzte L.-G. im väterlichen Hause seine wissenschaftlichen Arbeiten fort und gab nach und nach eine Reihe Schriften heraus, darunter: „Topographischer Grundriss von Prag und dessen Umgebungen“ (Prag 1835, Haase Söhne, 8°., mit Plan), welchen Gegenstand L.-G. später öfter und in verschiedenen Formen bearbeitete und als „Illustrirter Wegweiser durch Prag“ (ebd. 1853), – „Miniaturgemälde von Prag“ (ebd. 1853) u. dgl. m. veröffentlichte; – ferner: „Aktenmässige Darstellung des königl. böhmischen Erbhuldigungs-, Belehnungs- und Krönungs-Ceremoniels u. s. w.“ (Prag 1836, Medau, gr. 8°.); – „Diplomatische Geschichte der aufgehobenen Klöster und Capellen in der königl. Hauptstadt Prag. Aus der Handschrift des Joh. Nep. Zimmermann neu herausgegeben“ (ebd. 1837, mit 6 K. K., gr. 8°.) u. m. a. Seit 1833 Mitarbeiter der Societät für wissenschaftliche Kritik in Berlin, recensirte L.-G. die wichtigsten Erscheinungen der österreichischen, zumal böhmischen (nicht čechischen) Literatur in den in Gelehrtenkreisen hochgehaltenen Jahrbüchern bis zu deren Erlöschen. Im böhmischen Krönungsjahre 1836 wurde L.-G. im ständischen Landtage zum Krönungs-Historiographen ernannt und arbeitete im Einvernehmen mit dem k. k. Kammermaler Gurk, dem die großen Illustrationen zu dem Krönungsbuche übertragen waren. Bekanntlich ist es 1846 von der Herausgabe dieses Prachtwerkes durch die schiefe Stellung einiger landständischen Mitglieder zur Regierung abgekommen. Von den in Wien gestochenen Krönungs-Tableaux aber bewahrt das böhmische Museum einige Ueberreste. Durch seine Biographie Dobrowsky’s (Prag 1837, 4°.) erwarb sich L.-G. die dauernde Freundschaft Kopitar’s, durch seine slavistischen Berichte in Schmidl’s Blättern für österreichische Literatur (seit 1844) auch die Aufmerksamkeit des Professors von Miklosich, obwohl L.-G. zumeist in dem älteren Dobrowsky’schen Systeme befangen und, durch Hanka gehemmt, die Slavistik eigentlich nur als Nebensache betrieb. In dem splendiden Gutenbergs-Album finden sich von L.-G. Uebersetzungen aus den slavischen Sprachen, und schon zu Leipzig ließ er sich im Interesse der Bibelgesellschaft in slavicis verwenden. In den Jahren 1846 und 1847 lebte L.-G. in Wien und veröffentlichte seine durch ihren Freimuth Aufsehen erregende Biographie des Naturforschers Franz Wilhelm Sieber (bei Beck), welche auf J. C. A. Corda’s Veranlassung französisch und englisch übersetzt erschien; ferner: „Kritische Beiträge für slavischen Philologie“ (Abdruck aus Schmidl’s Blättern), und „Geschichte des böhmischen Staats- und Privatrechtes“ (Abdruck aus Kudler’s Monatschrift für Rechts- und Staatswissenschaft), in welch letzterer [310] Fachzeitschrift auch sonst mehrere Recensionen von L.-G. enthalten sind. Der Monat August 1847 hatte L.-G.’s Berufung von Wien nach Prag zur Folge, und wurde er hier höchsten Ortes mit der Ausarbeitung einer Denkschrift über die vieljährige Gubernatur Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Stephan in Böhmen betraut, deren Materialien der Verfasser aus amtlichen Quellen geschöpft hat. Aber auch die Veröffentlichung dieser merkwürdigen Schrift unterblieb. Die Gründung des Jahrbuches „Libussa“ durch P. A. Klar gab L.-G. Gelegenheit zu regelmäßiger, vom Publicum dankbar anerkannter Mitarbeiterschaft, und L.-G. hat unter den verschiedensten Autornamen an den beliebt gewordenen „vaterländischen Denkblättern“ vom ersten bis zum letzten Jahrgange dieses Almanachs (1842–1858) wie auch an anderen Schriften, die P. A. Klar herausgab, einen wesentlichen Antheil. Die Märzereignisse hatte L.-G. in Prag mitgemacht und in demselben Jahre sich mit einer Enkelin des Weimarischen Hofrathes Lippold (der mit Funke das einst berühmte Naturlexikon herausgab) verheirathet. Während der Gährungen in Prag schrieb L.