BLKÖ:Kohl, Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kohl, Bernhard
Band: 12 (1864), ab Seite: 292. (Quelle)
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Kohl, Ludwig (Zeichner und Maler, geb. zu Prag 14. April. 1746, gest. ebenda 18. Juni 1821). Bruder des berühmten Kupferstechers Clemens Kohl [s. d. S. 288], früh durch Zeichnungen und nette Schnitzereien Talent für die Kunst beurkundend, förderte ihn der Umgang mit dem Mater Norbert Grund [Bd. V, S. 397] noch mehr in seinem Entschlusse, sich für die Kunst auszubilden, und K. begann nun ernstlich seine Studien auf der Akademie der bildenden Künste in Wien. Schon im Jahre 1769 stellte er ein größeres historisches Bild: „Virginius mit seiner Tochter“ aus und die k. k. Akademie nahm ihn in Folge dessen unter ihre Mitglieder auf. Unter Schmutzer, der damals Director der [293] Akademie war, setzte K. seine Studien emsig fort und eine „Geburt Christi“, die er zu jener Zeit gemalt, wurde von der Kaiserin Maria Theresia für die Schloßkirche in Laxenburg erworben. Im Jahre 1775 wurde K. Zeichnenlehrer an der im nämlichen Jahre zu Prag errichteten k. k. Normal-Hauptschule, an welcher er bis an seinen Tod als Lehrer und Künstler thätig war. Im Jahre 1818 wurde er für 40jährige ausgezeichnete Dienstleistung und seine erfolgreichen Bemühungen um Förderung der Kunst in Böhmen mit der großen goldenen Civilverdienst-Medaille und überdieß mit einer jährlichen Gehaltszulage von 300 fl. belohnt. Während seiner vieljährigen Dienstzeit har K. nach verschiedenen Seiten eine reiche Thätigkeit entfaltet und die Früchte derselben sind in Zeichnungen, Modellen, Kupferstichen und Oelgemälden vorhanden. Für die Prager königl. Musterhauptschule arbeitete er eine große Menge Vorlegeblätter, als Blumenvasen, Landschaften, Prospecte, Figuren u. dgl. m., ferner 100 Darstellungen in größerem Formate, aus der Welt- und vaterländischen Geschichte, aus der Naturlehre, Mechanik. Baukunst zur Versinnlichung des Unterrichtes in diesen Lehrgegenständen, und viele geometrische Grund- und Aufrisse von aufgenommenen Gebäuden und Gärten Prags, darunter mehrerer Paläste des böhmischen Adels. An Modellen vollendete er mehrere Gebäude mit ihren Bestandtheilen, darunter ein Schloß mit Kuppeldach, das Presbyterium einer gothischen Kirche u. dgl. m. mit besonderem Hinblick auf die praktische Ausbildung seiner Zöglinge im Baufache. Im Kupferstiche lieferte er 23 Blätter, und zwar: 12 historische Darstellungen aus der Geschichte Böhmens, von den Zeiten Przemysl’s bis auf den Tod König Wenzel’s III.; diese Blätter sind im Jahre 1789 radírt; 7 Ansichten der Stadt an ihren beiden Moldauufern, nach der Natur in den Jahren 1792 und 1793 aufgenommen; und 4 nach der Natur aufgenommene Ansichten der Schlösser Karlstein, dieses von zwei Seiten, Friedland und Liebstein. Seine Oelgemälde sind vom Jahre 1767: „Dido“, für den Baron von Bretfeld; – „Der selige Aretius“, für die Cajetanerkirche zu Prag; – „Cleopatra“, für Baron von Bretfeld; – 1769: „Luzius Virginius ersticht seine Töchter“; – 1770: „Die Anbetung des Kreuzes Christi von den verschiedenen Völkern der Erde“ (16 Fuß hoch, 8 Fuß breit), für den Grafen Sternberg; – 1771: „Der Traum des H. Joseph“, – „Die Marter des H. Laurentius“, beide für die Kirche zu Doxan; – 1773: „Die Geburt Christi“ (16 Fuß hoch, 8 Fuß breit), von der Kaiserin Maria Theresia für die Kirche in Laxenburg angekauft; – 1775: „Madonna“, im ständischen Bildersaale in Prag; – 1776: „Der H. Jacob der Jüngere“, für den Prälaten von Rautenstrauch; – 