BLKÖ:Buquoy von Lonqueval, Freiherr de Vaux, Georg Franz August

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 208. (Quelle)
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Buquoy von Lonqueval, Freiherr de Vaux, Georg Franz August[BN 1] (Naturforscher, geb. zu Brüssel 7. Sept. 1781, gest. zu Prag 19. April 1851). Er kam frühzeitig nach Oesterreich. Schon in früher Jugend zeigte er eine seltene Wißbegierde, die ihn lange nicht dazu kommen ließ, sich für einen bestimmten Gegenstand zu entscheiden. Vorherrschend trieb er damals geschichtliche Studien, wie denn das große geschichtliche Drama, das sich zu seiner Zeit ihm vor den Augen abspielte, auch nicht ohne Einfluß auf ihn geblieben sein mochte. Er studirte auf der Prager Hochschule, und endlich verlegte er sich mit solchem Eifer auf das Studium der Mathematik, daß seine Gesundheit durch angestrengtes Arbeiten bedroht wurde. Im Alter von 22 Jahren mußte er die Güter seines Oheims als Fideicommiß übernehmen, auch unternahm er Reisen in die Schweiz, Frankreich und Italien, wodurch seine mathematischen Studien unterbrochen und er in seine frühere Unentschiedenheit zurück versetzt wurde. Von seinen Reisen heimgekommen, zog er sich ganz in ein häusliches Leben zurück, beschäftigte sich mit Chemie, Technologie, Physik und Staatswirthschaft, und führte die Aufsicht über die Verwaltung seiner großen Güter und Fabriken, an deren Vervollkommnung er unablässig arbeitete. In diese Zeit fallen seine Verbesserungen im Maschinenwesen, seine Erfindung des Hyaliths, welche für die Bereitung des Glases von so wesentlichem Nutzen ist. Die Vorzüge, die er zuvor nur in der englischen und französischen Praxis und Wissenschaft zu finden glaubte, räumte er nach seinem Besuch von Paris im J. 1815, wo ihn die Pedanterie und Eitelkeit der Mitglieder des französischen Institutes eines Bessern belehrten, gerne der deutschen Gründlichkeit und allumfassenden Gelehrsamkeit ein, weil ihr dieselben auch in der That gebührten. Seine Studien unablässig fortsetzend, waren es insbesondere die Naturwissenschaften, Zootomie, Anatomie, Phytotomie, die ihn beschäftigten, aber das Studium der Mathematik behielt immer die Oberhand und war ihm so werth [209] geworden, daß er seine Begeisterung für diese Wissenschaft in Gedichten aussprach. B. entwickelte eine bedeutende wissenschaftliche Thätigkeit und hat er namentlich die Mathematik und analytische Dynamik mit mannigfaltigen Arbeiten bereichert. Hier folgen seine Werke in chronologischer Ordnung: „Das Nothwendigste aus der Technologie, zum Unterricht in Schulen“ (Breslau 1802, J. Fr. Korn, 8°.); – „Erläuterungen und Zusätze zu dem dritten Theil von Schuberts theoretischer Astronomie, nämlich zu dessen physik. Astronomie“ (Prag 1811 [Breitkopf u. H.], gr. 4°.); – „Vorschlag einer Dampfmaschine“ (Prag 1812, 8°.); – „Analytische Bestimmung des Gesetzes der virtuellen Geschwindigkeiten in mechanischer und statistischer Hinsicht“ (Leipzig 1812, Breitk. und H., 1 Taf., 8°.): – „Beschreibung einer Dampfmaschine, im Kunstschachte eines Kohlenbergwerkes in Böhmen erbaut“ (Prag 1814 [Breitk. u. H.], mit 1 Taf., gr. 8°.); – „Die Theorie der Nationalwirthschaft nach einem neuen Plane und mehreren eigenen Ansichten“ (Leipzig 1815, Breitk. u. H., 1 Taf., gr. 4°.); dazu drei Nachträge: 1) „Das nationalwirthschaftliche Princip, oder was zuletzt alle nationalwirthschaftllchen Anstalten bezwecken müssen“ (Ebenda 1816, 1 Taf., gr. 4°.); – 2) „Erläuterung einiger eigenen Ansichten aus der Theorie der Nationalwirthschaft; nebst tabellar. Uebersicht des Zusammenhangs der wesentlichen Gewerbe untereinander“ (Ebenda 1817, gr. 4°.); – 3) „Begründung des Begriffs vom reellen Werthe in nationalwirthschaftlicher Hinsicht; ferner Theorie des Steuerwesens; endlich Zusammenstellung der wesentlichen Vorrichtungen bei dem Bleichen, Färben und Drucken der Wollen-, Seiden-Zeuge und Garne“ (Ebenda 1819, gr. 4°.). In dieser neuen Theorie stellt Buquoy den Grundsatz auf, daß es mehr auf das richtige Verhältniß u. die Regulirung der productiven Arbeiten und die Consumtion ankomme, als auf abstractes Plus der Production; – „Exposition d’un nouveau principe général de dynamique“ (Paris 1816 [Leipz., Breitk. u. H.], gr. 4°.); – „Skizzen zu einem Gesetzbuche der Natur, zu einer sinnigen Auslegung desselben“ (Leipzig 1818, neue Aufl. 1826, 2 Bde., gr. 4°.); – „Die Fundamentalgesetze an den Erscheinungen der Wärme empirisch begründet“ (Eb. 1819, neue Aufl. 1826, gr. 8°.). Diese Schrift ist der erste Nachtrag zu den „Skizzen“; – „Zusammenstellung einiger Hauptmomente aus der Geometrie, Phytotomie u. Zootomie, oder aus der ideell angeschauten vergleich. Anatomie ...