-G. die „Politischen Zeitgenossen“, von denen aber nur Georg Graf Boucquoy erschien. In den Jahren 1852–1856 redigirte er die inhaltreiche, das Volk zu geschichtlicher Lektüre anzuregen bestimmte „Illustrirte Chronik von Böhmen“, von welcher 24 Hefte herauskamen; gleichzeitig edirte er ein Prachtwerk über den „Prager Dom zu St. Veit“, wozu viele größere und kleinere Original-Tableaux, Pläne und Porträte gemacht wurden, und wovon kaum 150 Exemplare in den Buchhandel kamen; ferner: „Geschichte und Alterthümer der böhmischen Burg und Felsenstadt Wischehrad“ (Prag 1853); – „Geschichte von Böhmen seit der Urzeit bis zur Gegenwart“ (ebd. 1853) und „Andenken an den Marschall Radetzky“ (ebd. 1858, Storch, 8°.). Im Jahre 1859 hatte L.-G. seine Forschungen über das Habsburg-Lothringische Haus abgeschlossen und gab solche unter dem Titel: „Studien über den Ursprung des österreichischen Kaiserhauses’“ (Prag 1860 und Hamburg 1863, 8°., mit Stammtafeln) zu der nämlichen Zeit heraus, als von dem Herausgeber dieses Lexikons die Monographie „Habsburg und Habsburg-Lothringen“ erschien. Bald darauf kehrte L.-G. zu einer vieljährigen Lieblingsarbeit, den Forschungen über Christusbilder zurück. Die Frucht davon war seine dem Grafen Franz Thun-Hohenstein (Vater des Cultusministers) gewidmete „Christus-Archäologie“ (Prag 1862, 4°.), wofür der Verfasser von Sr. Heiligkeit Pius IX. ein anerkennendes Breve aus Castel Gandolfo, 6. August 1864, erhielt. In dieser Urkunde wird das von L.-G. nach einem Originale zu Nazareth glücklich reconcinnirte Edessenische Christusantlitz als vetustissimum christianae religionis monumentum ausdrücklich anerkannt. In Folge der patriotischen Bekämpfung des Čechismus kam L.-G. im Jahre 1863 in einen von der Gegenseite erbittert geführten Preßproceß, aus welchem er jedoch siegreich hervorging und nicht (wie es in dem von Dr. L. Rieger redigirten „Slovník naučný“ unrichtig heißt) zu vierzehntägigem Arrest verurtheilt ward. Vielmehr wurde L.-G. von der ersten und letzten Instanz vollkommen freigesprochen und schuldlos erklärt. Dieses Ereigniß benutzte L.-G., um der nationalen Partei einige Wahrheiten zu sagen, welche in der Const. Oesterreichischen Zeitung vom 26. bis [311] 30. November 1863 (Feuilleton Nr. 276 bis 279) und zwar in dem Artikel: „Die Königinhofer Handschrift. Offenes Sendschreiben zur endgiltigen Lösung der Echtheitsfrage von Dr. L.-G.“,[WS 1] enthalten sind. L.-G. war in vielen Fächern des Wissens geräuschlos thätig, in der Mathesis, Astronomie, Linguistik, Theologie, den historischen Hilfswissenschaften, der Vaterlands- und Adelskunde, der Rechts- und Kunstgeschichte u. s. w. Seine Schriften, reich an archäologischen und literarhistorischen Materialien, in denen er nicht gewöhnliche umfassende und mannigfaltige Kenntnisse an den Tag legt, bilden eine ganze Bibliothek. In letzter Zeit durch Anton E. Komers [Bd. XII, S. 400] in das Grafenhaus Thun-Hohenstein eingeführt, arbeitet L.-G. zur Zeit an einer Familiengeschichte dieses alten und berühmten Geschlechtes. Die Idee zu dieser Arbeit war von dem Grafen Franz (vormals Kunstreferenten im Ministerium für Cultus) ausgegangen und die Arbeit ist durch L.-G. nun schon der Vollendung sehr nahe geführt. Viele gelehrte Gesellschaften des In- und Auslandes haben L.-G. zum Mitgliede, mehrere zum Ehrenmitgliede gewählt.

Seidlitz (Julius), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, J. M. Gebhardt, 8°.) Bd. II, S. 33. – Oesterreichisches Balladenbuch. Herausgegeben von Ludwig Bowitsch und Alexander Gigl (Wien 1856, A. Dorfmeister, 12°.) S. 144 u. 722. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 1206 [die daselbst vorkommende falsche Angabe einer Verurtheilung L.-G.’s ist bereits im Texte der Biographie berichtigt]. – Oesterreichischer Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiquar (Frey-Sing, Athanasius u. Comp. [Hamburg, Hoffmann u. Campe], 8°.) S. 28. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 380.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vergleiche dazu Königinhofer Handschrift (Wikipedia).