1779: „Die H. Barbara“, für die Pfarrkirche zu St. Niklas in Prag; – 1780: „Tarquinius und Lucretia“; – 1785: „Der Tod der Lucretia“; – „König Salomon verfällt in Abgötterei“; – 1786: „Die heil. Dreifaltigkeit“, sämmtlich für Private; – 1801: „Hannibal’s Schwur am Opferaltar“; – „Amor und Psyche“, – „Der Tempel der Göttin Hygiea“, – „Die drei Grazien“, alle vier für den Grafen Hartig; – „Socrates im Kerker“, für Christian Grafen Clam; – 1803: „Die Enthaltsamkeit des Scipio“, – „Grosse gothische Kirche“, – „Ein Rittersaal“, alle drei für den Gubernialrath von Herget; – „Gothische Gruft“ in der Gallerie des Grafen Colloredo-Mannsfeld; – „Die Prager Schlosskirche“, [294] äußere Ansicht, für den Grafen von Kolowrat; – „Der Krönungsaal des Prager königlichen Schlosses“, – „Die Prager Schlosskirche“, innere Ansicht, beide für den Grafen von Salm; – 1812: „Der H. Bartholomäus“, für den Grafen Hartig; – im Atelier des Künstlers befanden sich noch im Jahre 1818: „Die H. Magdalena“, – „Johannes der Täufer“, – „Die H. Katharina und Cäcilia“, – „Die heil. drei Könige“, – „Susanna“, – „Der keusche Joseph“ und eine „Grablegung Christi“. Außer diesen namentlich angeführten Oelbildern befinden sich noch viele andere, und zwar mehr als 150 kleinere, darunter mehrere Ansichten der Prager Metropolitankirche, des darin befindlichen Grabmals des H. Johann Nepomuk, Prospekte von Kirchen, Palästen, antiken Tempeln mit Säulen, Audienz- und Huldigungssälen, Ritterburgen, Grüfte, Ruinen, alte Städte-Ansichten u. dgl. m. im Besitze von Privaten in Prag und der Umgegend. Der Werth dieser Arbeiten ist ungleich; aber aus allen spricht der talentvolle, tüchtig geschulte Künstler. Wenn die historischen Bilder in der Erfindung Manches zu wünschen übrig lassen, so sichern ihm aber seine Architekturstücke und Prospecte, in denen er nicht Gewöhnliches leistete, in der Kunstwelt ein ehrenvolles Andenken. Seine letzte bekannt gewordene Arbeit war der „Krönungs- und Huldigungssaal der böhmischen Könige auf dem Prager Schlosse“ (3 Fuß 7 Zoll hoch und 4 Fuß 8 Zoll breit), staffirt mit den gruppenweise zur Abhaltung einer Landtagssitzung versammelten Landständen, strenge im Costüme ihrer Zeit. Dieses treffliche Bild überreichte K. Sr. Majestät dem Kaiser Franz, als dieser im Jahre 1820 die Hauptstadt Prag besuchte, und K. wurde dafür mit einem brillantenen Chiffreringe ausgezeichnet. Nach ihm haben W. Berger, Franz Moticzka, Schlösser, Kosmanos, Michalowitz u. A. mehrere Blätter gestochen. Nicht Ein Jahr mehr überlebte K. diese letzte Auszeichnung, da er schon im folgenden, 68 Jahre alt, starb.

Wilfling (Ign. Rich.), Necrolog L. Kohl’s, k. k. öffentlichen Lehrers der Zeichnenkunst (Prag 1822, 8°.). – Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1818, Nr. 99 und 100: „Ludwig Kohl’s Verdienste um die bildenden Künste in Böhmen“; – dieselben, Jahrgang 1820, Nr. 61: „Belohnung der Verdienste Kohl’s“. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, Fleischmann, 8°.) Bd. VII, S. 127. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausgegeben von Gräffer und Czikann (Wien 183%, 8°.) Bd. III, S. 245, und Bd. VI, Supplem, S. 515. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliograph. Institut, gr. 8.) Bd. XVII,. S. 446, Nr. 3. – Conversationsblatt. Zeitschrift für wissenschaftliche Unterhaltung (Wien, Gerold, gr. 8°.) III. Jahrg. (1821), Bd. III, S. 51 der „Beilage X zur allgemeinen Novellistik“ zu Nr. 60 des „Conversationsblattes“. – Porträt. Se ipsum del. C(lemens) Kohl (sein Bruder) sc. 1784 (8°.) –