“ (Ebenda 1820, 2. Aufl. 1826, gr. 4°.), dies der zweite Nachtrag zu den „Skizzen“. In den „Skizzen“ und den zwei Nachträgen dazu legt B. seine Ansichten über die Harmonie in der Natur und der Menschengeschichte, über Religion, Naturgeschichte, Politik und Moral nieder; – „Vorschlag wie in jedem Staate ein auf echten Nationalcredit fundirtes Geld geschaffen werden könnte“ (Leipzig 1819, 8°.); – „Eine neue Methode für den Infinitesimalkalkul, nämlich die umgekehrte Ableitung der Functionen (dérivation inverse), nebst hiernach erhaltenen neuen Formeln für die transcendenten Ausdrücke der trigon. Functionen, wovon wichtige Anwendungen auf die Integralrechnung gemacht werden“ (Prag 1821 [Leipz. Breitk.] gr. 4°.); – „Auswahl des leichter Aufzufassenden aus meinen philos. wissensch. Schriften ... u. contemplativ. Dichtungen, für geb. Leser und Leserinnen“, 3 Bändchen (Prag 1825–27, Enders, 8°.); – „Worte der Begeisterung von der Nacht des Correggio“ (Prag 1825 [Enders], 8°.); – „Ideelle Verherrlichung des empirisch erfassten Naturlebens“, 2 Bde., 2. Aufl. (Leipzig 1826, gr. 8°.); ist ein didactisches Gedicht; – „Anregungen für philosophisch-wissenschaft!. Forschung und dichterische Begeisterung“, zweite Aufl. (Leipzig 1828, Breitk. u. H., gr. 8°.); – „Chronologischer Auszug aus der Geschichte der Mathematik. 1. Hälfte. Von der ältesten Zeit bis auf Euler“ (Leipzig 1829, Breitk. u. H., 8°.); – „Zusammenstellung von vorzüglich scharfsinnigen, schlau erdachten und subtil durchgeführten Methoden aus der höhern Analyse. Nebst einem [210] Anhang den Geist der Differential-Integral-Variationsrechnung enthaltend“ (Leipz. 1829, Breitk. und H., 4°.). Außer diesen selbständigen Werken finden sich zahlreiche Abhandlungen und Aufsätze in periodischen Schriften, in den „Hamburger literar. krit. Blättern“, und namentlich in der „Isis“ von Oken zerstreut. Was B.’s Schriften anbelangt, so beurkundete er darin nicht gewöhnliche mathematische und philosophische Kenntnisse, die Mathematik entwickelte er nach einer neuen, der parallelisirenden Methode. In der Philosophie stellte er die Naturbeobachtung, durch welche die zwischen Gott, der Außenwelt und dem Ich bestehende Harmonie zunächst erfaßbar ist, obenan. Ideale Verherrlichung des empirisch erfaßten Naturlebens war der Ausgangspunct seiner Philosophie, welche durch Schellings System und die Schriften der philos. Naturforscher ihre bestimmte Richtung erhielt. Ein eigentliches streng durchgeführtes System findet sich in seinen philos. Schriften nicht, alles darin ist mehr aphoristisch gehalten, weßhalb auch die Resultate seiner Studien in der deutschen philos. Literatur bisher so wenig berücksichtigt worden sind. Im J. 1848 schloß sich B., obgleich schon im hohen Alter, der Bewegungspartei an. Nach Prags Uebergabe verließ er einige Zeit darauf die Stadt und zog sich mit seiner Gemalin, einer gebornen Gräfin Rottenhan auf eines seiner Schlösser zurück, wo er bis an sein Lebensende zubrachte. Das jetzige Haupt der Familie ist Graf Georg (geb. 2. Aug. 1814), k. k. Kämmerer, seit 30. Mai 1847 vermält mit Sophie Therese Wilhelmine Mathilde Prinzessin von Oettingen-Wallerstein (geb. 6. Jänn. 1824].

Archiv für Geschichte, Statistik, Liter. u. Kunst (Wien 1824, 4°.) Nr. 95, 96, 97. – Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft u. Kunst, 1841. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 412. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst.) VI. Bd. S. 622 und II. Supplementband S. 651 [in diesem letzteren und in andern Werken wird das Prädicat irrig als „de Longueval“ statt „Lonqueval“ aufgeführt]. – (Kneschke (Ernst Heinrich Dr.) Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart (Leipzig 1852, Weigel, gr. 8°.) I. Bd. S. 138 [daselbst auch die Abbildung des Wappens]. – Wappen: Im rothen Schilde drei blaue, schrägrechte Balken, von denen jeder mit vier silbernen, unten abgerundeten Schindeln belegt ist. So nach Wisgrill und nach dem Wappenbuche der östr. Monarchie. In den Supplementen zu Siebmacher ist der mittlere Balken mit fünf Schindeln und in Abdrücken von Petschaften mit sechs Schindeln belegt.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Buquoy von Lonqueval Freiherr de Vaux, Georg Franz August Graf [Bd. II, S. 208].
    Der Salon. Herausgegeben von Johannes [369] Nordmann (Wien, Wallishausser, 8°.) II. Jahrg. (1834), Bd. 4, S. 88 u. 156: Biogr. Skizze von Ranzoni. [Bd. 23, S. 368 f.]